Dienstag, 27. September 2016

Das Ende einer Ära: Der Bund der Vertriebenen lud gestern zu seinem letzten Tag der Heimat in den Bürgergarten: Ende des Jahres löst sich der noch 80 Mitglieder zählende BdV auf

Die BdV-Vorstände Dietmar Hein, Margit Schlegel und
Hildegard Hammer mit dem Gastredner Heiko Hendriks.
„Nur wer seine Geschichte kennt, kann auch aus ihr lernen. Und deshalb müssen wir auch die Geschichte der Vertriebenen an die nächste Generation weiter geben“, fordert der CDU-Landtagsabgeordnete Heiko Hendriks vor 45 Zuhörern im Bürgergarten. Sie sind Teilnehmer des letzten Tages der Heimat, zu dem der Bund der Vertriebenen (BdV) eingeladen hat.Warum es der letzte Tag der Heimat war und der Mülheimer BdV sich zum Jahresende auflöst, erklärt seine aus Pommern stammende Vorsitzende Margit Schlegel (79) in einem Gespräch mit dieser Zeitung.

Warum löst sich der BdV auf?

Weil sich in den letzten Jahren eine nach der anderen Landsmannschaft verabschiedet hat. Heute gibt es in Mülheim nur noch eine kleine schlesische Landsmannschaft. In seinen Hochzeiten hatte der BdV 300 Mitglieder. Heute sind es vielleicht noch 80.

Hat sich ihr Verband historisch überlebt?

Auf Kreisebene ist das zumindest so. In den Zeiten, in denen es darum ging, den Lastenausgleich für die Vertriebenen durchzusetzen und man noch hoffen konnte, die alten Heimatgebiete zurück zubekommen, gab es im BdV einen großen Zusammenhalt. Doch diese Aufgaben haben sich heute erledigt.
Was kann der BdV heute noch auf Bundesebene leisten?
Auf der Bundesebene kümmert man sich jetzt verstärkt um die Flüchtlinge, die heute nach Deutschland kommen. Doch das können wir auf der Kreisebene gar nicht leisten,  weil uns dafür das Personal fehlt. Ich bekomme ja noch nicht mal einen funktionsfähigen Kreisvorstand zusammen. Meine beiden Stellvertreter, Dietmar Hein und Hildegard Hammer werden in diesem Jahr 90.

Warum finden Sie keinen Nachwuchs?

Ich sehe es in meiner eignen Familie und andere BdV-Mitglieder erleben es ähnlich. Meine Tochter ist Lehrerin und sehr vertraut mit dem BdV und der Geschichte der Vertriebenen. Aber sie käme deshalb nie auf die Idee, die Leitung des Kreisverbandes zu übernehmen. Die nachfolgende Generation ist eben nicht mehr so unmittelbar mit der alten Heimat ihrer Eltern und Großeltern verbunden. Sie fühlt sich hier in Mülheim zuhause und ist beruflich sehr eingespannt. Aber das ist natürlich auch ein positives Zeichen. Das ist eben unsere Zeit.

Wären ein BdV und ein Tag der Heimat auf regionaler Ebene eine Alternative für die Zukunft?

Es gibt ja im Ruhrgebiet noch einige BdV-Kreisverbände. Aber vor dem Hintergrund meiner bisherigen Erfahrungen sehe ich nicht, wie ich einen Bus vollbekommen sollte, wenn ein Tag der Heimat etwa nicht mehr in Mülheim, sondern vielleicht in Bochum stattfinden würde, Und viele Kinder oder Enkel sind beruflich und familiär so eingespannt, dass sie ihre Eltern oder Großeltern nicht in eine andere Stadt transportieren können oder wollen.

Was wird vom Bund der Vertriebenen in Mülheim bleiben?

Ein kleines Mahnmal, das seit einigen Jahren auf dem Altstadtfriedhof an der Dimbeck steht und an das Schicksal der insgesamt 14 Millionen Vertriebenen aus dem ehemaligen Osten Deutschlands erinnert. Außerdem arbeiten meine Vorstandskollegen und ich zurzeit an einer Chronik des BdVs und der schlesischen, ost- und westpreußischen, pommerschen und sudetendeutschen Landsmannschaften, die wir in absehbarer Zeit als Broschüre an die Stadt und ihr Archiv übergeben werden. Vielleicht interessieren sich ja nachfolgende Generationen für die Geschichte der Vertriebenen und ihre Aufbauleistung in dieser Stadt.

Dieser Text erschien am 26. September 2016 in NRZ/WAZ

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