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Warum die Produktion der Hörzeitung Echo Mülheim von der Tonkassette auf die CD-Rom umgestellt wird


Sie lesen die NRZ. Gott sei Dank. Doch was machen die Menschen, die blind oder stark sehbehindert sind und das deshalb nicht können? Ganz einfach: Sie hören sie. Die Hörzeitung Echo Mülheim macht es möglich. 24 ehrenamtliche Leser lesen aktuelle Informationen aus der lokalen Tagespresse sowie Mitteilungen der Stadtverwaltung, der Mülheimer Verkehrsgesellschaft und des Blinden - und Sehbehindertenvereins (BSV).


Und der selbst an den Folgen des Grünen Stars spät erblindete Ali Arslan (45) nimmt das auf. So wird aus dem gedruckten das gesprochene Wort. Seit zehn Jahren sorgen Arslan und seine sehende Assistentin Petra Weiher dafür, dass derzeit 60 Hörerer einmal wöchentlich ihre lokale Hörzeitung kostenlos als Tonkassetten per Blindenpost ins Haus geschickt bekommen. Doch spätestens ab Weihnachten haben die Tonkassetten ausgedient und werden durch CD-Roms ersetzt. Arslan macht sich bereits an seinem Arbeitsplatz im Medienhaus am Synagogenplatz mit der neuen Technik vertraut und wird demnächst an einer ausführlichen Schulung teilnehmen.


Der sehende Besucher wundert sich im ersten Augenblick, wenn er Arslan vor einem schwarzen Computerbildschirm arbeiten sieht, ehe er versteht: Statt auf den Bildschirm zu schauen, hört der blinde Hörzeitungsmacher auf eine elektronische Stimme, die ihm ansagt, bei welchem Arbeitsschritt er gerade angelangt ist: "Aufnahme, Kopieren, Schneiden, Einfügen" ist da zum Beispiel vom Kollegen Computer zu hören, dessen Schnitt- und Aufnahmeprogramm Arslan mit bestimmten Tastenkombinationen steuert.


"Die Hörbüchereien für Blinde und Sehbehinderte haben bereits vollständig von der Tonkassette auf die CD-Rom umgestellt. Außerdem nutzen fast alle Hörer inzwischen Daisy-Player statt Kassettenrekorder", erläutert Arslan den Hintergrund der technischen Umstellung. Warum macht das Sinn? "Die CD-Roms sind haltbarer und haben eine bessere Tonqualität, so dass sie die Produktion der Hörzeitung langfristig auch finanziell preiswerter machen", erklärt der Hörzeitungsproduzent, der auch schon mal als Reporter unterwegs ist, wenn er zum Beispiel bei Polizei und Feuerwehr oder bei der Mülheimer Verkehrs- und der Mülheimer Entsorgungsgesellschaft Interviews führt.


Wenn die Kassetten von Echo Mülheim im Dezember durch CD-Roms ersetzt werden, und darin sieht Arslan die größte Innovation für die Hörer, kann Echo Mülheim auf einem Daisy-Player abgespielt werden, der an einen kleinen CD-Player erinnert, aber mehr Steuerungstasten als dieser hat. Mit dieser Kombination aus Pfeil und Zahlentasten können die Hörer künftig auf der CD wie in einer Zeitung blättern und mit Hilfe eines Inhaltsverzeichnisses ganz gezielte Artikel und Mitteilungen ansteuern, die sie besonders interessieren. Ein Daisy-Player kostet in der Regel 300 bis 400 Euro. Seine Anschaffung wird nicht von allen, aber doch von einigen Krankenkassen als Hilfsmittel finanziell unterstützt.

Der Daisy-Player macht die Hörzeitungslektüre komfortabler und individueller. Die Umstellung der Hörzeitung von den Tonkassetten und Rekordern auf CD-Roms und die digitale Produktion am Computer kostet 6000 Euro. Diese Investition wird zu 80 Prozent von der Fürsorgestelle des Landschaftsverbandes Rheinland getragen. Den Rest der Summe bezahlt die Stadt.

Kontakt: Wer mit einem ärztlichen Attest nachweisen kann, dass er blind oder sehbehindert ist, kann die Hörzeitung Echo Mülheim kostenlos beziehen. Weitere Auskünfte geben Ali Arslan und Petra Weiher unter der Rufnummer  455 41 88 oder unter der Rufnummer 455 42 88 sowie per E-Mail an: Hoerzeitung@stadt-mh.de Auf diesem Weg können sich auch sehende Menschen mit dem Hörzeitungsteam in Verbindung setzen, die bereit sind, alle drei Wochen für 30 bis 60 Minuten als ehrenamtliche Leser an der Produktion der Hörzeitung im Tonstudio des Medienhauses am Synagogenplatz mitzuwirken.
Dieser Text erschien am 10. August 2010 in der NRZ

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