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Es werden Posts vom Februar, 2013 angezeigt.

Wie Siebtklässler bei einem Schnuppertag die Berufswelt entdecken

In ihren Blaumännern und Arbeitsschuhen, die sie von der Firma Mewa geschenkt bekommen haben, sehen die Siebtklässler der Max-Kölges-Schule schon sehr erwachsen aus. Erst wenn man näher kommt und in ihre jungen Gesichter schaut, merkt man: Hier arbeiten keine Auszubildenden, sondern 13 und 14 Jahre alte Schüler an der Standbohrmaschine oder mit dem Lötkolben.


An ihrem ersten Schnuppertag, dem noch fünf weitere folgen werden (siehe Kasten), lernen sie die Metall,- Elektro- und Holzwerkstätten im Berufskolleg Stadtmitte an der Kluse kennen. Obwohl ihr Techniklehrer Torsten Neumann auch mitgekommen ist, werden die insgesamt 38 Mädchen und Jungen von der Max-Kölges-Schule von Werksmeistern des Berufskollegs betreut. Gearbeitet wird jeweils in Sechsergruppen.

„Das ist für mich eine neue Erfahrung, die mich positiv überrascht hat. Ich hätte mir das schwieriger vorgestellt. Aber die Schülerinnen sind mit Bereitschaft und Interesse dabei“, berichtet Metall-Werksmeister Thomas Lebbing. An dies…

Wie die Caritas psychisch kranke Menschen gut durch den Tag bringt

„Früher habe ich als Sekretärin gearbeitet. Da habe ich Papier von einer Seite auf die andere gelegt oder abgeheftet. Und irgendwann ist alles im Papierkorb gelandet“, erinnert sich Cornelia Peters an ihr erstes Berufsleben. „Heute mache ich etwas sinnvolles, weil ich psychisch kranken Menschen helfen kann, möglichst viele ihrer Fähigkeiten und damit auch möglichst viel Lebensqualität zu behalten“, beschreibt sie ihr zweites Berufsleben als Beschäftigungstherapeutin in der Caritas-Tagesstätte für psychisch erkrankte Menschen.


Als sie ihre Arbeit begann war die Tagesstätte, die sich heute im ersten Stockwerk des katholischen Stadthauses an der Althofstraße befindet, gerade ein Jahr alt.

Damals arbeitete ihr Kollege Winfried Pasch bereits in der Kontakt- und Beratungsstelle für psychisch erkrankte Menschen, die die Caritas bis heute im Erdgeschoss des Hauses betreibt. „Es geht hier nicht nur um Bespaßung, sondern darum, dass sich psychisch kranke Menschen durch die tägliche Begegnung mi…

Nachgefragt: Wie kann man das Ehrenamt stärken?

Jeder Dritte engagiert sich inzwischen ehrenamtlich. Damit wird das Gemeinwesen sozial gestärkt und finanziell entlastet. Kein Wunder, dass der Bund mit einem Gesetz, das am 1. März auf der Tagesordnung des Bundesrates steht (siehe Kasten) das Ehrenamt stärken und von bürokratischem Ballast entlasten will. „Menschen engagieren sich ehrenamtlich, weil sie ihren Einsatz als sinnvoll erleben und nicht, weil sie dafür eine Entschädigung bekommen wollen. Dennoch ist der Gesetzentwurf ein Schritt in die richtige Richtung, weil wir eine Anerkennungskultur und ein gesellschaftliches Bewusstsein für den Stellenwert des Ehrenamtes brauchen“, glaubt der Geschäftsführer des Centrums für bürgerschaftliches Engagement (CBE), Michael Schüring. Seine Kollegen und er begleiten und beraten täglich Menschen, die sich freiwillig und unentgeltlich für die Stadtgesellschaft engagieren. Eine Ehrenamts- und Freiwilligenkarte sind für Schüring Ausdruck einer solchen Anerkennung. Damit gewähren Unternehmen, Ku…

Nachgefragt: Wie stellt sich das Problem des jugendlichen "Komasaufens" in Mülheim dar?

„Alkoholexzesse bei Jugendlichen nehmen zu“ titelte die NRZ gestern auf ihrer überregionalen Seite 1. Nach Angaben des statistischen Bundesamtes mussten 2011 bundesweit 26?349 Jugendliche in Folge sogenannten Komasaufens in einer Klinik behandelt werden, 354 mehr als im Jahr davor, aber 79 weniger als 2009.


Für die rund 1000 Karnevalisten, die im Rosenmontagszug mitgehen und mitfahren, gilt übrigens seit elf Jahren ein striktes Alkoholverbot. Bei der Feuerwehr bestätigt man aber ein um etwa ein Drittel erhöhtes Einsatzaufkommen am Rosenmontag, führt jedoch keine Statistik darüber, wie viele Einsätze auf Alkoholmissbrauch zurückzuführen sind. Polizei und Ordnungsamt haben am Rosenmontag einen besonders aufmerksamen Blick auf alkoholisierte Jecken, vor allem, wenn sie noch sehr jung sind. Ist das sogenannte Komasaufen an den Karnevalstagen in Mülheim ein Problem und wie kann man helfen?

Nicht nur an den tollen Tagen treiben es manche zu toll, mit dem Alkohol. Gerade Jugendliche untersc…

Närrische Nachlese: Hoch auf dem Gesellschaftswagen der KG Blau Weiß

Der Rosenmontagszug beginnt für die Wagenbesatzung der KG Blau Weiß mit einem zünftigen Frühstück, zu dem der Musikzug der Gesellschaft in den Altenhof lädt. Auch Ministerpräsidentin Hannelore Kraft ist als Rittersfrau mit von der närrischen Partie. Wer bei zwei Grad Außentemperatur Kamelle unter die Jecken bringen will, muss sich erst mal aufwärmen und stärken.


Der von Udo Bohnenkamp und Dieter Kolkmann in einigen 100?Arbeitsstunden gebaute Gesellschaftswagen der Blau Weißen sieht wie ein Schiff aus und schwankt auch entsprechend, so bald der Trecker, der ihn zieht, anfährt. Da ist es gar nicht so einfach zwischen den vielen Kartons, in denen nicht nur Kamelle auf ihren Rauswurf warten, beim Aufreißen und Werfen im Gleichgewicht zu bleiben.

Da kann es nicht schaden, sich schon mal mit Musik auf den Rhythmus, bei dem man mit muss, einzustellen und so in den richtigen Schwung zu bringen. „Wer soll das bezahlen? Wer hat das bestellt? Wer hat so viel Geld?“ klingt ein alter Karnevalsschl…

Nicht nur die Karnevalisten trauern um Heinz Schmidt, der an an Weiberfastnacht plötzlich und unerwartet bei einem Auftritt in Saarn gestorben ist

Wie eng Freund und Leid auch in der fünften Jahreszeit beieinander liegen, mussten die Karnevalisten Weiberfastnacht in Saarn erleben. Denn dort starb der Vizepräsident der KG Mülheimer Stadtwache bei einem Auftritt auf dem Pastor-Luhr-Platz plötzlich und unerwartet an den Folgen eines Herz-Kreislauf-Versagens.

Nicht nur die Karnevalisten trauern um den Stadtprinzen der Session 2005/2006, der von 1999 bis 2007 an der Spitze der KG Knattsch Gek stand und der Gesellschaft bis zuletzt als Ehrensenator verbunden war.

Schmidt, Vater von zwei erwachsenen Söhnen und dreifacher Großvater, hinterlässt seine Ehefrau Hilde. Mit ihr hat er fast 43 Jahre lang den Seniorentreff des Deutschen Roten Kreuzes an der Prinzeß-Luise-Straße geleitet, wohlgemerkt ehrenamtlich. Die Menschen, denen er dort viele schöne Stunden bereitet hat, für die er immer ein offenes Ohr hatte und denen er gerne mit Rat und Tat zur Seite stand, werden ihn schmerzlichst vermissen.

Wenn man sich mit Menschen unterhält, die i…

So gesehen: Närrische Machtträume

Derzeit begegnen wir auch in unserer Stadt verkleideten Menschen. Es ist Karneval. Da darf jeder für ein paar tolle Tage sein, was er schon immer sein wollte. Teufelsweib und Supermann, Gangster, Polizist, Kapitän oder Feuerwehrmann. Doch wovon hat Baudezernent Peter Vermeulen geträumt, als er sich Weiberfastnacht als römischer Imperator verkleidete?


Na klar. So ein Imperator konnte seinerzeit natürlich nach Herzenslust bauen und planen. Er brauchte sich nicht mit Stadträten und Bürgerinitiativen herumschlagen oder nach Material- und Personalkosten fragen. Wofür hatte man Kolonien und Sklaven? Und wenn es mal bei der Verkehrsführung klemmte - mit Ampelschaltungen hatten Imperatoren ohnehin nichts am Hut - wurden einfach neue Straßen angelegt und was im Weg stand abgerissen.

Das war für die Untertanen, die sich heute Bürger nennen, und schon damals die Rechnungen der Mächtigen begleichen mussten, nicht immer lustig. Und auch Imperatoren lebten oft gefährlich, weil sie im Ernstfall nich…

Wie die Mölmschen Möhnen, Jecken und Tollitäten auf dem Synagogenplatz die Stadtschlüssel eroberten

Wenn das kein gutes Vorzeichen für den Rosenmontag ist. Kaum hatten Prinzessin Susann und Prinz Dirk die Stadtschlüssel erobert, schien auf dem Synagogenplatz die Sonne. „Wir haben eben beste Beziehungen zu Petrus und zum lieben Gott“, kommentierte Obermöhne Elli Schott das Naturwunder, das den Narren gerade recht kam.


Denn als die Möhnen mit Schützenhilfe der Oberhausener Karnevalsgesellschaft Wagaschei um 11.11 Uhr via Konfettikanone den Startschuss zum Sturm auf die mölmsche Stadtspitze und die Stadtschlüssel gaben, lachte der Himmel noch nicht. Der Synagogenplatz füllte sich erst langsam mit närrischen Nachzüglerinnen. Und der beschlipste Mann hatte es gar nicht so leicht, eine Möhne mit funktionstüchtiger Schere zu finden.

Doch noch viel schwerer hatte es an Weiberfastnacht die erste Frau der Stadt. Denn Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld hatte in ihrem Kampf um die Stadtschlüssel keine echte Chance. Beim Intonieren von Karnevalsschlagern mit Flöte, Trompete und Trommel, hatte…

Ein männlicher Blick auf eine unbeschreiblich weibliche Karnevalsveranstaltung der MüKaGe

250 Frauen unter einem Dach. So etwas gibt es nur in einem Frauenkloster, in einem Mädchenpensionat oder beim Närrischen Hausfrauennachmittag der MüKaGe im Union-Saal an der Neustadtstraße. Gott sei Dank geht es aber bei dieser Veranstaltung, wir sind ja unter Närrinnen, ausgelassener zu, als es in einem Mädchenpensionat oder einem Frauenkloster je denkbar wäre. Wenn einem das spanisch vorkommt, ist das kein Wunder. Denn Sitzungspräsidentin Urde Brand und ihre Kolleginnen vom Elferrat der Müttergarde steuern das närrische Treiben in den Trachten spanischer Senioritas. Auch MüKaGe-Präsident Detlef Klapper hat sich als Brandts Page in einen spanischen Senior verwandelt, der die Garden und Künstler tanzend von oder zur Bühne leitet und ganz nebenbei die jecken Wiewer zu kräftigem Helau und Applaus animiert. Was macht Mann nicht alles für Frauen.


Doch nicht nur Klapper legt sich ins Zeug, damit Frau an diesem Nachmittag ihren Spaß hat. Auch „Lausbub“ Manfred Schaffrath traut sich mit Gita…

So gesehen: Politiker in die Bütt

Wenn das keine närrische Idee ist. Das Kinderprinzenpaar will die entmachteten Kommunalpolitiker während der Tollen Tage zu einem Nebenjob verpflichten, um die Stadtkasse aufzufüllen. Aber wofür könnte man Politiker einsetzen, ohne dass sie gleich wieder kritisiert werden? Wir wissen ja, welchen Ärger sich zum Beispiel SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück als nebenberuflicher Vortragsredner eingehandelt hat. Aber Reden ist nun mal das, was die meisten Politiker am besten können, auch wenn sich manche ihrer vollmundigen Ankündigungen am Ende als Lachnummer erweisen. Aber genau das könnte die Lösung sein. Vielleicht sollten Unternehmen oder andere närrische Geldgeber unsere Kommunalpolitiker in die Bütt schicken und das entsprechende Rednerhonorar an die Stadtkasse überweisen. Damit würde man auch den Büttenrednermangel im mölmschen Karneval beseitigen und die Politiker hätten auch mal die Lacher der geschröpften Steuerzahler auf ihrer Seite. Und der beste Witzbold gewinnt bestimmt die n…

Seit 50 Jahren ist die Lebenshilfe in Mülheim eine Lobby für Menschen mit geistiger Behinderung: Mit einem Elternverein fing alles an

Die Lebenshilfe wurde vor 50 Jahren als Elternverein gegründet. Zum ersten Vorsitzenden des Vereins, der damals Lebenshilfe für das geistig behinderte Kind hieß, wurde Pastor Ewald Luhr gewählt. 1982 bekam der Verein, der heute über 300 Mitglieder hat und mit seinen Angeboten rund 450 Menschen mit geistiger Behinderung betreut, mit Hermann Pförtner seinen ersten hauptamtlichen Mitarbeiter. Heute beschäftigt die von einem ehrenamtlichen Vorstand geführte Lebenshilfe rund 200 hauptamtliche Mitarbeiter. 1986 gründete die Lebenshilfe ihre eigene Sportabteilung und einen Mobilen Sozialen Hilfsdienst, nachdem sie bereits in den 70er Jahren erste Freizeit- und Erholungsmaßnahmen für Menschen mit geistiger Behinderung durchgeführt hatte. 1994 wurde ein ambulanten Pflegedienst mit Alltagsassistenz. und 1997 die Wohnstätte am Springweg eröffnet. Und im Frühjahr 2013 will die Lebenshilfe an der Heinrich-Lembergstraße 23a ein Lebenshilfe-Center einrichten, das ab Mai mit Informationsangeboten, Ca…

Lebenshilfe als Lebensaufgabe, die Mut macht und trägt. Ulrike Stadelhoff engagiert sich seit 1994 im örtlichen Lebenshilfe-Verein für Menschen mit geistiger Behinderung

Als junge Frau wusste die heute 53-jährige Ulrike Stadelhoff zwar, dass es Menschen mit geistiger Behinderung gibt. Aber sie kannte keine. Ich war ja nicht betroffen, erinnert sie sich. Doch das änderte sich 1986. Damals wurde ihr zweiter Sohn Matthias geboren. Schnell merkten Stadelhoff und ihr Mann, Bernd, dass sich Matthias nicht so entwickelte, wie sein drei Jahre älterer Bruder Stefan. Er konnte weder sprechen noch laufen, als seine Altersgenossen längst ihre ersten Sätze und ihre ersten Schritte hinter sich hatten. Mit fünf Jahren wurde bei Matthias das Angleman-Syndrom diagnostiziert, ein Gen-Defekt, der nicht nur die motorische, sondern auch geistige und sprachliche Entwicklung hemmt.


Am Anfang hofft man noch. Doch dann kommt immer mehr dazu und man muss in die Situation hineinwachsen, schildert Stadelhoff den emotionalen Prozess, der sich über einige Jahre hinzog und dazu führte, dass sie akzeptierte, dass ihr Kind, das sie vom ersten Tag an liebte, nicht so werden würde, wie…

Was Mülheimer Ärzte von der Idee einer Bürgerversicherung halten

Eine Bürgerversicherung, also eine Krankenversicherung, in die alle einzahlen. Das ist seit Jahren eine politische Forderung, nicht erst, seit immer mehr Leistungen zuzahlungspflichtig werden und gleichzeitig manche Privatversicherte ihre Beiträge kaum noch bezahlen können - ohne dass es einen gravierenden Qualitätsunterschied in der medizinischen Versorgung gäbe, wie manche Studien nahelegen. Nun wird die Bürgerversicherung, laut einer Umfrage des Finanzdienstleisters MLP, erstmals auch von einer Mehrheit der deutschen Ärzte befürwortet. Nach der Untersuchung sprechen sich insgesamt 51 Prozent der Ärzte für dieses Modell (s. Kasten) aus. Fachärzte, die häufiger privat abrechnen, sind zwar mehrheitlich dagegen, 50 Prozent der Hausärzte und sogar 57 Prozent der Klinikärzte aber für eine solche Volksversicherung.


Und was meinen Mülheimer Mediziner? Der Kreisvorsitzende der Ärztekammer, Uwe Brock , räumt ein, dass er sich noch keine endgültige Meinung gebildet hat. „Ich kann grundsätzlic…

Wie sich Alt-Bürgermeister Wilhelm Knabe an die Folgen erinnert, die der 30. Januar 1933 in seinem persönlichen Umfeld hatte

Bei der Lektüre meines NRZ-Artikels „Der Anfang vom Ende“, wurden bei Alt-Bürgermeister Wilhelm Knabe (Jahrgang 1923, in Dresden geboren) ganz persönliche Erinnerungen wach. „Ich weiß noch, dass ich mit meinen Eltern damals im Radio gehört habe, dass der Reichspräsident Paul von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt habe“, erzählt Knabe. Außerdem hat er noch das Wahlplakat einer bürgerlichen Partei vor Augen, das damals prügelnde Kommunisten und Nationalsozialisten als abschreckendes Beispiel zeigte, um die Bürger vor der Wahl extremer Parteien zu warnen.

Doch über Politik machte sich der damals Neunjährige noch keine Gedanken. Er wunderte sich nur darüber, dass sein „sehr beliebter“ Volksschullehrer, der Knabe und seine Klassenkameraden regelmäßig mit Abenteuerromanen aus seinem Bücherschrank versorgte, schon bald nach dem 30. Januar 1933 nicht mehr zum Unterricht erschien. „Ich hatte damals J.F. Coopers Buch ‘Der rote Freibeuter ‘ von ihm ausgeliehen. Erst später habe ic…