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Es werden Posts vom März, 2010 angezeigt.

Neues von der Schloßstraße: Leerstand, aber nur auf Zeit

Wieder ein neuer Leerstand an der Schloßstraße. Der Bäcker Oebel hat seine Filale zum 23. März geschlossen und verweist seine Kunden auf seine nächstliegende Bäckerei in Oberhausen. War die hohe Bäckereidichte an der Schloßstraße der Hauptgrund für die Schließung?
Neben Oebel gab und gibt es in ihrem Einzugsbereich fünf weitere Bäckereien. Während der Hauseigentümer und Vermieter, die in Bochum ansässige UHB-Gruppe, eben diese Bäckereidichte als Hauptgrund für den Wegzug von Oebel nennt, spricht dessen Verkaufsleiter Karl Heinz Albrecht von einer zu hohen Miete. Albrecht kann sich vorstellen, dass Oebel an einem anderen Standort in Mülheim eine neue Filiale eröffne, wenn dort die Konditionen aus Oebels Sicht stimmen.
Nach Auskunft der Mülheimer Stadtmarketinggesellschaft liegt die Durchschnittsmiete für Geschäftsimmobilien auf der als 1a-Lage kategorisierten Schloßstraße derzeit zwischen 28 und 35 Euro pro Quadratmeter. Der City-Manager der MST, Dennis Fischer, hält diese Mieten im Verg…

Rückblick in die Stadtgeschichte: Vor 90 Jahren wurde Mülheim für wenige Tage zu einer Räterepublik

Die Stadt erlebt einen stürmischen Frühling. Der Zwang zur massiven Haushaltskonsolidierung in Zeiten uneindeutiger Ratsmehrheiten lässt bei manchem Bürger die Frage aufkommen: Wie kann die Stadt noch regiert werden? Was tröstet, ist die Tatsache, dass Mülheim schon ganz andere politische Frühlingsstürme überstanden hat: zum Beispiel vor 90 Jahren.Im März 1920, man staunt, wird das bürgerliche Mülheim zur Räterepublik. Ein Aktionsausschuss, dem Kommunisten, Unabhängige Sozialdemokraten und Sozialdemokraten angehören, übernimmt im Rathaus das Regiment. Oberbürgermeister Paul Lembke wird entmachtet, die Polizei entwaffnet und privater Waffenbesitz verboten. Rund 500 Bürger schließen sich der von Essen aus einmarschierenden Roten Ruhrarmee an, deren Soldaten nun auch aus der Stadtkasse bezahlt werden.

Der Umsturz von Links ist eine Reaktion auf einen Umsturz von Rechts.Wolfgang Kapp und seine rechtsextremen Gefolgsleute putschen in Berlin gegen die Republik von Weimar. Dagegen streiken au…

Ein kleiner Mann im Ohr macht Bankgeschäfte am Geldautomaten barrierefreier, aber nicht risikolos

Das ist für mich ein Stück Freiheit und Selbstständigkeit", freut sich Maria St. Mont und steckt ihr Kopfhörerkabel in den Geldautomaten der Bank ihres Vertrauens. Eine sonorige Herrenstimme sagt ihr, wo es lang geht, wo sie ihr Karte einführen und ihre PIN-Nummer eingeben muss. Natürlich fragt sie der kleine Mann im Ohr auch nach der gewünschten Summe und sagt ihr, wo und wie sie den Auszahlungsvorgang bestätigen oder abbrechen kann. Allerdings muss sich die Kundin beeilen. Denn nach 30 Sekunden wird der Eingabevorgang aus Sicherheitsgründen abgebrochen. Sollte sie dann ihre Karte nicht aus dem Schlitz des Geldautomaten entnehmen, sondern sie vergessen, wird diese ebenfalls aus Sicherheitsgründen eingezogen. Doch das ist der hochgradig sehbehinderten Mülheimerin bisher noch nicht passiert. Ungern erinnert sich die stellvertretende Vorsitzende des Blinden- und Sehbehinderten Vereins (BSV) an jenen Tag im Februar, als ihr Geldautomat in der Deutschen Bank an der Wallstraße noch nic…

Wie sage ich es meinem Kind? Eine Tagung der Katholischen Akademie lud zu einer literarischen Spurensuche nach Gott

Wie sage ich es meinem Kinde? Wie erzähle ich ihm von Gott und erkläre ich ihm, was und wie Gott ist? Eine Tagung, zu der das Medienforum des Bistums und die katholische Akademie Die Wolfsburg eingeladen hatten, begab sich mit Pädagogen, Erzieherinnen und anderen Multiplikatoren aus der Kinder- und Jugendarbeit auf eine Spurensuche durch die Kinder- Jugendliteratur.
Als eine Wegbegleiterin durch das literarische Dickicht reiste aus Weingarten Anja Ballis an. Sie lehrt dort an der Pädagogischen Hochschule literarisches Lernen. Mit Blick auf ihr eigenes Fach, der Literaturdidaktik, stellte sie fest, dass das Thema Gott hier immer seltener eine Rolle spielt. Andererseits kam sie bei der Umschau durch die aktuelle Bilderbuch-Literatur zu dem Ergebnis, dass Gott hier sehr wohl ein Thema ist, das in sehr unterschiedlichen Erscheinungsformen für eine zunehmend multikulturelle Gesellschaft von Bedeutung ist, um die jeweiligen kulturellen und religiösen Wurzeln verstehen zu können.
Was den unvor…

Warum der ehemalige Förderschulleiter Wilhelm Schröder ein Buch über die junge Depression schreiben will und dafür Gesprächspartner sucht

Viele kennen ihn noch als Leiter der Wilhelm-Busch-Förderschule. Nicht erst im Ruhestand, aber jetzt verstärkt ist der 66-jährige Pädagoge unter die Buchautoren gegangen. Aktuell arbeitet er an einem Buchprojekt. Thema: Depressionen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Wie er zu diesem heißen Eisen kam und was er mit seinem Buch erreichen will, erklärt er mir in einem Gespräch, das ich für die NRZ führte.

Wie kamen Sie als Pädagoge zum Bücherschreiben?
Ich habe immer schon gerne geschrieben und inzwischen sechs Titel zu verschiedenen Themen veröffentlichen können. Als Pädagoge, wie als Buchautor ist die Werteerziehung mein Hauptanliegen, weil ich sehe, dass in unserer Gesellschaft die Werte den Bach runtergehen.

Und wie sind Sie zum Thema Depressionen gekommen?
Den Anstoß gab der Selbstmord von Robert Enke. Das hat mich sehr nachdenklich gemacht. Warum nimmt sich ein Mensch sein Leben, der die höchste sportliche Akzeptanz erreicht hat und mit seiner Frau, Kindern und Tieren auf einem …

Die Nord-Pfarrei St. Barbara beschenkt Mülheim im Kulturhauptstadtjahr nicht nur mit einer Festliche Konzertouvertüre

Sie klingt machtvoll und poetisch, die Festliche Mülheimer Konzertouvertüre. Komponiert hat sie der aus Kattowitz kommende und heute in Mülheim lebende Komponist Piotr Radko. Gespielt wurde das von den Nord-Pastören Manfred von Schwartzenberg (St. Barbara), Norbert Dudek (St. Mariae Rosenkranz), Pater Leo Wiszniewski (Christ-König) und Michael Clemens (St. Engelbert) in Auftrag gegebene Werk von 80 jungen Musikern des Kattowitzer Musikgymnasiums Karol Szymanowski. 700 Zuhörer in der Engelbertkirche sind begeistert, applaudieren stehend. "Das ist kein musikalischer Gruß aus der Vergangenheit, sondern authentisch 2010", sagt Pfarrer von Schwartzenberg, der die Partitur an diesem Konzertabend im Rahmen der Jugendmusikalischen Kulturwoche von St. Barbara offiziell als Ruhr-2010-Beitrag der Nord-Pfarrei an die Stadt übergibt.
Deren Vertreterin, Bürgermeisterin Renate aus der Beek spricht von einem Zeichen "der kulturellen Verbundenheit der Katholiken mit ihrer Stadt" und…

Kleine Dinge erhalten die Menschlichkeit oder: Warum Menschen freiwillig ins Altenheim gehen

Wer sich mit Edda Straßburger (rechts) und Jan Dirk Heimbuch unterhält, lernt vor allem eines: Es sind die kleinen Dinge im Leben, die wirklich wichtig sind. Was die beiden zusammen mit 33 anderen ehrenamtlichen Helfern im städtischen Altenheim am Kuhlendahl leisten, hört sich unspektakulär an. Da wird mit Bewohnern gesprochen, gespielt oder einfach nur zugehört. Da wird vorgelesen, gemeinsam gesungen, ein abgerissener Knopf wieder angenäht oder Einkäufe erledigt. Da werden Bewohner im Krankenhaus besucht, Spaziergänge unternommen oder kleine Feste ausgerichtet. Heimbuch, Straßburger und ihre Mitstreiter in Sachen Menschlichkeit können sich die Zeit nehmen, die den 56 hauptamtlichen Pflegekräften im Haus Kuhlendahl oft fehlt.
"Das ist ein sehr harter und schwerer Beruf", sind sich Heimbuch und Straßburger einig, wenn sie bei ihren ein bis zwei Besuchen pro Woche den Arbeitsalltag des Pflegepersonals mitbekommen, das es oft mit altersverwirrten Menschen zu tun hat, die auf Sch…

Vor 50 Jahren gewannen die Handball-Frauen vom RSV die Deutsche Meisterschaft

Erfolgreicher Spitzensport. Dabei denkt man heute in Mülheim vielleicht an Hockey und den mehrfachen deutschen Meister HTC Uhlenhorst. Doch Mülheim war auch mal eine Handballhochburg. Lang ist es her, 50 Jahre um genau zu sein, als man sich in Mülheim über den Gewinn einer deutschen Handballmeisterschaft freuen konnte. Am 13. März 1960 schlugen die Handball-Damen des RSV Mülheim im Meisterschaftsfinale das Team des Südmeisters 1. FC Nürnberg mit 10:5 und holten den Titel an die Ruhr.Damit knüpften die Damen an frühere Handball-Erfolge des Rasensportvereins und seiner Herren an, die 1947 Deutscher Meister geworden waren.

Nach ihrem Finalsieg in der Halle Münsterland wurden die Handball-Heldinnen von den Stadtspitzen und begeisterten Handballkollegen und Fans auf dem Rathausmarkt begeistert gefeiert. Oberbürgermeister Heinrich Thöne überreichte den Meisterspielerinnen Nelken und sagte: „Unsre Stadt darf stolz auf die Leistung dieser Mädel sein. Denn schließlich fällt einem ein deutschen …

Wie Gustav-Heinemann-Schüler den vom Erdbeben betroffenen Kindern in Haiti helfen

Kyra Tagaz ging es wie vielen, die im Januar die ersten Fernsehbilder vor der Erdbebenkatastrophe in Haiti sahen. Sie war erschüttert. Doch die angehende Abiturientin von der Dümptener Gustav-Heinemann-Schule beließ es nicht bei der Erschütterung. „ich habe mir gesagt: Wir sind doch eine große Schule mit 1600 Schülern. Da müssen wir doch was machen können, um den Menschen in Haiti helfen zu können“, erinnert sie sich an ihren ersten Gedanken.Mit ihrem Willen zu helfen, lief sie bei Schulleitung und Schülvertretung offene Türen ein. „Wir haben zwar schon eine Partnerschule in Thailand, die wir regelmäßig unterstützen. Aber ich habe sofort eingesehen, dass die akute Nothilfe für die Erdbebenopfer in Haiti jetzt Vorrang haben muss“, betont Schulleiterin Christa van Behrend.

Schon einen Tag nachdem sie in einem Gespräch mit Tagaz erste Ideen für eine Spendenaktion gesammelt hatte, tagte die Schülervertretung.Bei der Schülerratssitzung kristallisierten sich erste Aktionen heraus. Die vier A…

Der neue Ruhrbischof besuchte die Pfarrgemeinde St. Mariae Geburt

43 Pfarrgemeinden hat das Ruhrbistum Essen. In dieser Woche lernte sein neuer Bischof die Stadtpfarrei St. Mariae Geburt kennen. Auf dem Kirchenhügel traf sich Franz-Josef Overbeck mit Mitarbeitern, Kirchenvorständen und Pfarrgemeinderäten der 19.000 Katholiken zählenden Groß-Pfarrei, zu der neben Mariae Geburt und St. Joseph auch die Filialkirchen Heilg Geist und Theresia-Heimaterde gehören.

Die Umstrukturierungsprozesse im Bistum, daran ließ Overbeck keinen Zweifel, sind nach dem Weggang seines Vorgängers Genn nicht beendet. "Wir sind nicht am Ende einer Entwicklung, sondern mittendrrin", betonte der neue Ruhrbischof. Dass er in langfristigen Zeiträumen denkt, unterstrich der mit 45 Jahren jüngste Bischof Deutschlands mit der Bemerkung: "Wenn der liebe Gott mich gesund sein lässt, werden Sie mich hier noch 30 Jahre als Bischof ertragen müssen."

Was die Katholiken an der Ruhr weiter ertragen müssen, ist das Schrumpfen ihres Bistums. Overbeck geht davon aus, dass die…

Rückblick: Warum vor 50 Jahren die alte Schloßbrücke gesprengt wurde

Manchmal geht die Geschichte seltsame Wege. In den letzten Kriegstagen des Frühjahres 1945 soll der Unteroffizier Rudolf Steuer die für den Vormarsch der amerikanischen Truppen strategisch wichtige Schloßbrücke sprengen.
Er kommt diesem Befehl seiner militärischen Vorgesetzten nicht nach und entgeht nur knapp dem Kriegsgericht. Die Stadt dankt es Steuer, in dem sie ihm nach dem Krieg beim Wiederaufbau seines Hauses hilft.

Fast 15 Jahre später wird die Schloßbrücke in zwei Etappen am 21. und am 28. Februar 1960 dann doch gesprengt. Warum? Weil das von 1909 bis 1911 errichtete Bauwerk, das seiner Zeit an die Stelle der 1844 erbauten Kettenbrücke getreten war, den modernen Verkehrsströmen nicht mehr gewachsen ist. An zwei aufeinander folgenden Sonntagen lässt Sprengmeister Bohnenkamp, jeweils um kurz nach neun Uhr, sein Signalhorn ertönen und legt den Schalter um. Er muss Präzisionsarbeit leisten, damit die Detonation von vier Zentnern Sprengstoff im Zentrum der Stadt nicht zu einem Desast…

Wie ehrlich sind die Mülheimer Steuerzahler? Ein Gespräch mit dem Leiter des Finanzamtes

Derzeit diskutiert die Politik darüber, ob der Bund eine CD mit Steuersünderdaten kaufen sollte, um so hinterzogene Steuern doch noch in die knappen Staatskassen zu lenken. Ich sprach mit dem Vorsteher des Mülheimer Finanzamtes, Manfred Winkler, vor dem Hintergrund der aktuellen Kontroverse über die Frage der Steuerehrlichkeit.

Sollte der Staat die CD kaufen, um, wie im Fall Zumwinkel, ein Vielfaches an hinterzogenen Steuern zurückzubekommen?
Das könnte ertragreich sein. Aber es bleibt die Frage, ob das moralisch in Ordnung ist oder ob man sich als Staat damit nicht erpressbar macht und am Rande der Hehlerei bewegt. Ob man sich trotzdem in diesem Fall auf einen übergesetzlichen Notstand berufen kann, weil man anders an die Informationen nicht kommen würde, sollte von Juristen auf höchster Ebene geklärt werden. Wenn Deutschland und die Schweiz ein Rechtsabkommen über den Austausch von Steuerinformationen schließen, wäre das sicher ein Punkt für die Steuerehrlichkeit.

Wie ist es um die Ste…