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Freiwilligkeit funktioniert besser, als ein Pflichtjahr

1 Was halten Sie vom Vorschlag der CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karenbauer, ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr für Schulabgänger einzuführen?
Schüring: Im Moment haben wir keinen Anlass, über die Einführung eines solchen Arbeitspflichtjahres nachzudenken. Denn wir haben den Bundesfreiwilligendienst und das Freiwillige Soziale Jahr, das von vielen jungen Menschen zwischen Schule und Beruf zur Orientierung genutzt wird. Jugendliche, die sich freiwillig für eine gute Sache engagieren möchten, kommen regelmäßig beim CBE an der Wallstraße 7 vorbei oder nehmen über unsere Internetseite cbe-mh.de Kontakt mit uns auf.

2 Könnte ein Gesellschaftsjahr Jugendliche an das Ehrenamt heranführen, die sich sonst gar nicht engagieren würden?
Ich halte von einer verpflichtenden Struktur gar nichts. Denn in den Bereichen, über die wir hier sprechen, etwa in der sozialen Arbeit, geht es immer um persönliche Motivation und Freiwilligkeit. Und es gibt in unserer Gesellschaft in allen Lebensphasen viele Menschen, die sich gerne freiwillig für eine gute Sache engagieren.

3 Könnte ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr personelle Engpässe in der Pflege oder bei der Bundeswehr entspannen?
Ich halte überhaupt nichts davon, gesellschaftliche Probleme über ein Pflichtjahr zu lösen, zumal jeder Dienst auch wieder hauptamtliche Ressourcen bindet, die dann woanders fehlen. Für viele Jugendliche ist ein Freiwilliges Soziales oder Ökologisches Jahr eine wertvolle Berufs- und Lebensorientierung, von der wir auch als Gesellschaft profitieren. Vielleicht kann die Debatte dazu beitragen, dass sich der eine oder andere auf den Weg macht, um sich freiwillig in einem Bereich seiner Wahl zu engagieren und nicht erst auf die Einführung eines Pflichtjahr zu warten.  


Dieser Text erschien am 8. August 2018 in NRZ & WAZ

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