Sonntag, 29. August 2010

Porträt: Erich Rall ist ein Lobbyist für die Schwachen: Am 1. September feiert der Dümptener VDK-Vorsitzende seinen 80. Geburtstag


Wer ihn sieht, glaubt es nicht. Aber sein Pass dokumentiert es. Erich Rall wurde am 1. September 1930 geboren. Und das bedeutet, dass er in der kommenden Woche seinen 80. Geburtstag feiert. Längst könnte er seinen Ruhestand genießen. Stadessen organisiert er seit sechs Jahren das Vereinsleben des Dümptener Sozialverbandes VDK, lädt die über 400 Mitglieder zu Stammtischen, bei denen nicht nur die Geselligkeit gepflegt wird, sondern regelmäßig auch sozialpolitische und sozialrechtliche Themen besprochen werden.


Zusammen mit seiner Lebensgefährtin Christel Bach organisiert er außerdem regelmäßig Ausflüge und Feste. Warum tut er das? Rall antwortet mit seinem Lebensmotto: "Anderen helfen, wo man kann. So fängt die eigene Freude an. Diese Freude gönnt er sich schon seit einigen Jahrzehnten.


Denn als Betriebsrat und Vertrauensmann hat sich Rall schon um die Belange seiner schwerbehinderten Kollegen gekümmert, bevor er 1983 zum Sozialverband VDK stieß, dessen Kreisvortand er später angehören sollte. Die Wurzeln seines Engagements findet man in seiner Biografie. Seinen ursprünglich erlernten Beruf als Bergmann musste Rall aus gesundheitlichen Gründen aufgeben und sich 1967 noch einmal ganz neu orientieren und von der Zeche zur Drahtseilerei Kocks wechseln.


Auch mit seinen fast 80 Jahren engagiert sich Rall nicht nur beim VDK, sondern auch beim Deutschen Gewerkschaftsbund und in der Arbeitsgemeinschaft der Behindertenverbände für die Belange der Schwerbehinderten. Dieser Begriff führt eigentlich in die Irre. Das stellt Rall immer wieder fest, wenn er sieht das Arbeitnehmer mit Behinderung nicht selten ihre Handicap durch einen besonders ausgeprägten Einsatz am Arbeitsplatz mehr als wettmachen.


Deshalb ärgert sich der VDK-Mann auch darüber, dass so viele Unternehmen sich lieber durch eine Abgabe "freikaufen" statt, wie gesetzlich vorgesehen, mindestens fünf Prozent ihrer Arbeitsplätze mit Schwerbehinderten zu besetzen und dafür sogar Fördermittel des Landschaftsverbandes Rheinland zu bekommen.

Ein Beitrag zu diesem Thema erschien am 26. August 2010 in NRZ und WAZ

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