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Donnerstag, 16. Dezember 2021

Zeit zu verschenken?

 Das wertvollste, was wir uns und anderen Menschen, nicht nur zur Weihnachtszeit, schenken können, ist unsere Zeit und Zuwendung.


Das erlebt- und erfährt auch Werbetexterin Christine Stehle aus der Stadtmitte, wenn sie dort ihre 92-jährige Mutter in einer Pflegewohngemeinschaft für demenziell veränderte Menschen besucht.

Leider stellt Stehle, die vor Jahren aus Hamburg in ihre Heimatstadt an der Ruhr zurückgekommen ist, um ihre Mutter daheim zu pflegen, ehe diese jetzt, ihrer Krankheit geschuldet, in eine Pflege-WG umziehen musste.

Gemeinsam gegen Einsamkeit


In Gesprächen und bei Besuchen, die Stehle auch in andere Mülheimer Pflegeeinrichtungen führen, stellt sie immer wieder erschrocken und betroffen fest, dass es gerade unter den demenziell veränderten Senioren, die dort leben müssen, viele Menschen gibt, die niemals Besuch bekommen.

"Das sind nicht nur Menschen ohne Familienangehörige", betont Stehle. Diesen menschlichen Missstand in Zeiten des voranschreitenden demografischen Wandels will die tatkräftige und herzliche Frau mithilfe eines ehrenamtlichen Besuchsdienstes beheben. "Auch wenn demenzkranke Menschen vielleicht später wieder vergessen, dass sie besucht worden sind, erleben sie Besuchskontakte, die auch mit Vorsingen, Vorlesen, Basteln und Erzählen verbunden sein können, doch als Glücksmomente. Und darum geht es mir. Zusammen mit Gleichgesinnten möchte ich für diese zu oft vernachlässigten Menschen, auf deren Schultern wir stehen und von deren Lebensleistung wir heute profitieren, Glücksmomente schaffen", sagt Christine Stehle.

Beim einschlägig erfahrenen Peter Behmenburg vom gleichnamigen Pflegedienst und bei dem in der Müga ansässigen und von Reiner Krafft geführten Familienbildungswerk Eltern werden - Eltern sein e.V. hat Stehle kompetente und organisatorische Unterstützung gefunden.

Weil das 1990 gegründete Familienbildungswerk Eltern werden-Eltern sein als gemeinnütziger Verein organisiert ist, kann Stehle auch Spendenquittungen ausstellen, um damit den Zeitschenkerinnen und Zeitschenkern, die sie auf diesem Weg zahlreich anzusprechen und zu gewinnen hofft, zumindest die Fahrtkosten erstatten kann, die den ehrenamtlichen Besucherinnen und Besuchern im Rahmen ihres Ehrenamtes entstehen könnten.

Und weil der Umgang mit demenziell veränderten Menschen gelernt sein will, werden Stehle und Behmenburg die freiwilligen Zeitschenkerinnen und Zeitschenker vor ihrem ersten Einsatz schulen. Christine Stehle legt Wert darauf, dass sich Menschen aus allen Generationen für dieses menschlich bereichernde Ehrenamt melden können und sollen. Außerdem macht sie klar, "dass jeder Zeitschenker und jede Zeitschenkerin ganz flexibel über den zeitlichen Umfang ihres ehrenamtlichen Besuchsdienstes entscheiden können!"

Wer Christine Stehle als Zeitschenkerin oder als Zeitschenker unterstützen kann und will, erreicht sie unter der Rufnummer: 0173-2417266 oder per E-Mail an: stehle@stehle-text.de

MW, 15.12.2021

Sonntag, 12. Januar 2020

"Wir sind weit mehr als Popoabwischer!"

Jasmin Budick hat es geschafft. Die 24-jährige Styrumerin hat als Altenpflegerin in den Visitus-Seniorenwohngemeinschaften einen Beruf gefunden, der ihrer Persönlichkeit entspricht. "Hilfsbereitschaft ist Ihre größte Stärke!" bescheinigte ihr ein Profiltest der gemeinnützigen Weiterbildungsgesellschaft BBWE. Danach verschaffte sich Budick mit einem Praktikum und einer Ausbildung im Pflegeheim Franziskushaus Gewissheit darüber, dass Altenpflege für sie der richtige Beruf ist.
"Ich habe auch schon mal bei einem ambulanten Pflegedienst gearbeitet. Aber ich brauche Menschen um mich herum, denen ich helfen kann und mit denen ich zusammen arbeite", erklärt Budick, warum sie ihr beruflicher Weg 2016 zurück in die stationäre Pflege in den Visitus-Seniorenwohngemeinschaften an der Friedrichstraße führte. Hier kümmert sich die Altenpflegehelferin mit ihren Kollegen um zwölf Bewohner mit unterschiedlichem Pflegebedarf, die sich in den Wohnbereichen Nordsee und Ruhrpott ein Zimmer gemietet haben und darüber hinaus die gemeinsamen Aufenthalts- und Speiseräume nutzen.
"Die Altenpflege wird in der Öffentlichkeit oft zu negativ dargestellt. Denn sie ist ein vielseitiger Beruf, in dem man mit und für Menschen arbeitet und für sie Verantwortung trägt. Man muss seine Augen und Ohren überall haben. Wir sind also weit mehr als nur Popo-Abwischer", sagt Budick. Von den Senioren, die sie betreut, ein Lächeln geschenkt zu bekommen und die Dankbarkeit für ihre Hilfestellung zu spüren, "berührt mein Herz", wie Budick betont. "Das war für sie ein Gefühl wie Weihnachten", erinnert sich Budick an eine WG-Bewohnerin, die über das ganze Gesicht strahlte, weil ihr die Altenpflegerin abends einen heißen Kakao auf Zimmer brachte, den sich die Seniorin gewünscht hatte.
Ihr berufliches Selbstverständnis als Altenpflegerin beschreibt Jasmin Budick so: "Ich begleite Menschen. Ich bin für sie da, nehme mir Zeit zum Zuhören und Sprechen und ich schaffe ihnen damit ein Zuhause." Pflege. Das bedeutet für die 24-jährige Styrumerin nicht nur Grund- und Wundversorgung. Auch die Zeit für ein aufbauendes Gespräch, für ein gemeinsames Brettspiel oder die Organisation der Weihnachtsfeier gehören für sie genauso dazu.
Was gibt ihr die Kraft für ihre Arbeit? "Ich kann von meiner Arbeit leben. Aber Geld ist nicht alles. Das Materielle ist für mich nicht das Entscheidende. Wichtig ist mir, dass ich mit meinem Herzen bei der Arbeit bin und mit netten Kollegen zusammenarbeiten kann. Denn wenn die menschliche Atmosphäre im Team stimmt, ist die Arbeit gleich viel leichter", erklärt Budick.


Samstag, 11. Januar 2020

"Wie will ich behandelt und versorgt werden?"

Wer mit Beate Lewandowski spricht, lernt eine fröhliche Powerfrau kennen. "Ich habe einfach die Energie", sagt die Altenpflegehelferin über sich selbst. Ihr Akzent verrät ihre polnische Herkunft. Vor 30 Jahren kam die gelernte Köchin aus Oberschlesien nach Deutschland. Zunächst sorgte sie für das leibliche Wohl der Gäste eines Restaurants an der Kölner Straße. Doch als das Restaurant dicht machte und Lewandowski einen neuen Arbeitsplatz brauchte, ging sie die Kölner Straße weiter hinauf und wurde im Dorf der Theodor-Fliedner-Stiftung fündig. 
Dort fing sie vor 24 Jahren als Hauswirtschafterin an, wurde von einer Kollegin, ob ihres hilfsbereiten Umgangs mit den pflegebedürftigen Bewohnern im Wohnbereich Leben im Alter, für die Pflege entdeckt. Nach einer Ausbildung zur Altenpflegehelferin wurde aus der Hauswirtschafts- eine Pflegefachkraft. Die dreifache Mutter, die sich inzwischen auch zuhause um ihren pflegebedürftigen Ehemann kümmern muss, hat diesen Wechsel nie bereut. "Ich arbeite gerne mit Menschen", beschreibt sie ihre Grundhaltung.
Ihr christlicher Glaube, die Unterstützung ihrer erwachsenen Söhne und der gute Geist im Kollegenteam, "in dem ich mich so entfalten kann wie ich bin", geben ihr die Kraft, die sie zuhause und an ihrem Arbeitsplatz braucht, "Gott hat mir die Power gegeben. Aber alleine können wir die Welt nicht retten", sagt Lewandowski. Im Wohnbereich am Mühlenhof 110 ist Lewandowski eine von zwölf Kolleginnen. "Wir haben hier eine gute menschliche Atmosphäre", lobt sie ihre Kollegen.
Wenn sie von ihrer Kindheit mit Eltern, Großmutter und vier Geschwistern in einer Zweizimmerwohnung berichtet, ahnt man, wie sie zu ihrem unverwüstlich scheinenden Lebensmut gekommen ist. Mit Spaziergängen und Schwimmbadbesuchen verschafft sich die starke und bodenständige Frau zusätzliche Schubkraft für Körper und Seele. "Ich frage mich jeden Tag, wie ich selbst behandelt und versorgt werden wollte, wenn ich an der Stelle unserer pflegebedürftigen Bewohner wäre", bringt Beate Lewandowski ihren Arbeitsethos auf den Punkt.
Die Bewohner in ihrem Wohnbereich sieht sie wie Familienangehörige. Miteinander reden und einander zuhören, sich mal drücken und miteinander lachen und wenn es Freude macht, auch mal miteinander tanzen. All das und ähnliche kleine Dinge, die den Alltag schöner machen, gehören für Beate Lewandowski ganz selbstverständlich zur Pflege der Menschen, die an ihrem Arbeitsplatz zu Hause sind. "Hier lernt man toleranter mit den Schwächen des anderen umzugehen", sagt Beate Lewandowski und fügt hinzu: "Wenn das mehr Menschen lernen würden, würde unsere Welt sicher ein besserer Ort."
Dieser Text erschien am 20. Dezember 2019 im Lokalkompass der Mülheimer Woche

Freitag, 10. Januar 2020

"Man muss auch eine Menge Spaß haben!"

Sein Beruf macht ihm Freude. Das sieht man Gerd Soblik-Hartmann an. Er wirkt jünger als die 55 Jahre, die in seinem Personalausweis stehen. Seit 29 Jahren arbeitet er als Altenpfleger. Fast 30 Jahre in der Altenpflege. Und dennoch macht Soblik-Hartmann keinen erschöpften, sondern einen entspannten Eindruck und blickt gespannt und optimistisch in seine berufliche Zukunft beim ambulanten Pflegedienst der Mülheimer Seniorendienste.
Woher kommt seine Kraft, die er braucht, wenn er täglich zwischen 6 und 13 Uhr oder zwischen 15 und 22 Uhr 20 bis 30 Patienten besucht, Grundpflege leistet, Medikamente verabreicht, Blutdruck und Blutzucker misst, zum Arztbesuch motiviert, Ernährungstipps gibt, Stützstrümpfe anzieht, Verbände anlegt oder bei der Benutzung des Handys Hilfestellung gibt? "Man muss auch sehen, dass man eine Menge Spaß hat", sagt Soblik-Hartmann, wenn man ihn nach seinen persönlichen Kraftquellen fragt. An erster Stelle nennt er seine Familie: "Ich habe eine tolle Frau und zwei tolle Kinder", betont der Altenpfleger. Mit Freunden und Familie unterwegs zu sein und gemeinsam etwas zu unternehmen, das lädt seine Akkus ebenso auf wie der wöchentliche Gang ins Schwimmbad.
"Das ist schon eine sportliche Leistung", beschreibt Soblik-Hartmann seinen Arbeitsalltag im ambulanten Pflegedienst. Er hat auch schon in der stationären Pflege und in der Pflegedienstleitung gearbeitet, hat sich dann aber für die Rückkehr in die ambulanten und praktische Pflege entschieden. "Meine Arbeit ist sehr konkret, kreativ und partnerschaftlich. Ich begegne ganz unterschiedlichen Menschen in unterschiedlichen Lebenssituation und kann etwas dafür tun, dass sie wieder mehr Lebensqualität erfahren. Und wenn ich dabei nicht nur altersbedingte Rückschritte, sondern auch kleine Fortschritte sehe, motiviert mich das ungemein", beschreibt Soblik-Hartmann die Erfolgserlebnisse seines Berufslebens. "Dabei kommt mir meine Lebenserfahrung zugute, die mich nicht nur sehen, sondern auch spüren lässt, ob es einem Patienten heute schlechter oder besser geht und ob er heute vielleicht etwas mehr Zeit und Zuwendung braucht", betont der Mann von den Mülheimer Seniorendiensten. 
Aus seiner Lebenserfahrung weiß Solblik-Hartmann, dass sich gute Pflege nicht nur um Blutdruck, Blutzucker, Verbände, Medikamente und Krankheitsgeschichten drehen darf. "Es tut Menschen auch gut, einfach mal über Alltägliches wie die Lieblingssendung im Fernsehen oder über die Lieblingsmusik sprechen zu können." Voraussetzung für gute Pflege ist für Soblik-Hartmann aber auch, "dass ich einen fairen Arbeitgeber habe, der mich als Mensch und Arbeitnehmer fair behandelt und fair bezahlt."
Dieser Text erschien am 20. Dezember 2019 im Lokalkompass der Mülheimer Woche

Montag, 23. September 2019

Frischzellenkur für städtische Pflegeheime

Man sieht es außen und innen auf den ersten Blick. Alles im 1980 eröffneten Haus Auf dem Bruch ist heller freundlicher und großzügiger geworden. Die 14,5 Millionen Euro, die seit 2016 in den Neu- und Ausbau des städtischen Pflegeheims investiert worden sind , haben sich gelohnt.
„Als mir der Geschäftsführer der Mülheimer Seniorendienste (MSD), Alexander Keppers 2015 die ersten Baupläne zeigte, war ich skeptisch, ob sich diese Pläne realisieren ließen. Dass dies gelungen ist, macht mich stolz“, sagt der Vorsitzende des MSD-Aufsichtsrates, Sascha Jurczyk bei der Neu-Eröffnung des neu- und umgebauten Hauses, indem heute 130 alte Menschen zu Hause sind und 110 noch nicht ganz so alte Menschen ihren Arbeitsplatz haben.

Eine Herausforderung

Oberbürgermeister Ulrich Scholten erinnert daran, „dass der demografische Wandel unserer Stadtgesellschaft, in der schon heute 30 % der Menschen 60 Jahre und älter sind, eine Herausforderung darstellt, der wir uns stellen müssen und stellen wollen.“ Der OB macht deutlich, dass auch personelle und finanzielle Grenzen „nicht auf Kosten der Menschenwürde alter und pflegebedürftiger Menschen in unserer Stadt gehen dürfen.“
Ehrenstadtdechant Manfred von Schwarzenberg und Pfarrerin Gundula Zühlke machen in einer ökumenischen Segensfeier zur Neueröffnung des Pflegeheims deutlich: „Wir können keine Steine segnen , sondern nur Menschen, die dieses Haus mit Leben füllen. Und auch wenn die Bauarbeiten an diesem Haus nun abgeschlossen sind, müssen die inneren Bauarbeiten an seinem Leben weitergehen.“
„Wir haben in den letzten 3 Jahren des Umbaus viel Lärm, Staub und Umzüge, aber auch 2 tolle Baustellen-Partys und viel Interessantes erlebt. Und nun wünschen wir uns allen, dass wir an diesem schönen neu gestalteten Ort noch viele glückliche Jahre erleben können“, sagt die Vorsitzende des Bewohnerbeirates, Hannelore Hardenberg, bevor sie mit einem symbolischen Scherenschnitt offiziell das neue Haus Auf dem Bruch seiner Bestimmung übergibt.

Investitionen in die Zukunft

Der Geschäftsführer der MSD, die im Auftrag der Stadt die Pflegeheime Haus Kuhlendahl (eröffnet 1954), Haus Gracht (eröffnet 1967) und eben das Haus Auf dem Bruch in Dümpten betreibt, macht deutlich, „dass wir unsere Pflegeheime jetzt für die nächsten 30 Jahre fit machen.“ Nachdem das Haus Kuhlendahl von 2008 bis 2012 und das Haus Auf dem Bruch zwischen 2016 und 2019 umgebaut und modernisiert worden sind, haben jetzt die Bauarbeiten im Haus an der Gracht begonnen. Laut Keppers werden die Bauarbeiten insgesamt rund 18,5 Millionen Euro kosten bis 2023 abgeschlossen sein.
Ziel der umfangreichen Baumaßnahmen der MSD, die über die Investitions kostenpauschale der Pflegeversicherung, mit Hilfe des Landschaftsverbandes Rheinland refinanziert werden, ist es, die Vorgaben des Wohn- und Teilhabegesetzes zu erfüllen. Danach muss jedes Pflegeheim einen Einzelzimmer-Anteil von mindestens 80 % aufweisen. Im Fall des Hauses Auf dem Bruch konnte der Anteil der Einzelzimmer durch die Neu- und Umbaumaßnahmen von 26% auf 95% gesteigert werden. Hinzu kommt, dass das Haus Auf dem Bruch jetzt über einen großen und multifunktionalen Veranstaltungssaal verfügt und darüber hinaus eine moderne Zentralküche beherbergt, in der die Mahlzeiten für die Bewohner aller städtischen Altenheime zubereitet werden. Hinzu kommt ein zusätzlicher Wohnbereich für dementiell veränderte Bewohner „In allen unseren Einrichtungen bewegt sich der Anteil der dementiell veränderten Bewohner zwischen 70 und 80 %“ sagt MSD-Geschäftsführer Alexander Keppers. 


Donnerstag, 19. September 2019

Fast wie im Hotel

Auch das jüngste Altenheim kommt mal in die Jahre. Und so feiert das zur Stiftung Evangelisches Kranken- und Versorgungshaus gehörende Wohnstift Uhlenhorst am 29. September seinen 25. Geburtstag. Das Pflegeheim, in dem 105 Menschen leben und 100 Menschen arbeiten, öffnet am letzten September-Sonntag zwischen 10 Uhr und 17.30 Uhr seine Türen. Der Festtag beginnt mit einem ökumenischen Gottesdienst und endet mit einem musikalischen Ausklang.
"An diesem Tag können Menschen, die sich für unseren Wohnstift am Broicher Waldweg 95 interessieren das Haus anschauen und Ausschnitte aus unserer Alltagsarbeit kennen lernen, Außerdem stehen Auszubildende unseres Hauses Menschen zur Verfügung, die sich für eine berufliche Zukunft in der Altenpflege interessieren", sagt die Leiterin des Wohnstiftes, Gudrun Gross.
"Die Menschen, die bei uns einziehen, sind heute älter und pflegebedürftiger und leben deshalb in der Regel sehr viel kürzer bei uns, als das noch 1994 und in den darauffolgenden Jahren der Fall war", erklärt Pflegedienstleiter Eric Hörnemann den Wandel des Pflegeheims. "Das ist aber durch die Mitte der 1990er Jahre eingeführte Pflegeversicherung auch so gewollt, die Pflege nach dem Prinzip ambulant vor stationär finanziert", fügt Hörnemann hinzu. Er macht keinen Hehl aus seiner Enttäuschung darüber, dass die für das Pflegepersonal bereitgestellten Finanzmittel seit Einführung der Pflegeversicherung nicht erhöht worden sind.

Wie eine zweite Familie

Die examinierte Krankenpflegehelferin Krystyna Sobek, die seit 25 Jahren im Wohnstift Uhlenhorst arbeitet, erlebt jeden Tag, was es  bedeutet, dass der Anteil der demenziell veränderten Bewohner im Laufe der letzten 25 Jahre von 10 auf 60 Prozent angestiegen ist. Dennoch versichert sie glaubhaft, "... dass mir meine Arbeit weiter Freude macht, weil ich von Bewohnern und Angehörigen viel Dankbarkeit zurückbekomme und mit netten Kollegen zusammenarbeiten darf, die für mich wie eine Familie sind, weil sie, wie ich, mit Herzblut an die Arbeit für unsere Bewohner herangehen."

Kulturelles und mehr für alle Bürger

Im Rückblick sagt Einrichtungsleiterin Gudrun Gross: "Wir hatten damals Glück, weil der vom damaligen Stiftungsdirektor des Evangelischen Krankenhauses, Volkmar Spira und vom Mülheimer Architekten Aribert Riege geplante Bau des Wohnstiftes unter keinem Kostendruck stand und allein von fachlichen Gesichtspunkten geleitet war." Möglich wurde diese Großzügigkeit durch die finanzielle Unterstützung des Mülheimer Industriemanagers Alexander Wiedenhoff, der mit seinem Vermächtnis den wirtschaftlichen Grundstock für das Wohnstift und seine 105 Einzelapartments  sowie 5 Apartments für betreutes Wohnen gelegt hatte. Der Veranstaltungssaal des Pflegeheims trägt seinen Namen. Hier werden Gottesdienste gefeiert und kulturelle Veranstaltungen abgehalten, die ebenso wie das Schwimmbad des Hauses dafür sorgen, dass das Wohnstift Uhlenhorst auch für Menschen zum Anziehungspunkt wird, die weder als Bewohner noch als Angehöriger mit dem Haus verbunden sind.


Bessere ÖPNV Anbindung gewünscht

Doch seine Leiterin Gudrun Gross wünscht sich zum Geburtstag vor allem eine bessere Busverbindung in die Stadt. Zurzeit fährt die Linie 134, die vor dem Wohnstift hält nur stündlich. "Von einer besseren Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr würden nicht nur Angehörige , Bewohner und Besucher, sondern auch die derzeit acht ehrenamtlichen Mitarbeiter unseres Hauses profitieren, die dringend Verstärkung brauchen", sagt Gross.



Donnerstag, 1. August 2019

"Ich möchte nicht als Bittstellerin behandelt werden!"

In Deutschland sind 3 Millionen Menschen pflegebedürftig. 2 Millionen von ihnen werden von Angehörigen zu Hause gepflegt. Wie ergeht es ihnen? Eine Mülheimerin (72), die ihren an Alzheimer erkranken Ehemann pflegt, berichtet:
Ich will mein Ehemann pflegen. Wir haben uns versprochen, dass wir uns in guten und in schlechten Zeiten beistehen. Heute lebe ich das Leben meines Mannes. Durch seine Alzheimererkrankung ist er hilfsbedürftig, orientierungslos und ängstlich. Er ist er auf mich fixiert. Er wird unruhig, sobald ich aus seinem Blickfeld verschwinde.

Vieles geht nicht mehr

Urlaub, Ausflüge, Museumsbesuche, Spaziergänge, Gespräche! Was früher selbstverständlich war, geht heute kaum oder gar nicht.
Wenn wir gemeinsam mit dem Hund rausgehen, im Café ein Eis essen, einkaufen oder einen Imbiss einnehmen, ist das schon was Besonderes.
Die Alzheimererkrankung meines Mannes wurde 2016 sichtbar, als er sich immer öfter verfuhr oder verlief, was früher nie vorkam. Er hat aggressiv auf seiner Erkrankung reagiert, die er nicht wahrhaben wollte. Sein Zustand hat sich kontinuierlich verschlechtert. Er hat auch helle Momente. Manchmal weint er, wenn er seine Hilflosigkeit realisiert.
Mein Mann ist ein humorvoller Mensch. Manchmal kann ich die Situation dadurch entspannen, dass ich etwas Lustiges erzähle oder ihm etwas vorsinge. Mein Mann braucht einen festen Tagesablauf. Jede Veränderung macht ihn unruhig und ängstlich. Besonders wichtig sind ihm das morgendliche Marmeladenbrot, das gemeinsame Mittagessen und sein Kakao am Abend. Einkäufe oder Restaurantbesuche sind schwierig und von der Tagesform eines Mannes abhängig. Er kann nicht abwarten, wenn wir im Supermarkt vor der Kasse in der Schlange stehen oder im Restaurant auf unser Essen warten müssen. Leider erlebe ich es immer wieder, dass Menschen darüber lachen wie ich mit meinem Mann rede, wenn ich ihn beruhigen möchte.

Mehr Einfühlungsvermögen der Umwelt gewünscht

Ich wünsche mir mehr Einfühlungsvermögen und Hilfsbereitschaft. Menschen, die mich bemitleiden und mir vorjammern wie schlimm alles ist, kann ich nicht gebrauchen. Ich weiß wie schwierig es ist. Aber ich bin ein Verstandesmensch und nehme das Leben wie es kommt, weil ich gelernt habe, mit schwierigen Situationen im Leben umzugehen. Ich glaube, dass wir ein vorbestimmtes Schicksal haben und uns unseren Lebensaufgaben stellen müssen.
Mindestens einmal am Tag wird mein Mann bockig. Diese Blockaden brechen etwa auf, wenn ich ihn wasche oder ihm abends beim Auskleiden helfe und er ins Bett gehen soll. Ich habe meinen Mann abends schon mal in seiner Alltagskleidung im Sessel sitzen lassen, weil er sich nicht ausziehen und nicht ins Bett gehen wollte. Es gibt Situationen, bei denen auch das beste Zureden keinen Sinn hat und man die Situation nehmen muss wie sie ist. Sonst verschwendet man seine Energie. Mein Ehemann ist an 3 Tagen in der Woche, jeweils von 8 bis 16 Uhr, in einer Tagespflegegruppe, in der er professionell betreut wird und im Rahmen seiner Möglichkeiten mit anderen Alzheimerpatienten seinen Tag kreativ und sinnvoll gestalten kann.
"Diese Entlastung ist für mich wie der Himmel auf Erden. Dann kann ich alles erledigen, was sonst liegen bleibt, weil ich mich um meinen Mann kümmern muss."
Pflegende Angehörige (72)
Dann kann ich ungestört ausschlafen. Das ist nachts kaum möglich, da mein Mann nachtaktiv ist und kein Zeitgefühl hat. Auch wenn ich von Freunden eingeladen werde oder mich mit anderen pflegenden Angehörigen treffe, muss ich eine Betreuung für mein Mann organisieren und finanzieren.
Durch die Pflegebedürftigkeit meines Mannes sind die sozialen Kontakte stark eingeschränkt. Viele Aktivitäten musste ich aufgeben. Auch die Nachbarn können nur selten helfen, weil sie keine Zeit oder kein Interesse haben oder selbst alt und pflegebedürftig sind. Meine Kinder können mich nur teilweise unterstützen, da sie nicht in Mülheim leben. Ich habe aber eine sehr engagierte und verantwortungsbewusste Haushaltshilfe gefunden, die mich im Alltag unterstützt und entlastet.
Einen Kurzzeitpflegeplatz für meinen Mann zu finden, wenn ich Urlaub machen möchte, ist wie die Suche nach einer Nadel im Heuhaufen. Die vorhandenen Kurzzeitpflegeplätze in den Pflegeheimen haben sich rapide reduziert, weil die Einrichtungen im Zuge des Bundesteilhabegesetzes nur noch Einzelzimmer für ihre Bewohner haben dürfen. 

Geschenk des Himmels: Die Haushaltshilfe

Einen Kurzzeitpflegeplatz für meinen Mann zu finden, wenn ich Urlaub machen möchte, ist wie die Suche nach einer Nadel im Heuhaufen. Die vorhandenen Kurzzeitpflegeplätze in den Pflegeheimen haben sich rapide reduziert, weil die Einrichtungen im Zuge des Bundesteilhabegesetzes nur noch Einzelzimmer für ihre Bewohner haben dürfen.
Durch die Umbaumaßnahmen und den Wegfall von Zweibettzimmern sind viele Kurzzeitpflegeplätze weggefallen. Im April hatte ich Glück. In einem Pflegeheim an der Nordsee habe ich einen Kurzzeitpflegeplatz für meinen Mann gefunden. Gleichzeitig konnte ich dort mit meiner Familie Urlaub machen. In Mülheim einen Kurzzeitpflegeplatz zu finden, ist derzeit faktisch unmöglich. Wann ich wieder einen Kurzzeitpflegeplatz für meinen Mann finde und Urlaub machen kann, ist ungewiss.
Die Leistungen der Pflegeversicherung decken nicht alle finanziellen Belastungen ab, die mit der Krankheit und der Pflegebedürftigkeit meines Mannes einhergehen. Doch sie sind für mich eine große Hilfe. Mit ihnen kann ich die Tagespflege für meinen Mann und eine gelegentliche Betreuung finanzieren, wenn ich das Haus verlassen muss.

Mehr Hilfe, weniger Bürokratie

Mein Wunsch? Die Menschen sollen sich mit den Themen Alzheimer und Pflegebedürftigkeit auseinandersetzen und so mehr Verständnis für die Situation pflegebedürftiger Menschen und pflegender Angehöriger bekommen. Auch eine Bürgerversicherung, in die alle Bürger einzahlen müssen, um die sozialen Sicherungssysteme mitzufinanzieren, fände ich gut. Ich könnte mir auch vorstellen, dass wir in Deutschland die Pflegekosten durch unsere Steuereinnahmen finanzieren und damit auf alle Schultern verteilen. Wir brauchen mehr Menschen, die sich um pflegebedürftige Menschen kümmern und weniger Menschen, die den Pflegebürokratie verwalten. Ich will als pflegende Angehörige bei der Pflegekasse und beim Medizinischen Dienst der Krankenkassen nicht herablassend als Bittstellerin behandelt werde.

Sonntag, 21. Juli 2019

Pflege nimmt Politik unter die Lupe

Die Pflegestärkungsgesetze des Bundes haben die Realität in den Pflegeheimen nicht verbessert. Darin waren sich rund 30 Führungs- und Fachkräfte der Mülheimer Pflegeheime mit ihrem Referenten, dem Hamburger Sozialrechts-Professor und Rechtsanwalt Roland Richter einig.
Bei einer Fachtagung ihrer Arbeitsgemeinschaft im Haus Ruhrgarten kritisierte Roland Richter nicht nur die verantwortlichen Gesundheits- und Sozialminister des Bundes und der Länder, sondern auch die „nicht funktionierende Rückkopplung“ zwischen den Spitzenfunktionären der Berufsfachverbände und den Praktikern in den Pflegeheimen.

Finanzierung aus einer Hand

Viel wäre aus Sicht des Hamburger Pflegerechtsexperten gewonnen, wenn die Pflegedienstleistungen nicht aus diversen Budgets über Landschaftsverbände, Bezirksämter und Sozialämter, sondern einheitlich durch den Bund finanziert würde. „Wer die Musik bestellt, muss sie auch bezahlen“, sagt Richter mit Blick auf die Auswirkungen der Pflegestärkungsgesetze auf die stationäre und ambulante Pflege. Er plädiert für eine Pflegeversicherung im Rahmen einer umfassenden gesetzlichen Krankenversicherung. Auch die Tatsache, dass Pflegekräfte in der ambulanten Pflege im Durchschnitt 20 Prozent weniger verdienen als ihre Kollegen in den stationären Pflegeeinrichtungen, würde er als Bundesgesundheitsminister revidieren. „Diese Einkommensschere muss weg“, sagt er. Unabhängig von der Frage, ob die in der Altenpflege gebrauchten Fachkräfte auf dem deutschen oder internationalen Markt zu bekommen sind, weist Richter darauf hin, dass das Schließen der Personallücke in der stationären Pflege in Deutschland bis zu 5 Milliarden Euro kosten würde.

Auch auf die Basis hören

Den Gesundheits- und Sozialministern des Bundes und der Länder rät der Jurist, sich nicht nur von sogenannten Pflegeexperten aus den Chefetagen der Fachverbände, sondern auch von Leuten aus der Pflegepraxis beraten zu lassen. Mit welcher Bürokratie die Pflegekräfte in den Pflegeheimen von ihrer eigentlichen Arbeit abgehalten werden, macht sein Parforceritt durch die 400-seitige Pflegedokumentation deutlich.
Der Geronto-Psychiater, Helmut Schaffert, der die Arbeiterwohlfahrt in Fragen der Altenpflege berät, sieht das Grundproblem darin, „dass der tatsächliche Zeit- und Arbeitsaufwand in der Pflege in ihrer auf den fünf Pflegraden basierenden Finanzierung nicht abgebildet wird.“ Er könnte sich auch eine steuerfinanzierte Pflege vorstellen wie sie in Dänemark bereits praktiziert wird.

Pflegefachlehrer fehlen

„Positiv überrascht“ ist der Leiter der Bildungsakademie für pflege Berufe des Kreises Mettmann, Bodo Keißner-Hesse davon, „dass immer noch so viele junge Leute positiv und mit voller Überzeugung trotz der schwierigen Rahmenbedingungen in die Altenpflege gehen.“ Er weist darauf hin, dass es zurzeit nicht nur einen Mangel an Pflegefachkräften sondern auch an Pflegefachlehrern gibt. Allein in Nordrhein-Westfalen fehlen, laut Keißner-Hesse, aktuell 770 Pflegefachlehrer. Dieser Mangel führe dazu, so Keissner-Hesse, derzeit stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbandes der Altenpflege, dass 15.000 Bewerber für den Altenpflegeberuf gar nicht ausgebildet werden könnten. Die Folge: Trotz eines akuten Fachkräftemangels in der Altenpflege hat Keißner-Hesses Bildungsakademie eine Warteliste, auf der bisher noch nicht berücksichtigte Bewerber stehen. Ebenso wie Roland Richter, sieht Keißner-Hesse die ab 2020 greifende Generalisierung der Pflegeausbildung sehr skeptisch: „Wir werden an Breite gewinnen, aber an Tiefe verlieren“, fürchtet er. In diesem Zusammenhang macht der Sozialrechts Professor Richter deutlich, dass die von der Bundesregierung versprochen 13.000 Pflegekräfte noch lange nicht in der Praxis angekommen sind. Seine Blitz-Umfrage unter den 50 anwesenden Altenpflege-Führungs- und Fachkräften macht das deutlich. Nur eine Hand geht nach oben, als er danach fragt, welche Pflegeeinrichtung denn schon eine der 13.000 neuen Altenpflegefachkraftstellen habe einstellen können. Helmut Schaffert erklärt diese Tatsache mit dem ungemein aufwendigen Antragsverfahren, das viel zu viel Zeit von Altenpflegefachkräften binde.

Der Personalschlüssel entscheidet

Professor Richter macht deutlich, dass die Schaffung neuer Stellen nicht ausreicht, wenn nicht auch der Personalschlüssel an die praktischen Bedürfnisse der Altenpflege angepasst werde. „So werden zusätzliche Kräfte in der nächtlichen Betreuung der Pflegeheimbewohner kontraproduktiv auf den Personalschlüssel der Tagesbetreuungskräfte angerechnet, so dass am Ende kein wirklicher Gewinn für die Einrichtung und ihre Bewohner bleibt.“

Dieser Text erschien am 17. Juli 2019 im Lokalkompass der Mülheimer Woche

Donnerstag, 1. November 2018

Lebensqualität bis zuletzt

Nichts ist so sicher im Leben wie der Tod. Die meisten Menschen haben weniger Angst vor dem Tod als vor dem Sterben. Sie wollen ihre letzten Tage zuhause in vertrauter Umgebung und nicht in einer Klinik, angeschlossen an Apparate, erleben.
Deshalb hat der Allgemein- und Palliativmediziner Marc Rockhoff die Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung, kurz SAPV-Niederrhein, ins Leben gerufen. Zu seinem Team gehören 5 Pflegekräfte, 2 angestellte und 4 kooperierende Ärzte, 1 Psychologin und sein Freund Christian Schippers, der sich als Betriebswirt um die finanzielle Seite der von der Krankenkasse bezahlten spezialisierten ambulanten Palliativversorgung kümmert.
"Ich habe keine depressiven, sondern zufriedene Menschen getroffen", schildert Schippers seinen Eindruck einer Hospitanz bei den pflegenden und behandelnden Kollegen der SAPV. "Vielen unserer Patienten wird im Krankenhaus gesagt: 'Wir können nichts mehr für Sie tun!' Aber man kann viel für schwerstkranke und sterbende Menschen tun, in denen man ihnen Lebensqualität verschafft", sagt Pflegedienstleiterin Alexandra Rot. Sie hat vorher über viele Jahre auf der Intensivstation eines Krankenhauses gearbeitet. Als wohltuend empfindet es die Krankenpflegerin, "dass wir Zeit haben und uns diese auch nehmen, um genau das für unsere Patienten zu tun, was sie wollen und brauchen."
"Bei uns geht es nicht um Behandlung, sondern um Begleitung. Bei uns wird Kommunikation groß geschrieben. Wir müssen ehrlich sein und die Worte Sterben und Tod in den Mund nehmen. Unsere Patienten wollen ernst genommen werden und darauf haben sie auch ein Recht", ergänzt die Internistin und Palliativmedizinerin Stefanie Schwarz. "In den Krankenhäusern fehlt oft ein Konzept für den angemessenen Umgang mit sterbenden Menschen und ihren Angehörigen. Das hat auch damit zu tun, dass Ärzte und Pflegekräfte unter Zeitdruck stehen", weiß Schwarz aus ihrer Zeit als Klinik-Ärztin.
Wie alle medizinischen und pflegenden Mitarbeiter der SAPV hat Schwartz eine 160-stündige Zusatzausbildung in Sachen Palliativversorgung absolviert. Dabei ging es eben nicht nur um die medizinische Behandlung von Schmerzen, Luftnot und Übelkeit, wie sie häufig bei schweren Erkrankungen in der letzten Lebensphase auftreten, sondern auch um psychologische Gesprächsführung mit Patienten und deren Angehörigen. "Wir konkurrieren nicht mit Ärzten, Kliniken, Pflegediensten und Pflegeheimen. Wir ergänzen und unterstützen sie und sind so Teil eines großen Netzwerks", unterstreicht Rot.
Den wichtigsten Mehrwert der spezialisierten Palliativversorgung sehen Schwarz und Rot darin, "dass wir den Drehtür-Effekt verhindern!" Der führt dazu, dass falsch eingestellte Patienten gegen ihren Willen ihre vertraute häusliche Umgebung verlassen und in eine Klinik eingewiesen werden müssen. Dagegen umhüllt die Palliativversorgung, wie es der lateinische Wortstamm sagt, sterbende Menschen mit einem "Mantel", der sie wärmt und stärkt und dafür sorgt, dass sie das Leid ihrer letzten Lebenstage ertragen und bis zuletzt Lebensqualität erfahren. Weitere Informationen zum Thema findet man im Internet unter: www.sapv-niederrhein.de
Dieser Text erschien am NN. Oktober 2018 im Niederrhein-Anzeiger

Sonntag, 7. Oktober 2018

Ein offenes Ohr für pflegende Angehörige

Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen: 73 Prozent der 2,9 Millionen pflegebedürftigen Menschen in Deutschland werden daheim versorgt. Folgt man der Gesundheitsberichterstattung des Bundes, dann pflegen 4,7 Millionen Deutsche Angehörige zu Hause und bilden damit den größten Pflegedienst der Republik.
Diese oft belasteten und auch schnell überlasteten Menschen, will die 2013 gegründete und ehrenamtlich arbeitende Dialogoffensive Pflege jetzt mit UTA helfen.

UTA steht für Unterstützungstelefon für Angehörige von Pflegebedürftigen. Unter der kostenfreien Rufnummer 0800 342 5641 sind ab sofort und rund um die Uhr Pflegefachkräfte und Sozialarbeiter erreichbar, die ein offenes Ohr und bei Bedarf nicht nur zuhören, sondern auch weiterhelfen können. Auf Wunsch können Anruf auch anonym bleiben. Drängende Fragen wie: Wer kann mir helfen? Wie kann es weitergehen, können geklärt werden.

"Wir müssen erst mal schauen, wie unser Angebot angenommen wird. Aber wir wissen aus Gesprächen, dass es pflegenden Angehörigen schon helfen kann, wenn Sie mit ihren Sorgen ein offenes Ohr finden und sich vorbehaltlos aussprechen können", sagt Jörg Marx von der Dialogoffensive Pflege. Mehr zum Thema findet man im Internet unter: www.dialogoffensive-pflege.de.

Dieser Text erschien am 3. Oktober 2018 in der Mülheimer Woche

Freitag, 7. September 2018

Kneippen im Engelbertus-Stift

Im katholischen Engelbertus-Stift, das zur Contilia-Gruppe gehört, hat man sich vor drei Jahren auf den Weg gemacht, eine Kneipp-Einrichtung zu werden. Jetzt konnte Einrichtungsleiter Dirk Wiegmann aus den Händen der Landesvorsitzenden, Josi Marten, das entsprechende Zertifikat des Kneipp-Bundes in Empfang nehmen. Dem Kneippbund gehören in Deutschland 160.000 Mitglieder an.

5000 Euro hat das Pflegeheim in Material und Fortbildung investiert, um, wie es Dirk Wiegmann erklärt, "unseren Bewohnern etwas Gutes zu tun und den Einsatz von Medikamenten zu reduzieren."

Jetzt gehören morgendliche Barfußgänge im hauseigenen Garten, Kneipp-Exkursionen zur Duisburger Sechs-Seen-Platte, Wassergüsse, Fußbäder, Kräutertees, Yoga, Wadenwickel und Honigbretter zum Alltag in dem Pflegeheim, in dem sich 100 Mitarbeiter um 150 Bewohner kümmern.

"Die praktische Orientierung an den Grundprinzipien des Pfarrers Sebastian Kneipp hat dazu geführt, dass Mitarbeiter und Bewohner achtsamer miteinander umgehen und dadurch mehr Lebensfreude erleben und mehr Lebensmut entwickeln", freut sich Alexander Banowski vom Aktivteam des Engelbertus-Stiftes.

Auch Bewohner, wie die 98-jährige Elisabeth Cremers und der 85-jährige Friedhelm Rettinghaus bestätigen, dass ihnen die täglichen Kneipp-Kuren gut tun, in dem sie ihnen eine bessere Durchblutung, warme Füße und ein stabiles gesundheitliche Wohlgefühl verschaffen.

"Die Natur ist die beste Apotheke. Das vom Schöpfer der Menschheit verliehene Wasser und die aus dem Pflanzenreich ausgewählten Kräuter machen das Wesentliche aus, Krankheiten zu heilen und den Körper gesund zu machen." So hat Pfarrer Sebastian Kneipp (1821-1897) die Quintessenz seiner auf den fünf Säulen Wasser, Pflanzen, Bewegung, Ernährung und seelische Balance beruhenden Erkenntnisse einmal selbst beschrieben.  

Wer sich mit den Regeln des Sebastian Kneipp weitergehend beschäftigen möchte, wird im Internet unter: www.kneipp.com fündig.

Mittwoch, 1. August 2018

Das Evangelische Krankenhaus bietet eine Ausbildung in Teilzeit an

Als erste Klinik im Ruhrgebiet bietet das EKM eine Teilzeitausbildung in der Krankenpflege an. Azubis sollen genug Zeit für eigene Kinder haben.

Als erste Klinik im Ruhrgebiet und als dritte Klinik in Nordrhein-Westfalen bietet das Evangelische Krankenhaus eine Teilzeitausbildung in der Krankenpflege an.
Senem Civak (27) und Marina Liebich (28) sind zwei von fünf Frauen, die am 1. September ihre Teilzeitausbildung zur Krankenpflegerin in der Klinik beginnen.

Vier statt drei Jahre Ausbildungszeit

„Die neuen Kolleginnen werden eine 75-Prozent-Stelle bekommen und vier statt drei Jahre für ihre Ausbildung benötigen“, sagt Stationsleiterin Nicole Clemens. Die zweifache Mutter und Führungsfachkraft hat im Laufe ihres Berufslebens auch schon zeitweise Teilzeit gearbeitet. „Das ist ein Modell mit Zukunft, weil es sich flexibel an die Lebensbedürfnisse der Menschen anpasst und uns so hilft, Fachkräfte für die Pflege zu gewinnen“, sagt sie.
Senem Civac und Marina Liebich haben beide zwei Kinder und möchten „nicht nur Krankenpflegerin, sondern auch Mama sein.“ Beide haben bereits ein Berufsleben als Anwaltsgehilfin und als Innenarchitektin hinter sich. Beide bezeichnen den Pflegeberuf „als meinen Traumberuf, weil ich Menschen gerne helfe.“ Beide haben sich auch mit einem Praktikum auf ihre zweite Berufsausbildung vorbereitet, Senem Civak im Pflegeheim Engelbertus-Stift und Marina Liebich im Evangelischen Krankenhaus.

Mehr gewonnene Lebenszeit

Angst vor den Herausforderungen und Zumutungen eines sehr dankbaren und sinnvollen, aber auch körperlich und seelisch anstrengenden Berufes haben die angehenden Krankenpflegerinnen nicht. „In jedem Beruf gibt es angenehme und schwierige Aufgaben und in jedem Beruf muss man Verantwortung übernehmen“, sind sie sich einig.
Martin Motzkus, seit 26 Jahren Krankenpfleger im Evangelischen Krankenhaus, sieht das auch so. Seit fünf Jahren arbeitet der zweifache Familienvater in Teilzeit und hat diese Entscheidung nicht bereut. „Wenn man als Vater mehr Zeit für seine Kinder hat, um mit ihnen auf den Spielplatz zu gehen oder ihnen abends eine Gute-Nacht-Geschichte vorzulesen, ist das ein Stück zusätzliche Lebensqualität, die ich nicht missen möchte“, sagt Martin Motzkus. Seine gewonnene Lebenszeit nutzt er nicht nur für seine Familie, sondern auch für einen nebenamtlichen Lehrauftrag am Bildungsinstitut der Ategris.

Dieser Text erschien am 11. Juli 2018 in NRZ/WAZ

Schwarzes Gold

  Noch bis zum 1. Dezember kann man im Haus der Stadtgeschichte an der Von-Graefe-Straße in die Geschichte des Mülheimer Bergbaus eintauchen...