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Es werden Posts vom August, 2010 angezeigt.

Porträt: Erich Rall ist ein Lobbyist für die Schwachen: Am 1. September feiert der Dümptener VDK-Vorsitzende seinen 80. Geburtstag

Wer ihn sieht, glaubt es nicht. Aber sein Pass dokumentiert es. Erich Rall wurde am 1. September 1930 geboren. Und das bedeutet, dass er in der kommenden Woche seinen 80. Geburtstag feiert. Längst könnte er seinen Ruhestand genießen. Stadessen organisiert er seit sechs Jahren das Vereinsleben des Dümptener Sozialverbandes VDK, lädt die über 400 Mitglieder zu Stammtischen, bei denen nicht nur die Geselligkeit gepflegt wird, sondern regelmäßig auch sozialpolitische und sozialrechtliche Themen besprochen werden.

Zusammen mit seiner Lebensgefährtin Christel Bach organisiert er außerdem regelmäßig Ausflüge und Feste. Warum tut er das? Rall antwortet mit seinem Lebensmotto: "Anderen helfen, wo man kann. So fängt die eigene Freude an. Diese Freude gönnt er sich schon seit einigen Jahrzehnten.

Denn als Betriebsrat und Vertrauensmann hat sich Rall schon um die Belange seiner schwerbehinderten Kollegen gekümmert, bevor er 1983 zum Sozialverband VDK stieß, dessen Kreisvortand er später angehö…

Vom Leben mit der Kohle. Rechtzeitig zum Siedlerfest gibt es eine neue Broschüre über den Alltag zwischen Mausegatt- und Kreftenscherstraße

„Wenn ein Mensch stirbt, verbrennt eine ganze Bibliothek“, sagt ein japanisches Sprichwort. Walter Schmidt, der seit 1954 in der ab 1899 errichteten Bergmannssiedlung Mausegatt/Kreftenscheer lebt, ist mit seinen 78 Jahren Gott sei Dank noch quicklebendig. Dennoch hielt der ehemalige Bergmann, der ab 1951 auf der Heißener Zeche Wiesche sein tägliches Brot verdiente, in dem er „Kohle machte“, jetzt die Zeit für gekommen, zusammen mit Birgit Schlegel vom Förderverein der Siedlergemeinschaft Mausegatt/Kreftenscheer seine eigenen und die ihm von alten Nachbarn überlieferten Erinnerungen an das Leben und den Alltag in der Heißener Bergmannssiedlung aufzuschreiben.Rechtzeitig zum Siedlerfest, das am 3. und 4. September gefeiert wird, ist mit finanzieller Unterstützung der Sparkasse eine reich bebilderte Broschüre entstanden, in der man auf 64 Seiten nachlesen kann, wie das damals war, mit dem Leben in der Colonie Wiesche, der Nachbarschaftshilfe, dem Kinderkriegen, den Freizeitvergnügen und …

Wenn ein Foto zum Kunstwerk wird: Ein Gespräch mit dem Ruhrpreisträger Heiner Schmitz

Fotograf Heiner Schmitz lässt noch bis zum 9. September 26 seine archaisch starken Bilder in der Galerie der Sparkasse für sich sprechen, die 1997/98 in Israel, Palästina und Jordanien entstanden sind und unter dem Titel „Land der Vergegnungen“ das Problem der Wasserverteilung im Nahen Osten dokumentieren. Für die NRZ sprach mit ihm über seine Profession, die gestern mit dem Ruhrpreis für Kunst und Wissenschaft ausgezeichnet wurde.

Was macht ein Foto zum Kunstwerk?
Ein Foto soll den Betrachter reizen, das, was er sieht, weiterzudenken. Fotokunst geht immer über die korrekte handwerkliche Abwicklung hinaus. Sie sollte mehr sein als die Abbildung der Wirklichkeit und beim Betrachten immer zu einer gewissen Irritation führen. Als Fotograf will ich mit meinen Bildern eine Aussage betonen oder eine neue Aussage schaffen.

Welches Ihrer Fotomotive hat Sie nachhaltig beeindruckt?
Extrem wichtig sind mir meine ersten Portraitfotos, auf denen deutlich wird, dass die Portraitierten genau wissen, das…

Vor 65 Jahren wurde der von den Nazis entlassene Schulleiter Josef Brüggemann vom Bürgerausschuss wieder eingesetzt: Ein Schulbeispiel

Mein NRZ-Beitrag über den ersten Nachkriegsschultag am 6. August 1945 weckte bei Klaus Möltgen Erinnerungen an seinen Großvater Joseph Brüggemann. Denn der wurde am 21. September 1945 vom Bürgerausschuss, der von der britischen Militärregierung ernannten Stadtvertretung zum Leiter des staatlichen und des städtischen Gymnasiums bestellt, die man heute als Otto-Pankok- und Karl-Ziegler-Schule kennt.

Weil das staatliche Gymnasium damals noch weitgehend vom Krieg zerstört war, lernten die Schüler beider Gymnasien im ersten Nachkriegsschuljahr unter der Leitung Brüggemanns im städtischen Gymnasium an der Schulstraße. Dass die Schulleiterwahl auf Brüggemann fiel, obwohl der damals 66-jährige Pädagoge bereits pensioniert war, hatte nicht nur mit seinem guten Pädagogenruf, sondern auch mit seiner allgemein bekannten Gegnerschaft zum NS-Regime zu tun. Brüggemann, den sein Enkel Möltgen als "gütigen Großvater" in Erinnerung behalten hat, der ihm in seiner Wohnung am Kassenberg lieber G…

Der Sternlauf der Religionen endet am 29. August mit einem Fest in der Müga

Wenn für die eigene Mannschaft auf dem Rasen gar nichts mehr läuft, schickt mancher Fußballfan ein Stoßgebet gen Himmel. Und es gibt Fußballspieler, die sich vor dem Anpfiff oder nach einem Torschuss bekreuzigen. Doch was haben Sport und Religion abseits solcher Glaubensgesten miteinander zu tun?

Der Präsident des Landessportbundes, Walter Schneeloch und der Vorsitzende des Landesarbeitskreises Kirche und Sport, Friedhelm Kreiß, sind sich in der Antwort einig: Dem Sport gehe es wie den Religionen, so sagen sie, um die Vermittlung von Werten wie Fairness, Solidarität, Frieden und Integration. Beide bringen es aus ihrer Perspektive auf den Punkt: "Sport ist mehr als 1:0", betont LSB-Präsident Schneeloch. Und Kirchenmann Kreiß betont: "Uns geht es um die Ganzheit von Leib und Geist. Denn Kirche ist mehr als das Amen nach dem Gottesdienst."Auf dieser geistigen Brücke entstand die Idee, sich im Rahmen der Kulturhauptstadt Ruhr 2010 mit einem Sternlauf der Religionen &quo…

Was Sport und Kirche voneinander lernen können: Ein Gespräch mit Pfarrer und Tischtennisspieler Wolfgang Sickinger

Wer könnte fachkundiger über die Zusammenhänge von Sport und Religion Auskunft geben als Pfarrer Wolfgang Sickinger, der in seiner Freizeit beim TSV Heimaterde oder zuletzt beim Ruhr-2010-Stilleben auf der A 40 Tischtennis spielte. Für die NRZ befragte ich ihn zum Doppelpass zwischen Sport und Religion.

Was können Pfarrer von Sportlern lernen und umgekehrt?
Von Sportlern können wir als Pfarrer die Konzentration auf ein Ziel lernen: wie Sportler einen Wettkampf, ein Turnier, ein Spiel gewinnen wollen und sich dafür vorbereiten. So könnten Pfarrer mit der Gemeinde oder für ein Projekt gezielt auf ein Ergebnis hinarbeiten und versuchen, dafür die Voraussetzungen zu schaffen, so weit das möglich ist. Gemeinsam Ziele erreichen zu wollen ist auch in der Kirche sinnvoll. Umgekehrt könnten Sportler von Pfarrern lernen, dass Fitness und Pokale nicht das Wichtigste im Leben sind. Jesus sagt: Was würde es dem Menschen helfen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?

Tu…

Wo und wie der Mensch und seine Kollege Computer eine zweite Chance bekommen

Ruhestand. Manche Menschen nehmen ihn wörtlich und wollen als Rentner in Ruhe gelassen werden. Die 180 in dem 2005 gegründeten Netzwerk der Evangelischen Kirchengemeinde Saarn aktiven Ruheständler lassen es zwar auch ruhig angehen, sind aber weiter offen für neue Menschen, neue Aktivitäten und neue Ideen. Gemeinschaft und Engagement werden ganz unspektakulär gepflegt und entfalten so ihren menschlichen Mehrwert.

So machen auch die Computer-Cracks, die ihre Netzwerkgruppe vor fünf Jahren aus der Taufe hoben, ihr gemeinsames Hobby für andere Menschen fruchtbar, indem sie zum Beispiel im Gemeindezentrum der Christuskirche am Lindenhof Computerkurse für Senioren anbieten oder bei ihrem wöchentlichen Treff, jeweils mittwochs von 11 bis 13 Uhr, gerne Fragen rund um Hardware und Software beantworten. Von ihrer neuesten Idee, alte Computer mit Festplatten, Soundcards und Co neu aufzurüsten, um sie dann Menschen zu spenden, die einen Computer brauchen, aber nicht bezahlen können, kam jetzt als …

Heinz und Hilde Schmidt betreuen seit 40 Jahren ehrenamtlich den Seniorentreff des Roten Kreuzes an der Prinzeß-Luisen-Straße in Broich

Nehmen wir an: Sie sind 30, haben eine Familie gegründet und stehen mitten im Beruf. In dieser Situation bietet Ihnen jemand eine ehrenamtliche Tätigkeit für die nächsten 40 Jahre an. Sicher lehnen Sie dankend ab und erklären den Anbieter für verrückt.Doch auf dieses Abenteuer haben sich Heinz und Hilde Schmidt vor 40 Jahren eingelassen. Heinz arbeitete damals beim werksärztlichen Dienst der Mannesmann Röhrenwerke und engagierte sich neben seinem Beruf ehrenamtlich als Sanitäter beim Deutschen Roten Kreuz (DRK). Hilde hatte als junge Mutter von zwei kleinen Jungs zu Hause alle Hände voll zu tun. In dieser Situation wurden die beiden Eheleute von der damaligen DRK-Geschäftsführerin Herta von Knoblauch gefragt, ob sie nicht den neuen DRK-Seniorentreff an der Prinzeß-Luisen-Straße betreuen wollten: „Das ist nicht viel Arbeit. Sie müssen nur Kaffee kochen und sich ein bisschen mit den Leuten unterhalten. Ihre Butterbrote bringen sich die Besucher selber mit“, hieß es damals.

Und weil die …

Was macht eigentlich der Ruhrpreisträger Christian Rickert? oder: Am Anfang war die Zeichnung

Man kannte sie, weil sie Schlagzeilen machten, weil ohne sie nichts gelaufen wäre oder weil sie für kurze Zeit im Rampenlicht standen. Wie ist es ihnen ergangen, was machen sie heute? Für die NRZ fragte jetzt beim Maler Christian Rickert (Foto: privat) nach, der vor 40 Jahren mit dem Ruhrpreis für Kunst und Wissenschaft ausgezeichnet wurde und vor wenigen Tagen seinen 70. Geburtstag feiern konnte."

Am Anfang war die Zeichnung" steht auf seiner Internetseite: www.christian-rickert.com. Tatsächlich begann sein Künstlerleben mit Bleistiftzeichnungen, ein Genre, das er auch heute noch großformatig in seinem Berliner Atelier pflegt. Gerade erst hat er die 100 x 70 Zentimeter große Zeichnung "Die Horde überzieht das Land" vollendet."Wer die Horde ist, kann sich jeder selbst denken", sagt er mit einem Anflug subtiler Ironie, die seinem gesamten Werk nicht fremd ist.

Wer seine Bilder und Zeichnungen, wie etwa das um 1970 entstandene Ölgemälde "Gemütliches Beis…

Was sagen sozialpolitische Praktiker zur möglichen Einführung einer Bildungschipkarte für Kinder aus Hartz-IV-Familien?

Bildung vom Nachhilfe- über den Musikschulunterricht bis zur Mitgliedschaft im Sportverein soll es für Kinder und Jugendliche aus Familien, die Arbeitslosengeld II beziehen, künftig per Chipkarte geben. Was sagen sozialpolitisch engagierte Mülheimer zum Vorschlag von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen? Die Ministerin reagiert damit auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes, das eine Neuberechnung der Hartz-IV-Regelsätze für Kinder fordert. Langfristig möchte von der Leyen die Bildungskarte mit Hilfe von Spenden und Sponsoring für alle Kinder einführen.

Die bei der Caritas für die sozialen Dienste zuständige Abteilungsleiterin Martina Pattberg findet es „grundsätzlich gut, wenn bildungsferne Familien gefördert werden“, sieht aber auch eine stigmatisierende Wirkung und weist darauf hin, dass auch Kinder aus Familien mit geringem Einkommen einen entsprechenden Bildungsbedarf hätten. „Ich sehe bei den Familien, mit denen wir arbeiten, keinen Missbrauch, sondern die Einstellun…

Wo Lieder Freunde machen oder: Ehre, wem Ehre gebührt: Eindrücke von einem klangvollen Sommerfest in der Styrumer Union

„Das Lied beherrscht die Welt, weil es die Menschen aufrecht erhält“ – mit eben diesem Lied eröffnen die 46 Sänger der vor fünf Jahren aus Männerchor der Mannesmann-Röhrenwerke 1878 und dem Männergesangverein Eintracht Dimbeck 1883 gebildeten Chorgemeinschaft ihr Sommerfest im Biergarten der Styrumer Union.Auch dass sie einen „alten Jahrgang vom Rhein“ besingen und der selbst als Sänger bekannte Gastwirt Wolfgang Thöne das etwas wehmütige, aber trotzdem schöne Ständchen „Wenn auch die Jahre enteilen, bleibt doch die Erinnerung“ anstimmt, hat seinen besonderen Sinn.

Denn an diesem Dienstagabend ehrt die Mülheimer Chorgemeinschaft mit Hans Hahn und den jetzt zum Ehrenmitglied ernannten Hermann Kirchberg zwei „gute alte Jahrgänge“, für die ihr Chor ein Teil ihres Lebens geworden ist. Hahn fand bereits vor 65 Jahren, unmittelbar nach Kriegsende, zum Mannesmannchor, während Kirchberg 15 Jahre später zu den Chorkollegen stieß und sich seit inzwischen 40 Jahren im Vorstand des Chores engagier…

Laschet oder Röttgen? Das ist bald auch für Mülheims Christdemokraten die Frage: Was meinen die örtlichen Parteispitzen?

Nach der Wahl ist vor der Wahl. Bald müssen die 798 Mülheimer Christdemokraten in einer Mitgliederbefragung ihren neuen Landesvorsitzenden wählen. Der Fraktionsvize im Landtag, Ex-Integrationsminister Armin Laschet, hatte sich sich bereits erklärt und Bundesumweltminister Norbert Röttgen wird jetzt als sein Gegenkandidat antreten. Für die NRZ fragte ich bei Parteibasis und Parteiführung nach ihren Erwartungen an die neue Landesspitze.

Kreisvorsitzender Andreas Schmidt hält beide Politiker für „gut und fähig“, die Auswahl zwischen zwei Bewerbern und eine Mitgliederbefragung sieht er als den demokratischen Normalfall und wünscht sich vom neuen Landeschef, dass er das Profil der CDU als Großstadtpartei schärft und die Partei als charismatischer Herausforderer der Ministerpräsidentin für „Menschen mit einer modernen Geisteshaltung“ öffnet und attraktiver macht.

Gleich mehrere Ortsverbandsvorsitzende der CDU, wie Markus Püll (Stadtmitte), Heiko Hendriks (Broich), Frank Blum (Saarn), Henner …

Auch in den den Sommerferien macht die Mülheimer Politik nicht nur Pause: Eine Umschau

Der Begriff Stallwache kommt aus der Zeit, als es beim Militär noch eine Kavallerie gab und die Stallwächter Tag und Nacht darauf achten mussten, dass es den Armeepferden an nichts fehlte. Heute kennen wir die Stallwache vor allem als Bezeichnung für die Menschen, die in der parlamentarischen Sommerpause dafür sorgen, dass der Politikbetrieb weiterläuft. Auch in Mülheim gibt es sie, die politischen Stallwächter. Die NRZ sprach mit einigen von ihnen.

Bei der SPD: halten derzeit Fraktionsgeschäftsführer Claus Schindler und sein Chef Dieter Wiechering Stallwache. Schindler ist derzeit unter anderem dabei, Ortstermine zu organisieren, bei denen sich die Fachpolitiker der Fraktion in den Sommerferien ein eigenes Bild machen, zum Beispiel von der Berufsbildungswerkstatt oder vom Café Light und der drogenmedizinischen Ambulanz der Arbeiterwohlfahrt. „Dabei spielen natürlich auch die anstehenden Haushaltsberatungen eine Rolle, wenn man die Frage beantworten muss, welcher Träger was wie optimal…

Wie sparsam geht die Stadt mit unserem Steuergeld um: Ein Gespräch mit der Mülheimerin Bärbel Hildebrand vom Bund der Steuerzahler NRW

Vater Staat und öffentliche Hand. Das hört sich nach milder Gabe an, wenn von der Bezahlung öffentlicher Leistungen die Rede ist. Zu leicht gerät in Vergessenheit, dass der Staat nur ausgeben kann, was vorher erarbeitet wurde. Eigentlich. Tatsächlich belaufen sich die öffentlichen Schulden aller Ebenen auf 1,7 Billionen Euro. Deswegen mahnen die Mülheimerin Bärbel Hildebrand und ihre Kollegen vom Bund der Steuerzahler immer wieder, mit Geld sorgsam umzugehen. Die NRZ sprach mit ihr über Verschwendung, auch am Beispiel Mülheim, in einer Zeit, da man im Rahmen der Haushaltskonsolidierung überlegt, die schon jetzt vergleichsweise hohen Gewerbesteuer- und Grundsteuersätze weiter anzuheben.

Wie kommen Sie an Informationen, die nicht immer gerne preisgegeben werden?Informationen erhalten wir von unseren Mitgliedern und von interessierten Bürgern, aber auch von Journalisten die selbst recherchiert haben und manchmal auch von Politikern oder aus Verwaltungen.

Müssen Sie sich auch mit Mülheimer …

"Brüder zur Sonne, zur Freiheit": Vor 65 Jahren wurde im Speldorfer Tengelmannsaal der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund gegründet

In Mülheim gibt es derzeit rund 54 600 sozialversicherungspflichtig beschäftigte Arbeitnehmer. Rund 18 500 von ihnen sind im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) organisiert.Noch vor der Bildung von Parteien sind es die Gewerkschaften, die vor 65 Jahren von der britischen Militärregierung als politische Organisationen zugelassen werden. 1500 Arbeitnehmer versammeln sich am 12. August 1945 im Speldorfer Tengelmann-Saal, um den Freien Deutschen Gewerkschaftsbund (FDGB) zu gründen.

Bereits am 5. Juni 1945 hatte die britische Militärregierung der Bevölkerung mitgeteilt: „Freie Gewerkschaften werden zugelassen. Jedoch muss deren Tätigkeit mit demokratischen Mitteln ausgeübt werden. Die Gewerkschaften sollen nicht nur in beruflichen, wirtschaftlichen und sonstigen Aufgaben tätig sein, sondern die Erziehung des deutschen Volkes in freiheitlicher Lebensgestaltung und demokratischem Gedankengut fördern.“Schon wenige Tage nach dem Einmarsch amerikanischer Truppen nehmen Mülheimer Gewerkschafter im …

Warum die Produktion der Hörzeitung Echo Mülheim von der Tonkassette auf die CD-Rom umgestellt wird

Sie lesen die NRZ. Gott sei Dank. Doch was machen die Menschen, die blind oder stark sehbehindert sind und das deshalb nicht können? Ganz einfach: Sie hören sie. Die Hörzeitung Echo Mülheim macht es möglich. 24 ehrenamtliche Leser lesen aktuelle Informationen aus der lokalen Tagespresse sowie Mitteilungen der Stadtverwaltung, der Mülheimer Verkehrsgesellschaft und des Blinden - und Sehbehindertenvereins (BSV).

Und der selbst an den Folgen des Grünen Stars spät erblindete Ali Arslan (45) nimmt das auf. So wird aus dem gedruckten das gesprochene Wort. Seit zehn Jahren sorgen Arslan und seine sehende Assistentin Petra Weiher dafür, dass derzeit 60 Hörerer einmal wöchentlich ihre lokale Hörzeitung kostenlos als Tonkassetten per Blindenpost ins Haus geschickt bekommen. Doch spätestens ab Weihnachten haben die Tonkassetten ausgedient und werden durch CD-Roms ersetzt. Arslan macht sich bereits an seinem Arbeitsplatz im Medienhaus am Synagogenplatz mit der neuen Technik vertraut und wird demnä…

408 Karstadt-Mitarbeiter im Rhein-Ruhr-Zentrum hoffen und bangen jetzt bis zum 3. September

Eigentlich wollten Betriebsrastchefin Andrea Grisail und der für den Bereich Einzelhandel zuständige Verdi-Vize-Geschäftsführer Günter Wolf den 408 Karstadt-Kollegen im Rhein-Ruhr-Zentrum bei einer Betriebsversammlung am 17. August sagen, wie es mit ihnen und ihrem Unternehmen weitergeht. Die Betriebsverammlung wird auf jeden Fall stattfinden. Doch Klarheit über die Karstadt-Zukunft wird es auch zu diesem Zeitpunkt noch nicht geben.Denn das zuständige Insolvenzgericht in Essen hat seine Entscheidung über die Annahme des Insolvenzplanes gestern auf den 3. September vertagt.

Grisail hofft, dass an diesem Tag „die finale Entscheidung“ fällt und die Kollegen „den Kopf wieder frei haben können“, um sich auf ihre eigentliche Arbeit von Beratung und Verkauf konzentrieren zu können. „Wir kämpfen jeden Tag. Das macht keinen Spaß. Wir können hier nichts beeinflussen, sondern nur warten. Manche Kollegen stecken das gut und mache Kollegen nicht so gut weg“, beschreibt sie die mit der Zukunftsangst…

Reiseziel Mülheim: Ein Sommergespräch über die lokale Tourismusförderung

Sommerzeit ist Urlaubszeit. Viele Mülheimer zieht es als Touristen in die Ferne. Doch es gibt auch Menschen, die als Touristen nach Mülheim kommen. Über die lokale Tourismusförderung im Jahr der europäischen Kulturhauptstadt Ruhr 2010 sprach ich die NRZ mit MST-Geschäftsführerin Inge Kammerichs (die hier an ihrem Arbeitsplatz Schloss Broich neben der Büste der preußischen Königin Luise zu sehen ist, die hier als junge Prinzessin als "Touristin" weilte.) .

Warum kommen Touristen nach Mülheim?
Der Ruhrtalradwanderweg war sicher eine Initialzündung für unsere Region und auch die Kulturhauptstadt ist ein Glücksfall für uns. Beides hat dazu geführt, dass wir inzwischen Gäste aus ganz Deutschland begrüßen können, die auch mehrere Tage hier verbringen.

Von welchen Gästen sprechen wir?
Viele Vereine und Firmen, aber auch private Kleingruppen und individuelle Radwanderer haben sich in diesem Jahr entschieden nach Mülheim zu kommen. Dabei können wir sowohl bei den Tagestouristen als auch …

Rückblick: Als Mülheim seinen ersten Nachkriegsschultag erlebte

Zurzeit genießen Mülheims 20 000 Schüler ihre Sommerferien. Vor 65 Jahren haben ihre Großeltern ihren ersten Nachkriegsschultag erlebt. Am 6. August 1945 nehmen die 22 Volksschulen Mülheims mit rund 9400 Schülern ihren Lehrbetrieb wieder auf. Die Kinder der ersten bis sechsten Klasse machen den Anfang. Ihre Mitschüler aus den Volksschulklassen 7 und 8 haben, ebenso wie die Schüler der Mülheimer Mittelschule an der Oberstraße und der Mülheimer Gymnasien, noch bis Anfang Oktober schulfrei.

"Das waren Zeiten", möchte man da als heutiger Schüler denken, sollte sich aber nicht zu früh in die Schulzeiten seiner Großeltern zurück wünschen.Nachdem die Mülheimer Schulen kriegsbedingt im Oktober 1944 ihren Lehrbetrieb eingestellt hatten, weil Bomben fielen und die meisten Schüler ohnehin in der Kinderlandverschickung waren, während viele Lehrer zu Hause oder an der Front zum Kriegseinsatz abkommandiert worden waren, konnte der Schulbetrieb wenige Monate nach Kriegsende nur schrittweise…

Seit 40 Jahren sorgt der Heißener Seniorenclub an der Folkenbornstraße für beste Gesellschaft

Viele alte Menschen vereinsamen, wenn der Ehepartner gestorben und die Kinder aus dem Haus sind. Was tun, wenn auch die Freunde weniger werden und die Rente keine großen Sprünge mehr zulässt?Vielleicht sollte man im Heißener Seniorenclub an der Folkenbornstraße 59 vorbeischauen. Dort ist an diesem Samstag nichts von Einsamkeit zu spüren. Die Tanzfläche ist dicht bevölkert. Kein Wunder. Die von Klaus Heckmann aufgelegten Schlager waren vor 40 Jahren brandneu, erfüllen aber auch als Oldies immer noch ihren Zweck, sorgen für Stimmung und Lebensfreude. Genau das tut auch der Seniorenclub, dessen 40. Geburtstag man mit Musik vom Band und Bier vom Fass feiert.

Ingrid Bütefür tanzt nicht. Sie sitzt an einem der schön gedeckten Tisch und beobachtet mit sichtlichem Vergnügen das bunte Treiben. Als Vorsitzende ist die 70-Jährige zusammen mit ihrer Stellvertreterin Brigitte Dors der Motor des Seniorenclubs und sorgt für Programm.Und auch wenn an der Folkenbornstraße gerade keine Geburtstagsparty …

SPD setzte im Sozialausschuss eine Experten-Anhörung zum Thema Aids durch, musste sich aber auch Kritik gefallen lassen

Nach den Sommerferien wird es Anfang September eine Expertenanhörung geben, die den Aufklärungs-, Vorbeugungs-, Beratungs- und Betreuungsbedarf beim Thema Aids dokumentieren soll. Der Sozialausschuss stimmte jetzt einem entsprechenden SPD-Antrag zu.

Allerdings mussten sich die Antragsteller auch Kritik gefallen lassen: „Es ist gut, wenn die SPD die Wichtigkeit des Themas erkannt hat. Aber die Fraktionen hatten bereits genug Gelegenheit sich im Gespräch mit Experten ein Bild zu machen. Deshalb ist ein Expertenhearing nach den Sommerferien überflüssig“, begründete Martin Römisch die Ablehnung der FDP-Fraktion. Und Ingrid Tews von den Grünen, die sich der Stimme enthielten, warnte davor, dass die Expertenanhörung zu einer „SPD-Profilierungsveranstaltung werden könnte.“

Diesen Verdacht wies der Sprecher der SPD-Fraktion Sascha Jurczyk, zurück: „Wir wissen, wie wir im Mai abgestimmt haben“, sagte er im Rückblick auf die Erhöhung oder Umschichtung der kommunalen Mittel für Aids-Beratung, Betr…

Rückblick: Vor 65 Jahren begann mit dem Bürgerausschuss der lange Weg zur kommunalen Selbstverwaltung

Das Rathaus ist eine Baustelle. Der Rat und seine Ausschüsse genießen derzeit bei der Rheinisch-Westfälischen Wasserwerksgesellschaft in Styrum und in der Volkshochschule an der Bergstraße in Broich Sitzungsasyl. Vor 65 Jahren ist das Rathaus auch eine Baustelle, allerdings ganz anders als heute. Damals geht es nicht um Modernisierung, sondern um Wiederaufbau.

Das Rathaus ist noch von den Bomben des Zweiten Weltkrieges gezeichnet, als der Bürgerausschuss am Nachmittag des 3. August 1945 im Trausaal zu seiner konstituierenden Sitzung zusammentritt.Der Vertreter der britischen Militärregierung, Major Green, der die Bürgerräte in ihr Amt einführt, weist in seiner Ansprache auf die Symbolik hin. Dass die nicht gewählten, sondern von der Militärregierung ernannten Ausschussmitglieder nicht im alten, noch zerstörten Ratssaal, tagen können, sondern in ein „kleines Sälchen“ ausweichen müssen, ist für ihn Ausdruck dafür, „dass in Zeit der nationalsozialistischen Diktatur jede Selbstverwaltung v…

Altenpfleger sind mehr den je gefragt, aber immer noch stark belastet und nicht gut bezahlt

Welcher Beruf bietet mir eine gute und möglichst krisensichere Zukunft? Vor dieser Frage stehen derzeit Schulabgänger, die eine Berufsausbildung beginnen wollen oder Arbeitssuchende, die sich beruflich neu orientieren müssen.

Eine Antwort könnte für sie die Ausbildung zur Altenpflegerin oder zum Altenpfleger sein. Denn mit dem Alterungsprozess unserer Gesellschaft wird diese Berufsgruppe tendenziell immer wichtiger. Schon heute sind 23,8 Prozent aller Mülheimer 65 Jahre und älter.Dass das Stellenangebot in diesem Bereich größer ist als die Anzahl der Bewerber, sieht die Sprecherin der Agentur für Arbeit, Katja Hübner, daran, dass derzeit bei der Agentur 20 freie Altenpflegerstellen bei ambulanten Pflegediensten und Altenheimen, aber nur zehn Stellenbewerber gemeldet sind. Und das dürfte nur die Spitze des Eisbergs sein, weil viele Altenheime ihre Stellen ausschreiben, ohne sie der Agentur zu melden.

Fachleute aus dem Bereich der Altenpflege beklagen schon jetzt einen Fachkräftemangel, v…

Spaziergänger statt Kohlenkähne: Vor 130 Jahren wird das Ruhrufer zum Naherholungsgebiet

An der Ruhr spazieren gehen. Auf diese Idee wären die alten Mölmschen nicht gekommen. Noch bis in die 1860er Jahre war die Ruhr vor allem eines, ein stark befahrener Transportweg für Kohlenschiffe. Doch dann kam die Eisenbahn und hängte die Kohlenkähne ab. Auch der Leinpfad war ursprünglich kein Gehweg, sondern Trampelpfad für die Pferde, die die Kohlenkähne die Ruhr hinauf ziehen mussten.

Doch bis zum Ende der 1870er Jahre kam die einst boomende Kohlenschifffahrt auf der Ruhr fast zum Erliegen. Jetzt mussten sich die Stadtväter etwas neues einfallen lassen. Der alte Hafen an der Ruhr wurde mit Erde aus einem Garten am Hingberg zugeschüttet. Und genau dort, wo die Stadt heute mit der Ruhrbania und seiner Ruhrpromenade ein neues Vorzeigequartier am Fluss schaffen will, begannen die neuen Ruhranlagen anno 1880 Gestalt anzunehmen. Um das Projekt voranzutreiben, gründete der Bürgermeister Karl von Bock und Polach einen Verschönerungsverein, dem bis zu seiner Auflösung im Jahr 1913 unter an…