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Es werden Posts vom September, 2016 angezeigt.

Auch nach 50 Jahren ist das Kinderfest der Kolpingfamilie Mülheim-Heimaterde-Zentral immer noch ein Dauerbrenner und Publikumsmagnet

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„Wenn ich durch die geschmückten Straßen der Heimaterde zum Festplatz an der Kleiststraße gehe, bin ich schon stolz, dass es heute überhaupt noch so ein Fest gibt“, sagt Dirk Desinger. Der 50-jährige Familienvater gehört zu dem achtköpfigen Organisationsteam, das beim Kinderfest der örtlichen Kolpingfamilie die Fäden in der Hand hält. An diesem Wochenende, 10. Und 11. September, wird das Kinderfest, das auch die „großen“ Bewohner des Stadtviertels auf die Beine bringt, bereits zum 50. Mal gefeiert. „Wir haben hier viele Einfamilienhäuser und viele junge Familien. Deshalb gehört ein solches Fest einfach hier hin“, sagt Desingsers Mitstreiter Andreas Pöhlmann. Was die beiden Männer aus dem Organisationsteam, das bereits seit 22 Jahren im Dienste des Kinderfestes ehrenamtlich zusammenarbeitet, besonders begeistert, ist die große Hilfsbereitschaft aus der Nachbarschaft, die sie alljährlich erfahren.
Ob Würstchen gegrillt werden müssen, ob Sitzganituren, Pavillons und Tische aufgestellt werd…

So gesehen: Darf es etwas weniger Bass sein?

Der Kartoffelhändler meines  Vertrauens gähnt mich an. Mein Gott. Bin ich etwa so langweilig, dass ich die Menschen in meiner Umgebung einschläfere? Doch dem Mann hinter dem Marktstand geht es so, wie mir oft auch. „Ich habe manchmal das Gefühl, dass ich von der Frühjahrsmüdigkeit gleich in den Winterschlaf übergehen könnte“, sagt er.

Kein Wunder. Angesichts der wilden Wetterlagen, die wir heute erleben, können Organismus und Seele durcheinander kommen.

Auch im September ist man an einem Tag im Hochsommer und an einem anderen eher im durchwachsenen Frühling oder im Herbst.

Tatsächlich konnte man sich angesichts der heißen Beats und des Sonnenscheins, die am Samstag unter dem Motto „Herbstgold“ die Schloßstraße aufmischten auf einen sommerlichen Jahrmarkt oder ein Rockfestival versetzt fühlen. Rock und Pop an der Ruhr. Das hört sich doch gut an.

Allerdings verging so manchen Anwohnern, Händlern und ihren Kunden, die in unmittelbarer Nähe der Bühne angesichts der zum Teil extrem lauten und …

Das Ende einer Ära: Der Bund der Vertriebenen lud gestern zu seinem letzten Tag der Heimat in den Bürgergarten: Ende des Jahres löst sich der noch 80 Mitglieder zählende BdV auf

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„Nur wer seine Geschichte kennt, kann auch aus ihr lernen. Und deshalb müssen wir auch die Geschichte der Vertriebenen an die nächste Generation weiter geben“, fordert der CDU-Landtagsabgeordnete Heiko Hendriks vor 45 Zuhörern im Bürgergarten. Sie sind Teilnehmer des letzten Tages der Heimat, zu dem der Bund der Vertriebenen (BdV) eingeladen hat.Warum es der letzte Tag der Heimat war und der Mülheimer BdV sich zum Jahresende auflöst, erklärt seine aus Pommern stammende Vorsitzende Margit Schlegel (79) in einem Gespräch mit dieser Zeitung.

Warum löst sich der BdV auf?

Weil sich in den letzten Jahren eine nach der anderen Landsmannschaft verabschiedet hat. Heute gibt es in Mülheim nur noch eine kleine schlesische Landsmannschaft. In seinen Hochzeiten hatte der BdV 300 Mitglieder. Heute sind es vielleicht noch 80.

Hat sich ihr Verband historisch überlebt?

Auf Kreisebene ist das zumindest so. In den Zeiten, in denen es darum ging, den Lastenausgleich für die Vertriebenen durchzusetzen und man…

"Ausbildung und Arbeit sind ein wichtiges Fundament für das Lebenshaus" - Zwei Kirchenmänner sind als Botschafter in Sachen Berufsausbildung unterwegs

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Nur ein Viertel der Betriebe bilden aus. Und obwohl das Ausbildungsjahr bereits begonnen hat, suchen noch 190 Bewerber eine Lehrstelle. Deshalb ließen sich jetzt Stadtdechant Michael Janßen und der emeritierte Weihbischof Franz Grave von der örtlichen Agentur für Arbeit gerne als Botschafter für mehr Ausbildungsplätze einspannen. Sie taten dies bei einem Betriebsbesuch, der Kraftfahrzeug-Handel-und-Service-GmbH, deren Inhaber, Oliver Kammann gleich 5 Auszubildende und 1 Praktikanten in seinem Team hat. „Wir wollen uns bei Ihnen für Ihr Engagement bedanken und an andere Arbeitgeber appellieren, beim Thema Ausbildungsplätze vielleicht noch eine Schippe drauf zu legen“, betonte Grave.

Derweil machte der Kaufmann und Handwerksmeister Oliver Kammann, der Dennis Krüger (18), Luca Strucksberg (16), Dominick Rillo (19), Niko Dangiris (22) und Marvin Puchert (17) zum KFZ-Mechatroniker ausbildet, deutlich: „Man kann nicht über Fachkräftemangel klagen und gleichzeitig nicht ausbilden wollen. Das …

Eine Idee ist Wirklichkeit geworden: Nicht nur Christel Schuck vom Freundeskreis Las Torres erlebt das neue Haus auf altem Grund, wie einen Sechser im Lotto

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„Wie kann man so ein Haus direkt vor die Petrikirche bauen?“ „Wo anders werden Gemeindehäuser geschlossen und hier wird ein neues hingeklotzt.“ Solche und ähnliche kritische Stimmen mussten sich der Unternehmer Ulrich Turck und seine Mitstreiter von der 2009 gegründeten Stiftung Petrikirchenhaus immer mal wieder anhören, als das Petrikirchenhaus in den Jahren 2014 und 2015 auf dem Kirchenhügel Formen annahm. Nachdem das Petrikirchenhaus im Februar 2016 eröffnet werden konnte, hörte sich das schon ganz anders an: „Mein Gott. Ist das schön geworden. Schön, dass Sie das alte Haus renoviert haben“, lautete eine Meinung. Dass das neue Petrikirchenhaus, dessen Bau allein mit Stiftungsmitteln in Höhe von zwei Millionen Euro bewerkstelligt wurde, von einigen Mülheimern irrtümlich für einen renovierten Altbau gehalten wird, zeigt der Geschäftsführerin der Stiftung Petrikirchenhaus, Susanne Reimann, „dass das Haus inzwischen von den Menschen angenommen und als Teil des Ortsbildes gesehen wird.“

Hat der Gesprächsprozess der vergangenen fünf Jahre die Katholische Kirche vorangebracht? Eindrücke einer Diskussion in der katholischen Akademie Die Wolfsburg

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Haben die Gesprächsprozesse der letzten fünf Jahre die Katholische Kirche in Deutschland weiter gebracht? Das Ergebnis einer Diskussion, die rund 160 engagierte Christen aus dem gesamten Bundesgebiet jetzt in der Katholischen Akademie die Wolfsburg zu eben dieser Frage führten, brachte ein klares: „Ja, aber!“ zu tage.
„Das Reden darf kein Ersatz für das Handeln sein“, mahnte der katholische Journalist Joachim Frank von der DuMont-Medien-Gruppe. Als Beispiel für die Stagnation in der katholischen Kirche nannte er „die Murmeltier-Debatte: 6 Uhr morgens. Und schon wieder wird über den Pflichtzölibat diskutiert.“ Als positives Gegenbeispiel für Aktion in der Kirche führte er das christliche Engagement für Flüchtlinge ins Feld: „Da werden Christen mal wieder positiv wahrgenommen.“
Auch der Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, machte deutlich „Gott wird nur in der gelebten Nächstenliebe, etwa in der Hilfe für Flüchtlinge oder Obdachlose, erfahrbar. Wir kommen als Kirche nur weiter…

Zum Auftakt der interkulturellen Woche machte der Politikwissenschaftler Aladin El-Mafaalani. deutlich; Integration bedeutet Veränderung für alle

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Kurzweilig und anregend. Besser hätte der Auftakt zur Interkulturellen Woche nicht gelingen können, als durch das Impulsreferat des Politikwissenschaftlers und Migrationsforschers Aladin El-Mafaalani. 1978 als Sohn syrischer Eltern im Kreis Recklinghausen geboren, lehrt und forscht er heute an der Fachhochschule Münster.

Mit seiner Biografie repräsentiert er die zweite Generation der Zuwandererfamilien, die er selbst so beschreibt. „Anders, als ihren Eltern, reicht es ihr nicht mehr nur akzeptiert und toleriert zu werden. Sie will ein Stück vom Kuchen abhaben und die dritte Generation will dann auch mitentscheiden, welcher Kuchen auf den Tisch kommt.“
Erst in der vierten Generation, so das Ergebnis seiner Forschung, sei der persönliche Zuwanderungshintergrund kein problematisches Thema mehr.

Das Professoren, Journalisten, Lehrer und Ärzte mit Zuwanderungshintergrund in der deutschen Gesellschaft immer selbstverständlicher geworden sind, führte El-Mafaalani, als Beweis dafür an, „dass die…

Der Mann, der die Brötchen bringt: Unterwegs mit dem Bäckereifahrer Maik Elbers

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„Wer früh anfängt, hat früh Feierabend“, stand in der Stellenausschreibung der Bäckerei Hemmerle, auf die sich Maik Elbers vor 13 Jahren bewarb. Damals fuhr der gelernte Tischler für einen Gemüse- und Obst-Großhandel. Mit seinen dortigen Arbeitsbedingungen und seiner Entlohnung war er überhaupt nicht zufrieden. „Das ging so nicht mehr weiter. Es musste sich was tun“, erinnert sich Elbers an die Zeit des Umbruchs.

Ein Glücksfall
Dass er bei Hemmerles einen neuen Arbeitsplatz fand, an dem „er mit entspannten Chefs zusammenarbeiten kann und fair bezahlt wird,“ sieht der in einer festen Partnerschaft geborgene Familienvater als einen Glücksfall seines Lebens. „Meine Lebenspartnerin sorgt dafür, dass ich abends rechtzeitig ins Bett und morgens wieder herauskomme“, sagt Elbers. Das ist auch dringend erforderlich. Denn der Arbeitstag des Dümpteners beginnt schon um 2 Uhr in der Nacht. Dann steht er zusammen mit Junior-Chef Sven Hemmerle in der Versandhalle der Groß-Backstube an der…

Ein grün-weißes Sommermärchen: Vor 60 Jahren wurde der VFB Speldorf Deutscher Vizemeister der Fußball-Amateure

Was für Deutschland die Helden von Bern, das waren für Mülheim die Helden von Berlin. Die Rede ist von der Elf des VfB Speldorf, die vor 60 Jahren Vizemeister der deutschen Fußball-Amateure wurde.
Nur den „Roten“ aus Neu-Isenburg mussten sich die Grün-Weißen aus Speldorf im Berliner Finale geschlagen geben. Auch wenn es für die von Kurt Biesenkamp trainierte Mannschaft nach 90 Minuten 2:3 hieß, sahen viele der 75 000 Zuschauer die vom Verletzungspech und von umstrittenen Schiedsrichter-Entscheidungen gebeutelten Speldorfer als „moralische Sieger.“ Auch Bundestrainer Sepp Herberger und Torwart-Legende Bernd Trautmann diktierten der Presse den Satz: „Die Speldorfer waren eine Klasse besser“ in den Block.
VfB-Leistungsträger und Nationalspieler Theo Klöckner, erlitt gleich zu Beginn des Spiels einen Wadenbeinbruch, machte aber unbeirrt weiter und schoss später sogar noch ein Tor. Helmut Hirnstein, Heinz Riepe, Ernst Stroß, Hans Otto Bösebeck, Georg Hanselmann, Horst Riemenschneider, Walter…

So gesehen: Die Evolution geht weiter

Als Journalist bin ich ein Mann des gedruckten Wortes. Was Schwarz auf Weiß geschrieben steht, hat für mich ein gewisses Gewicht, auch, wenn ich weiß, dass Papier geduldig ist. Doch gestern beschlich mich das Gefühl, dass ich mit dieses Geisteshaltung langsam, aber sicher zu einer aussterbenden Spezies gehöre.

Anders konnte ich es mir nicht erklären, was mir beim Arztbesuch, wie eine unwirkliche Erscheinung widerfuhr. Als ich ins Wartezimmer eintrat, folgte ich der plakatierten Anweisung: „Mobiltelefone bitte abschalten“ und vertiefte mich in eine Zeitschrift. So bekam ich erst verzögert mit, dass meine drei Mit-Insassen im Wartezimmer in keiner Zeitschrift, sondern (was auch immer) in ihren Smartphones lasen. Plötzlich fühlte ich mich so alt, wie die Queen, über die ich gerade las. Denn wahrscheinlich ist die Ansicht von Gestern, dass es sich bei einem Smartphone um ein Handy und nicht um ein Körperteil handelt.

Dieser Text erschien am 16. Juli 2016 in der Neuen Ruhr Zeitung

Wo früher der Zug abfuhr, spielen heute die Kinder: Ein Zeitsprung in Broich

Früher konnte man hier mit dem Zug von Broich nach Kettwig fahren. Heute spielen dort Kinder oder Jogger und Spaziergänger passieren das grüne Fleckchen im Herzen Broichs. Der Straßenname Am BahnhofBroich deutet auf die Geschichte des Bahnhofes, der hier ab 1866 fast 100 Jahre lang stand. Die aus dem Stadtarchiv stammende Postkarte zeigt das Bahnhofsgebäude anno 1910. Bis zur Verstaatlichung der Eisenbahn (1880) gab es in Mülheim eine Rheinische und eine Bergisch-Märkische Eisenbahngesellschaft, die mit ihren Bahnstrecken konkurrierten.

Welche Bedeutung der Eisenbahnverkehr in einer Zeit hatte, als Straßen- und Flugverkehr noch keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielten, macht die Tatsache deutlich, dass es neben dem BahnhofBroich zeitweise sechs andere Mülheimer Bahnhöfe gab. Eine Aufstellung aus dem Jahr 1907 ergibt, dass die Mülheimer Bahnhöfe damals von 155 Personen- und 278 Güterzügen passiert wurden. Unweit des Broicher Bahnhofes entstand 1874 an der Duisburger…

So gesehen: Das rasende Kind im Manne

Dass ich zuweilen überholt werde, überrascht mich nicht. Denn ich gehöre nicht zur Fraktion der Raser. Angesichts so mancher bedauerlicher Straßenzustände in unserer Stadt, tut man als Fußgänger ohnehin gut daran, die Entdeckung der Langsamkeit nicht nur als literarische Tugend zu üben. Der lesenswerte Sten Nadolny lässt grüßen.

Doch überrascht war ich jetzt schon, als ich auf der Schloßstraße von einem Mann mit Roller überholt wurde. Denn es war kein kleiner Mann, bei dem man ein solches Gefährt erwarten würde, sondern ein ausgewachsener Geschlechtsgenosse, der es offensichtlich eilig hatte. Umso erstaunlicher war es, dass seine Wahl auf ein Fortbewegungsmittel gefallen war, das offensichtlich drei Nummern zu klein für ihn war.

Aber ein Mann muss eben tun, was ein Mann tun muss, um im Leben voranzukommen und sei es auf einem zu kleinen Roller. Da hilft es auch nichts, wenn der kleine Sohnemann sich zuhause die Augen ausweint, weil er sich fragt, wie er ohne seinen Roller zum Spielplatz…

Eine Brücke als Baustelle: Ein Zeitsprung an der Thyssen-Brücke in Styrum

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Die 1909 aus Stahl errichtete Thyssenbrücke überspannt die alte Bergisch-Märkische Eisenbahnstrecke, an der August Thyssen 1870 sein erstes Stahlwerk errichtete, das zur Keimzelle eines Weltkonzerns werden sollte.

Wie berichtet muss die alte Thyssenbrücke neu gebaut werden. Geplanter Kostenpunkt: 19,5 Millionen Euro. Eine besondere Herausforderung stellt die die De- und Remontage der Gasleitung dar, die unter der Thyssen-Brücke verläuft. Schon Mitte der 50er Jahre, damals wurde die Eisenbahn elektrifiziert, lesen wir in der Lokalpresse von Neubauplänen. Doch daraus wurde damals nichts, weil die Neubaukosten mit 2,6 Millionen Mark kalkuliert und deshalb als zu hoch angesehen wurden, obwohl die Thyssenwerke, die damals als Rheinrohrwerke firmierten bereit waren, sich finanziell am Brückenbau zu beteiligen.

Stattdessen beließ man es bei einer 60 Zentimeter hohen Anhebung der Brücke und ihre Straßenauffahrten, die 1961 um etwa vier Meter erweitert wurden. Mit jeweils 500 000 Mark teilten si…

So gesehen: Vorsicht vor den Vorurteilen

Wer regelmäßig die Nachrichten verfolgt, fühlt sich als aufgeklärter Zeitgenosse. Doch manchmal ist es mit der Aufklärung nicht so weit her, wie man glauben möchte. Das gilt für die sexuelle, wie für die politische Aufklärung. Noch nie waren wir so gut darüber informiert, was beziehungstechnisch und politisch geht oder gehen könnte. Doch klappt es deshalb mit den privaten und den gesellschaftlichen Beziehungen besser? Die Scheidungszahlen, die Wahlbeteiligung und die Nachrichtenlage sprechen eine andere Sprache.

Auch ich musste jetzt feststellen, dass die nachrichtliche Dauerberieselung an meinem Unterbewusstsein nicht spurlos vorübergegangen ist. Denn als mir kürzlich ein junger arabischer Mann in der U-Bahn gegenüber saß, der ganz intensiv via Smart-Phone Kurznachrichten verschickte, erwischte ich mich bei dem argwöhnischen Gedanken: „Mit wem der wohl gerade über was kommuniziert?“ Als ob er meine Gedanken habe lesen können, lächelte er mich plötzlich an und erzählte mir freudestrahl…

So gesehen: Nachdenken über das Wasser

Über Wasser denkt man normaler Weise nicht nach. Man trinkt es, vor allem an heißen Tagen. Ernährungswissenschaftler und Ärzte empfehlen mindestens eineinhalb bis zwei Liter pro Tag. Da stellt sich die Frage, was für ein Wassertyp sind Sie? Sind Sie der Kraneberger, der den Hahn aufdreht, setzen Sie bodenständig auf den örtlichen Mineralwasserbrunnen oder muss es das weiche Edelwasser aus Frankreich sein? Natriumarm oder natriumreich? Wasser aus der Glas- oder aus der Plastikflasche? Schleppen oder schmecken?

Die Hardliner der Kranebergerfraktion, die im Altbau bedenkenlos den Hahn aufdrehen und keine Angst vor alten Bleileitungen haben, werden solche Gedanken und Gefühle ins Reich des Absurden verweisen.

Doch seit ich als Schüler von meinem Musiklehrer hörte, dass Beethoven in Folge einer schleichenden Bleivergiftung erst sein Gehör und dann sein Leben verloren haben soll, bin ich vorsichtig geworden. Immerhin wurde der Einbau von Bleileitungen erst 1973 verboten. Auch wen…

Ein sinnlicher und kreativer Beruf: Enzo und Sema Tunc wollen im Eiscafé Plati eine Fachkraft für Speiseeisherstellung ausbilden

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Das Ausbildungsjahr ist angelaufen. Dennoch gibt es immer noch Betriebe, die mit Unterstützung des Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit eine Lehrstelle zu vergeben haben.

So möchte Enzo Tunc, der zusammen mit seiner Frau Sema seit 2009 das Eiscafé Plati am Leinpfad betreibt, in diesem Jahr erstmals eine Fachkraft für die Herstellung von Speiseeis ausbilden. Er selbst hat es bei seinem Vorgänger Salvatore Plati gelernt, der den Mülheimern mit seiner Familie seit 1972 das Leben versüßt hat. Der heute 40-jährige Enzo Tunc kam als Politikstudent eher zufällig zum Eismachen. „Ich habe hier in den Semesterferien gearbeitet“, erinnert sich Tunc, der nach seiner Masterarbeit in Internationaler Wirtschaftspolitik lieber in die lokale Eiswirtschaft einstieg, „weil ich während meiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Ruhr-Universität Bochum merkte, dass ich kein Büro-Mensch bin, sondern lieber mit und für die Menschen arbeite.“

Anders, als sie selbst, soll der junge Ma…

Bei diesem Beruf geht es um die Wurst: Fleischermeister Falk Oesterwind sucht zwei Auszubildende, die die Produktion und den Verkauf seiner Metzgerei verstärken

Fleischer steht bei jungen Leuten nicht gerade an der Spitze der Berufswünsche. Das weiß auch die Arbeitsagentur. Dabei zählt der Beruf zu denen mit Perspektive – und es gibt freie Kapazitäten.

„Ich habe schon als Junge gerne gekocht und mir Fleischspieße gebraten“, erinnert sich der 21-jährige Fleischergeselle Gérard Schlösser. Als Schüler machte er dann ein Praktikum in einer Metzgerei. Damit war er nach seiner Fachoberschulreife an der Gustav-Heinemann-Schule der richtige Kandidat für Falk Oesterwind. Denn der 49-jährige Fleischermeister, der an der Aktienstraße 308 eine Metzgerei betreibt, die sein Urgroßvater 1936 eröffnet und sein Vater Willi 1994 an ihn übergeben hat, suchte damals einen Fleischerlehrling.

Jetzt ist es wieder soweit. Unterstützt von der Agentur für Arbeit sucht der Fleischermeister, der einen Familienbetrieb mit 15 Mitarbeitern führt, gleich zwei Bewerber für eine Ausbildung zum Fleischer oder zur Fleischerin und für eine Ausbildung zur Fleischereif…

So gesehen: Das Leben ist nicht automatisch

In Zeiten der technischen Rationalisierung muss man ja als Mensch heute mit allem rechnen. Industrieroboter, Fahrkartenautonaten, selbstfahrende Autos, Pflegeroboter, Online-Shopping und Onlineformulare. Auch die heute inzwischen stinknormalen E-Mails ersetzen ja die guten alten Briefe und damit tendenziell auch die Boten, die sie überbringen.

Bald muss man befürchten, als Mensch völlig überflüssig zu werden. Als ich jüngst beim Einkauf im Supermarkt dem Kassierer meine Banknote über das Kassenband anreichen wollte, lächelte der mich nur mitleidig an: „Dafür haben wir doch unseren Kassenautomaten.“ Tatsächlich. Ich vergas. Ich bin wohl schon von gestern, ebenso, wie meine Erinnerung an den freundlichen älteren Herrn, der früher im Supermarkt das Leergut annahm. Wo er stand, steht heute der Flaschenautomat.

Immerhin wünscht einem nach dem Zahlvorgang am Kassenautomaten noch ein leibhaftiger Kassierer „einen schönen Tag“! Das lässt den altmodischen Zeitungsmenschen hoffen, dass nicht nur …

Küchenkarriere im Ratskeller: Janet und Jörg Thon möchten eine Köchin oder einen Koch ausbilden: Ihr Trio soll zum Quartett werden

Warum es auch mit der Unterstützung des Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit so schwer ist, eine junge Frau oder einen jungen Mann zu finden, der sich zum Koch oder zur Köchin ausbilden lassen möchte, erklärt der Küchenchef des Ratskellers, Thomas Grabow, mit einem Satz: „Wenn andere frei haben, müssen Köche arbeiten.“

Freie Wochenenden und freie Feiertage sind für ihn und seine Küchenkollegen André Horn und Jörn Grugowski die extreme Ausnahme Wenn sie einen freien Tag haben, dann unter der Woche. Dennoch sähen es die beiden Gastronomen Janet und Jörg Thon, die den Ratskeller am Löhberg seit 1993 führen, gerne, wenn ihr Küchentrio zum Quartett würde.

„Ein Bewerber mit Abitur wäre natürlich schön. Aber der Schulabschluss und die Noten sind für uns nicht so entscheidend wie die persönliche Einstellung und die Liebe zum Beruf“, sagt Janet Thon. „Viele scheitern während der Ausbildung, weil sie glauben, dass sie sich nur an den Herd stellen müssen, um zu kochen. Zum Kochber…

Menschen. die uns Mut machen: Peter Brill und Eva Gerhardy engagieren sich ehrenamtlich im Saarner Flüchtlingsdorf

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65 Millionen Menschen sind derzeit weltweit als Flüchtlinge unterwegs. 2500 von ihnen sind bei uns in Mülheim angekommen. Allein 450 Flüchtlinge aus Afghanistan, Syrien, Irak, Iran, Albanien und Eritrea haben ein Obdach im Flüchtlingsdorf des Deutschen Roten Kreuzes an der Mintarder Straße gefunden. Damit ihnen das Dach nicht auf den Kopf fällt, während sie auf die Anerkennung ihres Asylanspruchs warten, sorgen unter anderem 200 ehrenamtliche Helfer dafür, dass sie sinnvoll beschäftigt werden. Zwei von ihnen sind der 70-jährige Peter Brill und die 48-jährige Eva Gerhardy. Beide kommen, wie der stellvertretende Vorsitzende des DRKs, Frank Langer, aus der Saarner Nachbarschaft des Flüchtlingscamps. Beide haben sich von ihm für eine ehrenamtliche Mitarbeit in der Flüchtlingshilfe des Roten Kreuzes gewinnen lassen und es bis heute nicht bereut. „Ich habe hier viele interessante Menschen kennen gelernt, die mit mir auf einer Wellenlänge sind“, erzählt Eva Gerhardy. Mit ihrem Vorbild hat si…

Zwischen Funkturm, Aussichtsturm und Atelier: Ein Zeitsprung am Bismarckturm

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Heute springen wir mit einem Foto-Paar des Mülheimer Fotografen Heiner Schmitz in die frühen 50er-Jahre und landen am Bismarckturm. Die historische Aufnahme hat der zehnjährige Heiner am Tag seiner heiligen Erstkommunion im April 1950 gemacht. Denn er hatte damals eine Retina 6x6 Kamera geschenkt bekommen.

Wie man auf dem alten Foto erkennen kann, war der Bismarckturm damals eine Funkstation der britischen Rheinarmee, vor dem oft Militärlaster geparkt wurden. Nach dem Kriegsende war  Mülheim seit Juni 1945 Teil der britischen Besatzungszone. Die Funknachrichten, die bis 1956 im Bismarckturm eingingen, wurde sofort an das Kommando der Signaltroup Six Highland Brigade weitegeleitet.

Als Kommandantur diente das nur wenige Meter entfernte Haus Urge, in dem heute Zenit residiert. Nach dem Abzug der Briten gab es in Mülheim 1956 eine heftige Kontroverse darüber, ob man den Bismarckturm abreißen und an seiner Stelle neue Wohnungsbauten errichten sollte.

Doch diese Pläne scheiterten am Widerstan…

So gesehen: Warte nur ein Weilchen

Manchmal erinnert das Leben an eine Warteschleife. Die Schlange vor der Supermarkt-Kasse, an der man gerade ansteht, ist mit Sicherheit die längste. Ist man pünktlich an der Haltestelle, lässt der Bus auf sich warten. Ist man aber selbst knapp in der Zeit, war er überpünktlich. Also muss man auf den nächsten warten.

Und ein Anruf bei so mancher Service-Hotline „Unsere Mitarbeiter sind leider gerade alle im Gespräch“ ist oft alles andere als ein wohltuendes Dienstleistungserlebnis, sondern ein Geduldspiel.

Doch gestern war ich pünktlich, bekam meinen Bus und war rechtzeitig bei einer Abendveranstaltung. Das dachte ich zumindest, bis ich feststellte, dass der Veranstaltungssaal verschlossen war. Ein Blick auf die Einladung brachte Klarheit. Ich war ausnahmsweise mal vor meiner Zeit. Also warten und Zeitunglesen. Wenn Geduld, der Weg zur Glückseligkeit sein sollte, kann mir nichts mehr passieren. Doch ich fürchte, wenn ich mal das Zeitliche segne, wird mir Petrus mit Blick auf…

Eine Frau für jede Tonart: Wer Chorleiterin Christiane Böckeler begleitet, merkt, wie viel Leidenschaft man braucht, wenn man die Musik zum Beruf macht

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Ihr Tag beginnt um 9 Uhr. Nach dem Frühstück heißt es: üben! Erst Klavier- und Orgelspiel. Dann geht Christiane Böckeler zum Dirigieren über. Musik macht der 50-jährigen Kirchenmusikerin Freude, aber auch Arbeit. Am Nachmittag steht noch eine Probe mit dem Projektchor ihrer Gemeinde auf dem Programm, mit dem sie eine lateinamerikanische Messe einstudiert.

An anderen Tagen würde sie vielleicht noch ein Seminar an der Düsseldorfer Musikhochschule besuchen, wo sie sich auf ihr Examen als Kirchenmusikerin vorbereitet.

Auch private Klavierstunden gehören für die studierte Klavierpädagogin normalerweise zu ihrem täglichen Brot, doch die lässt sie aufgrund ihrer aktuellen Studienverpflichtungen derzeit ruhen.

Weiter gehen für die Chorleiterin allerdings ihre abendlichen Proben mit den modernen A-Capella-Chören, den Silk-O-phonics und dem Ruhrschrei. An diesem Abend warten zehn der 17 Ruhrschrei-Sänger im evangelischen Gemeindehaus an der Witthausstraße auf sie. Der erste Blick in d…

Die Rohrinspektoren: Wer mit den RWW-Technikern Frank May und Frank Kurkowski unterwegs ist, staunt über den massiven Einsatz von Mensch und Material, der notwendig ist, um das Wasserrohrnetz dicht zu halten

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Frank May und Frank Kurkowski sind in ihren sonnengelben Overalls nicht zu übersehen. Das kann auch an sonnigen Sommertagen nicht schaden. Denn die beiden Rohrinspektoren der Rheinisch-Westfälischen Wasserwerksgesellschaft RWW arbeiten auf der Straße und gehen doch auch mit ihren Gerätschaften unter die Erde. Denn sie fahnden nach Wasserrohrbrüchen. „Unsere Arbeit hat was von Detektiv und Sisyphos“, finden sie. Zusammen mit sechs weiteren Koellgen der RWW-Rohrinspektion und einer vierköpfigen Reparatur-Crew sind sie für ein 3000 Kilometer langes Versorgungsnetz zuständig, das von Borken bis Breitscheid reicht. Darüber hinaus nutzen auch Industrie und Privatkunden das Know-How der RWW-Rohrinspektoren. Besonders gerne erinnern sich May und Kurkowski an die glücklichen Gesichter in einem Kleingartenverein, dem sie helfen konnten, einen Rohrbruch aufzuspüren und zu reparieren und so Wasserverluste von 100 Kubikmeter pro Jahr zu beseitigen.

An diesem Tag prüfen sie einen zwei Ki…