Direkt zum Hauptbereich

Mobiles Mülheim

533. Meine Zahl des Tages. Sie erfuhr ich auf Anfrage gestern im Rathaus. 533 Autos kommen auf 1000 Mülheimer. Wenn man bedenkt, dass es viele Mülheimer gibt, die, so wie ich, gar kein Auto besitzen oder altersbedingt bestenfalls hinter dem Lenkrad eines Bobbycars oder eines Kettcars sitzen dürfen, dürfte der Trend bei manchen Mülheimern zum Zweitauto gehen. Denn legt man nur die erwachsene Stadtbevölkerung zugrunde, kommen in Mülheim sogar 632 Autos auf 1000 Einwohner. Da sind die Motorräder noch gar nicht mit eingerechnet. 

Ist der demografische Wandel unserer Stadtgesellschaft schon so weit voran geschritten, dass sich viele Mitbürger nur noch auf vier Rädern fortbewegen können. Doch eine andere Zahl aus dem Rathaus besagt, dass 30 Prozent der Mülheimer 60 Jahre und älter sind. Das bedeutet die Zahl der Menschen, die sich in einem Alter bewegen, in dem man immer öfter gefahren werden muss, hält sich, demografischer Wandel hin oder her, doch noch deutlich unter 100 Prozent. Das wäre ja auch noch schöner, wenn die Alterung in unserer offensichtlich PS-starken Stadt so rasant fortschreiten würde, wie ihre Motorisierung.

Das mag mancher Fußgänger, Radfahrer oder abgasgeplagter Anwohner mit Blick auf die klimaschädlichen Emissionen beklagen, doch immerhin zeigt diese Zahl, dass die Mülheimer ein mobiles Völkchen sind. Doch wie wird unsere Stadt aussehen, wenn wir immer mehr Menschen haben werden, die altersbedingt ihren Führerschein abgeben müssen und statt mit ihrem Auto mit einem Rollator oder einem Elektrorolli unterwegs sein werden. Wer weiß? Vielleicht bleiben dann mehr Menschen in unserer Stadt und kaufen hier auch ein und verbringen hier ihre Freizeit, so wie es ihre Großeltern und Urgroßeltern einst taten. Dann könnte die Demografie für unsere Stadt vielleicht sogar zum Konjunktur- und Klimaschutzprogramm werden. 

Dieser Text erschien am 11. Juni 2018 in der Neuen Ruhr Zeitung

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Am liebsten hört sie Radio: Margarete Sonnenschein feierte jetzt ihren 100. Geburtstag

"Wie alt bin ich jetzt? 100?!“ fragt Margarete Sonnenschein, während sie mit ihren Mitbewohnerinnen in der Villa Nestor bei Kaffee und Kuchen ihren dreistelligen Geburtstag feiert. 

Seit zehn Jahren lebt sie  in einer Wohngemeinschaft, die von den Pflegepartnern betreut wird. Weil sie aufgrund einer Makuladegeneration nicht mehr sehen kann, hört sie am liebsten Radio. Besonders bedauert sie es, dass ihr Lieblingsmoderator Jürgen Domian nicht mehr auf Sendung ist. Seine seelsorgerischen Gespräche mit Menschen in unterschiedlichsten und schwierigsten Lebenslagen hat die ehemalige Bibliothekarin und Buchhändlern immer besonders gerne gehört. Deshalb freut sich Sonnenschein darüber, dass ihr Pflegedienstleiterin Karin Eberlein und ihre Mitbewohnerinnen eine CD-Sammlung mit Domians besten Gesprächen geschenkt haben.

Schwere Zeiten kennt die Dame, die zweimal verheiratet war und vor 35 Jahren ihren einzigen Sohn begraben musste, nur zu gut.

Noch im Ersten Weltkrieg geboren, musste sie die…

Suchtfaktor Karneval

Sie ist die jüngste der 13 Mülheimer Karnevalsgesellschaften, die KG Aunes Ees. Zwölf Karnevalsfreunde aus der damals aufgelösten KG Düse formierten sich im Juli 2017 zur neuen KG Aunes Ees. „Aunes Ees ist mölmsch Platt und bedeutet anders als, weil wir anders sind als viele andere Karnevalsgesellschaften“, erklärt der Vorsitzende der neuen Gesellschaft Jörg Schwebig die Namenswahl.
Anders als die anderen mölmschen Gesellschaften, gibt es bei Aunes Ees neben einer Aktivengarde auch eine integrative Garde, in der Menschen mit und ohne Handicap ihren Spaß am Tanz gemeinsam auf die Bühne bringen. Dass es dazu kam, hat mit Schwebigs Bruder Frank und seiner Schwägerin Vivian zu tun, Sie sind Eltern einer behinderten Tochter, die in einer integrativen Tanzgarde einer Duisburger Gesellschaft aktiv war. Doch das Mädchen und seine Gardekolleginnen fühlten sich ihrer bisherigen Gesellschaft nicht mehr gut aufgehoben und wechselten deshalb 2017 geschlossen in die neue Mülheimer Karnevalsgesellsch…

Vor 40 Jahre wurde Heinz Hager zum Oberbürgermeister gewählt: Generationswechsel und Aufbruch in die Moderne

Von so einem Ergebnis kann ein Oberbürgermeister nur träumen. Erst bekommt seine Partei bei den Kommunalwahlen 54 Prozent und dann wird er im Rat der Stadt mit 50 von 51 Stimmen ins Amt gewählt. Genau dieses Erfolgserlebnis wird Heinz Hager am 20. November 1969 zuteil.Es sind schöne Zeiten für Sozialdemokraten, wie Hager, vor 40 Jahren. In Mülheim ist die Mehrheit seiner Partei unangefochten. Und im Bund ist mit Willy Brandt erstmals ein Sozialdemokrat zum Kanzler gewählt worden. Sein Motto: Wir wollen mehr Demokratie wagen. und: Wir schaffen das moderne Deutschland.

Hager selbst wird erst als Oberbürgermeister und später (ab 1974) als Oberstadtdirektor zur Personifizierung des modernen Mülheim. Bis 1992 wird er die Geschicke der Stadt maßgeblich lenken und beeinflussen. Viel von dem, was in seiner Ära auf den Weg gebracht wird, prägt das Bild Mülheims bis heute. Der Stadtbahnbau, die Errichtung des Rhein-Ruhr-Zentrums, die Fußgängerzone auf der Schloßstraße, der Hans-Böckler-Platz mit…