Samstag, 23. Juni 2018

Geldsegen für den Wünschewagen: Das Ambulante Hospiz spendierte 2500 Euro, damit der Arbeiter-Samariterbund und seine ehrenamtlichen Mitarbeiter letzte Wünsche wahr werden

Unabhängig von den Wetterverhältnissen, wird es Nazan Aynur vom Arbeitersamariterbund (ASB) und ihren etwas 20 Zuhörern vom Ambulanten Hospiz warm ums Herz.

Die ehrenamtlichen Sterbebegleiter schauen mit der Referentin vom ASB in den Wünschewagen, der heute auf dem Kirchenhügel vor St. Mariae Geburt Station macht.

Aynur erklärt nicht nur die Ausstattung des Wünschewagens: Liege, Sitze, Sternenhimmel, Panoramafenster, Beatmungsgerät und Minibar. Sie erklärt auch, was es mit dem Wünschewagen auf sich hat, der seit 2014 zwei bis dreimal pro Woche letzte Wünsche wahr macht. Seine Fahrgäste sind hochbetagte und meistens sterbenskranke Menschen, die, begleitet von ehrenamtlichen Helfern, letzte Wünsche wagen.

Noch einmal den Lieblingsclub im Stadion spielen sehen. Noch einmal entfernte Freunde oder Verwandte besuchen. Noch einmal einen Tag am Meer erleben. Noch einmal eine Musical-Aufführung besuchen. Solche und ähnliche Wünsche werden auf den oft letzten Metern des Lebens Wirklichkeit, weil 130 ehrenamtliche Mitarbeiter des ASBs als Fahrer und Begleiter mit ihren alten und schwerkranken Fahrgästen auf Reisen gehen. Zwei Drittel der ehrenamtlichen Helfer verfügen von Berufswegen über eine medizinische und pflegerische Ausbildung. Andere, die zum Beispiel über einen Führerschein der Klasse 3/C1 verfügen, stellen sich als Fahrer oder Begleiter zur Verfügung.

„So ein Einsatz nimmt mindestens sechs bis sieben Stunden in Anspruch.  Je nach Reiseziel, wird auch schon mal eine Übernachtung nötig“, berichtet Projektleiterin Aynur. „Hier kann ich das tun, was mir am meisten Freude macht, nämlich 1:1 Menschen helfen“, antwortete ihr kürzlich eine Krankenschwester, warum sie neben ihrer anstrengenden Arbeitszeit auch noch Zeit für den Wünschewagen und seine Fahrgäste übrig habe. „Bei diesen Fahrten wird viel geweint und viel gelacht. Man kommt sich menschlich sehr nahe“, weiß Nazan Aynur.

In einem Fall ist es auch schon vorgekommen, dass ein Fahrgast sein Ziel nicht mehr erreicht hat, weil er während der Fahrt gestorben ist. „Unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter, die vom ASB für ihren Einsatz geschult werden, brauchen nicht nur medizinisches und pflegerisches Wissen. Sie müssen sich auch mit ihrer eigenen Sterblichkeit intensiv auseinandersetzen“, betont Aynur.
Die ehrenamtlichen Sterbebegleiter vom 1996 im St. Marien-Hospital gegründeten Ambulanten Hospiz wissen, wovon die Frau vom 1878 gegründeten Arbeitersamariterbund spricht. „Das ist eine sehr wertvolle Arbeit, von der viele Menschen profitieren, die wir ehrenamtlich und kostenfrei begleiten“, sagt die Vorsitzende des Ambulanzen Hospizes Ursula König. Und deshalb haben König und ihre Mitstreiter für das spendenfinanzierte Projekt des ASB-Wünschewagens nicht nur Applaus, sondern auch einen Spendenscheck über 2500 Euro mitgebracht.

Das Geld ist Aynur und ihrem Team hoch willkommen. Denn mit dem ehrenamtlichen Einsatz allein kommt der für die Fahrgäste kostenfreie Wünschewagen, der inzwischen nicht nur an Rhein und Ruhr, sondern bundesweit und im benachbarten Ausland unterwegs ist, nicht ins Rollen. Auch der Wünschewagen muss versteuert, versichert, gewartet, repariert und betankt werden.
Auskunft und Anmeldung beim Arbeiter-Samariter-Bund unter der  Rufnummer 0201-870010, per Mail an: wuenschewagen@asb-ruhr.info und im Internet unter: www.wuenschewagen.de

Dieser Text erschien am 21. Juni 2018 in der Neuen Ruhr Zeitung

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