Direkt zum Hauptbereich

Heinz und Hilde Schmidt betreuen seit 40 Jahren ehrenamtlich den Seniorentreff des Roten Kreuzes an der Prinzeß-Luisen-Straße in Broich


Nehmen wir an: Sie sind 30, haben eine Familie gegründet und stehen mitten im Beruf. In dieser Situation bietet Ihnen jemand eine ehrenamtliche Tätigkeit für die nächsten 40 Jahre an. Sicher lehnen Sie dankend ab und erklären den Anbieter für verrückt.Doch auf dieses Abenteuer haben sich Heinz und Hilde Schmidt vor 40 Jahren eingelassen. Heinz arbeitete damals beim werksärztlichen Dienst der Mannesmann Röhrenwerke und engagierte sich neben seinem Beruf ehrenamtlich als Sanitäter beim Deutschen Roten Kreuz (DRK). Hilde hatte als junge Mutter von zwei kleinen Jungs zu Hause alle Hände voll zu tun. In dieser Situation wurden die beiden Eheleute von der damaligen DRK-Geschäftsführerin Herta von Knoblauch gefragt, ob sie nicht den neuen DRK-Seniorentreff an der Prinzeß-Luisen-Straße betreuen wollten: „Das ist nicht viel Arbeit. Sie müssen nur Kaffee kochen und sich ein bisschen mit den Leuten unterhalten. Ihre Butterbrote bringen sich die Besucher selber mit“, hieß es damals.


Und weil die Schmidts das Herz am rechten Fleck haben, sagten sie zu. „Wir wussten damals gar nicht, worauf wir uns da einlassen“, sagen sie heute. Doch das klingt nicht so, als würden sie ihre Entscheidung von damals bereuen. Im Gegenteil: Wer sich mit den Schmidt über ihre ehrenamtliche Arbeit unterhält, in die sie nach eigener Schätzung 70 bis 80 Stunden pro Woche investieren, vergisst man schnell, dass die beiden inzwischen ein Alter erreicht haben, in dem sie selbst einen Seniorentreff besuchen könnten statt einen zu leiten.Eine Lebensaufgabe „Das ist für uns ein Lebenselixier. Und wir wollen das, was wir hier selbst aufgebaut haben, natürlich auch nicht hängen lassen“, sagt Heinz Schmidt. Und seine Frau ergänzt: „Wenn man sich immer wieder auf neue Menschen einlassen und mit ihren Problemen auseinandersetzen muss, hält das auch jung.“


Deshalb wollen die Schmidts auch „noch einige Jahre weitermachen, so lange es die Gesundheit erlaubt“, zumal Nachfolger noch nicht in Sicht sind und Heinz Schmidt mit Blick in die Zukunft sogar befürchtet, dass es eine vergleichbare Spezies von Ehrenamtlern kaum noch geben wird, weil der Spagat zwischen Familie, Beruf und Engagement immer schwieriger wird.Doch bis jetzt funktioniert das seit 40 Jahren bewährte Erfolgs-Tandem Schmidt. Und das wird am 27. August ab 11 Uhr im DRK-Seniorentreff an der Prinzeß-Luisen-Straße gebührend gefeiert.


Gefeiert werden zwei Menschen, die gerne anpacken und gerne gebraucht werden, egal ob sie in der Küche stehen, Feste und Ausflüge organisieren, renovieren, Rat geben oder einfach nur zuhören.


Dieser Text erschien am 19. August in NRZ und WAZ

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Am liebsten hört sie Radio: Margarete Sonnenschein feierte jetzt ihren 100. Geburtstag

"Wie alt bin ich jetzt? 100?!“ fragt Margarete Sonnenschein, während sie mit ihren Mitbewohnerinnen in der Villa Nestor bei Kaffee und Kuchen ihren dreistelligen Geburtstag feiert. 

Seit zehn Jahren lebt sie  in einer Wohngemeinschaft, die von den Pflegepartnern betreut wird. Weil sie aufgrund einer Makuladegeneration nicht mehr sehen kann, hört sie am liebsten Radio. Besonders bedauert sie es, dass ihr Lieblingsmoderator Jürgen Domian nicht mehr auf Sendung ist. Seine seelsorgerischen Gespräche mit Menschen in unterschiedlichsten und schwierigsten Lebenslagen hat die ehemalige Bibliothekarin und Buchhändlern immer besonders gerne gehört. Deshalb freut sich Sonnenschein darüber, dass ihr Pflegedienstleiterin Karin Eberlein und ihre Mitbewohnerinnen eine CD-Sammlung mit Domians besten Gesprächen geschenkt haben.

Schwere Zeiten kennt die Dame, die zweimal verheiratet war und vor 35 Jahren ihren einzigen Sohn begraben musste, nur zu gut.

Noch im Ersten Weltkrieg geboren, musste sie die…

Suchtfaktor Karneval

Sie ist die jüngste der 13 Mülheimer Karnevalsgesellschaften, die KG Aunes Ees. Zwölf Karnevalsfreunde aus der damals aufgelösten KG Düse formierten sich im Juli 2017 zur neuen KG Aunes Ees. „Aunes Ees ist mölmsch Platt und bedeutet anders als, weil wir anders sind als viele andere Karnevalsgesellschaften“, erklärt der Vorsitzende der neuen Gesellschaft Jörg Schwebig die Namenswahl.
Anders als die anderen mölmschen Gesellschaften, gibt es bei Aunes Ees neben einer Aktivengarde auch eine integrative Garde, in der Menschen mit und ohne Handicap ihren Spaß am Tanz gemeinsam auf die Bühne bringen. Dass es dazu kam, hat mit Schwebigs Bruder Frank und seiner Schwägerin Vivian zu tun, Sie sind Eltern einer behinderten Tochter, die in einer integrativen Tanzgarde einer Duisburger Gesellschaft aktiv war. Doch das Mädchen und seine Gardekolleginnen fühlten sich ihrer bisherigen Gesellschaft nicht mehr gut aufgehoben und wechselten deshalb 2017 geschlossen in die neue Mülheimer Karnevalsgesellsch…

Welche Chancen haben Förderschüler auf dem Arbeitsmarkt? Die gute Nachricht lautet: Zeugnisse und Noten sind eben nicht alles, wenn es um den Einstieg in den Beruf geht

„Alles wird gut.“ So steht es auf einer Holzskulptur, die der Geschäftsführer der Berufsbildungswerkstatt (BBWe), Thomas Aring, von Lehrgangsteilnehmern aus dem Berufsfeld Farbe und Raumgestaltung zum Geburtstag geschenkt bekommen hat. Gilt das auch für Förderschüler, wenn sie ihren geschützten Lernraum verlassen und auf dem Arbeitsmarkt einen Ausbildungsplatz suchen? Aring schätzt, dass aktuell rund 20 Prozent seiner insgesamt 500 Lehrgangsteilnehmer von der Förderschule kommen. Sie alle konnten nach der Schule keinen Ausbildungsplatz bekommen und trainieren jetzt im Rahmen eines Berufsvorbereitsungsjahres oder eines Werkstattjahres für den ersten Ausbildungsmarkt.


„Viele, die zu uns kommen, erleben im ersten halben Jahr einen richtigen Entwicklungsschub und sind dann auch besonders motiviert“, berichtet Aring. Wie es im optimalen Fall laufen kann, zeigen die 17-jährige Katharina Schaefer und der 19-jährige Patrick Hoppe. Beide haben eine Mülheimer Förderschule für Lernbehinderte bes…