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Es werden Posts vom August, 2018 angezeigt.

Mitten drin: Ein Zeitsprung an der Innenstadt-Kreuzung

Alte Mülheimer erinnern sich noch an dieses Nachkriegs-Bild, eine Fotografie aus dem Stadtarchiv, die einen Verkehrspolizisten zeigt, der an der damals noch existierenden Kreuzung Friedrich-Ebert-Straße-Schloßstraße den bis in die 70er Jahre fließenden Fußgänger,- Auto- und Straßenbahnverkehr regeln musste. Denn erst in den frühen 70er Jahren wurde die Schloßstraße zu einer der ersten westdeutschen Fußgängerzonen.

„Am 24. und am 31. Dezember stellten die Autofahrer, die die Kreuzung passierten an dem Podest, auf dem Verkehrspolizist stand, kleine Geschenke für den Mann in der weißen Uniform ab. Mitte der 50er Jahre wollte man den leibhaftigen Polizeibeamten durch einen Pappkameraden ersetzen, brach diesen Versuch aber schon nach drei Tagen wieder ab, weil Unfälle zeigten, dass der umsichtige Verkehrspolizist auf dem Kreuzungspodest eben nicht durch einen Pappkameraden zu ersetzen war.
Der Polizeibeamte, der Verkehrslärm und Autoabgasen standhaft trotzte, leistete einen vorbildlichen Die…

CDU machte sich am Flughafen ein Bild

Eine städtebaulicher Wettbewerb für die Neugestaltung des vor fast 100 Jahren angelegten und 140 Hektar großen Flughafengeländes in Raadt kann frühestens 2020 beginnen. Da
rauf wies jetzt der Leiter des Stadtplanungsamtes, Felix Blasch, bei einem Vor-Ort-Termin der CDU-Ratsfraktion hin.
Mit Blasch und dem Flughafen-Geschäftsführer Günther Helmich diskutierten 24 Ratsmitglieder und sachkundige Bürger mögliche Optionen für eine Gewerbe- und Wohnbebauung des Areals, das zu zwei Dritteln auf dem Mülheimer und zu einem Drittel auf dem Essener Stadtgebiet liegt. Dabei wurde deutlich, dass die Wahl dieser Option mit umfangreichen Investitionen in die soziale und verkehrstechnische Infrastruktur verbunden wäre.

Umwelt- und Naturschutzverbände sehen die Bebauungspläne für das Flughafen-Grundstück kritisch und weisen auf dessen Bedeutung als Frischluftschneise für die Innenstadt hin.

Helmich musste einräumen, dass der Flughafenbetrieb mit seinen jährlich bis zu 60.000 Flugbewegungen immer noch rote…

Interview mit Jacob Joussen: Alles, was Recht ist

Als Leiter des neuen Institutes für kirchliches Arbeitsrecht an der Ruhr-Universität Bochum bearbeitet Prof. Dr. Jacob Joussen mit seinen Mitarbeitern ein Thema, von dem in Deutschland etwa zwei Millionen Arbeitnehmer betroffen sind. Im Gespräch mit dem neuen Ruhrwort stellt er das neue Institut vor.
??? Wie sind Sie zu Ihrer Aufgabe gekommen?
!!! Ich habe Theologie und Rechtswissenschaften studiert und beschäftige mich bereits seit über zehn Jahren mit dem kirchlichen Arbeitsrecht und habe dabei erkannt, wie wichtig die Forschung auf diesem Gebiet ist, weil die christlichen Kirchen 1,5 bis 2 Millionen Menschen beschäftigen und damit, nach dem Staat, der zweitgrößte Arbeitgeber in Deutschland sind.
??? Macht ein eigenes kirchliches Arbeitsrecht Sinn?
!!! Ich meine schon. Wie im öffentlichen Dienst und in Wirtschaftsbranchen gibt es auch im kirchlichen Dienst Besonderheiten, die sich im Arbeitsrecht niederschlagen müssen. Für die Kirche entscheidend ist die Tatsache, dass sie ihre Arbeit …

Lieber Ruhr als Riviera

Gestern ging ich an der an der Ruhr spazieren. Sonneschein und ein laues Lüftchen und ein freier Blick auf den Fluss. Das ließ bei mir Urlaubsgefühle hoch kommen.

Ich machte an einem Kiosk, in einem Biergarten und an einem Eiscafé Halt und traf zwischendurch nur auf nette und entspannte Menschen.

Ob man  so etwas zur besten Sommerferienzeit auch an den überfüllten Stränden auf Mallorca oder in den überteuerten Cafés und Restaurants der Cote’D Azur oder der Riviera erlebt? Eher nicht. Zumindest nicht zu dem Kurs, den man bei uns an der Ruhr bekommt. Hier fängt der Urlaub, wenn man will, sofort vor der Haustür an. Streikende Piloten und ausgefallene Züge müssen hier niemanden bekümmern. Das im Stau stehen kann man kann man sich auch sparen. Außerdem kann man, wenn man es sich hier richtig gut gehen lässt, das gute Gefühl haben, etwas für den Schutz der Umwelt und gegen den Niedergang der lokalen Wirtschaft getan zu haben. Wer da noch in die Billigflieger steigt und die Urlaubsschnäppchen …

Unterwegs auf dem Holzweg

Gestern mussten Mutter und ich erleben, dass ein Sonntagsspaziergang in der Innenstadt kein Sonntagsspaziergang ist.

Denn am Löhberg standen wir unvermittelt in Stau.
Geländewagen, PKW, Kinderwagen, Rollator, Fußgänger, Radfahrer. Da hieß es, sich seitwärts in die nicht vorhanden Büsche zu schlagen, um nicht unter die Räder zu kommen.

Irgendwie hatten Mutter und ich uns einen gesunden Verkehrsmix anders vorgestellt. Aber wir hinken wohl als Fußgänger unserer Zeit hinterher. Längst haben vor allem Autofahrer das an einigen Stellen der Stadt gut meinte Prinzip des Shared Space, also des von allen Verkehrsteilnehmern geteilten öffentlichen Raumes auf das gesamte Stadtgebiet ausgeweitet. Längt haben die Hinweisschilder, die aufzeigen, wann man auch in der Fußgängerzone auf zwei oder vier Rädern unterwegs sein darf, ihren Gebotscharakter verloren und sind zu einem folkloritischen Relikt aus einer Zeit geworden, als Hinweisschilder noch nicht als unverbindliche Empfehlung angesehen wurden.

Wenn…

Zeitsprung an der Kölner Straße: Auch die ehemalige Fabrikanten-Villa musste dem Autoverkehr weichen

Heute schauen wir mit einem Foto aus der Sammlung des Mülheimers  Otto Burkhard Richter zurück ins Jahr 1930. Wir sehen die noch ländliche Kölner Straße, die ihren heutigen Namen erst 1936 erhalten wird. Zwei Jahre später wird die Landstraße zwischen Saarn und Selbeck als Teil der Bundesstraße 1 für den Autoverkehr ausgebaut, so dass auch Teil es Klosters abgerissen werden müssen.

Als die historische Fotografie im Weltwirtschaftskrisenjahr 1930 entsteht, heißt die heutige Kölner Straße noch Düsseldorfer Chaussee. Das repräsentative Haus Nummer 35, das wir links im Vordergrund sehen, ist das Haus des Garnfabrikanten Wilké. 1960 wird es abgerissen, um dem weiteren autogerechten Ausbau der Kölner Straße und der Straßburger Allee Platz zu verschaffen. Das Haus hinter der Fabrikanten Villa steht aber noch heute, wie man auf dem aktuellen Foto von Steffen Tost sieht.

Im Jahr 1930 schaut der Fotograf in Richtung Klostermarkt. Es ist eine Zeit des Umbruchs. Der Saarner Klostermarkt verliert sei…

Zwischen Schweinezucht und Biogasanlage

Auch der in Menden und Kettwig ansässige Landwirt Im Brahm hat die Folgen der extremen Sommerhitze zu spüren bekommen. „Bei der Getreideernte hatte wir 15 Prozent weniger, als im Vorjahr. Aufgrund der Preissteigerungen hat uns das wirtschaftlich aber nicht getroffen. Allerdings werden wir jetzt mehr Mais anbauen, weil der Mais einfach hitzeresistenter ist als Weizen und Raps“, sagte Landwirt Einhart Im Brahm Mitgliedern der CDU-Fraktion, die im Rahmen ihrer Sommertour seinen insgesamt 300 Hektor großen Hof besichtigten, den die Familie Im Brahm in der fünften Generation betreibt und damit derzeit 30 Mitarbeiter beschäftigt. 

Aktuell sind noch 0,2 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung Mülheims in der Land- und Forstwirtschaft tätig. 48 landwirtschaftliche Betriebe bewirtschaften eine Nutzfläche von 1830 Hektar. Acht Betriebe betreiben Viehzucht. Einhart Im Brahm stellte den Kommunalpolitikern seine Bio-Gasanlage vor, die nach einer Start-Investition von rund 5 Millionen Euro seit 2005 …

Grüße aus der analogen Steinzeit

Ich weiß gar nicht, wie ich zu einem halbwegs zivilisierten und gebildeten Menschen heranwachsen konnte. Als Kind und Jugendlicher hatte ich doch nichts, kein Netz, kein Empfang, kein Internetzugang, kein Smartphone. Wenn ich morgens mit Bus und Bahn zur Schule fuhr, hatte ich ein Buch oder eine Zeitung dabei, um mir die  Fahrzeit zu vertreiben.  Meistens habe ich aber mit meinen Mitschülern  über die Marotten unserer Lehrer gelästert. Und wenn ich ganz alleine auf dem Schulweg unterwegs war, habe ich auch schon mal einfach aus dem Fenster auf die vorbeifliegenden Stadtlandschaften geschaut. Beides war sehr entspannend, ehe mit Mathe, Latein, Englisch und Co der Ernst des Schullebens begann.

Doch einfach nur mit Bus und Bahn fahren und dabei in seiner Zeitung lesen oder auch nur gucken. Damit outet man sich als Eingeborener der analogen Steinzeit. Wie ich jetzt in der NRZ ganz analog lesen konnte, will die Ruhrbahn ihren Fahrgästen jetzt auch den drahtlosen Internetzugang WLAN anbieten…

Wie aus Feinden Freunde wurden - 17 junge Franzosen, Holländer, Dänen und Engländer halfen vor 70 Jahren beim Trümmerräumen in der Stadt

„Jacqueline gefällt es in Mülheim“. So titelt die Mülheimer Lokalausgabe am 18. August 1948. Es könnte sich um das Portrait einer Austauschschülerin  handeln. Doch drei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, ist an Städtepartnerschaften nicht zu denken. Die erste wird 1953 mit dem englischen Darlington geschlossen.

Umso bemerkenswerter ist der NRZ-Bericht über 17 junge Franzosen, Engländer, Niederländer und Dänen, die den Mülheimern beim Wiederaufbau ihrer von 160 Luftangriffen getroffenen Stadt helfen.
Denn nach dem Kriegsende sind 29 Prozent der Mülheimer Wohngebäude zerstört. Auf den Straßen liegen 800 000 Kubikmeter Trümmerschütt ihre Straßen. Erst 1953 wird die Stadt von Trümmern frei sein. Die 17 Studenten und jungen Angestellten aus dem bis vor kurzem noch als feindlich  deklarierten europäischen Ausland „wollen den Mülheimern dabei helfen, dass ihre Stadt wieder aufgebaut wird“, sagen sie dem Lokalreporter der NRZ, während sie vor dem St. Marien-Hospital Trümmer räumen.

Ihr…

Ökumenisches Gebet für den Frieden

Mit einem ökumenischen Friedensgebet auf dem Synagogenplatz und in der Petrikirche haben 100 katholische und evangelische Christen am 11. August der Opfer amerikanischen Atombombenabwürfe über Japan und damit aller Opfer von Krieg, Terror und Gewalt gedacht. Am 6. und 9. August 1945 hatte die US Air Force auf Befehl des damaligen US-Präsidenten Harry S. Truman über Hiroshima und Nagasaki Atombomben abgeworfen. Zehntausende starben unmittelbar und noch Jahrzehnte später an den Folgen der atomaren Verstrahlung.Stadtdechant Michael Janßen, hier mit seinem evangelischen Amtsbruder, Superintendent, Gerald Hillebrand, bei der ökumenischen Friedensandacht in der evangelischen Petrikirche, erinnerte unter anderem an den vor 60 Jahren gewählten und 2014 heiliggesprochenen Papst Johannes XXIII. „Der Vater des II. Vatikanischen Ökumenischen Konzils hat in seiner 1963 veröffentlichten Enzyklika „Pacem in Terris“ hat die Menschheit ermahnt, dass nur der Dialog und die Zusammenarbeit aller Menschen…

Immer wieder aufstehen

Zwei Damen und ein Herr am Rollator beobachten begeistert ein kleines, etwa eineinhalb Jahre altes Mädchen. Das macht unter den achtsamen und liebevollen Blicken seiner offensichtlich stolzen Eltern seine ersten Gehversuche.

Das kleine Mädchen schaut sich immer wieder erstaunt um, während es langsam einen Fuß vor den anderen setzt.  Das kleine Menschenkind kann nicht begreifen, warum es für die großen Menschen kinder so interessant ist. Und dann bekommt die kleine Madame das holprige Straßenpflaster der Mülheimer Innenstadt zu spüren und setzt sich auf ihre Po. Doch das beeindruckt sie überhaupt nicht. Und schon rappelt sie sich wieder auf, um ihre nächsten Schritte zu machen.

Die betagten Zuschauer würden dem kleinen Kind am liebsten applaudieren. Aber sie halten sich lieber an ihren Rollatoren fest. Denn in ihrem Alter ist das mit dem Hinfallen und Wiederaufstehen nicht so kinderleicht.

Doch sie wissen aus ihrem eigenen Lebensweg, der sich schon etwas länger über Höhen und Tiefen hinzi…

Minister sollten öfter Bus und Bahn fahren

Der Mann im roten Sportwagen braust aus der Richtung Bahnstraße über die Friedrich-Ebert-Straße heran und bremst scharf ab.
Der Mann am Lenkrad (Sportkappe und offenes Verdeck) stutzt einen Moment lang setzt dann ganz langsam zurück, als er einsehen muss, dass es für ihn und seinen Flitzer hier nicht weiter geht.
Denn die zentrale Haltestelle auf der Friedrich-Ebert-Straße zeigt es: Es gibt tatsächlich noch Menschen, die ohne Auto durchs Leben kommen. Sie gehen fast ganz abgasfrei zu Fuß, fahren mit Bus oder Bahn oder auch mit dem Fahrrad in ihrer Stadt von A nach B. So tun sie etwas gegen den Klimawandel und für die Gesundheit ihrer Mitbürger.

Da muss man schon tief durchatmen, wenn der Bundesverkehrsminister (erst) jetzt auf die Idee kommt, dass die Förderung des Öffentlichen Personenahverkehrs (ÖPNV), ein sinnvoller Beitrag zum Klimaschutz und zur Überwindung des Verkehrsinfarktes sein könnte. Wäre der Minister öfter mal mit Bus und Bahn statt mit seinem Dienstwagen unterwegs, bräucht…

Wir sparen uns noch zu Tode

Ausgerechnet die Mineralwasser-Marke meiner Wahl kann mir der Getränkemarkt meines Vertrauens derzeit nicht anbieten. Warum? „Die haben im Moment nicht genug Leute, um nachzuliefern“, lässt mich die freundliche Dame an der Kasse  wissen. Dass wir zu wenige Pfleger, Ingenieure, Lokführer und zu wenige Lehrer haben, weiß ich ja schon, aber das wir jetzt auch schon zu wenige Leute haben, um Mineralwasser in Flaschen abzufüllen und auszuliefern, schockt mich. Steht uns das Wasser schon soweit bis zum Hals. 

Gibt es nicht genug Erwerbslose, die nur zu gerne bei einem Mineralwasserbrunnen arbeiten würden, um einen Beitrag dafür zu leisten, dass niemand in unserem Land auf dem Trockenen sitzen muss. Ich kann nicht glauben, dass die Verblödung in unserem Land schon so weit fortgeschritten ist, als dass man keine Menschen finden könnte, die in der Lage sind Flaschen abzufüllen und zu transportieren.

Oder sollte es am Ende vielleicht gar nicht an den fehlenden Arbeitskräften, sondern an den ganz …

Der Paritätische Wohlfahrtsverband wird 50

Vereine, Initiativen und Selbsthilfegruppen, die sich einem weltanschaulich und politisch unabhängigen Wohlfahrtverband anschließen wollen, sind in Mülheim seit 1968 in Paritätischen Wohlfahrtsverband gut aufgehoben. Das wurde jetzt mit einem großen Fest- und Bühnenprogramm in der Freilichtbühne an der Dimbeck gefeiert.

Der Veranstaltungsort wurde bewusst gewählt, ist der Verein der Regler-Produktion, die seit 2013 die Freilichtbühne mit kulturellem und sozialem Leben erfüllt, doch das jüngste der aktuell 42 Verbandsmitglieder.

„Die Regler-Produktion passt mit ihrem Engagement sehr gut zum Paritätischen Wohlfahrtsverband, der von seinem Selbstverständnis her für Chancengleichheit, soziale Teilhabe und Hilfe zu Selbsthilfe auf Augenhöhe steht“, sagt die Kreisgeschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Ursula Jakobs.

„Der Verband, der seit 2005 in seiner Geschäftsstelle am Tourainer Ring auch ein Selbsthilfebüro betreibt, um Selbsthilfegruppen rechtlich, wirtschaftlich und org…

Gruppenbild mit Dame: Seit dem 1. Februar führt die Juristin Natalia Thoma zusammen mit Frank Langer und Ralf Schäfer die Geschäfte des Roten Kreuzes

Etwas neues zu wagen, das kennt Natalia Thoma. Und sie hat dabei die Erfahrung gemacht, dass sich das als richtig erweisen  kann.
Vor 41 Jahren wurde sie in der Ukraine geboren. „Ich wollte schon als Mädchen Rechtsanwältin werden und Menschen so zu ihrem Recht verhelfen. Aber unter den damaligen Rahmenbedingungen sah ich dafür in der Ukraine keine Chance und entschied mich deshalb mit 19 Jahren, nach Deutschland zu gehen“, erzählt die inzwischen vierfache Mutter.

Warum Deutschland? „Ich habe als Jugendliche viel deutsche Literatur gelesen. Vor allem der Tiefgang und die Kraft der Bücher von Heinrich Böll haben mich begeistert“, erinnert sich Thoma.
Ihr Traum ging in Erfüllung. Als Rechtsanwältin in einer Düsseldorfer Kanzlei fand sie nicht nur Mandanten, denen sie zu ihrem Recht verhelfen konnte. Sie traf mit einem Kollegen auch ihren Mann fürs Leben. So hätte es einfach weiter gehen können. Doch dann machte sie ein ehrenamtlich beim Roten Kreuz engagierter Kollege   auf eine Stellenauss…

Auf der freien Wildbahn

Als ich Vater bei Kaffee und Kuchen auf die neuesten Kapriolen der großen Tiere aus Politik und Wirtschaft ansprach, die uns täglich medial serviert werden, schüttelte er nur den Kopf und ließ mich wissen, dass er sich jetzt nur noch für die großen Tiere in der Natur und im Sport interessiere.

Ich machte gleich selbst den Test und musste zugeben:  Der Blick auf grüne Sportrasen und ins Grüne der Natur entspannt enorm. 

Allerdings stellte ich bei genauerem und längerem Hinsehen fest, dass die freien Wildbahnen der Tierwelt, des Sportes, der Politik und der Wirtschaft erstaunliche Ähnlichkeiten aufweisen.
Da heißt es: Fressen und Gefressen werden. oder: Gewinnen und Verlieren. Und nicht immer wird dabei Fair Play gespielt.

Wie man es dreht und wendet: Unsere Welt ist auf allen Ebenen zuweilen ein Affentheater, in dem uns so manche Schweinerei geboten wird, die uns als hundsgemein erscheint.
Dennoch sollte der Blick ins Grüne auch heute von der Palme holen und uns darin erinnern, das wir selb…

Wiederaufbau an der Ruhr anno 1949

Heute sieht man Freizeitkapitäne und die Kapitäne der Weißen Flotte mit ihren Booten und Schiffen über die Ruhr fahren. Als der Mülheimer Wilhelm Neuhoff an der heutigen Ruhrpromenade dieses heute historische Foto aufnahm, transportierte das Lastenschiff Möwe Trümmer über die Ruhr.

In der Ferne erkennt man eine Behelfsbrücke, die bis zum Ende der 1950er Jahre bestand. Am rechten Bildrand sieht man die Turmspitze der Kirche an der Wilhelminenstraße und die Silhouette der Saarner Lederfabriken Im Rücken des Fotografen befand sich damals noch die alte, 1911 eröffnete Schloßbrücke, die 1960 durch die heutige Schloßbrücke ersetzt werden sollte.

Weil der aus Merzig stammende Unteroffizier Rudolf Steuer in den letzten Kriegstagen, im April 1945, den Befehl zur Sprengung der Brücke nicht ausführte, überstand die mit Versorgungsleitungen ausgestattete  Schloßbrücke im Gegensatz zu den anderen Ruhrbrücken unbeschädigt das Ende des Krieges.  Im Gegenzug half die Stadt Mülheim Steuer später beim Wi…

Ein starkes Spitzentrio für den Kreisverband des Roten Kreuzes

Dreiecksgeschichten sind im Privatleben kontraproduktiv. Doch Natalia Thoma, Ralf Schäfer und Frank Langer empfinden ihre Zusammenarbeit als neues Vorstandstrio des Kreisverbandes als „sehr produktiv und partnerschaftlich.“ Für die 41-jährige Rechtsanwältin Natalia Thoma, die ihr Amt als hauptamtlicher Vorstand am 1. Februar angetreten hat, ist das Deutsche Rote Kreuz Neuland. „Ich wusste, dass es so etwas, wie das DRK und seinen Katastrophenschutz, seinen Rettungsdienst und seinen Blutspendendienst gibt, hatte bis dahin aber keinen persönlichen Kontakt zu Roten Kreuz“, erzählt die vierfache Mutter.
Umso überraschter war die Düsseldorferin, als an Sie das Angebot herangetragen wurde, die hauptamtliche Führung des Kreisverbandes zu übernehmen. „In meiner neuen Position kann ich Dinge entscheiden. Und das sind für mich eine Herausforderung und eine Chance zugleich“, erklärt die bisher auf Arbeitsrecht, Vertragsrecht und Familienrecht spezialisierte Juristin, warum sie den Schritt ins ber…

Wiedersehen auf Kreta

Für den Mülheimer Fotografen Heiner Schmitz wurde sein Sommerlaub auf Kreta zu einer Zeitreise ins Jahr 1962. Denn er hatte sein Reisetagebuch im Gepäck, das er als 22-Jähriger, während einer Sommerreise zwischen Lehre und Studium geschrieben hatte.

Mit Schlafsack und Rucksack machte er sich damals auf den Weg. Der Vater gab ihm 1000 Mark als Reisekasse mit. „Ich hatte damals eine Sehnsucht nach Stille und Einsamkeit in mir und wollte eine Reise machen, von der ich ahnte, dass ich sie nur zu diesem Zeitpunkt meines Lebens machen könnte“, erinnert sich Schmitz.

Viel hat er in diesem Sommer 1962 erlebt. Doch es war eine Begegnung im Südwesten der griechischen Insel Kreta, die ihn im Kopf geblieben ist. „Ich wanderte durch die Weißen Berge und badete dort in einer Quelle“, erzählt der Ruhrpreisträger. Als er nach der Erfrischung wieder auf den Weg machte, merkte erst nach etwa 1,5 Kilometern, dass er seine Uhr an der Quelle liegen gelassen hatte. „Das versetzte mich überhaupt nicht in Pani…

Der Urlaub der frühen Jahre

„Urlaub, ja das gab es schon in meiner Kindheit“, sagt Ernst van Megern. Mit seiner Mutter, die aus einer Kaufmannsfamilie stammte und selbst ein Schuhgeschäft betrieb, fuhr der 1933 geborene Mülheimer in den Sommern seiner Vorkriegskindheit an die deutsche Nord- und Ostseeküsten. Borkum, Norderney und Bad Doberan hießen die Reiseziele seiner Kindheit, an denen er den Dreiklang aus Sommer, Sonne und Strand genoss und sich als Knirps einen Spaß daraus machte, am Strand die Sonnenanbeterinnen an den Zehen zu kitzeln.

Doch dann kam mit dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939 der Krieg. „Viele Menschen wurden damals vom Krieg völlig überrascht“, erinnert sich van Megern. Ausgerechnet im besetzten Polen, unweit der deutsch-polnischen Grenze, gleich hinter Chemnitz, erlebte der damals Achtjährige auf dem Kotten einer Angestellten seiner Mutter seinen letzten unbeschwerten Kinderurlaub mit dem Streicheln diverser Tiere und Wanderungen.

Im Sommer 1943 flohen van Megern und seine M…

"Haben Sie mal eine Brille?"

"Bildung braucht Brillen"! Unter diesem Motto sammeln der im Senegal aktive Bildungsverein Axatin und das Centrum für bürgerschaftliches Engagement (CBE) Brillen für sehbehinderte Kinder im west-senegalesischen M'bour. Dort unterstützt der Verein um die aus dem Senegal stammende Pädagogin Gilberte Raymonde Driesen eine Grundschule in Windouthioulaye. Hier werden zurzeit 100 Kinder von vier Lehrern unterrichtet. Weil ein im Verein Axatin Senegal aktiver Kinderarzt, der die Schüler regelmäßig untersucht, festgestellt hat, dass viele Kinder aufgrund einer Sehbehinderung dem Unterricht nur unzureichend folgen können, haben Axatin und CBE spontan eine Brillensammlung ins Leben gerufen. "Wir wissen, dass viele Menschen noch alte Brillen in ihren Schubladen liegen haben, die sie nicht mehr brauchen. Und wir hoffen, dass sie uns ihre ausgemusterten Brillen vorbeibringen, damit wir sie den Schülern im Senegal zur Verfügung stellen können", erklärt CBE-Geschäftsführer Mi…

Schauen wir mal genau hin

Je länger ich als Menschenkinder in meiner kleinen Welt auf unserem Planeten unterwegs bin, desto mehr wird mir klar: Männer und Frauen schauen irgendwie anders auf die Welt. Sie sieht jedes Centstück auf der Straße, jede Fluse auf dem Teppich, jeden Müllbeutel, der „herunter gebracht werden muss“, jedes geschmacklose Kleidungsstück und jedes Gramm zuviel an den Passanten, die an ihm und ihr auf der Straße vorbeieilen.

Ihm entgehen weder das kühle Blonde vom Fass noch der flotte Flitzer oder die profilierte Blondine, die an ihm und ihr vorbei  schlendert.  Auch für die Auslagen der Handy- und Computershops nimmt er sich viel Zeit. Dagegen können ihm die textilen Auslagen der Boutiquen, die ihre Blicke fesseln, gerne gestohlen bleiben.

Antoine de Saint-Exupéry hatte eben recht, als er uns in seiner Geschichte vom „kleinen Prinzen wissen ließ, dass man nur mit dem Herzen gut sehen kann. Es führt kein Weg an der Einsicht vorbei, dass am besten gemeinsam auf die Welt schauen.
Denn Er und Sie…

Freiwilligkeit funktioniert besser, als ein Pflichtjahr

1 Was halten Sie vom Vorschlag der CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karenbauer, ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr für Schulabgänger einzuführen?
Schüring: Im Moment haben wir keinen Anlass, über die Einführung eines solchen Arbeitspflichtjahres nachzudenken. Denn wir haben den Bundesfreiwilligendienst und das Freiwillige Soziale Jahr, das von vielen jungen Menschen zwischen Schule und Beruf zur Orientierung genutzt wird. Jugendliche, die sich freiwillig für eine gute Sache engagieren möchten, kommen regelmäßig beim CBE an der Wallstraße 7 vorbei oder nehmen über unsere Internetseite cbe-mh.de Kontakt mit uns auf.

2 Könnte ein Gesellschaftsjahr Jugendliche an das Ehrenamt heranführen, die sich sonst gar nicht engagieren würden?
Ich halte von einer verpflichtenden Struktur gar nichts. Denn in den Bereichen, über die wir hier sprechen, etwa in der sozialen Arbeit, geht es immer um persönliche Motivation und Freiwilligkeit. Und es gibt in unserer Gesellschaft in allen Lebensphasen vi…

Auf die Gärtner kommt es an

Die Steppe kannte ich früher nur aus Abenteuerromanen oder aus Dokumentarfilmen. Heute sehe ich sie in meiner Stadt. Braun statt Grün. Die Ansicht deprimiert mich genauso, wie der Spendenaufruf der Stadt. Soweit sind wir also schon, dass uns das Wasser bis zum Hals steht, weil wir zu wenig Wasser haben und die von unseren ins Stadtsäckel fließenden Steuergeldern  finanzierte Stadt noch nicht mal mehr  flüssig genug ist,  um das Wasser auf unsere öffentliches Grün fließen zu lassen, wo uns der Regen fehlt. Als Mülheim mit Paul Lembke anno 1904 bis 1928 noch einen Oberbürgermeister hatte, der sich nicht mit seinen Spesenabrechnungen beschäftigen musste, sondern das Pflänzchen Mülheim in ebenfalls stürmischen Zeiten mit Ideen und Kontakten zu einem „Ruhrvenedig“ heranwachsen ließ, wussten seine Mitbürger in der Stadt am Fluss, dass alles Fluss war und sie auch dann nicht auf dem Trockenen sitzen würden, wenn ihnen zuweilen das Wasser bis zu Hals stand. Inzwischen ist unsere am Wasser geb…

Wohnen im Schaufenster

Der Wohnungsmarkt ist leer gefegt, bezahlbarer Wohnraum aber weiter vonnöten. Da liegt es nahe, die leer stehenden Ladenlokale in der Innenstadt in Wohnlokale umzuwandeln. Gut. Wer in so ein ehemaliges Geschäft einzieht, muss sich schon als Aushängeschild und Vorbild eignen.

Wer im Schaufenster lebt, darf sich keine unaufgeräumten Zimmer oder ein Herumgammeln auf der Couch oder im Bett erlauben. Ich glaube, ich eigene mich doch nicht so gut als Vorbild und Schaufensterfigur und bleibe lieber, wo ich bin, in meinem Zimmer mit Ausblick auf, aber ohne Einblick auf die Straße.

Dieser Text erschien am 4. August 2018 in der NRZ

Abendkirmes in der City

"Samstags in der Ciry". So besangen die kölschen Bläck Föös in den 1970er Jahren, was man mit Kind und Kegel beim Samstagseinkauf in der City alles erleben kann.

Inzwischen geht es nicht nur samstags in der City turbulent zu. An so manchem Sommerabend wirkt die Schloßstraße heute, wie ein Großkirmes, die es mit Crange und Co aufnehmen kann. Tresensitzer der anliegenden Kneipen beobachten Kinder und Halbstarke, die die Fußgängerzone mit ihren Rädern oder Skateboards zur Rennstrecke oder zum Spielplatz machen. Da wird der Rasche-Brunnen mal eben zum Swimmingpool oder zur Wasserspritze umfunktioniert und Passanten, auch die, die am Stock oder am Rollator gehen oder im Rollstuhl fahren zu unfreiwilligen Spielgefährten gemacht. 

Die Anwohner, die in der Hitze der fortgeschrittenen Abendstunde ihre Fenster öffnen und das lautstarke Schauspiel beobachten, denke über einen Umzug oder über einen Neuanfang als Schießbudenfigur nach.

Dieser Text erschien am 3. August in der NRZ