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Montag, 11. Oktober 2021

Hoffentlich gut geimpft

Habe ich etwas verpasst? Ist der Wahlkampf und die Zeit der Wahlplakate nicht vorbei? Tage nach der Bundestagswahl, da ich schon mit der Demontage der Wahlplakate gerechnet hatte, die uns bis zum 26. September mit politischen Botschaften geimpft haben. Jetzt sehe ich eine neue bunte Bürgerliste in unserer Stadt großformatig plakatiert. Sicher ist nach der Wahl immer vor der Wahl. Aber so schnell? Bei genauem Hinschauen erkenne ich die überparteiliche Botschaft, die dem gesunden Menschenverstand und keiner Ideologie entspringt: "Nur Impfen hilft!" Es geht um die Impfung gegen das Corona-Virus und darum, das eine Bürgerpflicht, die keine ist, aber ein Gebot der Mitmenschlichkeit und Solidarität in Zeiten einer lebensgefährlichen Pandemie sein sollte. Ein Freund weist mich auf in unserer Zeitung veröffentlichtes Foto hin, das die neuen SPD-Bundestagsabgeordneten, unter ihnen auch den Mülheimer MdB Sebastian Fiedler, in bester sozialdemokratischer Manier Seit an Seit, aber, gar nicht Corona-konform, unmaskiert und ohne Sicherheitsabstand zeigt. Nur der gelb umkreiste SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach lässt vorbildlich maskiert seinen Worten zur Corona-Pandemie Taten folgen. Wir wissen nicht, womit die neuen SPD-Bundestagsabgeordneten geimpft worden sind. Wir können nur in unser aller Interesse hoffen, dass nicht nur die Mitglieder der stärksten Bundestagsfraktion nicht nur gegen das Corona-Virus, sondern auch gegen das Virus der Dummheit, der Ignoranz, der Intoleranz, der Beratungsresistenz, der Rechthaberei, der Verschwendungssucht, der Symbolpolitik und des politischen Populismus geimpft sind. Alles andere wäre für uns lebensgefährlich und würde unsere Gesellschaft krank machen.


NRZ, 05.10.2021

Donnerstag, 5. November 2020

Vorsicht Symbolpolitik

Ich mag Fahrradfahrer, zumindest die, die in die Pedale treten, um umweltschonend voranzukommen ans Ziel zu kommen. Denn das ist ein besserer Klimaschutz als jede Fridays-for-Future-Demo. Gar nicht gerne komme ich aber den Fahrradfahrern In die Quere, die mir zu Fuß oder mit anderen Verkehrsmitteln begegnen und ganz prinzipiell in ihrem Alltagsleben nach oben buckeln und nach unten treten. Denn das sind diejenigen, die die menschliche Stagnation unserer Gesellschaft befördern und den sozialen Fortschritt ausbremsen. So wie manche Fahrradfahrer, die sich mit ihrem umweltfreundlichen Verkehrsmittel auf dem richtigen Weg wähnen, aber sich gegenüber den Fußgängern, die ihren Weg kreuzen, manchmal das Recht des stärkeren herausnehmen, dass sie zu Recht bei rücksichtslosen Autofahrern mit eingebauter Vorfahrt beklagen.  Aber ich gönne all den Radfahrern, die sich redlich bemühen durchs Leben zu kommen gute und sichere Radwege, vor allem dann, wenn sie bei Ihrer Radtour den Grundsatz beherzigen: „Ich bremse auch für Fußgänger!“ Als ich jetzt ich den Bus auf der Mendener Straße am Kahlenberg vorbeikam, entdeckte ich Mülheims neuesten neuesten Fahrradweg. Der war recht sparsam mit einigen Farbmarkierungen und rot-weißen Warnbalken von der ohnehin engen Fahrbahn unterhalb des Kahlenbergs abgetrennt. Ich konnte aus der 1. Reihe beobachten, wie riskant und zum Teil lebensgefährlich dieser gut gemeinte, aber schlecht gemachte Radweg für alle Verkehrsteilnehmer, ganz besonders aber für die Radfahrer, ist. Sie sind wie die Fußgänger ohne Knautschzone unterwegs. Während sich der fließende Auto- und Busverkehr unterhalb des Kahlenbergs jetzt immer wieder staut und damit den CO-2-Austoß erhöht, müssen die Fahrradfahrer wie die Hasen Haken schlagen um auf den beiden viel zu engen Randfahrstreifen unbeschadet im Sattel zu bleiben und ans Ziel zu kommen. Das ist ein klassischer Fall von gut gemeinter, aber schlecht gemachter Symbolpolitik. Das Prinzip: „Wasch mich, aber mach mir den Pelz nicht nass.“ Führt immer auf den Holzweg oder in die Sackgasse. Wenn wir schon aus gutem Grund eine ökologische Verkehrswende anstreben , sollten wir von unseren niederländischen Nachbarn und ihren Fahrradstraßen und autofreien Innenstädten lernen wie man umweltfreundliche Mobilität erleben und erfahren kann, ohne unter die Räder zu kommen.


 Dieser Text erschien in der NRZ vom 2. November 2020

Schwarzes Gold

  Noch bis zum 1. Dezember kann man im Haus der Stadtgeschichte an der Von-Graefe-Straße in die Geschichte des Mülheimer Bergbaus eintauchen...