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Es werden Posts vom Juni, 2018 angezeigt.

Theater als Kontrapunkt: Die Preisverleihung der 43. Mülheimer Theatertage

Die drei Preisträger der „Stücke“ wurden gestern bei der von Stefanie Steinberg verbindlich, feinsinnig und unaufdringlich moderierten Abschluss-Matinee der 43. Mülheimer Theatertage für ihre Werke gelobt und ausgezeichnet.

Die in der Stadthalle leibhaftig anwesenden Autoren Thomas Köck und Oliver Schmaering nahmen den Dramatikerpreis und den Preis der Kinder-Stücke für ihre Stücke „Paradies spielen. Abendland. Ein Abgesang.“ und: „In dir schläft ein Tier“ persönlich entgegen.

Die menschenscheue Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek bedankte sich mit einer Videobotschaft für den Publikumspreis, mit dem die Besucher der Theatertage ihr Stück „Am Königsweg“ ausgezeichnet hatten.

Was die Matinee im Theaterstudio der Stadthalle zu einem Gewinn machte, waren die inspirierenden Antworten auf die Frage, warum wir in einer demokratischen und ökonomisierten Leistungsgesellschaft das Theater als einen kulturellen Kontrapunkt brauchen.

„Mit ihrem virtuosen schriftstellerischen K…

Mülheim: Da ist Musik drin

Ein Konzert unter freiem Himmel zu organisieren, sollte eine einfache Sache sein. Aber wir sind in Deutschland. Und da ist grundsätzlich nichts einfach so einfach.

So hört man jetzt vom englischen Sänger und Liedermacher Ed Sheeran - Sie erinnern sich: Der Mann, der am Flughafen Essen-Mülheim singen wollte, ehe ihm die Feldlerche etwas flötete - ist jetzt in Düsseldorf  mit seinen Open-Air-Konzert-Plänen an Bäumen gescheitert. Jetzt weiß der Brite, was der deutsche Volksmund meint, wenn er sagt. dass man manchmal den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehe.

Selbst im rheinisch-heiteren Köln hat man dem Musiker von der Insel, der bald reif für selbige sein dürfte, mit Blick auf eine mögliche Konzertwiese die kalten Schulter gezeigt. Denn nach einem vergleichbaren Konzert habe es dort vor Jahren schon einmal massive Missklänge mit den lärm-belästigten Anwohnern gegeben. Denn nur einmal im Jahr ist Karneval und am Aschermittwoch ist alles vorbei.

Gut, dass man in Mülheim so gut drauf ist, da…

Erdogans Wahlsieg kam nicht überraschend: Drei Fragen an die Vorsitzende des Mülheimer Integrationsrates, Emine Arslan

Hat Sie der Wahlsieg Erdogans überrascht?

Emine Arslan: Nein. Damit war zu rechnen. Erdogan hat während seiner 15-jährigen Amtszeit die Inflation gesenkt und viel in die soziale und wirtschaftliche Infrastruktur des Landes investiert. Das sehen auch viele in Deutschland lebende Türken so und wählen ihn.

Wird Erdogans autoritäre Politik, die viele Regierungsgegner um ihre Arbeitsplätze, vor Gericht und ins Gefängnis bringt, nicht auch kritisch gesehen?

Arslan: Erdogan wird für seine Innenpolitik in der Türkei und auch in der deutsch-türkischen Gemeinschaft kritisiert. Aber für mich ist es im Einzelfall schwer nachvollziehbar, warum Regierungskritiker in der Türkei vor Gericht oder ins Gefängnis kommen. Wenn der Vorsitzende der prokurdischen HDP im Gefängnis sitzt, weil er für die Terroristen der verbotenen kurdischen PKK und ihren inhaftierten Führer geworben hat, haben viele Türken dafür Verständnis.

Wie erklären Sie sich, dass zwei Drittel der in Deutschland wahlberechtigten Türken für E…

Die Zwei von der Zeitzeugenbörse

Zusammen mit dem Centrum für bürgerschaftliches Engagement (CBE) stellt die Mülheimer Woche regelmäßig Menschen vor, die sich ehrenamtlich für ihre Mitmenschen engagieren. Heute lernen Sie die pensionierte Lehrerin Brigitte Reuß und den ebenfalls pensionierten Versicherungsmanager Manfred Zabelberg kennen.

"Wir machen lieber etwas mit Menschen. Da bekommt man mehr zurück, als wenn man zu Hause alleine vor dem Fernseher sitzt", erklären der 1952 Geborene und die 1956 Geborene, warum sie sich ehrenamtlich engagieren. 

Beide treffen sich einmal pro Monat in der Senioren-Residenz Sommerhof mit sogenannten Zeitzeugen. Das sind Menschen von Ende 60 bis Anfang 90, die eine Menge Lebenserfahrung im Gepäck haben und deshalb vor allem der jüngeren Generation eine Menge zu sagen haben, etwa über ihre Kindheit und Jugend in der Nazi- und Kriegszeit und in den anschließenden Nachkriegsjahren des mühsamen Wiederaufbaus.

"Ich habe im Gespräch mit meinen eigenen Eltern erlebt, dass es alt…

Wenn aus einem Spiel Ernst wird

Kann man das noch Spiel nennen?“ fragt mich NRZ-Leser  Gerhard Bennertz, als wir uns in der Stadtmitte treffen und über die Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft ins Gespräch kommen.
Wir lassen die Szene des Deutschland/Schweden-Spiels Revue passieren, in dem sich der deutsche Mittelfeldspieler Sebastian Rudy einen Nasenbeinbruch zuzog und blutend ausgewechselt werden musste, weil ihm sein schwedischer Gegenspieler im Zweikampf mit dem seinem Knie ins Gesicht gesprungen war. Wer die Szene gesehen hat, fühlte sich eher an einen antiken Gladiatorenkampf oder ans Catchen, denn an gepflegtes Fußballspiel erinnert. 

„Zu Risiken und Nebenwirkungen fragt erst mal euren Arzt und Apotheker, ehe ihr von einer Karriere als Fußball-Profi träumt“, möchte man da ballverliebten Jugendlichen sagen, die auf staubigen Sportplätzen hoffnungsvoll und begeistert den langen Weg durch die Fußballinstanzen antreten.
Man ahnt, warum Britanniens einstiger Premierminister Winston Churchill nach dem Motto: „No, spor…

Mahnung für die Zukunft: Vor 75 Jahren erlebten und erlitten die Menschen an Rhein und Ruhr den Luftkrieg als blutigen Preis für Hitlers Politik

Vor 75 Jahren ist das Ruhrgebiet die Rüstungsschmiede Hitlers und damit ein zentrales Angriffsziel der alliierten Luftstreitkräfte. Luftmarschall Arthur Harris, genannt „Bomber-Harris“, Chef der Royal Air Force, will im vierten Kriegsjahr mit seinen Flächenbombardements nicht nur die deutsche Rüstungsindustrie, sondern auch die zivile Infrastruktur Nazi-Deutschlands zerstören und damit die Kriegsmoral der Deutschen brechen. Der Krieg, der am 1. September 1939 mit dem Überfall auf Polen von Deutschland ausgegangen ist, kommt jetzt wie ein Bumerang zurück. Die Zivilbevölkerung muss den Preis für Hitlers politischen Größenwahn bezahlen. Der Chef der deutschen Luftwaffe, Hermann Göring, wird im Sommer 1943 hinter vorgehaltener Hand Hermann Meier genannt. Denn er hat bei Kriegsbeginn getönt, er wolle Meier heißen, wenn auch nur ein feindliches Flugzeug die Reichsgrenze überfliegen sollte.
Den Menschen an Rhein und Ruhr ist  ihren Luftschutzkellern und in ihren ausgebombten Häusern, die in Ru…

Geldsegen für den Wünschewagen: Das Ambulante Hospiz spendierte 2500 Euro, damit der Arbeiter-Samariterbund und seine ehrenamtlichen Mitarbeiter letzte Wünsche wahr werden

Unabhängig von den Wetterverhältnissen, wird es Nazan Aynur vom Arbeitersamariterbund (ASB) und ihren etwas 20 Zuhörern vom Ambulanten Hospiz warm ums Herz.

Die ehrenamtlichen Sterbebegleiter schauen mit der Referentin vom ASB in den Wünschewagen, der heute auf dem Kirchenhügel vor St. Mariae Geburt Station macht.

Aynur erklärt nicht nur die Ausstattung des Wünschewagens: Liege, Sitze, Sternenhimmel, Panoramafenster, Beatmungsgerät und Minibar. Sie erklärt auch, was es mit dem Wünschewagen auf sich hat, der seit 2014 zwei bis dreimal pro Woche letzte Wünsche wahr macht. Seine Fahrgäste sind hochbetagte und meistens sterbenskranke Menschen, die, begleitet von ehrenamtlichen Helfern, letzte Wünsche wagen.

Noch einmal den Lieblingsclub im Stadion spielen sehen. Noch einmal entfernte Freunde oder Verwandte besuchen. Noch einmal einen Tag am Meer erleben. Noch einmal eine Musical-Aufführung besuchen. Solche und ähnliche Wünsche werden auf den oft letzten Metern des Lebens Wirklichkeit, weil 1…

Für Generationen gut bedacht: Seit 120 Jahren sorgen Mülheimer Wohnungsbaugenossen dafür, dass Menschen in unserer Stadt mehr, als nur ein Dach über dem Kopf finden und sich zuhause fühlen

Am 22. Juni 2018 wird Mülheims Wohnungsbaugenossenschaft 120 Jahre alt. Über diese Zeit hinweg hat die Mülheimer Wohnungsbau viele Veränderungen erlebt. Eins ist geblieben: Eine politische Dimension hatte die Arbeit der MWB schon immer. 

Das ging schon bei der Gründung los: Die Mülheimer Wohnungsbaugenossenschaft wurde am 22. Juni 1898 von 23 Arbeitern und Handwerkern aus dem Evangelischen Arbeiter- und Bürgerverein heraus gegründet. Die ersten Mülheimer Wohnungsbaugenossen verstanden sich, wie man vor 120 Jahren in der Mülheimer Zeitung nachlesen konnte, sogar als „ein Bollwerk gegen die anwachsende sozialdemokratische Partei und ihre umstürzlerischen Pläne“.

Gründungsidee der Wohnungsbaugenossenschaft war die der Hilfe zur Selbsthilfe, um die, wie vor 120 Jahren, auch heute aktuelle soziale Frage nach menschenwürdigem und bezahlbarem Wohnraum zu beantworten. Die MWB wuchs schnell: Waren die ersten Häuser, die die Genossenschaft ab 1899 unter anderem an der Kreuzstraße errichtete, noch…

Ein Jahr im Land des amtierenden Fußball-Weltmeisters

Malizo Mazamo hat sich einen Traum erfüllt, Der fußballbegeisterte Südafrikaner wollte das Land des amtierenden Fußball-Weltmeisters kennen lernen. Das brachte den 16-Jährigen aus Johannesburg im August 2017 nach Mülheim.

"Die Deutschen sind nicht so aggressiv, zurückgezogen und streng, wie ich es in Südafrika gehört habe. Ich habe ein Land mit offenen und hilfsbereiten Menschen und ein Land mit Kultur kennen gelernt, in dem ich auch keinen Rassismus erleben musste", erzählt der schwarze Gastschüler aus Südafrika am Vorabend seines Heimflugs. Vermittelt vom Verband International Football Exchange und betreut vom Schüleraustauschwerk Open Door e.V., hat Malizo den Alltag in  zwei Mülheimer Gastfamilien und den Schulalltag am Gymnasium Heißen kennengelernt.

Nach Deutsch-Kursen in Johannesburg und Köln wurde er in der Deutsch-Vertiefungsklasse des Gymnasiums zusammen mit anderen ausländischen Seiteneinsteigern herangeführt. Sogar an die Interpretation deutscher Gedichte hat er si…

"Wir mussten wieder bei Null anfangen": Walter Neuhoff erinnert sich an den Tag, als die D-Mark auch nach Mülheim kam

Walter Neuhoff holt einige D-Mark-Scheine aus einem Umschlag, die er bei der Währungsumstellung auf den Euro, 2002, zurückbehalten hat, als Erinnerung. Mit seinen 82 Jahren gehört der Mülheimer zu jenen, die nicht nur das Ende, sondern auch den Beginn der D-Mark miterlebt haben.
„Morgens hat es geregnet. Aber mittags schien dann die Sonne. Nach dem Mittagessen bin ich dann zusammen mit meinen Eltern in den Altenhof gegangen, wo die neue Währung ausgegeben wurde“, erinnert sich Neuhoff an den 20. Juni 1948, den Tag der Währungsreform. Es war ein Sonntag. Das Foto, das er an diesem denkwürdigen Tag, als die D-Mark auch nach Mülheim kam, von seinen Eltern Wilhelm und Mathilde beim Sonntagsspaziergang zum Hauptfriedhof aufgenommen hat, hat er ebenso aufbewahrt, wie die alten D-Mark-Scheine. Auf seinem 70 Jahre alten Foto wirken Wilhelm und Mathilde Neuhoff ernst. „Jetzt müssen wir wieder bei Null anfangen und uns alle einschränken“, hatte der Vater gesagt, bevor die Familie im Altenhof das…

Mehr Grün wagen zahlt sich aus

Weil die Stadt rote Zahlen schreibt, müssen die Kleingärtner an der Holzstraße also schwarz sehen. Kein Wunder, dass sie das auf die Palme treibt, selbst wenn in ihrem Kleingarten keine steht. Der Chronist, der nicht gerade mit einem grünen Daumen gesegnet ist und deshalb heilfroh sein kann, wenn er seine Topfpflanzen durch rechtzeitiges und regelmäßiges Gießen über den Sommer bringt, denkt an die Cree-Indianer. Die sind zwar keine Kleingärtner, haben uns aber die Weisheit überliefert: „Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr feststellen, dass man Geld nicht essen kann.‘‘ Die Cree wissen, wovon sie sprechen. 

Denn auch sie verloren ihr Land an das Profitstreben der Mächtigen. Obwohl die Kommunalpolitik angesichts der städtischen Finanzlage  ohnmächtig statt mächtig erscheint, sollte sie bei ihrer Finanzakrobatik daran denken, dass sich jedes grüne Fleckchen in unserer reichlich zubetonierten Stadt als Lebensversicherung b…

Plakative Verführung

Mir lacht einer unserer Nationalspieler entgegen. Ich sehe ihn auf einem Werbeplakat. Er macht einen energischen und entschlossenen Eindruck. So sehen Weltmeister aus. Toll. Wie macht der Mann das bloß? Das Werbeplakat verspricht mir, dass auch ich zu einem solchen Strahlemann und Siegertypen werden kann, wenn ich mir den selben Schokoriegel, wie der plakative Spitzensportler einverleibe. Nicht, dass ich einem Schokoriegel gegenüber abgeneigt wäre, der mir Energie liefert. Doch ich kenne mich. Es bleibt am Ende nicht nur bei einem Riegel und meine Energie wird zu teuer bezahltem Hüftgold, das mich davon abhält energisch und sportiv mein Spiel zu machen. Außerdem werde ich den Verdacht nicht los, dass der Nationalspieler auf dem Werbeträger nicht wegen seines Schokriegels, sondern wegen der Kröten strahlt, die er als Nachspeise kassiert, während Unsereins am Ende nur seine Kröten verliert und Kröten schlucken muss, die alles andere, als bekömmlich sind.
Dieser Text erschien am 18. Juni …

Bischof Overbeck mahnt Kompromissbereitschaft beim Thema Asyl an

Mönchengladbach. Mit Blick auf die Asyl- und Finanzpolitik fordert der katholische Sozialbischof Franz-Josef Overbeck von der deutschen Politik mehr Solidarität mit den EU-Partnern. Zugleich warnte der Ruhrbischof am Freitag in Mönchengladbach vor populistischen Scheinlösungen. Nationale Alleingänge in diesen Politikfeldern widersprächen auch dem Interesse Deutschlands. "Demokratie braucht immer auch Kompromissbereitschaft", sagte Overbeck.
Angesichts populistischer Tendenzen in Ungarn, Polen, Griechenland und Italien plädierte Overbeck dafür, die europäische Integration stärker sozial zu flankieren. Auch der Wahlsieg Donald Trumps sei auf sozioökonomische Probleme zurückzuführen, "weil sich viele Industriearbeiter im Rust-Belt der USA angesichts ihrer schwindenden sozialen Teilhabe nicht mehr von den Demokraten vertreten fühlten". Der Ruhrbischof rief die Politik auf, "die in unserer Gesellschaft vorhandenen Ängste vor einer sozialen kulturellen Marginalisieru…

Gefährlicher Hochsprung

Nicht nur bei der Fußball-WM wird heute gespielt. Auch im Bundestag wird heute um 9.20 Uhr ein wichtiges Spiel angepfiffen. Anders, als bei der Fußball-WM steht der Spielausgang schon so gut, wie fest: Denn Union und SPD wollen sich mit ihrer Regierungsmehrheit etwas gönnen. Und das bedeutet, dass Sie und ich und wir alle zusammen als Steuerzahler es bezahlen müssen.

Denn die Parteien sollen mehr Geld für ihre politische Arbeit bekommen, nämlich 190 Millionen statt 165 Millionen Euro, und das, obwohl der Bundestag 2013 160 Millionen Euro pro Jahr, plus Teuerungszulage als "absolute Obergrenze" festgelegt hatte. Doch was ist heute schon absolut. Wir leben nicht mehr im Absolutismus, sondern in der Demokratie. Weil die Macht bei uns vom Volke, also von uns ausgeht, dürfen wir uns absolut sicher sein, dass die Parteien ihre Mehreinnahmen auf unsere Kosten für unerwartet teure Arbeit für die Demokratie, nur uns zu Liebe für ihre digitalen Botschaften via Internet, Facebook, Twitt…

Wenn es einfach rund läuft

Wenn ihr Kollege in den nächsten Tagen und Wochen unausgeschlafen oder mit viereckigen Augen ins Büro kommt und in so manchen Familien ein heftiger Streit um die Fernbedienung ausbricht, weil sich Sportmuffel und Fußballfans unversöhnlich das Feld vor dem Fernsehgerät streitig machen, dann liegt das an der heute in Russland beginnenden Fußball-Weltmeisterschaft. Ob Grillkohle, Schokoriegel, Limonade oder Brotaufstrich. Alles wird uns in diesen Tagen im schwarz-rot-goldenen Fußball-Design schmackhaft gemacht.

Erstaunlich. 22 Männer kämpfen um einen Ball und versuchen ihn im gegnerischen Tor zu versenken. Klimawandel,  Staatsverschuldung, Strafzölle, demografischer Wandel, Vermüllung der Meere, Krieg und Frieden. Das alles kann jetzt erst mal warten. Wir wollen Tore sehen, ob im Stadion oder in der Fankurve auf der Couch daheim. Warum ist Fußball weltweit so erfolg- und damit in unseren ökonomisierten Zeiten auch so ertragreich? Ganz einfach. Es ist ganz einfach, für alle nachzuvollziehe…

Ein Schulbeispiel fürs Leben

Als ich gestern in der NRZ las, dass die Stadt und die Mülheimer Energiedienstleistungsgesellschaft Medl Kinder zu einem Mitmach-Zirkus einladen, kam mir spontan der Gedanke: Endlich erkennt mal jemand die Zeichen der Zeit. „Also lautet ein Beschluss:

Dass der Mensch was lernen muss“, wusste uns schon Meister Wilhelm Busch in seinen Max-und Moritz-Geschichten mitzuteilen:  So weit würden ihm bis heute alle Pädagogen und Eltern zustimmen.

Aber was soll man heute fürs Leben lernen? Wer schon etwas länger auf der Welt ist, weiß, dass sich das wahre Leben jeder Schulweisheit entzieht und zuweilen, wie der reinste Zirkus funktioniert, in dem nicht die klugen Köpfe, sondern so mancher dumme August oder Drahtseiltänzer den Ton und die Richtung vorgeben und nebenbei das eine oder andere Raubtier in Schach gehalten werden muss, damit es zu keinem größeren Unglück kommt.

Stadt und Medl haben also recht: Wer etwas fürs Leben lernen will, muss in die Zirkuslehre gehen, um etwa zu lernen, wie man ein…

Das Geld liegt auf der Straße

Das Geld liegt auf der Straße.  Das hielt ich bisher nur für einen dummen Spruch. Doch gestern wurde ich eines besseren belehrt. Ausgerechnet auf meinem Weg zum Getränkemarkt fiel mir eine leere Bierflasche ins Auge, die herrenlos am Wegesrand herumlag. Einmal bücken macht acht Cent Pfand. Auch Glas- und Plastikflaschen, für die es 15 und 25 Cent Pfand gibt, habe ich schon vom Straßenpflaster aufgelesen.  Die Firma dankt und wundert sich, dass es auch im Zeitalter der allgegenwärtigen Mülltrennung offensichtlich immer noch Menschen gibt, die Pfandflaschen gleich nach ihrem Schluck aus der Pulle an Ort und Stelle liegen lassen.

Handelt es sich bei diesen Zeitgenossen um echte „Flaschen“, die nicht wissen, dass schon manches Leergut den finanziellen Grundstock für ein Abendessen oder ein Kaffeetrinken geliefert hat.

Oder sollte es sich bei diesen Flaschenablegern um durstige, aber eben auch selbstlose Zeitgenossen handeln, die ihren Mitmenschen mit einer unerwarteten Pfandflasche am Weges…

Mobiles Mülheim

533. Meine Zahl des Tages. Sie erfuhr ich auf Anfrage gestern im Rathaus. 533 Autos kommen auf 1000 Mülheimer. Wenn man bedenkt, dass es viele Mülheimer gibt, die, so wie ich, gar kein Auto besitzen oder altersbedingt bestenfalls hinter dem Lenkrad eines Bobbycars oder eines Kettcars sitzen dürfen, dürfte der Trend bei manchen Mülheimern zum Zweitauto gehen. Denn legt man nur die erwachsene Stadtbevölkerung zugrunde, kommen in Mülheim sogar 632 Autos auf 1000 Einwohner. Da sind die Motorräder noch gar nicht mit eingerechnet. 

Ist der demografische Wandel unserer Stadtgesellschaft schon so weit voran geschritten, dass sich viele Mitbürger nur noch auf vier Rädern fortbewegen können. Doch eine andere Zahl aus dem Rathaus besagt, dass 30 Prozent der Mülheimer 60 Jahre und älter sind. Das bedeutet die Zahl der Menschen, die sich in einem Alter bewegen, in dem man immer öfter gefahren werden muss, hält sich, demografischer Wandel hin oder her, doch noch deutlich unter 100 Prozent. Das wäre …

"Ein Lied kann eine Brücke sein!"

Musik verbindet. Das gilt in besonderer Weise für die 14 evangelischen Christen aus dem Kirchenkreis An der Ruhr, die vom 12. bis 30. Juli als menschliche und musikalische Botschafter die Evangelische Ortskirche im evangelisch-lutherischen Partner-Kirchenkreis des Nord-Distrikts von Daressalam/Tansania vertreten werden.
Die Chorgeschwister, die in Kirchenchören der evangelischen Gemeinden Mülheims singen, bereiten sich in dem von Sven Schneider geleiteten Projektchor seit einem Jahr auf ihr musikalisches Gastspiel in Tansania vor. Zwei Stunden pro Woche proben sie im Gemeindehaus an der Wilhelminenstraße in Broich deutsche Kirchen- und Volkslieder, die sie allein und zusammen mit ihren Gastgebern in Tansania singen werden. Auch das „Steiger-Lied“ und Gerhard Tersteegens Kirchenlied „Gott ist gegenwärtig“ soll in Daressalam erklingen. Aber auch Chorliteratur aus Tansania und tansanische Landeskunde stehen auf ihrem gemeinsamen Probenprogramm.
„Afrika wartet. Wir werden Menschen erleben, …

Die Leineweberstraße im Wandel der Zeit: Ein Zeitsprung in der Stadtmitte

Die Leineweberstraße, die beim großen Luftangriff im Juni 1943 besonders stark getroffen wurde, ist seit Mitte der 1950er Jahren eine der Hauptverkehrsachsen Mülheims. Der Straßenname findet sich bereits im Urkataster von 1821. Zwischenzeitlich trug, die Straße, die vor dem 2. Weltkrieg einen anderen Verlauf hatte, auch die Namen Kurze Straße und Mühlenstraße. Ob an der Leineweberstraße, die seit den 70er Jahren zum Teil auch zur Fußgängerzone der Innenstadt gehört, einst Leineweber gewohnt haben, lässt sich nicht belegen. Das Adressbuch von 1860 hält fest, dass hier ein Kleidermacher und eine Strickerin ansässig waren. Um 1830, als die Troostsche Weberei an der Ruhr ihren Betrieb aufnahm, waren in Mülheim 61 Leinewebstühle registriert. Gewoben und gesponnen wurde in Mülheim, textiltechnisch gesehen, seit den 17. Jahrhundert. Darauf weisen auch Straßennamen, wie Walkmühlenstraße hin. Die heute mächtigen Bäume, die die Leineweberstraße heute zur Allee machen, waren vor 22 Jahren, als W…

Farbtupfer im Straßenbild

Wer derzeit durch die Stadt geht, sieht zunehmend Schwarz-Rot-Gold, wenn er nicht gerade schwarz oder rot sieht. Beides gibt die aktuelle Nachrichtenlage in unserer kleinen und großen Welt ja her.
Ist uns im hektischen Alltagsgetriebe etwa ein Nationalfeiertag durchgegangen. 

Nein. Es ist der Nationalsport Fußball, dessen Weltmeisterschaft ihre Schatten in Form von reichlich Schwarz-Rot-Gold voraus wirft.   Egal, ob wir im richtigen Leben oben auf oder unten durch sind: Während der Weltmeisterschaft, sind wir alle „Weltmeister“ und würde es gerne auch über den Finaltag hinaus bleiben, wenn wir schon kein Papst mehr sein dürfen.

Nun weiß ich nicht, ob nach der peinlichen 1:2-Pleite gegen Österreich eher schwarz-rot-goldene Fußball-Euphorie, in Erinnerung an den grandiosen Titelgewinn 2014 oder, Benedikt hilf, eher Beten und der Glaube an das Fußballwunder einer deutschen Titelverteidigung angesagt sind.

In einigen Geschäften habe ich auch schon andere Fahnen, als das deutsche Schwarz-Rot-G…

Frieden ist möglich, auch bei uns

Das Gespräch und die Begegnung sind die wichtigsten Instrumente, um den Frieden zwischen den Menschen zu bewahren oder wiederherzustellen. Das war eine Kernbotschaft der Diskussion zum Thema Frieden vor Ort, die ich am 5. Juni im Katholischen Stadthaus, auf Einladung des Katholischen Bildungswerkes moderieren durfte.

"Selbst, wenn es am Ende zu keiner Schlichtung kommt, kann das sich an einen Tisch setzen und der Austausch der Positionen Konflikte zwischen Nachbarn entschärfen", berichtete Schiedsmann Knut Binnewerg aus seiner Praxis. Hannah Berntgen von der Caritas machte vor dem Hintergrund ihrer Sozialarbeit mit und für Menschen in Not deutlich, dass es nicht nur materielle Hilfen, sondern auch darum gehen müsse, zwischenmenschliche Beziehungen zu stärken und sie als Wert an sich zu erkennen und zu schätzen."

Angelika Romeik vom Friedensforum lenkte den Blick darauf, dass es in unserer Gesellschaft mehr Friedensstifter als Brandstifter gebe, Menschen, die gemeinsam mit…

In Memoriam: Robert F. Kennedy

Nicht nur für viele Amerikaner verkörperte Robert Kennedy die Hoffnung auf eine bessere Welt. Heute vor 50 Jahren starb der Hoffnungsträger an den Folgen eines Attentates. Er wurde nur 42 Jahre alt und teilte das Schicksal seines 1963 ermordeten Brunders John.

Ob Robert Kennedy, der mit seiner Präsidentschaftskandidatur, die Kluft zwischen Arm und Reich, Alt und Jung, Schwarz- und Weiß überwinden und den als ungerecht erkannten Krieg in Vietnam beenden wollte, Präsident der USA hätte werden können, war zum Zeitpunkt seiner Ermordung ungewiss. Denn nach seinen Vorwahlsiegen in South Dakota und Kalifornien, hatte der Senator von New York erst 622 von 1369 notwendigen Parteitagsdelegierten gewonnen. 

Ohne den Mann, der als Justizminister im Kabinett seines Brunders John die Weichen für das 1964 verabschiedete Bürgerrechtsgesetz gestellt- und 1962 einen wesentlichen Beitrag zur friedlichen Beilegung der Kuba-Krise geleistet hatte, braucht man nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, dass…

Ohne Schutzengel geht es nicht

Am Fronleichnamstag erinnerte sich Mutter an die Fronleichnamsprozessionen ihrer Kindheit, als nicht nur viele Menschen im frommen Zug durch die Gemeinde mitgingen, sondern ihn mit blumengeschmückten Häusern und kleinen Andachtsaltären auch in den Straßen erwarteten. Bei der diesjährigen Fronleichnamsprozession durch die Innenstadt wartete niemand auf den frommen Zug, wenn überhaupt, dann nur einige irritierte bis neugierige Zaungäste, die auf der Schloßstraße ihr Feiertagseis schleckten oder ihr Feiertagsbierchen schlürften oder, ob der frommen Verkehrsbehinderung, auf der Kaiserstraße hupten und an der Prozession vorbeirasten. Wie gut, dass die Demonstranten der Frohen Botschaft, die viele nicht hören wollen, obwohl sie sich im Innersten doch, nach einer solchen sehnen, leibhaftige Schutzengengel in Person einiger Polizeibeamter im Schlepptau hatte. Und doch gibt es sie auch heute noch, die frohen Botschaften. Am Abend schenkte ein kleines Mädchen, das Mutter auf ihrer ganz eigenen …

Denk ich an 1968 – Gold-Abiturienten der heutigen Karl-Ziegler-Schule sahen sich im Wasserbahnhof wieder und tauschten ihre Erinnerungen aus

13 reife Herrn, die meisten sind 68 Jahre alt, feiern im Wasserbahnhof ihr Wiedersehen. Sie verbindet das Abitur, das sie 1968 an der heutigen Karr-Ziegler-Schule bestanden haben.
„Wenn, dann war eher die sexuelle als die politische Befreiung für uns ein Thema“, schaut Gold-Abiturient Ulrich Mülheims auf das Jahr 1968 zurück. „Die Röcke wurden kürzer und die Haare wurden länger“, erinnert sich Klassenkamerad Franz Weimann an den Zeitgeist von 1968.
„Wir waren die braven Lateiner und wurden mit den wilden Engländern zusammengelegt, von denen wir dann eine Menge gelernt haben“, berichtet Mülheims. Als Klassensprecher musste er manches ausbügeln. Das konnte eine Schwammschlacht oder auch eine Landkarte sein, die aus dem Fenster hing. Lausbubenstreiche.
Und wo blieb die Rebellion? „Man kann sich heute nicht mehr vorstellen, wie wenig wir damals selbstständig denken durften. Was wir zu denken hatten, gab das Elternhaus vor“, erinnert sich Herbert Gleißenberger. „Ich weiß noch, dass ich damals…

Demonstration für die Frohe Botschaft

Auch in der katholischen Stadtpfarrei St. Mariae Geburt feierten katholische Christen mit einer Prozession das seit dem 13. Jahrhundert begangene Fest Fronleichnam, an dem „der Leib Christi“ in Form der Hostie von 180 Gemeindemitgliedern mit Liedern und Gebeten durch die Innenstadt getragen wurde. In einer Andacht auf dem Synagogenplatz sagten Kommunionkinder und andere Gemeindemitglieder, was sie sich für unsere Stadtgesellschaft wünschen: „Sozialer Friede“, „ein friedliches Miteinander der Mülheimer aus 144 Nationen und allen großen Weltreligionen“ und „gelebte Nächstenliebe in der Familie und in der Nachbarschaft.“
Der vor 30 Jahren zum Weihbischof ernannte Franz Grave, der seit 2007 als Seelsorger in St. Mariae Geburt arbeitet sagte in seiner Predigt: „Auch wenn wir dafür keinen Beifall bekommen und viele sich nicht dafür interessieren, tragen wir als unverzagte und begeisterte Christen Christus und seine Frohe Botschaft auf die Straße. Denn nur, wer überzeugt und begeistert ist, k…