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Was Sport und Kirche voneinander lernen können: Ein Gespräch mit Pfarrer und Tischtennisspieler Wolfgang Sickinger


Wer könnte fachkundiger über die Zusammenhänge von Sport und Religion Auskunft geben als Pfarrer Wolfgang Sickinger, der in seiner Freizeit beim TSV Heimaterde oder zuletzt beim Ruhr-2010-Stilleben auf der A 40 Tischtennis spielte. Für die NRZ befragte ich ihn zum Doppelpass zwischen Sport und Religion.

Was können Pfarrer von Sportlern lernen und umgekehrt?
Von Sportlern können wir als Pfarrer die Konzentration auf ein Ziel lernen: wie Sportler einen Wettkampf, ein Turnier, ein Spiel gewinnen wollen und sich dafür vorbereiten. So könnten Pfarrer mit der Gemeinde oder für ein Projekt gezielt auf ein Ergebnis hinarbeiten und versuchen, dafür die Voraussetzungen zu schaffen, so weit das möglich ist. Gemeinsam Ziele erreichen zu wollen ist auch in der Kirche sinnvoll. Umgekehrt könnten Sportler von Pfarrern lernen, dass Fitness und Pokale nicht das Wichtigste im Leben sind. Jesus sagt: Was würde es dem Menschen helfen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?

Tun Leibesübungen auch der Seele gut?
Eindeutig ja: Bewegung an frischer Luft, sportliche Aktivität, ein erfolgreicher Wettkampf können zum seelischen Gleichgewicht beitragen, nicht allein, aber als eine Ursache von mehreren.

Kann Sport zu einer Ersatzreligion werden?
Leider ja. Das sieht man an Auswüchsen mancher Fußballfans im Ruhrgebiet. Bettwäsche in den Vereinsfarben kann ich noch verstehen, aber wenn ich auf dem Friedhof auf einem Grabstein ein Vereinsabzeichen sehe und sonst nichts, wäre mir als Ausdruck der Hoffnung über den Tod hinaus ein Kreuz oder ein Bibelwort einleuchtender. Schalke oder BVB können mich als Fan zwar zum Jubel über die Meisterschaft bringen, aber nicht in den Himmel. Es ist interessant, dass es in 14 Bundesligastädten christliche Fußball-Fan-Vereinigungen gibt, die im Stadion ihren Verein anfeuern, aber auch vom Glauben an Gott erzählen können und Gewalt und übermäßigen Alkoholkonsum ablehnen.

Dieser Text erschien am 20. August in der NRZ

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