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Zu Gast in Mülheim: Eine Postkartenausstellung lädt ins Haus der Stadtgeschichte ein

100 historische Postkarten aus dem Stadtarchiv zeigen (bis zum 4, Oktober) im Foyer des Hauses der Stadtgeschichte (Von-Graefe-Straße 37) zeigen, wo und wie es sich die Mülheimer zwischen 1880 und 1930 gut gehen ließen.

Mal fotografisch, mal lithographisch, gewähren Hotels, Restaurants. Gaststätten und Ausflugslokale Einblicke in ihre Gastlichkeit, die nicht nur mit kulinarischen Leckerbissen und besten Aussichten auf die schönen Landschaften in der Stadt am Fluss unseren Großeltern und Urgroßeltern ihre knappe Freizeit versüßten.

Das bis heute existierende Restaurant an der Walkmühlenstraße punktete damals mit einer Bootspartie auf dem alten Teich der Walkmühle. Wehmütig schaut der Betrachter auch auf den urigen und gut beschatteten Biergarten der Müller Flora zwischen dem Leinpfad und der Dohne, der um 1900 mit elektrischer Beleuchtung und Leihbooten für eine Partie auf der Ruhr warb.

Ländlich, sittlich lecker ging es bereits seit dem 18. Jahrhundert im Gasthaus Zur grünen Esche zu, das wir heute als Müller Menden an der Mendener Straße/Ecke Steinknappen kennen. Geselligkeit und Genuss im Gasthaus mit Garten. Das gibt es damals, wie heute an der Großenbauemer Straße im Waldschlößchen.

Nur noch auf den historischen Postkarten existent sind dagegen legendäre Lokalitäten, wie das Rheinische Bauernhaus an der Delle/Ecke Friedrichstraße, wo man heute beim Pizza-Imbiss seinen Hunger stillen kann. Auch die Gaststätte Mausefalle an der Bogenstraße in der Altstadt, in der sich um 1870 der Stammtisch der gleichnamigen Bürgergesellschaft gründete, fiel ebenso, wie das beliebte Gasthaus Tersteegensruh im Witthausbusch 1943 den alliierten Bomben zum Opfer. Gleich gegenüber der alten Mausefalle, auf deren Grundstück seit 2016 das Petrikirchenhaus steht, eröffnete 1986 die neue "Mausefalle" im Torbogen zur Altstadt. Auf Grundstück der alten Mausefalle steht seit 2016 das Petrikirchenhaus.

Zumindest als Gebäude erhalten ist das 1890 am Kahlenberg eröffnete Ausflugslokal, das unter anderem mit einem elektrischen Klavier Gäste anlockte, ab 1952 als Jugendherberge und seit 2011 als privates Wohnquartier mit bestem Ruhrblick genutzt wird. Und von den vielen Lokalitäten im Monning-Viertel, das seinen Besuchern anno dazumal auch mit Tanzkapellen und einem Streichelgehege eine angenehme Zeit berereitete, ist heute noch das alte Stammhaus an der Monning und Tanzlokal übrig geblieben. Und last, but not least war auch das Haus der Stadtgeschichte in seinem ersten Leben als Johannesburg eine Gaststätte, ehe sie 1907 zur Augenheilanstalt umgebaut wurde.

Die eintrittsfreie Postkartenausstellung im Haus der Stadtgeschichte ist während der Sommerferien montags und donnerstags von 9 bis 16 Uhr und dienstags von 9 bis 18 Uhr besuchbar. Mit Beginn des neuen Schuljahres am 27. August können Interessierte dort montags bis freitags zwischen 9 und 20 Uhr vorbeischauen. Das Haus der Stadtgeschichte ist mit der Buslinie 131 (Haltestelle Brückstraße) und mit der U18 (Haltestelle Christianstraße) erreichbar. Mehr zum Thema unter: stadtarchiv-mh.de


Dieser Text erschien am 3. August 2018 in der Mülheimer Woche  

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