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Es werden Posts vom März, 2016 angezeigt.

Abzocke via Smartphone Verbraucherzentrale warnt am Weltverbrauchertag vor ungewollten und unwissentlich abgeschlossenen Online-Abonnements, die Kunden teuer zu stehen kommen

Als US-Präsident John F. Kennedy Anfang der 60er Jahre zum ersten Mal das politische Ziel des Verbraucherschutzes formulierte und die Vereinten Nationen seine Forderungen 1969 als Grundlage dafür nutzten, um den 15. März zum Weltverbrauchertag zu erklären, waren das Internet und Smartphones noch unbekannt.

Doch der technische Fortschritt, heute immer und überall online zu sein und damit ganz flexibel und individuell über Internetinformationen zu verfügen, hat für die Verbraucher auch seine Tücken.

Darauf wiesen gestern die Leiterin der örtlichen Verbraucherzentrale, Christiane Lersch und ihre Kollegin Ariane Jessen hin: „Wer über sein Smartphone oder mit einem USB-Stick mobiles Internet nutzt, sendet automatisch seine Mobilfunknummer an den jeweiligen Anbieter und Internetseitenbetreiber“, erklärt Lersch.

Das ist so lange kein Problem, so lange man nicht versehentlich eine Seite oder eine Internetanzeige anklickt, mit deren Hilfe sich eine für den Internetnutzer auf den ers…

Zusammenlegung der Pflegeausbildungen bleibt umstritten: Dialogoffensive Pflege legte die Schwachstellen der von der Bundesregierung geplanten Ausbildungsreform offen

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„Wie kann man nur auf die Idee kommen, die Kinder,- Kranken und Altenpflege in einen Ausbildungsgang zu pressen, obwohl man ein Kind doch ganz anders betreuen und abholen muss, als einen alten und vielleicht auch demenziell veränderten Menschen, mit dem ich in seine Biografie zurückreisen muss“, kommentiert Altenpflegeschüler Sascha Kirberg die Pläne der Bundesregierung, eine einheitliche Pflegeausbildung zu schaffen.

Rund 300 Pflegepraktiker und Betroffene, die sich auf Einladung der Dialogoffensive Pflege im Altenhof versammelt haben, applaudieren. „Wenn drei Ausbildungsberufe in eine Ausbildung gepresst werden, wird das zu mehr Oberflächligkeit und zu weniger Tiefenwissen führen, das junge Menschen brauchen, um in der Altenpflege bestehen zu können“, befürchtet die Leiterin des Altenpflegeseminars der Arbeiterwohlfahrt, Gabriele Tenbrink. Nicht nur Margarete Illigens von der Alzheimer Selbsthilfegruppe bestätigt ihre Prognose: „Viele unserer Mitglieder befürchten, dass s…

Welttag der Menschen mit Trisomie 21: Drei Fragen an die Vorsitzende der Mülheimer Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung

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Alle reden von Inklusion und Integration. Doch wie steht es darum in der Lebenswirklichkeit von Menschen mit einer geistigen Behinderung. Darüber sprach ich aus gegebenem Anlass mit Ulrike Stadelhoff. Die Mutter eines geistig behinderten Sohnes ist ehrenamtliche Vorsitzende der 1963 von Pastor Ewald Luhr gegründeten Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung.
Wie gleichberechtigt sind Menschen mit geistiger Behinderung in unserer Leistungsgesellschaft?
‎Die  politische Entwicklung in den letzten Jahren hat die Menschen mit Behinderung deutlich mehr in den Focus des öffentlichen Interesses gerückt. Sie werden mit ihren Wünschen und Bedürfnissen ernster genommen als jemals zuvor. Bis zur wirklichen Gleichberechtigung ist natürlich noch einiges zu tun, allerdings gilt das nicht nur für die Gruppe der Menschen mit geistiger Behinderung. 
Wie sehen Sie die Tatsache, dass immer mehr Menschen mit Down Syndrom aufgrund der vorgeburtlichen Diagnostik erst gar nicht mehr zur Welt kommen un…

So gesehen: Die Gunst der Stunde nutzen

Darf ich den Osterhasen denn schon essen?“ fragt ein kleiner Junge seine Mutter, als er sich auf ihr Geheiß hin einen süßen und gold ummantelten Meister Lampe aus dem Supermarkt-Regal nimmt. „Alles hat seine Zeit. Du musst noch einige Tage warten“, sagt die Frau Mama.

Da werden bei dem großen Jungen, der hinter ihnen steht, Erinnerungen an die eigenen Kindertage wach. War es nicht erst vorgestern, dass er seiner Mutter eine ähnliche Frage stellte und eine vergleichbare Antwort von ihr erhielt.

Erschreckend, wie schnell aus Tagen Jahre werden. Da gilt es nicht nur geduldig auf den richtigen Zeitpunkt zu warten, sondern auch rechtzeitig die Gunst der Stunde zu nutzen, um sich den manchmal bitteren Alltag etwas zu versüßen. Und das gilt nicht nur dann, wenn es darum geht, den Osterhasen zu vernaschen.

Dieser Text erschien am 23. März 2016 in der Neuen Ruhr Zeitung

Weil der Glauben stark macht: Warum sich Jonas Seeger (14) und George Allotey (41) taufen lassen

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Können Sie sich noch an Ihre Taufe erinnern? Wahrscheinlich nicht. Denn wie die meisten Christen werden Sie als Baby getauft worden sein. Jonas Seeger und George Allotey haben es da besser. Der 14-jährige Schüler und der 41-jährige Fachmann für Systemgastronomie stehen kurz vor ihrer Taufe. Ostern ist neben Pfingsten ein besonders beliebter Tauftermin.

Was motiviert den Schüler aus Speldorf und den Wirtschaftswissenschaftler aus Dümpten zu diesem Schritt, zumal in einer Zeit, in der viele Menschen ihre Kinder gar nicht mehr taufen lassen oder selbst als getaufte Christen ihre Kirche verlassen?

„Meine Eltern sind beide aus der Kirche ausgetreten und haben mich als Baby nicht taufen lassen. Das finde ich gut, weil ich mich so selbst für die Taufe entscheiden konnte“, erzählt Jonas Seeger. Obwohl seine Eltern der Kirche nicht mehr angehören und er nicht getauft war, haben seine Eltern und er doch zumindest einmal im Jahr zu Weihnachten die Lutherkirche an der Duisburger Straße…

DREI FRAGEN AN: Selbstbewusstsein für den Alltag trainieren

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Am Wochenende luden der Polizeisportverein und die Realschule Stadtmitte zu einem Selbstbehauptungstraining ein. 14 Mädchen und zwölf Jungs zwischen 10 und 13 Jahren machten mit. Wie und warum? Ein Gespräch mit Rektorin SabineDilbat

Was haben die Jugendlichen trainiert?

Antwort: Unter der Anleitung von zwei erfahren Polizeihauptkommissaren haben die Jugendlichen ausprobiert, wie man sich in unangenehmen Situationen, in denen man sich bedrängt fühlt, wehren oder zumindest der Situation entziehen kann, indem man zum Beispiel tritt, zuschlägt oder auch laut und deutlich Passanten anspricht, um sich Hilfe zu holen.

Kann ein Selbstbehauptungstraining Übergriffe verhindern?
Antwort: So ein Selbstbehauptungstraining ist kein Allheilmittel. Aber es kann das Selbstbewusstsein stärken und verhindern, dass Jugendliche in eine Opferrolle geraten, statt mit Mut und Selbstbewusstsein Menschen entgegenzutreten und andere Menschen um Hilfe zu bitten.

Sind Mobbing und Übergriffe auch an Ihrer S…

Ein Mann mit vielen Farbtönen: Für den Leiter des Wohnstiftes Dichterviertel, Harald Schaal geht am 1. April ein bewegtes und buntes Berufsleben zu Ende: Seine Lebensreise geht weiter

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„Ich habe 48 ½ Jahre gearbeitet“, sagt Harald Schaal. Am 1. April geht der Leiter des Wohnstiftes Dichterviertel, das er 2009 selbst aufgebaut und geleitet hat, in den verdienten Ruhestand. Was wird er vermissen? „Fragen Sie mich mal nach meinem Urlaub, wenn der Wecker nicht mehr um 6 Uhr klingelt“, gibt Schaal mit einem Schmunzeln zurück. Der 63-Jährige kann sich vorstellen, auch im Ruhestand zu arbeiten, ehrenamtlich, vielleicht beim Bürgerbus oder in der Flüchtlingsarbeit. Aber zunächst will er mit seiner Frau Ilka reisen.

Seine Lebensreise führte ihn von seiner saarländischen Heimat nach Schwaben und Westafrika über den Niederrhein ins Ruhrgebiet. Auch seine Berufsbiografie war bewegt. Sie begann mit einer Kaufmannslehre in einer Brauerei, ging weiter mit einer Krankenpflegeausbildung und einer Karriere als Stations- und Pflegedienstleiter in verschiedenen Kliniken.

Doch irgendwann nervte ihn der hierarchische Klinikalltag: „Ich wollte immer etwas selbst machen und ich wollte es gut…

Spannungsreiches Spiel der Erinnerungen: Das Ensemble des Theaters an der Ruhr macht die Charaktere der „Glasmenagerie“ gegenwärtig

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Kleines Bühnenbild. Große Bühnenpräsenz. Damit zogen Simone Thoma, Gabriella Weber, Albrecht Hirche und Klaus Herzog ihre Premierenzuschauer im Theater an der Ruhr in die Handlung von Tennessee Williams Sozialdrama „Die Glasmenagerie“ hinein und ließen sie bis zur letzten Sekunde des von Schauspielerin und Regisseurin Simone Thoma inszenierten „Spiels der Erinnerungen“ nicht mehr los.

Zum Beispiel Albrecht Hirche als Tom Wingfield, der mit seiner Gitarre und seinem Hippie-Look den Typ des Aussteigers verkörpert und seinen Ausbruch aus der Familie und seiner unbefriedigenden Existenz als Schuhverkäufer und manischer Konogänger wortreich begründet und dennoch zwischen den Zeilen der Abrechnung so etwas wie Trauer und Wehmut erkennen lässt.

Zum Beispiel Simone Thoma, die als gleichermaßen verzweifelte wie ehrgeizige und dominante Mutter Amanda Wingfield die vom Vater und Ehemann verlassene Familie in eine bürgerliche Existenz zu hiefen versucht. Doch weil die starke und zugleic…

Förderverein für die Mülheimer Städtepartnerschaften sieht sich auf einem guten Kurs

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Seit einem Jahr agiert der 1995 gegründete Städtepartnerschaftsverein als reiner Bürgerverein mit neuem Vorstand. Auf der jüngsten Mitgliederversammlung zog er eine Zwischenbilanz. Drei Fragen an den Vorsitzenden Gerhard Ribbrock.

Frage: Ist der Verein geschrumpft?

Antwort: Nein. Wir konnten unsere Mitgliederzahl mit 353 stabil halten. Außerdem haben wir einen starken Kern von rund 60 aktiv engagierten Mitglieder. Das hat uns schon bei unseren bisherigen Aktionen geholfen. Mit Hilfe unserer Mitgliedsbeiträge konnten wir das Vereinsguthaben von 660 Euro auf 10.000 Euro steigern, so dass wir jetzt wieder in der Lage sind, Gäste aus den Partnerstädten zu bewirten und willkommen zu heißen.

Frage: Was steht 2016 auf Ihrem Programm?

Antwort: Unsere Bürgerfahrten nach Kfar Saba, Kouvola und Tours, an denen insgesamt 89 Bürger teilnehmen werden, sind ausgebucht. Wie im Vorjahr wollen wir auch 2016 auf dem Adventsmarkt in der Altstadt Spezialitäten aus den Partnerstädten anbieten. Auß…

So gesehen: Nichts verpasst

Eigentlich interessiere ich mich nicht für Werbeplakate. Doch an diesem Werbeplakat, auf das ich jetzt an einer Mülheimer Bushaltestelle stieß, blieb ich doch irgendwie hängen. „Das reine Vergnügen“, las ich da und sah junge Damen und Herrn in bester Laune und reizvoller Unterwäsche, die nur wenig verhüllte. Die spärlich bekleideten und herzhaft lachenden jungen Leute lieferten sich in einem Waschsalon ein neckisches Wettrennen im Einkaufswagen lieferten. Dessen Ziel, so wollte der Werbegrafiker meinen Augen weiß machen, war die Schachtel einer bestimmten Zigarettenmarke.

Schon wollte ich mich im Angesicht dieser puren Lebenslust fragen, ob ich als Nichtraucher und Nutzer einer häuslichen Waschmaschine im Leben etwas verpasst habe. Doch dann fiel mir ein: Die Werbung muss uns ja das reine Vergnügen vor Augen führen, um ihr Geld wert zu sein. Doch von der reinen Wahrheit ist bei ihren Auftraggebern sicher nicht immer die Rede. Zu Risiken und Nebenwirkungen, fragen Sie ihren Waschsalonbe…

"Die Politik darf die Natur nicht ausblenden: Drei Fragen an den Nabu-Vorstand Elke Brandt

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Sie hatten Mittwochabend Mitgliederversammlung. Wie sieht es mit der Mitgliederentwicklung beim Nabu aus?

Dank umfangreichen Aktivitäten hält sich unser Mitgliederbestand und ist sogar geringfügig auf rund 1600 angestiegen.

Was sind Ihre aktuellen Projekte?


Beim Nabu Ruhr liegt ein Schwerpunkt bei Arbeiten im praktischen Naturschutz. Wir pflegen in Mülheim-Menden zwei eigene Flächen und eine gepachtete Fläche, eine Obstwiese und eine Ackerfläche, die von einer Vogelschutzhecke umgeben ist und die wir in eine Wildwiese verwandeln. Hinzu kommen eine Heuwiese und eine Obstwiese auf der Saarner Kuppe. Deren Erlöse kommen dem Naturschutz zugute.

Was ist aus Ihrer Sicht in Mülheim politisch in Sachen Naturschutz angezeigt?

Antwort: Viele Politiker blenden die Natur aus und engagieren sich lieber für soziale Projekte. Der Landschaftsbeirat erarbeitet Stellungnahmen, die die Belange des Natur- und Umweltschutzes bei vorgesehenen Planungen berücksichtigen. Leider muss er häufig erfahre…

Eine Dienstfahrt fürs Leben: Unterwegs mit der ambulanten Altenpflegerin Ricarda Jörißen

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Nichts ist selbstverständlich. Das merkt man, wenn man mit der Altenpflegerin Ricarda Jörißen unterwegs ist. Um 6 Uhr beginnt ihr Arbeitstag. Im Auftrag des ambulanten Pflegedienstes Pflege zu Hause fährt sie mit ihrem Dienstwagen kreuz und quer durch die Stadt. Sie hilft Menschen, die sich selber nicht mehr oder nur eingeschränkt helfen können, weil sie behindert, krank, alt oder alles zusammen sind.

Die meisten Patienten, die sie zwischen 6 und 13 Uhr aufsucht, sind zwischen 80 und 90. Doch an diesem Tag ist ihr erster Kunde ein geistig behinderter junger Mann, der mit regelmäßiger Betreuung, ansonsten aber selbstständig, in einer kleinen Wohnung an der Paul-Essers-Straße lebt. Bevor er mit der Straßenbahn zur Arbeit in eine beschützende Werkstatt der Fliednerstiftung fährt, verabreicht ihm Schwester Ricarda Medikamente. Schnell schaut sie sich noch eine kleine Verletzung an seinem Fuß an, die sie schon am Vortag mit einem Pflaster versorgt hat.

"Ich würde es ja gerne selbst mach…

Reife Leistung: Die Seniorenzeitung Alt? Na und! gibt ihre 100. Ausgabe heraus

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Ab dem 22. Februar wurde die 100. Ausgabe der Seniorenzeitung "Alt? na und!" verteilt. 6500 Exemplare werden an 150 Abgabestellen gratis ausgelegt. In Arztpraxen und Apotheken kann man die Seniorenzeitung ebenso kostenfrei mitnehmen, wie in der Volkshochschule, in Stadtbüchereien, in Bürgerbegegnungsstätten, in Altentagesstätten und Altenheimen und an vielen öffentlich zugänglichen Orten mehr. Erschien die erste Seniorenzeitung 1989 noch im klassischen Schwarz-Weiß, so ist sie heute farbig. Und das gilt nicht nur für den Druck und das Layout, sondern auch für die Inhalte.
Sehr vielseitigDas zeigt schon ein Blick in die 100. Ausgabe: Über Radwandern für Senioren und einen ehrenamtlichen Reisebegleitdienst der Diakonie, die ZugVögel, wird da ebenso berichtet, wie über den Mülheimer Ruhrpastor und Sozialreformer Konrad Jakobs oder den Redaktionsbesuch des neuen Oberbürgermeisters und die Reform der Pflegeversicherung. Unter der Leitung von Gabriele Strauß-Blumberg bilden derzei…

So gesehen: Zeitungsmensch und Zeitgenosse

Zeitung lesen ist manchmal aufregend. Aber es bildet auch und hält geistig rege. Der 1922 geborene Paul Zsigmond, der seit 1946 die NRZ liest, beweist es. Wer sich mit dem 93-Jährigen über das Zeitgeschehen unterhält, der kann sich nur wünschen, mit über 90 auch noch so hellwach zu sein und mit so viel Freude und Neugier aufs Leben seine Zeitung lesen zu können.

Auch wenn ihm seine erste Zeitungslektüre den Appetit auf Fisch raubte ist es doch schön, dass dem Mann so manche schwer verdauliche Zeitungsschlagzeile in 70 Jahren nicht aufs Gemüt geschlagen ist. 

Dieser Text erschien am 18. Februar 2016 in der NRZ

„Man kann mitreden“: Paul Zsigmond liest seit 70 Jahren jeden Morgen die NRZ – von der ersten bis zur letzten Zeile. Das bildet, sagt der 93-jährige Rentner aus Dümpten

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Paul Zsigmond ist ein Zeitungsmensch. „Ich bin schon als Kind immer früher aufgestanden, um die Zeitung lesen zu können, ehe ich zur Schule ging“, erinnert sich der heute 93-jährige NRZ-Leser der ersten Stunde. Dabei war seine erste Zeitungserfahrung eine negative. „Als Siebenjähriger las ich in der Zeitung einen Bericht über einen Mann, der an einer Fischgräte erstickt war. Danach wollte ich nie wieder Fisch essen“, erzählt Zsigmond.

Doch an diesem Schock hatte die NRZ keine Schuld. „Denn damals hatten meine Eltern noch den Mülheimer Generalanzeiger abonniert“, berichtet Zsigmond. Der in Dümpten lebende Witwer und Vater von fünf erwachsenen Kindern kann sich noch gut daran erinnern, dass nach Hitlers Regierungsantritt im Januar 1933 plötzlich in allen Zeitungen die Ideologie der NSDAP vertreten wurde. Seine Konsequenz aus Diktatur und Krieg war 1945 der Eintritt in die SPD. Obwohl der Mann aus der Arbeiterschaft, der viele Berufe vom Anstreicher und Kraftfahrer über den Op…

So gesehen: Fußgänger trifft Raser

Auch am Sonntag sollte man den Begriff Fußgängerzone auf der Schloßstraße nicht allzu ernst nehmen. Denn auch am Tag des Herrn sind die Raser vor dem Herrn unter uns. Gestern begegneten sich dort zwischen Schloßstraße und Kohlenkamp zwei Fußgängerpärchen und trauten ihren Augen nicht, als sie von einem rasenden Radfahrer mit Helm, der offensichtlich für die Tour de France trainierte als Slalomstangen benutzt wurden. Leider waren keine Streifen des Ordnungsamtes oder der Polizei zu sehen, die den rasenden Rowdy hätten stoppen und zur Kasse bitten können. So konnten die Gott sei Dank mit dem Schrecken davon gekommenen Fußgänger nur ihren Schutzengeln danken, die auch sonntags alle Hände voll zu tun haben.

Dieser Text erschien am 14. März 2016 in der Neuen Ruhr Zeitung

Ein neuer Ort der Seelsorge: St. Marien-Hospital weiht neue Kapelle ein

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In Zeiten, in denen Kirchen geschlossen oder umgewidmet werden, ist die Einweihung einer neuen Kirche ein Grund zum Feiern. Das taten jetzt knapp 90 katholische und evangelische Christen im St. Marien-Hospital. Dort konnten der emeritierte Weihbischof, Franz Grave und Stadtdechant Michael Janßen die neue Kapelle des Katholischen Krankenhauses einweihen. „Dieser Raum steht Menschen aller Glaubensrichtungen offen, die Trost und Hoffnung suchen oder danken wollen“, betonte der Geschäftsführer des Marien-Hospitals, Hubert Brams. Nicht nur er zeigte sich von „der schlichten und sensiblen Gestaltung dieses Andachtsraumes“ beeindruckt, den der 89-jährige Bildhauer Ernst Rasche zusammen mit seinem Sohn Christoph, dem Architekten Jochen Plato und dem zuständigen Projektleiter des St. Marien-Hospitals, Markus Rau, innerhalb von zehn Monaten bewerkstelligt hatte. Ernst Rasche, der unter anderem auch die katholische Stadtkirche St. Mariae Geburt durch seine Kunst geprägt hat, gestaltete nicht nur …

An der Müll-Front: Wer zwischen 7 und 15 Uhr mit den beiden MEG-Müllmännern Tommy Maschollek und Benny Schmidt unterwegs ist, erlebt einen Knochenjob und viel Rücksichtslosigkeit im Straßenverkehr

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Morgens um Sieben bei der Mülheimer Entsorgungsgesellschaft MEG. Im Büro des Disponenten Siegfried Fink herrscht bereits ein reges Kommen und Gehen. Ein letzter Blick auf seinen Computerbildschirm zeigt ihm, wer heute welche Tour fährt, wer da ist und wer sich krank gemeldet hat. Tommy Maschollek und sein Kollege Benny Schmidt sind zur Stelle. Sie werden heute mit ihrem zehn Meter langen und zweieinhalb Meter breiten Presswagen durch das Revier 8 fahren, um acht Altpapier-Container-Standorte und rund 300 Blaue Tonnen zu entleeren. Das Revier 8 umfasst etwa das gesamte Stadtgebiet, mit Ausnahme von Styrum und Speldorf. Diese Stadtteile stehen erst am folgenden Tag auf ihrem Fahrplan. Doch bevor es los geht, stärken sie sich mit einer Tasse Kaffee und steigen in ihre orange-blau-reflektierende Arbeitsmontur. Zu der gehören neben dicken Arbeitschuhen mit Stahlkappe und Stahlsohle auch Handschuhe mit rauer Oberfläche.

7.10 Uhr Tommy (bei der MEG ist man per Du) startet den Moto…

Wenn Fernsehen bildet Mit Lingua TV lernen in Mülheim derzeit 60 Flüchtlinge Deutsch. Es könnennoch mehr werden: Arbeitsagentur und Burger-Kette machen es möglich

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Fernsehen bildet. Der 28-jährige Mohammed Mousavi und der 20-jährige Mohammed Rezaj Jami sind der beste Beweis. Die beiden Iraner leben erst seit sechs beziehungsweise vier Monaten in Mülheim. Dennoch können sie sich schon jetzt mit einem Mix aus einfachen deutschen und englischen Sätzen im deutschsprachigen Alltag zurechtfinden. Ein Sprachkurs der Agentur für Arbeit und der interaktive Online-Kanal Lingua TV machen es möglich.

Als der örtliche Mit-Sponsor Marcus Prünte an diesem Morgen in dem von Simona Blumkowski betreuten Selbstlernzentrum der Agentur für Arbeit vorbeischaut, lassen ihn Mousavi und Jami an ihren aktuellen Online-TV-Lektionen teilhaben. Jami trainiert im Frage-Antwort-Spiel mit seinen Gesprächspartnern aus dem Alltagsvideo „die erste Begegnung“: Wie heißt du? Wo wohnst du? Ich heiße.?.?. und wohne.?.?.

Sein Landsmann Mousavi, der in Teheran zuletzt ein Imbiss-Lokal betrieb, ist schon etwas weiter. Mit seinen Gesprächspartnern aus dem Online-Video-Kanal un…

"Demenz ist nicht das Ende": Drei Fragen an Elke Riedemann vom Servicezentrum Demenz Westliches Ruhrgebiet

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Rund 3000 Mülheimer sind demenziell verändert. Eine von ihnen ist die 57-jährige Viktoria von Grone. In einer Ausstellung, die vom 11. März  bis zum 19. April in der Sparkasse am Berliner gezeigt wird. Sie lässt uns mit den Fotos von Claudia Thoelen und den Texten von Viktoria von Grone in den Alltag einer Demenzpatientin schauen. Ein Gespräch mit Elke Riedemann vom Servicezentrum Demenz Westliches Ruhrgebiet, das mit der Alzheimer-Gesellschaft und der Sparkasse dazu einlädt.

Frage: Was raten Sie demenziell veränderten Menschen und Ihren Angehörigen?

Antwort: Elke Riedemann: Betrachten Sie den kognitiv eingeschränkten Menschen mit Demenz nicht nur als Kranken, sondern als Menschen mit allen seinen Bedürfnissen. Unternehmen Sie gemeinsam Dinge, die Freude bereiten. Nehmen Sie weiter am Leben teil, verstecken Sie sich nicht. Offener Umgang mit Demenz fördert Umsichtigkeit und Unterstützungsbereitschaft in der Nachbarschaft und in der Gesellschaft.

Frage: Was kann Betroffene ent…

So gesehen: Vom Schutzengel begleitet

Manchmal sieht man Dinge, die man nicht für möglich hält. Da schlenderte ein junger Mann mit einem Baby auf dem Arm die Straße entlang. War es der Vater? Oder der große Bruder der Schwester? Während man grübelte, überquerte der junge Mann geistesabwesend die Straße, an einer Stelle, die weder mit einer Ampel noch mit einem Zebrastreifen dafür gedacht wäre. Der Autoverkehr floss zügig. Doch der Mann und das Baby wurden scheinbar von einer Heerschar von Schutzengeln begleitet, die die Autofahrer mit der Geistesgegenwart ausstatteten, rechtzeitig abzubremsen. Bleibt zu hoffen, dass die Schutzengel weiterhin an der Seite der beiden „Glückspilze“ unterwegs sind, um auch ihnen bei Zeiten den einen oder anderen Geistesblitz einzugeben.

Dieser Text erschien am 7. März 2016 in der Neuen Ruhr Zeitung

Der Mensch als Witzfigur: Das Backsteintheater bringt Richard Beans Typenkomödie "Ein Mann, zwei Chefs" auf die Bühne

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„Das war witzig und schnell“, fand nicht nur der Geschäftsführer des Evangelischen Krankenhauses, Nils Krog. Das Backsteintheater hatte auch bei seiner 27. Premiere die Lacher auf seiner Seite. Dem Wortwitz des englischen Autors Richard Bean sei Dank.

Das Ensemble um Regisseur Heribert Lochthove und Hauptdarsteller Jost Schenck konnte mit seiner Premierenleistung zufrieden sein, auch wenn man an der einen oder anderen Stelle merkte, dass die professionellen Amateurschauspieler noch nicht das Optimum ihrer Möglichkeiten erreicht haben und hier, wie dort, noch etwas mehr Spritzigkeit, Tempo und Spontanität hätte überspringen können.

Dennoch muss man es aufrichtig bewundern, dass Menschen, die nebenberuflich auf einem hohen Niveau Theater spielen, die doppelte Herausforderung der Komödie „Ein Mann, zwei Chefs“ meisterten, in dem sie immer wieder zwischen Sprechtheater und Gesang wechseln mussten. Vor allem Hauptdarsteller Jost Schenck, alias Francis Henshall und das junge Multi…

Die aus dem Senegal stammende Mülheimerin Gilbert Raymonde Driesen baut Brücken im globalen Dorf

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Mülheim wird bunter. Menschen aus mehr als 100 Nationen leben in unserer Stadt. Eine von ihnen ist Gilbert Raymonde Driesen. Vor 42 Jahren wurde die Pädagogin und zweifache Mutter im westafrikanischen Senegal geboren. Dort unterrichtete sie als Gaymnasiallehrerin Deutsch und Französisch. Vor acht Jahren kam sie der Liebe wegen nach Mülheim, obwohl sie damit ihren Beamtenstatus aufgeben musste und ihre Bildungs- und Berufsabschlüsse in Deutschland nicht anerkannt wurden. Deshalb arbeitet sie heute als Dozentin in der Erwachsenenbildung und sorgt dafür, dass Zuwanderer in Integrationskursen Land, Leute, Kultur und Sprache kennen lernen, um wie sie, hier anzukommen. Doch auch wenn sie den Familiennamen ihres deutschen Ehemannes Andre angenommen hat, fühlt sich Gilbert weiter mit ihrer Heimat im Westen Afrikas verbunden. "Der senegalesische Staat hat viel für mich und meine Ausbildung getan. Das kann und will ich nicht vergessen", sagt sie. Deshalb hat Driesen jetzt zusammen mit…

Hoch motiviert und hilfsbereit: Die Realschule Stadtmitte ehrte jetzt unter anderem zwei "Seiteneinsteiger", die mit ihrer Integrationsbereitschaft ein gutes Beispiel für gleichaltrige Flüchtlinge und Zuwanderer geben

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„Wir haben Kinder oft nur dann im Blick, wenn sie etwas falsch gemacht haben. Zu selten loben wir sie, wenn sie etwas gut gemacht haben“, sagt Sabine Dilbat.
Deshalb haben die Rektorin der Realschule Stadtmitte und ihre 50 Lehrerkollegen jetzt Schüler eingeladen und mit einer Rose und einem kleinen Präsent geehrt, weil sie etwas richtig gut gemacht haben – als Schulsanitäter, erfolgreiche Wettbewerbsteilnehmer oder als Teilnehmer einer Arbeitsgemeinschaft, die mit einem Handwerksmeister am Ruhrufer lebensrettende Hinweis-Schilder für die Feuerwehr aufgestellt haben.

Unter den Geehrten sind diesmal auch zwei „Aufsteiger des Jahres“: die 15-jährige Ermina-Maria aus Rumänien und der 13-jährige Karam aus dem Irak. Die beiden Schüler, die erst seit wenigen Monaten die Realschule Stadtmitte besuchen, „sind sehr motiviert und hilfsbereit. Sie sind nicht nur fleißig und haben rasche Sprachfortschritte gemacht, sondern sie haben auch immer ihre Mitschüler im Blick“, berichtet Christ…

Wünsche wagen: Warum und wie sich der Saarner Peter Brill für ein ganz besonderes Projekt des Arbeitersamariterbundes engagiert und was er dabei für sein eigenes Leben lernt

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Ich habe vor allem mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet“, erinnert sich der Sozialpädagoge und Psychotherapeut Peter Brill an sein Berufsleben bei der Arbeiterwohlfahrt.

Doch jetzt, wo er auf die 70 zugeht, möchte er gerne auch etwas mit und für ältere Menschen tun. Deshalb hat er 2015 mit seiner Hündin Leva beim Arbeitersamariterbund eine Ausbildung zum Besuchshundeführer gemacht. Doch inzwischen sorgen Brill und Leva nicht nur im Hospiz, in Altenheimen und Kindergärten für wohltuende und angstlösende Streicheleinheiten. Denn mittlerweile hat der Saarner, den viele Mülheimer auch durch sein Engagement für das Altenwohnprojekt Leben in Nachbarschaft Alternativ (Lina) kennen, durch das eine ein zweites Ehrenamt für sich entdeckt.

Er begleitet regelmäßig Menschen, denen mit Hilfe des Wünschewagens Wünsche erfüllt werden, die sie sich aufgrund ihrer gesundheitlichen Einschränkungen selbst nicht mehr erfüllen können.

So hat Brill zuletzt eine krebskranke Frau aus dem Krank…