Direkt zum Hauptbereich

Kleine Weltgeschichte

Jetzt berichtete mir der Schatzmeister des Fördervereins Mülheimer Städtepartnerschaften, Joachim Schiwy begeistert von seiner seinen Reiseeindrücken aus dem früher deutschen und heute polnischen Oppeln. Der Förderverein, der 2020 sein 25-jähriges Bestehen feiert, fühlt die Mülheimer Städtepartnerschaften mit Darlington, Tours, Kouvola, Oppeln, Kfar Saba und Beykoz durch Bürgerfahrten und Bürgerbegegnungen mit Leben. „Wir richten den Blick nicht auf Völker, sondern auf Menschen, denen wir in unseren Partnerstädten begegnen. Damit tragen wir unser Scherflein zur Völkerverständigung bei“, sagt Joachim Schiwy. Wie wichtig das ist , sehe ich in unsererm Familienalbum. Dort schaut mich mein Großonkel Josef Overmeyer an. Ich sehe einen jungen, sportlichen und lebenslustigen jungen Mann mit seiner Frau. Die beiden strahlen Lebensfreude und Zuversicht aus. Was sie nicht wissen, ist dass ihr gemeinsames Leben nur kurz sein wird. Denn am 16. September 1944 stirbt mein Großonkel als Soldat der deutschen Wehrmacht in der damaligen Sowjetunion an den Folgen eines Kopfschusses mit 33 Jahren und wird in einem Massengrab verscharrt, nachdem er in einem Krieg gekämpft hat, der nicht seiner war. 14 Tage bevor er fällt, hat er seine Mutter zu Grabe getragen. Und sein Vater, der ihn überlebt, wird den Tod seines Sohnes nie verwinden. Das ist im Kriegsjahr 1944 millionenfache Familien- und Weltgeschichte. 75 Jahre danach dürfen wir froh sein, das es auch in unserer Stadt einem Verein gibt, der Menschen aus Partnerstädten zusammenbringt und damit ihren Ländern ein Gesicht gibt, das uns vom unschätzbaren Wert eines friedlichen Zusammenlebens überzeugt, ob in unserer Stadt, im europäischen Haus  oder im globalen Dorf.

Dieser Text erschien am 18. September 2019 in der NRZ

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Am liebsten hört sie Radio: Margarete Sonnenschein feierte jetzt ihren 100. Geburtstag

"Wie alt bin ich jetzt? 100?!“ fragt Margarete Sonnenschein, während sie mit ihren Mitbewohnerinnen in der Villa Nestor bei Kaffee und Kuchen ihren dreistelligen Geburtstag feiert. 

Seit zehn Jahren lebt sie  in einer Wohngemeinschaft, die von den Pflegepartnern betreut wird. Weil sie aufgrund einer Makuladegeneration nicht mehr sehen kann, hört sie am liebsten Radio. Besonders bedauert sie es, dass ihr Lieblingsmoderator Jürgen Domian nicht mehr auf Sendung ist. Seine seelsorgerischen Gespräche mit Menschen in unterschiedlichsten und schwierigsten Lebenslagen hat die ehemalige Bibliothekarin und Buchhändlern immer besonders gerne gehört. Deshalb freut sich Sonnenschein darüber, dass ihr Pflegedienstleiterin Karin Eberlein und ihre Mitbewohnerinnen eine CD-Sammlung mit Domians besten Gesprächen geschenkt haben.

Schwere Zeiten kennt die Dame, die zweimal verheiratet war und vor 35 Jahren ihren einzigen Sohn begraben musste, nur zu gut.

Noch im Ersten Weltkrieg geboren, musste sie die…

Welche Chancen haben Förderschüler auf dem Arbeitsmarkt? Die gute Nachricht lautet: Zeugnisse und Noten sind eben nicht alles, wenn es um den Einstieg in den Beruf geht

„Alles wird gut.“ So steht es auf einer Holzskulptur, die der Geschäftsführer der Berufsbildungswerkstatt (BBWe), Thomas Aring, von Lehrgangsteilnehmern aus dem Berufsfeld Farbe und Raumgestaltung zum Geburtstag geschenkt bekommen hat. Gilt das auch für Förderschüler, wenn sie ihren geschützten Lernraum verlassen und auf dem Arbeitsmarkt einen Ausbildungsplatz suchen? Aring schätzt, dass aktuell rund 20 Prozent seiner insgesamt 500 Lehrgangsteilnehmer von der Förderschule kommen. Sie alle konnten nach der Schule keinen Ausbildungsplatz bekommen und trainieren jetzt im Rahmen eines Berufsvorbereitsungsjahres oder eines Werkstattjahres für den ersten Ausbildungsmarkt.


„Viele, die zu uns kommen, erleben im ersten halben Jahr einen richtigen Entwicklungsschub und sind dann auch besonders motiviert“, berichtet Aring. Wie es im optimalen Fall laufen kann, zeigen die 17-jährige Katharina Schaefer und der 19-jährige Patrick Hoppe. Beide haben eine Mülheimer Förderschule für Lernbehinderte bes…

Vom Untergang einer kleinen Geschäftswelt: Vor 30 Jahren wurden die Bahnbögen an der Bahnstraße geöffnet

Der 30. und 31. Januar ist in meinem Kalender rot angestrichen", erzählt Familienforscherin Bärbel Essers. Dass das so ist, hat mit der Geschichte ihrer Familie zu tun. Denn am 30. und 31. Januar 1981 wurde das Geschäft ihrer Eltern am Bahnbogen 19 abgerissen. Mit diesem Abriss ging vor 30 Jahren eine lange Geschäftstradition unter den Bahnbögen an der Bahnstraße zu Ende. Denn als Gerhard Essers 1955 dort sein Geschäft für Angler- und Campingbedarf eröffnete, war er nicht der einzige Geschäftsmann, der unter den 1865 errichteten und 1866 als Eisenbahntrasse in Betrieb genommenen Bahnbögen sein Quartier aufgeschlagen hatte.
Seine 1961 geborene Tochter erinnert sich nicht nur an eine legendäre Pommesbude, eine Eisdiele und den Löschbogen, der damals noch wirklich unter dem Bahnbogen Bier und mehr ausschenkte und die traditionelle Stammkneipe der Marktleute war.

Als Essers noch ein Kind war, handelten ihre Nachbarn unter den Bahnbögen zum Beispiel mit Lederwaren, Obst und Gemüse, Kart…