Samstag, 6. Juni 2026

Ein Platz für den Kaiser

Als Parkplatz bleibt der Kaiserplatz in der Mitte Mülheim unter seinen Möglichkeiten, entspricht aber in seiner Funktion einer Stadt mit 174.000 Einwohnern, in der es rund 100.000 Kraftfahrzeuge gibt und die damit eine der deutschen Städte mit der höchsten Kraftfahrzeugdichte ist.

Immerhin strahlt noch das Café in dem 1899 errichteten Haus, dass viele alte Mülheimer noch als Rosenhof kennen, etwas majestätisches aus. Auch einige Häuser vis-a-vis an der Althofstraße können und wollen ihre architektonische Herkunft aus der Zeit des Deutschen Kaiserreiches nicht verleugnen. Alte Postkarten, die in der kaiserzeit das waren, was heute E-Mails und WhatsApp Nachrichten sind, zeigen den Kaiserplatz in der ganzen Stattlichkeit seines Namens, den er mit seiner Schaffung 1875 erhalten hat. Damals wurde dort der Teich der alten Altenhofmühle, um einen repräsentativen Platz mit Aufenthaltsqualität zu schaffen. Von motorisierter Massenmobilität und der Notwendigkeit von Parkplätzen war damals noch keine Rede. Und Kaiser Wilhelm II. konnte sich der Illusion hingeben, dass sich das Auto langfristig nicht gegen das Pferd und die von ihm gezogene Kutsche durchsetzen werde.

Als es mit dem Kaiser und seinem Reich 1918 zu Ende ging, und aus dem Kaiserreich die Weimarer Republik wurde, wurde der Kaiserplatz zu einem zentralen Platz für politische Kundgebungen. Letztere arteten vor allem unter dem Eindruck der Weltwirtschaftskrise in den Jahren 1929 bis 1932 immer öfter in Gewalt aus, wenn sich die Kampfverbände der Kommunisten und der Nationalsozialisten, der Rotfrontkämpferbund und die SA, ihre Weltanschauung um die Ohren hauten.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde aus dem Kaiserplatz 1937 der Platz der SA, der seinen alten Namen aber zurückerhielt, als das tausendjährige Reich der Nationalsozialisten nach 12 Jahren 1945 vorbei war und seine materiellen und moralischen Trümmer hinterlassen hatte.

Mit dem Wiederaufbau der stark kriegszerstörten und kriegsbeschädigten Innenstadt kam in den 1950er Jahren das westdeutsche Wirtschaftswunder, das die Autodichte in unserer Stadt massiv ansteigen und die Anlage von Parkplätzen notwendig erscheinen ließ. So kam der Kaiserplatz zu seiner heutigen profanen Funktion.

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