Freitag, 31. August 2018

Mitten drin: Ein Zeitsprung an der Innenstadt-Kreuzung

Foto: Stadtarchiv Mülheim an der Ruhr
www.stadtarchiv-mh.de
Alte Mülheimer erinnern sich noch an dieses Nachkriegs-Bild, eine Fotografie aus dem Stadtarchiv, die einen Verkehrspolizisten zeigt, der an der damals noch existierenden Kreuzung Friedrich-Ebert-Straße-Schloßstraße den bis in die 70er Jahre fließenden Fußgänger,- Auto- und Straßenbahnverkehr regeln musste. Denn erst in den frühen 70er Jahren wurde die Schloßstraße zu einer der ersten westdeutschen Fußgängerzonen.

„Am 24. und am 31. Dezember stellten die Autofahrer, die die Kreuzung passierten an dem Podest, auf dem Verkehrspolizist stand, kleine Geschenke für den Mann in der weißen Uniform ab. Mitte der 50er Jahre wollte man den leibhaftigen Polizeibeamten durch einen Pappkameraden ersetzen, brach diesen Versuch aber schon nach drei Tagen wieder ab, weil Unfälle zeigten, dass der umsichtige Verkehrspolizist auf dem Kreuzungspodest eben nicht durch einen Pappkameraden zu ersetzen war.
Der Polizeibeamte, der Verkehrslärm und Autoabgasen standhaft trotzte, leistete einen vorbildlichen Dienst, der dem Anspruch der Polizei gerecht wurde, „Freund und Helfer“ der Bürger zu sein. Er war einer von 325 Polizisten, die während der 50er Jahre in der ab 1955 selbstständigen Polizeidirektion Mülheim im Einsatz waren.
Nicht so vorbildlich verhielt sich 1954 der damalige Chef der örtlichen Verkehrspolizei, der wegen Trunkenheit am Steuer seinen Führerschein verlor und für zwei Monate ins Gefängnis musste, weil er einen Unfall verursacht hatte, bei dem eine Frau verletzt worden war.

Hinter dem Verkehrspolizisten erkennt man das Verwaltungsgebäude des Schuhhändlers Böhmer, die 1953 dem Neubau des Kaufhofes weichen mussten. Nach dem Abriss des 2010 geschlossenen Kaufhofes entsteht heute hier das neue Stadtquartier Schloßstraße, wie man auf dem aktuellen Vergleichsfoto erkennen kann.

Dieser Text erschien am 27. August 2018 in der NRZ

Mülheimer Polizei-Geschichte

1903: Einrichtung einer Kriminalpolizei in Mülheim
1922: Bildung des Polizeipräsidiums Oberhausen-Mülheim
1933: Gleichschaltung der Polizei durch die NS-Regierung
1936: SS-Führer Heinrich Himmler wird Chef der Polizei
1937: Bau des Polizeigebäudes an Von-Bock-Straße
1945: Entnazifizierung der Polizei durch die Briten
1953: Die Polizei-Hoheit gebt von der Stadt aufs Land über
1955: Mülheim wird eine eigenständige Polizeidirektion
1982: Mülheim bekommt ein Polizeipräsidium
2007: Mülheim wird Teil des Polizeipräsidiums Essen

Donnerstag, 30. August 2018

CDU machte sich am Flughafen ein Bild

Das WDL-Luftschiff bei der Landung
Eine städtebaulicher Wettbewerb für die Neugestaltung des vor fast 100 Jahren angelegten und 140 Hektar großen Flughafengeländes in Raadt kann frühestens 2020 beginnen. Da
rauf wies jetzt der Leiter des Stadtplanungsamtes, Felix Blasch, bei einem Vor-Ort-Termin der CDU-Ratsfraktion hin.
Mit Blasch und dem Flughafen-Geschäftsführer Günther Helmich diskutierten 24 Ratsmitglieder und sachkundige Bürger mögliche Optionen für eine Gewerbe- und Wohnbebauung des Areals, das zu zwei Dritteln auf dem Mülheimer und zu einem Drittel auf dem Essener Stadtgebiet liegt. Dabei wurde deutlich, dass die Wahl dieser Option mit umfangreichen Investitionen in die soziale und verkehrstechnische Infrastruktur verbunden wäre.

Umwelt- und Naturschutzverbände sehen die Bebauungspläne für das Flughafen-Grundstück kritisch und weisen auf dessen Bedeutung als Frischluftschneise für die Innenstadt hin.

Helmich musste einräumen, dass der Flughafenbetrieb mit seinen jährlich bis zu 60.000 Flugbewegungen immer noch rote Zahlen schreibt, wenn auch mit deutlich abnehmender Tendenz. Für 2017 schlagen 468.000 Euro als Zuschussbedarf zu Buche, 222.000 Euro weniger, als noch 2010. Der Geschäftsführer des  Flughafens, der heute 25 Mitarbeiter beschäftigt, machte deutlich, dass der Flughafen, auf dem heute vor allem private Flugzeuge, Motorsegler sowie Sightseeing- und Schulungsflugzeuge starten und landen, sein wirtschaftliches Potenzial, zum Beispiel als Veranstaltungsort und als Parkplatz für private Kleinflugzeuge noch nicht ausgeschöpft habe. Auch der Geschäftsführer der seit 1955 am Flughafen ansässigen Luftschifffirma WDL, Frank Peylo, unterstrich beim Gespräch in der Luftschiffhalle, dass die Aufträge für Luftschiffwerbung nach Jahren der Flaute wieder zunähmen. Die Landung des derzeit für die  Sparkasse werbende Luftschiff war ein echter Hingucker für die christdemokratischen Besucher des 1925 eröffneten Flughafens.

Auf Nachfrage erklärte Helmich, dass Essen/Mülheim nur dann auch zum  rentablen Regionalflughafen für wirtschaftlichen Flugverkehr werden könnte, wenn er zum Beispiel mit einem Instrumentenlandesystem ausgestattet und in seinem Umfeld auch flug-affines Gewerbe zugelassen würde. Die 1,5 Kilometer lange und 45 Meter breite Landesbahn des Flughafens würde auch die Landung von privaten Kleinjets zulassen. Vor dem 2. Weltkrieg war Essen/Mülheim der größte Flughafen Westdeutschlands, von dem aus Ziele in ganz Europa angeflogen wurden. Während des Krieges war der Militärflughafen ein alliiertes Angriffsziel. Die aus dieser Zeit stammenden Bomben-Altlasten behindern die Nutzung und mögliche Neugestaltung des Geländes bis heute.

Die Option einer Wohn- und Gewerbebebauung auf dem Flughafengelände kann frühestens ab 2034 umgesetzt werden, weil dann der Erbbaupachtvertrag des dort ansässigen AERO-Clubs ausläuft. Weitere Informationen zum Thema unter: www.flughafen-essen-muelheim.de.


Dieser Text erschien am 29. August im Lokalkompass

Mittwoch, 29. August 2018

Interview mit Jacob Joussen: Alles, was Recht ist


Prof. Dr. Jacob Joussen
Foto: RUB
Als Leiter des neuen Institutes für kirchliches Arbeitsrecht an der Ruhr-Universität Bochum bearbeitet Prof. Dr. Jacob Joussen mit seinen Mitarbeitern ein Thema, von dem in Deutschland etwa zwei Millionen Arbeitnehmer betroffen sind. Im Gespräch mit dem neuen Ruhrwort stellt er das neue Institut vor.

 ??? Wie sind Sie zu Ihrer Aufgabe gekommen?

!!! Ich habe Theologie und Rechtswissenschaften studiert und beschäftige mich bereits seit über zehn Jahren mit dem kirchlichen Arbeitsrecht und habe dabei erkannt, wie wichtig die Forschung auf diesem Gebiet ist, weil die christlichen Kirchen 1,5 bis 2 Millionen Menschen beschäftigen und damit, nach dem Staat, der zweitgrößte Arbeitgeber in Deutschland sind.

??? Macht ein eigenes kirchliches Arbeitsrecht Sinn?

!!! Ich meine schon. Wie im öffentlichen Dienst und in Wirtschaftsbranchen gibt es auch im kirchlichen Dienst Besonderheiten, die sich im Arbeitsrecht niederschlagen müssen. Für die Kirche entscheidend ist die Tatsache, dass sie ihre Arbeit aus ihrem christlichen Verkündigungsauftrag heraus leistet.

??? In wieweit kann eine kirchliche Einrichtung von seinen Mitarbeitenden eine christliche Gesinnung und Lebenspraxis verlangen?

!!! Auch weltliche Arbeitgeber können von ihren Arbeitnehmern Loyalität verlangen. Das Grundgesetz gibt den Kirchen hier mit der in seinem Artikel 4 garantierten Religionsfreiheit einen noch etwas größeren Freiraum, der auch von der jüngsten Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes im Kern nicht eingeschränkt worden ist. Das macht auch Sinn, weil die Dinge sonst auseinanderlaufen würden, wenn kirchliche Dienste, wie zum Beispiel die Caritas oder die Diakonie die aus ihrem christlichen Verkündigungsauftrag resultierende Arbeit nicht mehr leisten könnten, wenn ihre Mitarbeitenden diesen Verkündigungsauftrag nicht auch selbst bejahen und mittragen würden.

??? Wie ist Ihr Institut personell und finanziell ausgestattet?

!!! Das Institut ist Teil meines vom Land NRW finanzierten Lehrstuhls an der Ruhr-Universität Bochum, an dem zurzeit 12 Mitarbeiter tätig sind, die sich natürlich nicht nur mit Arbeitsaufträgen rund um dieses Thema beschäftigen. Darüber hinaus ist mir aber eine 51-Prozent-Stelle zugesagt worden, die mit dem Arbeitsschwerpunkt kirchliches Arbeitsrecht befasst sein wird.

??? Worin sehen Sie die Existenzberechtigung Ihres Institutes???

!!! Darin, die Besonderheiten des kirchlichen Arbeitsrechtes fundiert zu erklären, von dem in Deutschland 2 Millionen Menschen betroffen sind. Wenn es in Deutschland derzeit 50 Lehrstühle zum Arbeitsrecht gibt, muss es auch einen universitäres Institut geben, an dem man sich mit den besonderen Bestimmungen des kirchlichen Arbeitsrechtes beschäftigt, um einem in unserer Gesellschaft weit verbreiteten Unverständnis entgegenzuwirken. Diese Unkenntnis äußert sich zum Beispiel in Presseanfragen an die Evangelische Kirche, warum eine geschiedene und wieder verheiratete Erzieherin in einer katholischen Kindertagesstätte ihren Arbeitsplatz aufgeben muss.

??? Was würden Sie empfehlen, wenn Sie mit einem Gutachten zur Reform des kirchlichen Arbeitsrechtes beauftragt würden?

!!! Ich würde eine größere Stringenz und eine bessere Außendarstellung der kirchlichen Arbeitsrechtspraxis empfehlen. Während die katholische Kirche von ihren Mitarbeitenden nur eine grundsätzliche Zustimmung zu dem, was sie tut und lehrt, einfordert, verlangt die evangelische Kirche eine Kirchenmitgliedschaft, setzt sie in der Praxis aber nicht immer und überall durch.

??? Was steht auf der aktuellen Agenda Ihres Institutes?

!!! Ich arbeite beratend am Transformationsprozess des kirchlichen Tarifrechtes mit und bin Mitherausgeber der Fachzeitschrift für Mitarbeitervertretung (ZMV). Anders, als die katholische Kirche, haben sich viele evangelische Landeskirchen bereits auf den Weg gemacht, ihr Arbeitsrecht in das allgemeine Tarifrecht zu überführen, während die katholische Kirche noch am 3. Weg der christlichen Dienstgemeinschaft festhält, in der sie ihre Tarifverträge nicht mit Gewerkschaften, sondern mit den kircheninternen Mitarbeitervertretungen aushandelt. Außerdem planen wir mit Kooperationspartnern eine Fachtagung zu den aktuellen Forschungsschwerpunkten des kirchlichen Arbeitsrechtes, die Anfang 2019 stattfinden soll.

Zur Person: Der Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Jacob Joussen wurde 1971 in Duisburg geboren. An der Ruhr-Universität Bochum lehrt er seit 2010 bürgerliches Recht sowie deutsches und europäisches Arbeits- und Sozialrecht. Seit 2015 ist Joussen Ratsmitglied der Evangelischen Kirche in Deutschland. Er hat unter anderem Bücher über das Arbeits- und Tarifrecht, über das kirchliche Arbeitsrecht, über das Schuldrecht und über das Teilzeit- und Befristungsgesetz geschrieben.



Dieser Text erschien am 25. August 2018 im Neuen Ruhrwort

Dienstag, 28. August 2018

Lieber Ruhr als Riviera

Gestern ging ich an der an der Ruhr spazieren. Sonneschein und ein laues Lüftchen und ein freier Blick auf den Fluss. Das ließ bei mir Urlaubsgefühle hoch kommen.

Ich machte an einem Kiosk, in einem Biergarten und an einem Eiscafé Halt und traf zwischendurch nur auf nette und entspannte Menschen.

Ob man  so etwas zur besten Sommerferienzeit auch an den überfüllten Stränden auf Mallorca oder in den überteuerten Cafés und Restaurants der Cote’D Azur oder der Riviera erlebt? Eher nicht. Zumindest nicht zu dem Kurs, den man bei uns an der Ruhr bekommt. Hier fängt der Urlaub, wenn man will, sofort vor der Haustür an. Streikende Piloten und ausgefallene Züge müssen hier niemanden bekümmern. Das im Stau stehen kann man kann man sich auch sparen. Außerdem kann man, wenn man es sich hier richtig gut gehen lässt, das gute Gefühl haben, etwas für den Schutz der Umwelt und gegen den Niedergang der lokalen Wirtschaft getan zu haben. Wer da noch in die Billigflieger steigt und die Urlaubsschnäppchen in der Ferne sucht, der ist wirklich urlaubsreif und sollte sich eine Kur an der Ruhr verschreiben lassen.

Dieser Text erschien am 13. August 2018 in der NRZ 

Montag, 27. August 2018

Unterwegs auf dem Holzweg

Gestern mussten Mutter und ich erleben, dass ein Sonntagsspaziergang in der Innenstadt kein Sonntagsspaziergang ist.

Denn am Löhberg standen wir unvermittelt in Stau.
Geländewagen, PKW, Kinderwagen, Rollator, Fußgänger, Radfahrer. Da hieß es, sich seitwärts in die nicht vorhanden Büsche zu schlagen, um nicht unter die Räder zu kommen.

Irgendwie hatten Mutter und ich uns einen gesunden Verkehrsmix anders vorgestellt. Aber wir hinken wohl als Fußgänger unserer Zeit hinterher. Längst haben vor allem Autofahrer das an einigen Stellen der Stadt gut meinte Prinzip des Shared Space, also des von allen Verkehrsteilnehmern geteilten öffentlichen Raumes auf das gesamte Stadtgebiet ausgeweitet. Längt haben die Hinweisschilder, die aufzeigen, wann man auch in der Fußgängerzone auf zwei oder vier Rädern unterwegs sein darf, ihren Gebotscharakter verloren und sind zu einem folkloritischen Relikt aus einer Zeit geworden, als Hinweisschilder noch nicht als unverbindliche Empfehlung angesehen wurden.

Wenn selbst junge Autofahrer heute in der Fußgängerzone lieber fahren als gehen wollen, obwohl sie es könnten und sollten, sind wir auf dem Holzweg unterwegs.

Dieser Text erschien am 27. August 2018 in der NRZ


Sonntag, 26. August 2018

Zeitsprung an der Kölner Straße: Auch die ehemalige Fabrikanten-Villa musste dem Autoverkehr weichen

Archivfoto: Burkhard Otto Richter
Heute schauen wir mit einem Foto aus der Sammlung des Mülheimers  Otto Burkhard Richter zurück ins Jahr 1930. Wir sehen die noch ländliche Kölner Straße, die ihren heutigen Namen erst 1936 erhalten wird. Zwei Jahre später wird die Landstraße zwischen Saarn und Selbeck als Teil der Bundesstraße 1 für den Autoverkehr ausgebaut, so dass auch Teil es Klosters abgerissen werden müssen.

Als die historische Fotografie im Weltwirtschaftskrisenjahr 1930 entsteht, heißt die heutige Kölner Straße noch Düsseldorfer Chaussee. Das repräsentative Haus Nummer 35, das wir links im Vordergrund sehen, ist das Haus des Garnfabrikanten Wilké. 1960 wird es abgerissen, um dem weiteren autogerechten Ausbau der Kölner Straße und der Straßburger Allee Platz zu verschaffen. Das Haus hinter der Fabrikanten Villa steht aber noch heute, wie man auf dem aktuellen Foto von Steffen Tost sieht.

Im Jahr 1930 schaut der Fotograf in Richtung Klostermarkt. Es ist eine Zeit des Umbruchs. Der Saarner Klostermarkt verliert seine historische Rolle als Marktplatz, weil er zum Teil dem Fahrbahnausbau und dem Anschluss an die noch neue Mendener Brücke weichen muss.
Bis 1968 können die Mülheimer noch mit einer Straßenbahn bis zum Klostermarkt fahren. Dann wird auf den Busverkehr umgestellt. In den Nachkriegsjahrzehnten verändert nicht nur der zunehmende Autoverkehr, sondern auch der Neubau von Geschäfts- und Wohnhäusern das Bild der Kölner Straße radikal. Bundesweit bekannt wird die Kölner Straße unter anderem durch ihre Caravan-Meile.
Seit 1990 ist der Klostermarkt am Saarner Endpunkt der Kölner Straße Zielpunkt für die vielen Menschen, die es ins ehemalige Zisterzienserkloster Saarn zieht, weil sie dort zum Beispiel den Kräutergarten, das Klostercafé, die Klosterbücherei oder die Klosterkirche besuchen wollen.

Dieser Text erschien am 22. August 2018 in der NRZ

Samstag, 25. August 2018

Zwischen Schweinezucht und Biogasanlage

Ferkel in der Freilandhaltung
Foto Annette Im Brahm
Auch der in Menden und Kettwig ansässige Landwirt Im Brahm hat die Folgen der extremen Sommerhitze zu spüren bekommen. „Bei der Getreideernte hatte wir 15 Prozent weniger, als im Vorjahr. Aufgrund der Preissteigerungen hat uns das wirtschaftlich aber nicht getroffen. Allerdings werden wir jetzt mehr Mais anbauen, weil der Mais einfach hitzeresistenter ist als Weizen und Raps“, sagte Landwirt Einhart Im Brahm Mitgliedern der CDU-Fraktion, die im Rahmen ihrer Sommertour seinen insgesamt 300 Hektor großen Hof besichtigten, den die Familie Im Brahm in der fünften Generation betreibt und damit derzeit 30 Mitarbeiter beschäftigt. 

Aktuell sind noch 0,2 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung Mülheims in der Land- und Forstwirtschaft tätig. 48 landwirtschaftliche Betriebe bewirtschaften eine Nutzfläche von 1830 Hektar. Acht Betriebe betreiben Viehzucht. Einhart Im Brahm stellte den Kommunalpolitikern seine Bio-Gasanlage vor, die nach einer Start-Investition von rund 5 Millionen Euro seit 2005 Speisereste aus Kantinen und Restaurants in Wärme und Strom umwandelt und damit nicht nur den eigenen Hof, sondern auch das Hotel-Restaurant Schloss Hugenpoet mit Energie versorgt. Jährlich speist die Anlage rund jeweils 5 Millionen Kilowattstunden Strom und Wärme ins Stromnetz ein. Einhart Im Brahms Sohn Alexander und seine Lebensgefährtin Theresa kümmern sich um eine Freilandhaltung mit 480 Schweinen der alten deutschen Landrasse, die in sieben bis acht Monaten mit Getreide und mit Altbrot aus den Bäckereien der Region von 30 auf 120 Kilo gemästet. Insgesamt mästet Die Familie Im Brahm auf ihren Höfen in Menden und Kettwig zwischen 1200 und 1300 Schweine. Nach der schonenden Schlachtung beim niederrheinischen Großschlachter und Biofleisch-Hersteller Thönes, werden Metzgereien und Märkte in Mülheim und Essen mit den Schweinen aus der Freilandhaltung der Familie Im Brahm beliefert.

Mit Blick auf Altbrot, dass Im Brahm an  seine Schweine verfüttert, bedauerten einige seiner Gäste aus der CDU-Fraktion, dass die Bäcker heute, anders, als noch vor einigen Jahren, kein Brot vom Vortag zum halben Preis verkaufen.
Angesichts des landwirtschaftlichen Produktionsaufwandes, darüber waren sich alle einig, sei es nicht hinnehmbar, dass in Deutschland viele noch genießbare Lebensmittel weg geworfen würden. Nach Angaben der WWF-Umweltstiftung landen in Deutschland jährlich 18,4 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll.

Dieser Text erschien am 25. August 2018 in der NRZ

Freitag, 24. August 2018

Grüße aus der analogen Steinzeit

Ich weiß gar nicht, wie ich zu einem halbwegs zivilisierten und gebildeten Menschen heranwachsen konnte. Als Kind und Jugendlicher hatte ich doch nichts, kein Netz, kein Empfang, kein Internetzugang, kein Smartphone. Wenn ich morgens mit Bus und Bahn zur Schule fuhr, hatte ich ein Buch oder eine Zeitung dabei, um mir die  Fahrzeit zu vertreiben.  Meistens habe ich aber mit meinen Mitschülern  über die Marotten unserer Lehrer gelästert. Und wenn ich ganz alleine auf dem Schulweg unterwegs war, habe ich auch schon mal einfach aus dem Fenster auf die vorbeifliegenden Stadtlandschaften geschaut. Beides war sehr entspannend, ehe mit Mathe, Latein, Englisch und Co der Ernst des Schullebens begann.

Doch einfach nur mit Bus und Bahn fahren und dabei in seiner Zeitung lesen oder auch nur gucken. Damit outet man sich als Eingeborener der analogen Steinzeit. Wie ich jetzt in der NRZ ganz analog lesen konnte, will die Ruhrbahn ihren Fahrgästen jetzt auch den drahtlosen Internetzugang WLAN anbieten, damit sie sich während ihrer Fahrt mit Bus und Bahn am Ende nicht auch noch mit sich selbst beschäftigen müssen und sich vielleicht dabei zu Tode langweilen oder auch erschrecken. 

Dieser Text erschien am 24. August 2018 in der NRZ

Donnerstag, 23. August 2018

Wie aus Feinden Freunde wurden - 17 junge Franzosen, Holländer, Dänen und Engländer halfen vor 70 Jahren beim Trümmerräumen in der Stadt

Mülheim 1947: Frauen stehen an der Bahnstraße für Wasser an
Foto: Stadtarchiv Mülheim an der Ruhr
www.stadtarchiv-mh.de
„Jacqueline gefällt es in Mülheim“. So titelt die Mülheimer Lokalausgabe am 18. August 1948. Es könnte sich um das Portrait einer Austauschschülerin  handeln. Doch drei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, ist an Städtepartnerschaften nicht zu denken. Die erste wird 1953 mit dem englischen Darlington geschlossen.

Umso bemerkenswerter ist der NRZ-Bericht über 17 junge Franzosen, Engländer, Niederländer und Dänen, die den Mülheimern beim Wiederaufbau ihrer von 160 Luftangriffen getroffenen Stadt helfen.
Denn nach dem Kriegsende sind 29 Prozent der Mülheimer Wohngebäude zerstört. Auf den Straßen liegen 800 000 Kubikmeter Trümmerschütt ihre Straßen. Erst 1953 wird die Stadt von Trümmern frei sein. Die 17 Studenten und jungen Angestellten aus dem bis vor kurzem noch als feindlich  deklarierten europäischen Ausland „wollen den Mülheimern dabei helfen, dass ihre Stadt wieder aufgebaut wird“, sagen sie dem Lokalreporter der NRZ, während sie vor dem St. Marien-Hospital Trümmer räumen.

Ihr Einsatz, den sie vier Wochen lang frewillig und unentgeltlich im Auftrag des 1920 in der Schweiz gegründeten Internationalen Zivildienstes leisten, soll im Nachkriegs-Europa den Gedanken der Völkerverständigung befördern.

Und das tut er auch. „Das sind echte Idealisten“, bescheinigt ein Mülheimer Lastwagenfahrer dem Reporter der NRZ. Während einige Mülheimer ungläubig und manchmal auch belustigt, die jungen Männer und Frauen bestaunen, die freiwillig Trümmer räumen, kommen andere mit Lebensmitteln herbei, obwohl sie selbst nicht viel haben, um die freiwilligen Helfer zu stärken.
„Ich werde mein Visum verlängern, um noch etwas länger hier arbeiten zu können“, lässt die Pariser Studentin Jacqueline den Mann von der Mülheimer Zeitung wissen. Der junge Engländer Tom Burke ist vor allem von den sozialen Diensten in der noch vom Krieg gezeichneten Stadt begeistert. „Sicher gibt es schönere Orte, um Urlaub zu machen und dies hier ist ein wirklich guter Urlaub“, findet er. Ein junger Däne aus Aarhus hat bereits ähnliche Wiederaufbauarbeit in Frankreich geleistet und meint: „Durch diese Aufbauarbeit habe ich schon viele nette und interessante Menschen kennen gelernt. Und ich würde nie auf sie schießen, auch wenn es von mir gefordert würde!“

Auch Mülheims Stadtdirektor Bernhard Wiethaus zeigt sich auf Nachfrage der Lokalpresse: „von ihrem Arbeitsfleiß, den wir als Stadt tatkräftig unterstützen, und von ihrem Interesse an unseren sozialen Einrichtungen“, beeindruckt. Witthaus ist davon überzeugt, dass die auch von jungen Deutschen freiwillig geleistete Wiederaufbauarbeit im Auftrage des Internationalen Zivildienstes „persönliche Bande knüpft, die zum dauerhaften Erhalt des Friedens beitragen.“ Die weitere Entwicklung der europäischen Integration und die Begründung von sechs Städtepartnerschaften wird ihm Recht geben.

Dieser Text erschien am 23. August 2018  

Mittwoch, 22. August 2018

Ökumenisches Gebet für den Frieden


Stadtdechant Michael Janßen und Superintendent Gerald Hillebrand
in der Petrikirche
Mit einem ökumenischen Friedensgebet auf dem Synagogenplatz und in der Petrikirche haben 100 katholische und evangelische Christen am 11. August der Opfer amerikanischen Atombombenabwürfe über Japan und damit aller Opfer von Krieg, Terror und Gewalt gedacht. Am 6. und 9. August 1945 hatte die US Air Force auf Befehl des damaligen US-Präsidenten Harry S. Truman über Hiroshima und Nagasaki Atombomben abgeworfen. Zehntausende starben unmittelbar und noch Jahrzehnte später an den Folgen der atomaren Verstrahlung.  Stadtdechant Michael Janßen, hier mit seinem evangelischen Amtsbruder, Superintendent, Gerald Hillebrand, bei der ökumenischen Friedensandacht in der evangelischen Petrikirche, erinnerte unter anderem an den vor 60 Jahren gewählten und 2014 heiliggesprochenen Papst Johannes XXIII. „Der Vater des II. Vatikanischen Ökumenischen Konzils hat in seiner 1963 veröffentlichten Enzyklika „Pacem in Terris“ hat die Menschheit ermahnt, dass nur der Dialog und die Zusammenarbeit aller Menschen guten Willens den Frieden bewahren oder widerherstellen kann“, betonte Janßen. „In dem wir zusammenstehen und uns gemeinsam für den Frieden einsetzen, stärken wir uns gegenseitig und überwinden die Ohnmacht der Vereinzelung“, sagte Superintendent Hillebrand. Angelika Romeik vom Friedensforum und Sayed Siam von der islamischen Gemeinde machten in ihrem Beitrag deutlich, „dass Frieden möglich ist, wenn wir erkennen, dass Vergebung mehr bewirkt als Rache, wenn wir uns am Wohlergehen unserer Mitmenschen neidlos erfreuen können und wenn wir darüber hinaus einsehen, dass Vielfalt keine Gefahr, sondern eine Bereicherung unseres Zusammenlebens ist.“




Dienstag, 21. August 2018

Immer wieder aufstehen

Zwei Damen und ein Herr am Rollator beobachten begeistert ein kleines, etwa eineinhalb Jahre altes Mädchen. Das macht unter den achtsamen und liebevollen Blicken seiner offensichtlich stolzen Eltern seine ersten Gehversuche.

Das kleine Mädchen schaut sich immer wieder erstaunt um, während es langsam einen Fuß vor den anderen setzt.  Das kleine Menschenkind kann nicht begreifen, warum es für die großen Menschen kinder so interessant ist. Und dann bekommt die kleine Madame das holprige Straßenpflaster der Mülheimer Innenstadt zu spüren und setzt sich auf ihre Po. Doch das beeindruckt sie überhaupt nicht. Und schon rappelt sie sich wieder auf, um ihre nächsten Schritte zu machen.

Die betagten Zuschauer würden dem kleinen Kind am liebsten applaudieren. Aber sie halten sich lieber an ihren Rollatoren fest. Denn in ihrem Alter ist das mit dem Hinfallen und Wiederaufstehen nicht so kinderleicht.

Doch sie wissen aus ihrem eigenen Lebensweg, der sich schon etwas länger über Höhen und Tiefen hinzieht, dass es im Leben keine wichtigere Fähigkeit gibt, als die, die uns die kleine Frau auf der Schloßstraße mutig vormacht.

Dieser Text erschien am 21. August 2018

Montag, 20. August 2018

Minister sollten öfter Bus und Bahn fahren

Der Mann im roten Sportwagen braust aus der Richtung Bahnstraße über die Friedrich-Ebert-Straße heran und bremst scharf ab.
Der Mann am Lenkrad (Sportkappe und offenes Verdeck) stutzt einen Moment lang setzt dann ganz langsam zurück, als er einsehen muss, dass es für ihn und seinen Flitzer hier nicht weiter geht.
Denn die zentrale Haltestelle auf der Friedrich-Ebert-Straße zeigt es: Es gibt tatsächlich noch Menschen, die ohne Auto durchs Leben kommen. Sie gehen fast ganz abgasfrei zu Fuß, fahren mit Bus oder Bahn oder auch mit dem Fahrrad in ihrer Stadt von A nach B. So tun sie etwas gegen den Klimawandel und für die Gesundheit ihrer Mitbürger.

Da muss man schon tief durchatmen, wenn der Bundesverkehrsminister (erst) jetzt auf die Idee kommt, dass die Förderung des Öffentlichen Personenahverkehrs (ÖPNV), ein sinnvoller Beitrag zum Klimaschutz und zur Überwindung des Verkehrsinfarktes sein könnte. Wäre der Minister öfter mal mit Bus und Bahn statt mit seinem Dienstwagen unterwegs, bräuchte er jetzt keinen millionenschweren Modellversuch, um herauszufinden, dass uns ein preiswerter und dicht getakteter ÖPNV gut täte.

Dieser Text erschien am 16. August 2018 in der NRZ

Sonntag, 19. August 2018

Wir sparen uns noch zu Tode

Ausgerechnet die Mineralwasser-Marke meiner Wahl kann mir der Getränkemarkt meines Vertrauens derzeit nicht anbieten. Warum? „Die haben im Moment nicht genug Leute, um nachzuliefern“, lässt mich die freundliche Dame an der Kasse  wissen. Dass wir zu wenige Pfleger, Ingenieure, Lokführer und zu wenige Lehrer haben, weiß ich ja schon, aber das wir jetzt auch schon zu wenige Leute haben, um Mineralwasser in Flaschen abzufüllen und auszuliefern, schockt mich. Steht uns das Wasser schon soweit bis zum Hals. 

Gibt es nicht genug Erwerbslose, die nur zu gerne bei einem Mineralwasserbrunnen arbeiten würden, um einen Beitrag dafür zu leisten, dass niemand in unserem Land auf dem Trockenen sitzen muss. Ich kann nicht glauben, dass die Verblödung in unserem Land schon so weit fortgeschritten ist, als dass man keine Menschen finden könnte, die in der Lage sind Flaschen abzufüllen und zu transportieren.

Oder sollte es am Ende vielleicht gar nicht an den fehlenden Arbeitskräften, sondern an den ganz großen Flaschen liegen, die dem Hals einfach nicht voll bekommen und sich deshalb beim Personal zu Tode sparen, koste es, was es wolle?

Dieser Text erschien am 18. August 2018 in der NRZ

Freitag, 17. August 2018

Der Paritätische Wohlfahrtsverband wird 50

Von links: Ursula Jakobs, Brigitte Mangen und Frank
Schellberg in der Geschäftsstelle des Paritätischen
Wohlfahrtsverbandes am Tourainer Ring.
Vereine, Initiativen und Selbsthilfegruppen, die sich einem weltanschaulich und politisch unabhängigen Wohlfahrtverband anschließen wollen, sind in Mülheim seit 1968 in Paritätischen Wohlfahrtsverband gut aufgehoben. Das wurde jetzt mit einem großen Fest- und Bühnenprogramm in der Freilichtbühne an der Dimbeck gefeiert.

Der Veranstaltungsort wurde bewusst gewählt, ist der Verein der Regler-Produktion, die seit 2013 die Freilichtbühne mit kulturellem und sozialem Leben erfüllt, doch das jüngste der aktuell 42 Verbandsmitglieder.

„Die Regler-Produktion passt mit ihrem Engagement sehr gut zum Paritätischen Wohlfahrtsverband, der von seinem Selbstverständnis her für Chancengleichheit, soziale Teilhabe und Hilfe zu Selbsthilfe auf Augenhöhe steht“, sagt die Kreisgeschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Ursula Jakobs.

„Der Verband, der seit 2005 in seiner Geschäftsstelle am Tourainer Ring auch ein Selbsthilfebüro betreibt, um Selbsthilfegruppen rechtlich, wirtschaftlich und organisatorisch zu beraten, sorgt dafür, dass seine Mitgliedsorganisationen gut funktionieren und innovativ arbeiten können“, beschreibt dessen stellvertretender Kreisvorsitzender Frank Schellberg die zentrale Aufgabe des Verbandes.

Wie diese Arbeit die soziale Landschaft der Stadt bereichert hat, macht er unter anderem an den fast 1000 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen fest, die auch mit seiner Unterstützung im Laufe der letzten 50 Jahre entstanden sind. Dass Schellberg heute als Geschäftsführer der PIA - das steht für Paritätische Initiative für Arbeit - vorstehen und dafür arbeiten kann, dass Menschen eine zweite oder dritte Chance auf dem Arbeitsmarkt bekommen, um ihr persönliches Potenzial einzubringen und zu entfalten, geht unmittelbar auf die Initiative des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes zurück.
Mit angeschoben und begleitet hat die Kreisvorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Brigitte Mangen, auch die Einrichtung der Seniorenresidenz Sommerhof, in dem die ehemalige FDP-Stadtverordnete heute selbst lebt. Damit ist sie heute im Gebäudekomplex zwischen Hingberg und Tourainer Ring Nachbarin der ebenfalls zum Paritätischen Wohlfahrtsverband gehörenden Mülheimer Familien- und Krankenpflege und der Geschäftsstelle ihres Verbandes.
„In seinem ersten Jahrzehnt wurde die Vorstandsarbeit und die Geschäftsführung des Paritätischen noch rein ehrenamtlich geleistet. Erst 1979 bekamen wir einen hauptamtlichen Geschäftsführer“, erinnert sich Mangen.

Sie selbst kam als Vorsitzende des 1977 von ihr mitgegründeten Kinderschutzbundes zum Paritätischen Wohlfahrtsverbandes.
Ursula Jakobs, die die Geschäfte des Verbandes seit 1999 führt, kam über eine Elterninitiative zur Gründung einer Kindertagesstätte, zum Paritätischen Wohlfahrtsverband. „Ich habe noch erlebt, dass Mütter gar nicht berufstätig werden konnten, weil Kindergärten um 12 Uhr schlossen“, erinnert sich Jakobs. Heute ist der ebenfalls zum Partitätischen Wohlfahrtsverband gehörende Elternverein Stöpsel ein Paradebeispiel dafür, wie aus der Not heraus eine Problemlösung erwachsen kann. Als vergleichbare Erfolgsgeschichten aus der paritätischen Familie  sieht sie auch die Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung und die Alzheimer-Gesellschaft, die mit ihren Angeboten und Aktivitäten ein ursprüngliches Tabuthema gesellschaftsfähig gemacht und so viel für die soziale Teilhabe und Akzeptanz der Betroffenen geleistet haben. Und auch die im Paritätischen Wohlfahrtsverband organisierte und in der Suchtvorbeugung aktive Ginko-Stiftung zeigt mit ihrer Arbeit, dass nur redenden Menschen geholfen werden kann und Verschweigen und Verdrängen keine Lösung sind.

Ausgesprochen dankbar ist Ursula Jakobs dafür, dass sie als Lobbyistin und Netzwerkerin für eine soziale gerechtere und lebenswertere Stadt, etwa im Stadrat oder in der kommunalen Gesundheitskonferenz nicht alleine steht, sondern auf eine gute Zusammenarbeit mit ihren Kollegen aus der Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände bauen kann.  


Kleine Chronik


1968: Die Initiative zur Gründung des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes geht vom Möbel-Kaufmann und Mitgründer der Familien- und Krankenpflege, Wilfried von der Linden, aus. Gründungsmitglieder sind unter anderem der Blinden- und Sehbehindertenverein und die Heilsarmee.
1970: Die Familien- und Krankenpflege und der Paritätische Wohlfahrtsverband teilen sich die Geschäftsstelle an der Friedrich-Ebert-Straße 60.
1971: Wilfried von der Linden übernimmt für 17 Jahre den Kreisvorsitz des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes.
1975: Der Paritätische Wohlfahrtsverband und die Familien- und Krankenpflege beziehen eine gemeinsame Geschäftsstelle an der Wallstraße 16.
1980: Beide Partnerorganisationen ziehen in eine größere Geschäftsstelle an der Teinerstraße 16.
1987: Die Familien- und Krankenpflege bezieht eigene Geschäftsstellenräume an der Wertgasse 24.
1998: Brigitte Mangen tritt als Kreisvorsitzende die Nachfolge von Wilfried von der Linden an.
2005: Der Paritätische Wohlfahrtsverband eröffnet seine heutige Geschäftsstelle am Tourainer Ring 4
2008: Der Paritätische Wohlfahrtsverband eröffnet in seiner Geschäftsstelle ein Selbsthilfebüro.

Dieser Text erschien am 14. August 2018 in NRZ & WAZ

Donnerstag, 16. August 2018

Gruppenbild mit Dame: Seit dem 1. Februar führt die Juristin Natalia Thoma zusammen mit Frank Langer und Ralf Schäfer die Geschäfte des Roten Kreuzes

Von links: Ralf Schäfer, Frank Langer und Natalia Thoma
Etwas neues zu wagen, das kennt Natalia Thoma. Und sie hat dabei die Erfahrung gemacht, dass sich das als richtig erweisen  kann.
Vor 41 Jahren wurde sie in der Ukraine geboren. „Ich wollte schon als Mädchen Rechtsanwältin werden und Menschen so zu ihrem Recht verhelfen. Aber unter den damaligen Rahmenbedingungen sah ich dafür in der Ukraine keine Chance und entschied mich deshalb mit 19 Jahren, nach Deutschland zu gehen“, erzählt die inzwischen vierfache Mutter.

Warum Deutschland? „Ich habe als Jugendliche viel deutsche Literatur gelesen. Vor allem der Tiefgang und die Kraft der Bücher von Heinrich Böll haben mich begeistert“, erinnert sich Thoma.
Ihr Traum ging in Erfüllung. Als Rechtsanwältin in einer Düsseldorfer Kanzlei fand sie nicht nur Mandanten, denen sie zu ihrem Recht verhelfen konnte. Sie traf mit einem Kollegen auch ihren Mann fürs Leben. So hätte es einfach weiter gehen können. Doch dann machte sie ein ehrenamtlich beim Roten Kreuz engagierter Kollege   auf eine Stellenausschreibung des Mülheimer DRKs aufmerksam. Das suchte einen hauptamtlichen Vorstand und Geschäftsführer.

Eine Geschäftsführerin und Vorstandsvorsitzende durfte es natürlich auch sein. „Für einen Sozialverband zu arbeiten, der Menschen mit einem breiten Dienstleistungsspektrum hilft, hat mich gereizt“, sagt Thoma.

Sie sagte zu und hat es nicht bereut. „Ich arbeite hier mit haupt- und ehrenamtlich aktiven Menschen zusammen, die von ihrer Aufgabe, Menschen zu helfen, überzeugt und erfüllt sind. „Und das macht mich auch selbst zu einem glücklicheren Menschen“, betont die neue Geschäftsführerin des Roten Kreuzes. Dass sie mit Frank Langer und Ralf Schäfer zwei lang gediente und erfahrene Rot-Kreuzler als ehrenamtliche Vorstandskollegen an ihrer Seite hat, stört die DRK-Novizin nicht. Im Gegenteil. Sich mit Schäfer und Langer austauschen und auf deren Erfahrungen und Netzwerke zurückgreifen zu können, empfindet Thoma als Startvorteil. Als ausgebildete Juristin bringt sie den professionellen Blick auf vertrags- und arbeitsrechtliche Fragen mit.

Als hauptamtlicher Vorstand und Geschäftsführerin trägt Thoma Verantwortung für die Bereiche Personal, Finanzen, für den Menüservice und für die Kindertagesstätte des Roten Kreuzes. Ihr ehrenamtlicher Vorstandskollege, der 56-jährige Versicherungskaufmann, Frank Langer, der seit 1980 beim DRK aktiv ist, kümmert sich um die Bereiche soziale Beratung, Flüchtlingshilfe, Integration und Jugendarbeit. Der 49-jährige Chemielaborant, Ralf Schäfer, der seit 1990 beim Roten Kreuz aktiv ist, kümmert sich als Dritter im Vorstandsbund um die Bereiche Hausnotruf, Rettungsdienst und medizinischer Transportdienst.

Aktuell beschäftigt sich das neue Spitzentrio des Roten Kreuzes unter anderem mit Plänen zum Aus- und Umbau des Rettungsdienstes und mit der Idee, das Engagement im Bereich Kindertagesstätte, etwa mit einer Betriebskita, auszubauen. Darüber hinaus bleibt die Gewinnung zusätzlicher Fördermitglieder eine Daueraufgabe. „Wir wollen mit unserer Arbeit dafür sorgen, dass die Menschen dieser Stadt spüren, dass das Rote Kreuz nicht von gestern, sondern auf der Höhe der Zeit ist und bereit ist, sich mit den Problemen und Herausforderungen der Stadtgesellschaft auch zu verändern“, resümiert Natalia Thoma.


Das DRK in Mülheim


Im Mülheimer Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes, der auf eine 111-jährige Geschichte zurückblickt, engagieren sich heute 40 haupt- und 450 ehrenamtliche Mitglieder. 1043 Mülheimer nutzen derzeit den Hausnotrufdienst des Deutschen Roten Kreuzes. 150 Bürger nutzen den Menüservice. Zu den Dienstleistungen des Roten Kreuzes gehören unter anderem auch der Sanitätsdienst bei Großveranstaltungen, die Mitarbeit im kommunalen Rettungsdienst und im Katastrophenschutz sowie Bildungsarbeit in den Bereichen Schwimmen und Erste Hilfe. Zum lokalen DRK-Kosmos gehören auch der Bürgertreff an der Prinzess-Luise-Straße, die Kleiderkammer im DRK-Hilfezentrum an der Aktienstraße, die Flüchtlingsunterkunft und die Rettungswache an der Mintarder Straße und die neue Kindertagesstätte „Rettungszwerge“ an der Löhstraße. Wer die Arbeit des Roten Kreuzes unterstützen möchte, kann dies auch als Fördermitglied tun. Weitere Informationen findet man im Internet unter: www.drk-mülheim.de

Dieser Text erschien am 16. August in NRZ und WAZ   

Mittwoch, 15. August 2018

Auf der freien Wildbahn

Als ich Vater bei Kaffee und Kuchen auf die neuesten Kapriolen der großen Tiere aus Politik und Wirtschaft ansprach, die uns täglich medial serviert werden, schüttelte er nur den Kopf und ließ mich wissen, dass er sich jetzt nur noch für die großen Tiere in der Natur und im Sport interessiere.

Ich machte gleich selbst den Test und musste zugeben:  Der Blick auf grüne Sportrasen und ins Grüne der Natur entspannt enorm. 

Allerdings stellte ich bei genauerem und längerem Hinsehen fest, dass die freien Wildbahnen der Tierwelt, des Sportes, der Politik und der Wirtschaft erstaunliche Ähnlichkeiten aufweisen.
Da heißt es: Fressen und Gefressen werden. oder: Gewinnen und Verlieren. Und nicht immer wird dabei Fair Play gespielt.

Wie man es dreht und wendet: Unsere Welt ist auf allen Ebenen zuweilen ein Affentheater, in dem uns so manche Schweinerei geboten wird, die uns als hundsgemein erscheint.
Dennoch sollte der Blick ins Grüne auch heute von der Palme holen und uns darin erinnern, das wir selbst für ein Happy End sorgen können, wenn wir uns in der freien Wildbahn mal öfter grün sind, statt uns übereinander schwarz zu ärgern.

Dieser Text erschien am 14. August 2018 in der NRZ

Dienstag, 14. August 2018

Wiederaufbau an der Ruhr anno 1949

Archivfoto: Wilhelm Neuhoff
Heute sieht man Freizeitkapitäne und die Kapitäne der Weißen Flotte mit ihren Booten und Schiffen über die Ruhr fahren. Als der Mülheimer Wilhelm Neuhoff an der heutigen Ruhrpromenade dieses heute historische Foto aufnahm, transportierte das Lastenschiff Möwe Trümmer über die Ruhr.

In der Ferne erkennt man eine Behelfsbrücke, die bis zum Ende der 1950er Jahre bestand. Am rechten Bildrand sieht man die Turmspitze der Kirche an der Wilhelminenstraße und die Silhouette der Saarner Lederfabriken Im Rücken des Fotografen befand sich damals noch die alte, 1911 eröffnete Schloßbrücke, die 1960 durch die heutige Schloßbrücke ersetzt werden sollte.

Weil der aus Merzig stammende Unteroffizier Rudolf Steuer in den letzten Kriegstagen, im April 1945, den Befehl zur Sprengung der Brücke nicht ausführte, überstand die mit Versorgungsleitungen ausgestattete  Schloßbrücke im Gegensatz zu den anderen Ruhrbrücken unbeschädigt das Ende des Krieges.  Im Gegenzug half die Stadt Mülheim Steuer später beim Wiederaufbau seines Hauses in Merzig. 1949, vier Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, ein Jahr nach der Einführung der D-Mark und wenige Wochen nach der Verkündung des Grundgesetzes, war der Wiederaufbau in Mülheim im vollen Gange. Der Stadtrat verabschiedete in diesem Jahr den Generalplan für den Neuaufbau der Innenstadt. Der Wasserbahnhof und der kleine Festsaal der Stadthalle konnten wieder in Betrieb genommen werden. Schon seit 1947 hieß es für die Schiffe der Weißen Flotte wieder: Leinen los.

Es sollte noch bis 1953 dauern, bevor die Stadt für „trümmerfrei“ erklärt werden konnte. Neben der Möwe waren auch eine Dampflok, der feurige Elias, mit seinem Kipplorenzug, Lastwagen und Pferdefuhrwerke bei der Trümmerbeseitigung im Einsatz. 800 000 Kubikmeter Schutt mussten entsorgt werden.

Dieser Text erschien am 14. August 2018 in der NRZ

Montag, 13. August 2018

Ein starkes Spitzentrio für den Kreisverband des Roten Kreuzes

Von links: Ralf Schäfer, Frank Langer und Natalia Thoma
Foto: DRK Mülheim

Dreiecksgeschichten sind im Privatleben kontraproduktiv. Doch Natalia Thoma, Ralf Schäfer und Frank Langer empfinden ihre Zusammenarbeit als neues Vorstandstrio des Kreisverbandes als „sehr produktiv und partnerschaftlich.“ Für die 41-jährige Rechtsanwältin Natalia Thoma, die ihr Amt als hauptamtlicher Vorstand am 1. Februar angetreten hat, ist das Deutsche Rote Kreuz Neuland. „Ich wusste, dass es so etwas, wie das DRK und seinen Katastrophenschutz, seinen Rettungsdienst und seinen Blutspendendienst gibt, hatte bis dahin aber keinen persönlichen Kontakt zu Roten Kreuz“, erzählt die vierfache Mutter.

Umso überraschter war die Düsseldorferin, als an Sie das Angebot herangetragen wurde, die hauptamtliche Führung des Kreisverbandes zu übernehmen. „In meiner neuen Position kann ich Dinge entscheiden. Und das sind für mich eine Herausforderung und eine Chance zugleich“, erklärt die bisher auf Arbeitsrecht, Vertragsrecht und Familienrecht spezialisierte Juristin, warum sie den Schritt ins berufliche Neuland wagte. „Ich habe es bisher nicht bereut“, sagt sie nach zweieinhalb Monaten im neuen Amt.

„Welche Interessen und Kompetenzen gibt es? Wie kann ich alle Beteiligten mitnehmen? Was können wir leisten und was nicht?“ Das sind Fragen, die auch für die Rechtsanwältin und Mutter nicht neu sind, gehören auch jetzt als Vorstand des Kreisverbandes zu ihrem Tagesgeschäft. „Ich bin begeistert, wie begeistert die Menschen hier von ihrer Arbeit sind und wie viel man mit ehrenamtlichen Helfern bewerkstelligen kann“, schildert Thoma ihre ersten Eindrücke. Besonders dankbar ist sie dafür, „dass ich mich mit meinen Vorstandskollegen sehr gut austauschen und auf ihren Erfahrungsschatz zurückgreifen kann“.

Anders, als Thoma, die im neuen Vorstand für die Bereiche Personal, Finanzen, Kindertagesstätte und Menüservice zuständig ist, sind ihre ehrenamtlichen Vorstandskollegen Frank Langer und Ralf Schäfer im Kreisverband groß geworden. 

Der 56-jährige Versicherungskaufmann Langer und der 49-jährige Chemielaborant Ralf Schäfer kamen ursprünglich als Wehrersatzdienstleistende im Bereich Katastrophenschutz zum Mülheimer DRK.

Langer, der im neuen Vorstand die Bereiche Sozial- und Wohlfahrtsarbeit verantwortet, kam 1980 zum Kreisverband, in dem er bereits ab 1988 verschiedene Leitungsaufgaben vom Landesbereitschaftsleiter bis zum stellvertretenden Kreisvorsitzenden übernommen hat. „Im Roten Kreuz habe ich meine Heimat gefunden. Hier treffe ich auf eine enorme Gemeinschaft mit enormen menschlichen und fachlichen Potenzialen“, erklärt Langer, was ihn am Kosmos DRK fasziniert. Seine neue Aufgabe, zu der auch die Bereiche soziale Beratung, Flüchtlingshilfe und Integration gehören, sieht Langer vor allem darin, „dafür zu sorgen, dass den 400 Erwachsenen und den 250 Kindern und Jugendlichen, die sich ehrenamtlich im Kreisverband engagieren, ihre Arbeit auch weiterhin Spaß macht.“ Dazu zählt er die Begleitung und Entlastung in organisatorischen, technischen und bürokratischen Angelegenheiten.

Wie sein ebenfalls ehrenamtlicher Vorstandskollege Ralf Schäfer, investiert Langer monatlich 40 bis 60 Stunden in sein Ehrenamt. Wie geht das? „Als selbstständiger Versicherungskaufmann kann ich mir meine beruflichen Termine selbst einteilen“, erklärt Langer. Und Schäfer, der seit 1990 beim Kreisverband aktiv ist, profitiert davon, dass er seine berufliche Arbeit bereits am frühen Morgen beginnen kann und so relativ frei über seine Zeit am Nachmittag und Abend verfügen kann.

„Gemeinsam in einem Team mit geballter Kompetenz den Kreisverband voranzubringen, das finde ich spannend“, erklärt Schäfer seine Motivation zur ehrenamtlichen Vorstandsarbeit. In sein neues Amt bringt er eine langjährige Führungserfahrung aus dem Katastrophenschutz und aus dem Rettungsdienst mit. Innerhalb des Vorstandes kümmert er sich denn auch um die Bereiche Rettungsdienst, Katastrophenschutz, medizinischer Transportdienst und Hausnotrufdienst. Zurzeit liegen etwa Konzepte für eine Erweiterung des kommunalen Rettungsdienstes auf seinem Schreibtisch. Gerade erst wurde ein elektronisch gesicherter Schlüsselschrank für die Fahrzeugschlüssel des Kreisverbandes und für die Wohnungsschlüssel der rund 1000 Hausnotrufteilnehmer angeschafft.

Schäfer sagt: „Andere spielen Fußball oder trainieren eine entsprechende Mannschaft. Ich engagiere mich beim Roten Kreuz, weil ich das als sehr sinnvoll erlebe. Denn es gibt nichts erhebenderes, wenn man von einem Menschen ein ‚Danke‘ bekommt, dem man in einer medizinischen, technischen oder sozialen Notlage helfen konnte.“ 

Dieser Beitrag erschien im DRK-Magazin 2/2018

Sonntag, 12. August 2018

Wiedersehen auf Kreta


Heiners Schmitz (rechts) und sein griechischer Freund
Michaelis auf Kreta
Foto: Ute Schmitz
Für den Mülheimer Fotografen Heiner Schmitz wurde sein Sommerlaub auf Kreta zu einer Zeitreise ins Jahr 1962. Denn er hatte sein Reisetagebuch im Gepäck, das er als 22-Jähriger, während einer Sommerreise zwischen Lehre und Studium geschrieben hatte.


Mit Schlafsack und Rucksack machte er sich damals auf den Weg. Der Vater gab ihm 1000 Mark als Reisekasse mit. „Ich hatte damals eine Sehnsucht nach Stille und Einsamkeit in mir und wollte eine Reise machen, von der ich ahnte, dass ich sie nur zu diesem Zeitpunkt meines Lebens machen könnte“, erinnert sich Schmitz.


Viel hat er in diesem Sommer 1962 erlebt. Doch es war eine Begegnung im Südwesten der griechischen Insel Kreta, die ihn im Kopf geblieben ist. „Ich wanderte durch die Weißen Berge und badete dort in einer Quelle“, erzählt der Ruhrpreisträger. Als er nach der Erfrischung wieder auf den Weg machte, merkte erst nach etwa 1,5 Kilometern, dass er seine Uhr an der Quelle liegen gelassen hatte. „Das versetzte mich überhaupt nicht in Panik, weil ich bis dahin auf meiner Reise nur gute Erfahrungen gemacht hatte und auf sehr gastfreundliche Menschen gestoßen waren, die dem Exoten aus Deutschland wohlwollendes Interesse entgegengebracht hatten“, schildert Schmitz die Situation aus einer Zeit, in der das damals von einer Militärdiktatur regierte Griechenland noch keinen Massentourismus kannte.


Umso irritierter und verzweifelter reagierte der junge Mann aus Mülheim, als er weder seine Uhr noch das Geld, seinen Schlafsack und seine Kamera wiederfand, die er in seinem am Wegesrand abgestellten Rucksack verstaut hatte. „Ich habe mich hingesetzt und vor lauter Wut geheult“, sagt Schmitz.


Doch dann hörte er in der Ferne zwei Männer singen und folgte ihren Stimmen. So traf er auf zwei Imker, die mit der Honigernte beschäftigt waren. Einer von ihnen, der sich ihm als Michaelis und als Sohn des örtlichen Popen vorstellte, sprach Englisch, so dass er sich mit ihm verständigen und ihm sein Leid klagen konnte.


„Ich werde dir alle gestohlenen Dinge zurückbringen. Aber jetzt ruh‘ dich erst mal aus und probiere unseren Honig und unseren Käse, während wir unsere Bienenstöcke abernten“, ließ der zwölf Jahre ältere Grieche aus dem Dorf Ramni den jungen Deutschen aus Mülheim wissen. Der Sohn des Popen kannte seine Nachbarn und wusste genau, wo er nach dem Diebesgut fahnden musste, um sein gewagtes Versprechen einzuhalten. „Ich bekam nicht nur meine Wertsachen zurück, sondern durfte in seinem Elternhaus auch übernachten und mich stärken. Und zum Abschied schrieb mich Michaelis noch einige griechische Zeilen in mein Tagebuch, die ich aber aufgrund meiner fehlenden Sprachkenntnisse nicht entziffern konnte“, erzählt Schmitz den Fortgang der Geschichte, die jetzt bei seinem zweiten Kreta-Urlaub, 56 Jahre später, zu einem berührenden Wiedersehen mit dem inzwischen 90-jährigen Michaelis in Ramni führte, bei dem er, wie im Sommer 1962 mit Käse und Honig willkommen geheißen wurde. Inzwischen wusste Schmitz, der sich die griechischen Zeilen in seinem Reisetagebuch, die er sich hatte übersetzen lassen, bedeuteten: „Der junge Mann, der durch unsere Berge wandert, ist freundlich und kein Spion. Deshalb haben wir ihn aufgenommen!“ Beim Wiedersehen in Ramni verriet Michaelis seinem deutschen Gast: „Meine Zeilen in deinem Reisetagebuch sollten dich schützen. Denn damals wurdest du von der Polizei als vermeintlicher Spion beobachtet.“    


Dieser Text erschien am 11. August 2018 in der NRZ

Samstag, 11. August 2018

Der Urlaub der frühen Jahre

Ernst van Megern hat seine reichen Lebenserinnerungen 
für seine Familie und die interessierte Nachwelt
aufgeschrieben.
„Urlaub, ja das gab es schon in meiner Kindheit“, sagt Ernst van Megern. Mit seiner Mutter, die aus einer Kaufmannsfamilie stammte und selbst ein Schuhgeschäft betrieb, fuhr der 1933 geborene Mülheimer in den Sommern seiner Vorkriegskindheit an die deutsche Nord- und Ostseeküsten. Borkum, Norderney und Bad Doberan hießen die Reiseziele seiner Kindheit, an denen er den Dreiklang aus Sommer, Sonne und Strand genoss und sich als Knirps einen Spaß daraus machte, am Strand die Sonnenanbeterinnen an den Zehen zu kitzeln.

Doch dann kam mit dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939 der Krieg. „Viele Menschen wurden damals vom Krieg völlig überrascht“, erinnert sich van Megern. Ausgerechnet im besetzten Polen, unweit der deutsch-polnischen Grenze, gleich hinter Chemnitz, erlebte der damals Achtjährige auf dem Kotten einer Angestellten seiner Mutter seinen letzten unbeschwerten Kinderurlaub mit dem Streicheln diverser Tiere und Wanderungen.

Im Sommer 1943 flohen van Megern und seine Mutter aus dem von Bomben zerstörten Mülheim nach Baden-Baden. Dort besuchte Ernst die Schule und wurde Mitglied der Jungvolkes. Die der Hitler-Jugend vorgeschaltete Kinder-Organisation der NSDAP sorgte mit Geländespielen und Sport dafür, dass es dem Nachwuchs im Sommer nicht langweilig wurde. Gleichzeitig sollten van Megern und seine Klassenkameraden spielerisch an den militärischen Drill gewöhnt werden.

„Nach dem Krieg war von Urlaub keine Rede mehr. Wir hatten Hunger und waren mit dem Überleben beschäftigt“, erinnert sich van Megern an die Sommer seiner Jugend. Als Schüler des heutigen Otto-Pankok-Gymnasiums, das damals noch staatliches Gymnasium hieß, streunte er während der Sommerferien mit seinem besten Freund Hans Terkatz durch die Stadt. Wenn das Taschengeld reichte, gab es Eis und Swing-Musik im Eiscafé Agnoli an der Schloßstraße. Der schattige Witthausbusch, das Styrumer Freibad und der Ruhrschleusenkanal am Wasserkraftwerk Raffelberg sorgten für willkommene Abkühlung. 

Mit Gerda an den Gardasee

In den Sommerferien 1956 und 1957 erlebte Ernst van Megern, der nach einer Kaufmannslehre bei der Friedrich-Wilhelms-Hütte an der Universität Köln Wirtschaftswissenschaften studierte, die ersten Sommerurlaube mit seiner Verlobten und späteren Frau Gerda. Mit dem Zug und mit dem Ford-Eifel des Vaters ging es in Richtung Süden, einmal an den Gardasee und später nach Baden-Baden. „Damals öffnete sich für uns die Tür zu einer neuen Welt“, sagt van Megern und strahlt. Unvergessen bleiben ihm die ersten Spaghetti und die erste Melone seines Lebens, aber auch die Tatsache, dass die italienischen Gastgeber, anders, als ihre Kollegen in Deutschland, kein Problem damit hatten, dem jungen Paar ein gemeinsames Zimmer zu vermieten. „In Deutschland galt damals noch der sogenannte Kuppeleiparagraf, der es Hoteliers bis 1973 verbot, ein Zimmer an unverheiratete Paare zu vermieten“, erinnert sich van Megern noch heute mit einem Kopfschütteln an die verklemmten 50er Jahre. Die Sexuelle Revolution ließ auf sich warten. Also keine Frühlingsgefühle in den Sommerferien mit der Liebsten? Nein. Denn wo ein Wille ist, war auch schon im Sommer 1957 ein Weg. Van Megern schlich sich abends heimlich in das Zimmer seiner Verlobten, mit der er ab 1960 (bis zu ihrem Tod) 51 glückliche Ehejahre erleben sollte. Am anderen Morgen schlich er sich ebenso heimlich in sein eigenes Zimmer zurück. Dort zerwühlte er dann seine Bettwäsche, damit das Zimmermädchen auch ja nicht auf die Idee käme, dass er nicht in seinem eigenen Zimmer übernachtet habe.

Dieser Text erschien am 11. August 2018 in der NRZ

Freitag, 10. August 2018

"Haben Sie mal eine Brille?"

"Bildung braucht Brillen"! Unter diesem Motto sammeln der im Senegal aktive Bildungsverein Axatin und das Centrum für bürgerschaftliches Engagement (CBE) Brillen für sehbehinderte Kinder im west-senegalesischen M'bour. Dort unterstützt der Verein um die aus dem Senegal stammende Pädagogin Gilberte Raymonde Driesen eine Grundschule in Windouthioulaye. Hier werden zurzeit 100 Kinder von vier Lehrern unterrichtet.
Weil ein im Verein Axatin Senegal aktiver Kinderarzt, der die Schüler regelmäßig untersucht, festgestellt hat, dass viele Kinder aufgrund einer Sehbehinderung dem Unterricht nur unzureichend folgen können, haben Axatin und CBE spontan eine Brillensammlung ins Leben gerufen. "Wir wissen, dass viele Menschen noch alte Brillen in ihren Schubladen liegen haben, die sie nicht mehr brauchen. Und wir hoffen, dass sie uns ihre ausgemusterten Brillen vorbeibringen, damit wir sie den Schülern im Senegal zur Verfügung stellen können", erklärt CBE-Geschäftsführer Michael Schüring den Hintergrund der Aktion, die auch von Mülheimer Augenoptikern unterstützt wird.. 

"Für einen Verein, wie das CBE, passt es gut in unser Konzept einer nachhaltigen Förderung des gesellschaftlichen Engagements, dass wir eine solche Hilfsinitiative unterstützen", betont der CBE-Chef. Gilberte Raymonde Driesen weist darauf hin, dass die Konsultation von Augenärzten und Optikern für viele Dorfbewohner des Departments M'bour sich räumlich und finanziell außerhalb ihres Horizontes bewegt. 

Die Hauptstadt des Departments M'bour liegt im Durchschnitt 20 Kilometer entfernt. Und einen öffentlichen Nahverkehr gibt es in der Savanne nicht. Deshalb sollen die gespendeten Brillen aus Deutschland, frei nach dem Motto: "Probieren, bis eine Brille passt", Eltern und Kindern in M'bour zumindest eine erste Lesehilfe geben, um Bildung erst möglich zu machen.

"Während der vergangenen Wochen, in denen wir unsere Schaufenster entsprechend dekoriert haben, sind bereits 70 Brillen bei uns abgegeben worden", freut sich der Geschäftsführer des CBEs. "Die Frauenorganisation und das Schulamt des Departments unterstützen unsere Brillensammlung mit Informationsarbeit vor Ort. Neben dem Kinderarzt wird uns auch eine Augenoptikerin bei der Untersuchung der Kinder und bei der Verteilung der Brillen helfen", erklärt Gilberte Raymonde Driesen.

Dass die Grundschule in Windouthioulaye inzwischen nicht nur vier Klassenräume, sondern auch ein Schulbüro, einen Magazinraum, eine Mensa und eine Getreidemühle hat, zeigt, dass die Entwicklungshilfe-Arbeit, die Axatin Deutschland und Axatin Senegal leisten, Früchte trägt. Finanzielle Unterstützung durch die deutsche Botschaft in Dakar, durch eine Kirchengemeinde in Augsburg, durch eine Brühler Schule und den Berliner Entwicklungshilfeverein Ast e.V. machten die jüngsten Fortschritte möglich.

Jetzt hoffen die Axatin-Vorsitzende und ihre Mitstreiter ais dem CBE und aus einigen Mülheimer Apotheken, dass die Mülheimer Brillensammlung im Senegal für Durchblick und weitere Bildungsfortschritte sorgen können. Darüber hinaus sind erste Planungs- und Finanzierungsgespräche für den Bau von zwei weiteren Klassenräumen in Windouthioulaye angelaufen. Driesen rechnet mit einem Investitionsbedarf von insgesamt  30.000 Euro aus.

Nicht mehr benötigte Brillen können beim CBE an der Wallstraße 7 abgegeben werden. Das Centrum für bürgerschaftliches Engagement ist montags bis freitags (10-14 Uhr) und dienstags zusätzlich zwischen 15 und 17 Uhr geöffnet: Mehr zum Thema findet man im Internet unter: www.axatin.de und unter cbe-mh.de 


Dieser Text erschien am 7. August 2018 in der Mülheimer Woche

Donnerstag, 9. August 2018

Schauen wir mal genau hin

Je länger ich als Menschenkinder in meiner kleinen Welt auf unserem Planeten unterwegs bin, desto mehr wird mir klar: Männer und Frauen schauen irgendwie anders auf die Welt. Sie sieht jedes Centstück auf der Straße, jede Fluse auf dem Teppich, jeden Müllbeutel, der „herunter gebracht werden muss“, jedes geschmacklose Kleidungsstück und jedes Gramm zuviel an den Passanten, die an ihm und ihr auf der Straße vorbeieilen.

Ihm entgehen weder das kühle Blonde vom Fass noch der flotte Flitzer oder die profilierte Blondine, die an ihm und ihr vorbei  schlendert.  Auch für die Auslagen der Handy- und Computershops nimmt er sich viel Zeit. Dagegen können ihm die textilen Auslagen der Boutiquen, die ihre Blicke fesseln, gerne gestohlen bleiben.

Antoine de Saint-Exupéry hatte eben recht, als er uns in seiner Geschichte vom „kleinen Prinzen wissen ließ, dass man nur mit dem Herzen gut sehen kann. Es führt kein Weg an der Einsicht vorbei, dass am besten gemeinsam auf die Welt schauen.
Denn Er und Sie würden alleine nur die Hälfte von der Welt sehen, die uns mit ihrer Vielfalt lehrt, gemeinsam durchs Leben zu gehen, um den Überblick zu behalten. 

Dieser Text erschien am 8. August 2018 in der NRZ

Mittwoch, 8. August 2018

Freiwilligkeit funktioniert besser, als ein Pflichtjahr

1 Was halten Sie vom Vorschlag der CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karenbauer, ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr für Schulabgänger einzuführen?
Schüring: Im Moment haben wir keinen Anlass, über die Einführung eines solchen Arbeitspflichtjahres nachzudenken. Denn wir haben den Bundesfreiwilligendienst und das Freiwillige Soziale Jahr, das von vielen jungen Menschen zwischen Schule und Beruf zur Orientierung genutzt wird. Jugendliche, die sich freiwillig für eine gute Sache engagieren möchten, kommen regelmäßig beim CBE an der Wallstraße 7 vorbei oder nehmen über unsere Internetseite cbe-mh.de Kontakt mit uns auf.

2 Könnte ein Gesellschaftsjahr Jugendliche an das Ehrenamt heranführen, die sich sonst gar nicht engagieren würden?
Ich halte von einer verpflichtenden Struktur gar nichts. Denn in den Bereichen, über die wir hier sprechen, etwa in der sozialen Arbeit, geht es immer um persönliche Motivation und Freiwilligkeit. Und es gibt in unserer Gesellschaft in allen Lebensphasen viele Menschen, die sich gerne freiwillig für eine gute Sache engagieren.

3 Könnte ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr personelle Engpässe in der Pflege oder bei der Bundeswehr entspannen?
Ich halte überhaupt nichts davon, gesellschaftliche Probleme über ein Pflichtjahr zu lösen, zumal jeder Dienst auch wieder hauptamtliche Ressourcen bindet, die dann woanders fehlen. Für viele Jugendliche ist ein Freiwilliges Soziales oder Ökologisches Jahr eine wertvolle Berufs- und Lebensorientierung, von der wir auch als Gesellschaft profitieren. Vielleicht kann die Debatte dazu beitragen, dass sich der eine oder andere auf den Weg macht, um sich freiwillig in einem Bereich seiner Wahl zu engagieren und nicht erst auf die Einführung eines Pflichtjahr zu warten.  


Dieser Text erschien am 8. August 2018 in NRZ & WAZ

Dienstag, 7. August 2018

Auf die Gärtner kommt es an

Die Steppe kannte ich früher nur aus Abenteuerromanen oder aus Dokumentarfilmen. Heute sehe ich sie in meiner Stadt. Braun statt Grün. Die Ansicht deprimiert mich genauso, wie der Spendenaufruf der Stadt. Soweit sind wir also schon, dass uns das Wasser bis zum Hals steht, weil wir zu wenig Wasser haben und die von unseren ins Stadtsäckel fließenden Steuergeldern  finanzierte Stadt noch nicht mal mehr  flüssig genug ist,  um das Wasser auf unsere öffentliches Grün fließen zu lassen, wo uns der Regen fehlt. Als Mülheim mit Paul Lembke anno 1904 bis 1928 noch einen Oberbürgermeister hatte, der sich nicht mit seinen Spesenabrechnungen beschäftigen musste, sondern das Pflänzchen Mülheim in ebenfalls stürmischen Zeiten mit Ideen und Kontakten zu einem „Ruhrvenedig“ heranwachsen ließ, wussten seine Mitbürger in der Stadt am Fluss, dass alles Fluss war und sie auch dann nicht auf dem Trockenen sitzen würden, wenn ihnen zuweilen das Wasser bis zu Hals stand. Inzwischen ist unsere am Wasser gebaute Stadt als hoch verschuldetes Griechenland an der Ruhr bekannt und jetzt vielleicht auch noch als Sahara an der Ruhr, in der die Stadt ihre Bürger, wie ein Bettler, fragen muss: „Hast du mal einen Euro für die Bewässerung unserer öffentlichen Grünanlagen.

 Muss das sein in einer Zeit, in der unsere Volkswirtschaft blüht und Steuerrekordeinnahmen in die Staatskasse fließen? Höchste Zeit, dass sich unsere politischen Chefgärtner von ihren politischen Spielwiesen verabschieden und am besten mit der Gießkanne und dem Gartenschlauch in der Hand bei der Bewässerung unserer innerstädtischen Steppen darüber nachdenken, wie sie die ihnen anvertraute finanzpolitische Gießkanne so ansetzen, dass niemand bei uns auf dem Trockenen sitzt oder absäuft, einschließlich unseres demokratischen Staatsschiffes und seiner politischen Kapitäne.

Dieser Text erschien am 6. April 2018 in der NRZ

Montag, 6. August 2018

Wohnen im Schaufenster

Der Wohnungsmarkt ist leer gefegt, bezahlbarer Wohnraum aber weiter vonnöten. Da liegt es nahe, die leer stehenden Ladenlokale in der Innenstadt in Wohnlokale umzuwandeln. Gut. Wer in so ein ehemaliges Geschäft einzieht, muss sich schon als Aushängeschild und Vorbild eignen.

Wer im Schaufenster lebt, darf sich keine unaufgeräumten Zimmer oder ein Herumgammeln auf der Couch oder im Bett erlauben. Ich glaube, ich eigene mich doch nicht so gut als Vorbild und Schaufensterfigur und bleibe lieber, wo ich bin, in meinem Zimmer mit Ausblick auf, aber ohne Einblick auf die Straße.

Dieser Text erschien am 4. August 2018 in der NRZ

Sonntag, 5. August 2018

Abendkirmes in der City

"Samstags in der Ciry". So besangen die kölschen Bläck Föös in den 1970er Jahren, was man mit Kind und Kegel beim Samstagseinkauf in der City alles erleben kann.

Inzwischen geht es nicht nur samstags in der City turbulent zu. An so manchem Sommerabend wirkt die Schloßstraße heute, wie ein Großkirmes, die es mit Crange und Co aufnehmen kann. Tresensitzer der anliegenden Kneipen beobachten Kinder und Halbstarke, die die Fußgängerzone mit ihren Rädern oder Skateboards zur Rennstrecke oder zum Spielplatz machen. Da wird der Rasche-Brunnen mal eben zum Swimmingpool oder zur Wasserspritze umfunktioniert und Passanten, auch die, die am Stock oder am Rollator gehen oder im Rollstuhl fahren zu unfreiwilligen Spielgefährten gemacht. 

Die Anwohner, die in der Hitze der fortgeschrittenen Abendstunde ihre Fenster öffnen und das lautstarke Schauspiel beobachten, denke über einen Umzug oder über einen Neuanfang als Schießbudenfigur nach.

Dieser Text erschien am 3. August in der NRZ

Mülheim zu Kaisers Zeiten

  Mit der Kaiserproklamation des preußischen Königs Wilhelm I. im Schloss von Versailles wurde vor 150 Jahren der erste deutsche Nationalsta...