Direkt zum Hauptbereich

Fast wie im Hotel

Auch das jüngste Altenheim kommt mal in die Jahre. Und so feiert das zur Stiftung Evangelisches Kranken- und Versorgungshaus gehörende Wohnstift Uhlenhorst am 29. September seinen 25. Geburtstag. Das Pflegeheim, in dem 105 Menschen leben und 100 Menschen arbeiten, öffnet am letzten September-Sonntag zwischen 10 Uhr und 17.30 Uhr seine Türen. Der Festtag beginnt mit einem ökumenischen Gottesdienst und endet mit einem musikalischen Ausklang.
"An diesem Tag können Menschen, die sich für unseren Wohnstift am Broicher Waldweg 95 interessieren das Haus anschauen und Ausschnitte aus unserer Alltagsarbeit kennen lernen, Außerdem stehen Auszubildende unseres Hauses Menschen zur Verfügung, die sich für eine berufliche Zukunft in der Altenpflege interessieren", sagt die Leiterin des Wohnstiftes, Gudrun Gross.
"Die Menschen, die bei uns einziehen, sind heute älter und pflegebedürftiger und leben deshalb in der Regel sehr viel kürzer bei uns, als das noch 1994 und in den darauffolgenden Jahren der Fall war", erklärt Pflegedienstleiter Eric Hörnemann den Wandel des Pflegeheims. "Das ist aber durch die Mitte der 1990er Jahre eingeführte Pflegeversicherung auch so gewollt, die Pflege nach dem Prinzip ambulant vor stationär finanziert", fügt Hörnemann hinzu. Er macht keinen Hehl aus seiner Enttäuschung darüber, dass die für das Pflegepersonal bereitgestellten Finanzmittel seit Einführung der Pflegeversicherung nicht erhöht worden sind.

Wie eine zweite Familie

Die examinierte Krankenpflegehelferin Krystyna Sobek, die seit 25 Jahren im Wohnstift Uhlenhorst arbeitet, erlebt jeden Tag, was es  bedeutet, dass der Anteil der demenziell veränderten Bewohner im Laufe der letzten 25 Jahre von 10 auf 60 Prozent angestiegen ist. Dennoch versichert sie glaubhaft, "... dass mir meine Arbeit weiter Freude macht, weil ich von Bewohnern und Angehörigen viel Dankbarkeit zurückbekomme und mit netten Kollegen zusammenarbeiten darf, die für mich wie eine Familie sind, weil sie, wie ich, mit Herzblut an die Arbeit für unsere Bewohner herangehen."

Kulturelles und mehr für alle Bürger

Im Rückblick sagt Einrichtungsleiterin Gudrun Gross: "Wir hatten damals Glück, weil der vom damaligen Stiftungsdirektor des Evangelischen Krankenhauses, Volkmar Spira und vom Mülheimer Architekten Aribert Riege geplante Bau des Wohnstiftes unter keinem Kostendruck stand und allein von fachlichen Gesichtspunkten geleitet war." Möglich wurde diese Großzügigkeit durch die finanzielle Unterstützung des Mülheimer Industriemanagers Alexander Wiedenhoff, der mit seinem Vermächtnis den wirtschaftlichen Grundstock für das Wohnstift und seine 105 Einzelapartments  sowie 5 Apartments für betreutes Wohnen gelegt hatte. Der Veranstaltungssaal des Pflegeheims trägt seinen Namen. Hier werden Gottesdienste gefeiert und kulturelle Veranstaltungen abgehalten, die ebenso wie das Schwimmbad des Hauses dafür sorgen, dass das Wohnstift Uhlenhorst auch für Menschen zum Anziehungspunkt wird, die weder als Bewohner noch als Angehöriger mit dem Haus verbunden sind.


Bessere ÖPNV Anbindung gewünscht

Doch seine Leiterin Gudrun Gross wünscht sich zum Geburtstag vor allem eine bessere Busverbindung in die Stadt. Zurzeit fährt die Linie 134, die vor dem Wohnstift hält nur stündlich. "Von einer besseren Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr würden nicht nur Angehörige , Bewohner und Besucher, sondern auch die derzeit acht ehrenamtlichen Mitarbeiter unseres Hauses profitieren, die dringend Verstärkung brauchen", sagt Gross.



Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Am liebsten hört sie Radio: Margarete Sonnenschein feierte jetzt ihren 100. Geburtstag

"Wie alt bin ich jetzt? 100?!“ fragt Margarete Sonnenschein, während sie mit ihren Mitbewohnerinnen in der Villa Nestor bei Kaffee und Kuchen ihren dreistelligen Geburtstag feiert. 

Seit zehn Jahren lebt sie  in einer Wohngemeinschaft, die von den Pflegepartnern betreut wird. Weil sie aufgrund einer Makuladegeneration nicht mehr sehen kann, hört sie am liebsten Radio. Besonders bedauert sie es, dass ihr Lieblingsmoderator Jürgen Domian nicht mehr auf Sendung ist. Seine seelsorgerischen Gespräche mit Menschen in unterschiedlichsten und schwierigsten Lebenslagen hat die ehemalige Bibliothekarin und Buchhändlern immer besonders gerne gehört. Deshalb freut sich Sonnenschein darüber, dass ihr Pflegedienstleiterin Karin Eberlein und ihre Mitbewohnerinnen eine CD-Sammlung mit Domians besten Gesprächen geschenkt haben.

Schwere Zeiten kennt die Dame, die zweimal verheiratet war und vor 35 Jahren ihren einzigen Sohn begraben musste, nur zu gut.

Noch im Ersten Weltkrieg geboren, musste sie die…

Suchtfaktor Karneval

Sie ist die jüngste der 13 Mülheimer Karnevalsgesellschaften, die KG Aunes Ees. Zwölf Karnevalsfreunde aus der damals aufgelösten KG Düse formierten sich im Juli 2017 zur neuen KG Aunes Ees. „Aunes Ees ist mölmsch Platt und bedeutet anders als, weil wir anders sind als viele andere Karnevalsgesellschaften“, erklärt der Vorsitzende der neuen Gesellschaft Jörg Schwebig die Namenswahl.
Anders als die anderen mölmschen Gesellschaften, gibt es bei Aunes Ees neben einer Aktivengarde auch eine integrative Garde, in der Menschen mit und ohne Handicap ihren Spaß am Tanz gemeinsam auf die Bühne bringen. Dass es dazu kam, hat mit Schwebigs Bruder Frank und seiner Schwägerin Vivian zu tun, Sie sind Eltern einer behinderten Tochter, die in einer integrativen Tanzgarde einer Duisburger Gesellschaft aktiv war. Doch das Mädchen und seine Gardekolleginnen fühlten sich ihrer bisherigen Gesellschaft nicht mehr gut aufgehoben und wechselten deshalb 2017 geschlossen in die neue Mülheimer Karnevalsgesellsch…

Welche Chancen haben Förderschüler auf dem Arbeitsmarkt? Die gute Nachricht lautet: Zeugnisse und Noten sind eben nicht alles, wenn es um den Einstieg in den Beruf geht

„Alles wird gut.“ So steht es auf einer Holzskulptur, die der Geschäftsführer der Berufsbildungswerkstatt (BBWe), Thomas Aring, von Lehrgangsteilnehmern aus dem Berufsfeld Farbe und Raumgestaltung zum Geburtstag geschenkt bekommen hat. Gilt das auch für Förderschüler, wenn sie ihren geschützten Lernraum verlassen und auf dem Arbeitsmarkt einen Ausbildungsplatz suchen? Aring schätzt, dass aktuell rund 20 Prozent seiner insgesamt 500 Lehrgangsteilnehmer von der Förderschule kommen. Sie alle konnten nach der Schule keinen Ausbildungsplatz bekommen und trainieren jetzt im Rahmen eines Berufsvorbereitsungsjahres oder eines Werkstattjahres für den ersten Ausbildungsmarkt.


„Viele, die zu uns kommen, erleben im ersten halben Jahr einen richtigen Entwicklungsschub und sind dann auch besonders motiviert“, berichtet Aring. Wie es im optimalen Fall laufen kann, zeigen die 17-jährige Katharina Schaefer und der 19-jährige Patrick Hoppe. Beide haben eine Mülheimer Förderschule für Lernbehinderte bes…