Die Leineweberstraße im Wandel der Zeit: Ein Zeitsprung in der Stadtmitte

Die Leineweberstraße 1996: Foto Walter Neuhoff
Die Leineweberstraße, die beim großen Luftangriff im Juni 1943 besonders stark getroffen wurde, ist seit Mitte der 1950er Jahren eine der Hauptverkehrsachsen Mülheims. Der Straßenname findet sich bereits im Urkataster von 1821. Zwischenzeitlich trug, die Straße, die vor dem 2. Weltkrieg einen anderen Verlauf hatte, auch die Namen Kurze Straße und Mühlenstraße. Ob an der Leineweberstraße, die seit den 70er Jahren zum Teil auch zur Fußgängerzone der Innenstadt gehört, einst Leineweber gewohnt haben, lässt sich nicht belegen. Das Adressbuch von 1860 hält fest, dass hier ein Kleidermacher und eine Strickerin ansässig waren. Um 1830, als die Troostsche Weberei an der Ruhr ihren Betrieb aufnahm, waren in Mülheim 61 Leinewebstühle registriert. Gewoben und gesponnen wurde in Mülheim, textiltechnisch gesehen, seit den 17. Jahrhundert. Darauf weisen auch Straßennamen, wie Walkmühlenstraße hin. Die heute mächtigen Bäume, die die Leineweberstraße heute zur Allee machen, waren vor 22 Jahren, als Walter Neuhoff seine Aufnahme machte, noch im zarten Wachstum begriffen. Rechts kann man die noch existierende Hirsch-Apotheke erkennen, die 2017 ihr 250-jähriges Bestehen feierte. Fachgeschäfte, wie das Haushaltsgeschäft Kocks und Herstein, der Juwelier Stuwe, der Herrenausstatter MSM oder Sport Küppers, weiter hinten links zu sehen, in denen man 1996 noch einkaufen konnte, gibt es heute leider nicht mehr. In den ehemaligen Geschäftsräumen von Kocks und Herstein findet sich heute an der Leineweberstraße 54 die Verbraucherzentrale. 

Dieser Text erschien am 4. Juni 2018 in der neuen Ruhr Zeitung

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