Samstag, 10. September 2016

So gesehen: Das Leben ist nicht automatisch

In Zeiten der technischen Rationalisierung muss man ja als Mensch heute mit allem rechnen. Industrieroboter, Fahrkartenautonaten, selbstfahrende Autos, Pflegeroboter, Online-Shopping und Onlineformulare. Auch die heute inzwischen stinknormalen E-Mails ersetzen ja die guten alten Briefe und damit tendenziell auch die Boten, die sie überbringen.

Bald muss man befürchten, als Mensch völlig überflüssig zu werden. Als ich jüngst beim Einkauf im Supermarkt dem Kassierer meine Banknote über das Kassenband anreichen wollte, lächelte der mich nur mitleidig an: „Dafür haben wir doch unseren Kassenautomaten.“ Tatsächlich. Ich vergas. Ich bin wohl schon von gestern, ebenso, wie meine Erinnerung an den freundlichen älteren Herrn, der früher im Supermarkt das Leergut annahm. Wo er stand, steht heute der Flaschenautomat.

Immerhin wünscht einem nach dem Zahlvorgang am Kassenautomaten noch ein leibhaftiger Kassierer „einen schönen Tag“! Das lässt den altmodischen Zeitungsmenschen hoffen, dass nicht nur das Schreiben und Lesen einer Zeitung auch in Zukunft kein automatischer, sondern ein zutiefst menschlicher Vorgang bleiben wird. Alles andere wäre, inklusive Druckerschwärze und Druckfehlern, vielleicht perfekt, aber am Ende für uns alle tot-langweilig.

Dieser Text erschien am 31. August 2016 in der Neuen Ruhr Zeitung

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