"Haben Sie mal eine Brille?"

"Bildung braucht Brillen"! Unter diesem Motto sammeln der im Senegal aktive Bildungsverein Axatin und das Centrum für bürgerschaftliches Engagement (CBE) Brillen für sehbehinderte Kinder im west-senegalesischen M'bour. Dort unterstützt der Verein um die aus dem Senegal stammende Pädagogin Gilberte Raymonde Driesen eine Grundschule in Windouthioulaye. Hier werden zurzeit 100 Kinder von vier Lehrern unterrichtet.
Weil ein im Verein Axatin Senegal aktiver Kinderarzt, der die Schüler regelmäßig untersucht, festgestellt hat, dass viele Kinder aufgrund einer Sehbehinderung dem Unterricht nur unzureichend folgen können, haben Axatin und CBE spontan eine Brillensammlung ins Leben gerufen. "Wir wissen, dass viele Menschen noch alte Brillen in ihren Schubladen liegen haben, die sie nicht mehr brauchen. Und wir hoffen, dass sie uns ihre ausgemusterten Brillen vorbeibringen, damit wir sie den Schülern im Senegal zur Verfügung stellen können", erklärt CBE-Geschäftsführer Michael Schüring den Hintergrund der Aktion, die auch von Mülheimer Augenoptikern unterstützt wird.. 

"Für einen Verein, wie das CBE, passt es gut in unser Konzept einer nachhaltigen Förderung des gesellschaftlichen Engagements, dass wir eine solche Hilfsinitiative unterstützen", betont der CBE-Chef. Gilberte Raymonde Driesen weist darauf hin, dass die Konsultation von Augenärzten und Optikern für viele Dorfbewohner des Departments M'bour sich räumlich und finanziell außerhalb ihres Horizontes bewegt. 

Die Hauptstadt des Departments M'bour liegt im Durchschnitt 20 Kilometer entfernt. Und einen öffentlichen Nahverkehr gibt es in der Savanne nicht. Deshalb sollen die gespendeten Brillen aus Deutschland, frei nach dem Motto: "Probieren, bis eine Brille passt", Eltern und Kindern in M'bour zumindest eine erste Lesehilfe geben, um Bildung erst möglich zu machen.

"Während der vergangenen Wochen, in denen wir unsere Schaufenster entsprechend dekoriert haben, sind bereits 70 Brillen bei uns abgegeben worden", freut sich der Geschäftsführer des CBEs. "Die Frauenorganisation und das Schulamt des Departments unterstützen unsere Brillensammlung mit Informationsarbeit vor Ort. Neben dem Kinderarzt wird uns auch eine Augenoptikerin bei der Untersuchung der Kinder und bei der Verteilung der Brillen helfen", erklärt Gilberte Raymonde Driesen.

Dass die Grundschule in Windouthioulaye inzwischen nicht nur vier Klassenräume, sondern auch ein Schulbüro, einen Magazinraum, eine Mensa und eine Getreidemühle hat, zeigt, dass die Entwicklungshilfe-Arbeit, die Axatin Deutschland und Axatin Senegal leisten, Früchte trägt. Finanzielle Unterstützung durch die deutsche Botschaft in Dakar, durch eine Kirchengemeinde in Augsburg, durch eine Brühler Schule und den Berliner Entwicklungshilfeverein Ast e.V. machten die jüngsten Fortschritte möglich.

Jetzt hoffen die Axatin-Vorsitzende und ihre Mitstreiter ais dem CBE und aus einigen Mülheimer Apotheken, dass die Mülheimer Brillensammlung im Senegal für Durchblick und weitere Bildungsfortschritte sorgen können. Darüber hinaus sind erste Planungs- und Finanzierungsgespräche für den Bau von zwei weiteren Klassenräumen in Windouthioulaye angelaufen. Driesen rechnet mit einem Investitionsbedarf von insgesamt  30.000 Euro aus.

Nicht mehr benötigte Brillen können beim CBE an der Wallstraße 7 abgegeben werden. Das Centrum für bürgerschaftliches Engagement ist montags bis freitags (10-14 Uhr) und dienstags zusätzlich zwischen 15 und 17 Uhr geöffnet: Mehr zum Thema findet man im Internet unter: www.axatin.de und unter cbe-mh.de 


Dieser Text erschien am 7. August 2018 in der Mülheimer Woche

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