Direkt zum Hauptbereich

Geldsegen für den Wünschewagen: Das Ambulante Hospiz spendierte 2500 Euro, damit der Arbeiter-Samariterbund und seine ehrenamtlichen Mitarbeiter letzte Wünsche wahr werden

Unabhängig von den Wetterverhältnissen, wird es Nazan Aynur vom Arbeitersamariterbund (ASB) und ihren etwas 20 Zuhörern vom Ambulanten Hospiz warm ums Herz.

Die ehrenamtlichen Sterbebegleiter schauen mit der Referentin vom ASB in den Wünschewagen, der heute auf dem Kirchenhügel vor St. Mariae Geburt Station macht.

Aynur erklärt nicht nur die Ausstattung des Wünschewagens: Liege, Sitze, Sternenhimmel, Panoramafenster, Beatmungsgerät und Minibar. Sie erklärt auch, was es mit dem Wünschewagen auf sich hat, der seit 2014 zwei bis dreimal pro Woche letzte Wünsche wahr macht. Seine Fahrgäste sind hochbetagte und meistens sterbenskranke Menschen, die, begleitet von ehrenamtlichen Helfern, letzte Wünsche wagen.

Noch einmal den Lieblingsclub im Stadion spielen sehen. Noch einmal entfernte Freunde oder Verwandte besuchen. Noch einmal einen Tag am Meer erleben. Noch einmal eine Musical-Aufführung besuchen. Solche und ähnliche Wünsche werden auf den oft letzten Metern des Lebens Wirklichkeit, weil 130 ehrenamtliche Mitarbeiter des ASBs als Fahrer und Begleiter mit ihren alten und schwerkranken Fahrgästen auf Reisen gehen. Zwei Drittel der ehrenamtlichen Helfer verfügen von Berufswegen über eine medizinische und pflegerische Ausbildung. Andere, die zum Beispiel über einen Führerschein der Klasse 3/C1 verfügen, stellen sich als Fahrer oder Begleiter zur Verfügung.

„So ein Einsatz nimmt mindestens sechs bis sieben Stunden in Anspruch.  Je nach Reiseziel, wird auch schon mal eine Übernachtung nötig“, berichtet Projektleiterin Aynur. „Hier kann ich das tun, was mir am meisten Freude macht, nämlich 1:1 Menschen helfen“, antwortete ihr kürzlich eine Krankenschwester, warum sie neben ihrer anstrengenden Arbeitszeit auch noch Zeit für den Wünschewagen und seine Fahrgäste übrig habe. „Bei diesen Fahrten wird viel geweint und viel gelacht. Man kommt sich menschlich sehr nahe“, weiß Nazan Aynur.

In einem Fall ist es auch schon vorgekommen, dass ein Fahrgast sein Ziel nicht mehr erreicht hat, weil er während der Fahrt gestorben ist. „Unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter, die vom ASB für ihren Einsatz geschult werden, brauchen nicht nur medizinisches und pflegerisches Wissen. Sie müssen sich auch mit ihrer eigenen Sterblichkeit intensiv auseinandersetzen“, betont Aynur.
Die ehrenamtlichen Sterbebegleiter vom 1996 im St. Marien-Hospital gegründeten Ambulanten Hospiz wissen, wovon die Frau vom 1878 gegründeten Arbeitersamariterbund spricht. „Das ist eine sehr wertvolle Arbeit, von der viele Menschen profitieren, die wir ehrenamtlich und kostenfrei begleiten“, sagt die Vorsitzende des Ambulanzen Hospizes Ursula König. Und deshalb haben König und ihre Mitstreiter für das spendenfinanzierte Projekt des ASB-Wünschewagens nicht nur Applaus, sondern auch einen Spendenscheck über 2500 Euro mitgebracht.

Das Geld ist Aynur und ihrem Team hoch willkommen. Denn mit dem ehrenamtlichen Einsatz allein kommt der für die Fahrgäste kostenfreie Wünschewagen, der inzwischen nicht nur an Rhein und Ruhr, sondern bundesweit und im benachbarten Ausland unterwegs ist, nicht ins Rollen. Auch der Wünschewagen muss versteuert, versichert, gewartet, repariert und betankt werden.
Auskunft und Anmeldung beim Arbeiter-Samariter-Bund unter der  Rufnummer 0201-870010, per Mail an: wuenschewagen@asb-ruhr.info und im Internet unter: www.wuenschewagen.de

Dieser Text erschien am 21. Juni 2018 in der Neuen Ruhr Zeitung

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Am liebsten hört sie Radio: Margarete Sonnenschein feierte jetzt ihren 100. Geburtstag

"Wie alt bin ich jetzt? 100?!“ fragt Margarete Sonnenschein, während sie mit ihren Mitbewohnerinnen in der Villa Nestor bei Kaffee und Kuchen ihren dreistelligen Geburtstag feiert. 

Seit zehn Jahren lebt sie  in einer Wohngemeinschaft, die von den Pflegepartnern betreut wird. Weil sie aufgrund einer Makuladegeneration nicht mehr sehen kann, hört sie am liebsten Radio. Besonders bedauert sie es, dass ihr Lieblingsmoderator Jürgen Domian nicht mehr auf Sendung ist. Seine seelsorgerischen Gespräche mit Menschen in unterschiedlichsten und schwierigsten Lebenslagen hat die ehemalige Bibliothekarin und Buchhändlern immer besonders gerne gehört. Deshalb freut sich Sonnenschein darüber, dass ihr Pflegedienstleiterin Karin Eberlein und ihre Mitbewohnerinnen eine CD-Sammlung mit Domians besten Gesprächen geschenkt haben.

Schwere Zeiten kennt die Dame, die zweimal verheiratet war und vor 35 Jahren ihren einzigen Sohn begraben musste, nur zu gut.

Noch im Ersten Weltkrieg geboren, musste sie die…

Suchtfaktor Karneval

Sie ist die jüngste der 13 Mülheimer Karnevalsgesellschaften, die KG Aunes Ees. Zwölf Karnevalsfreunde aus der damals aufgelösten KG Düse formierten sich im Juli 2017 zur neuen KG Aunes Ees. „Aunes Ees ist mölmsch Platt und bedeutet anders als, weil wir anders sind als viele andere Karnevalsgesellschaften“, erklärt der Vorsitzende der neuen Gesellschaft Jörg Schwebig die Namenswahl.
Anders als die anderen mölmschen Gesellschaften, gibt es bei Aunes Ees neben einer Aktivengarde auch eine integrative Garde, in der Menschen mit und ohne Handicap ihren Spaß am Tanz gemeinsam auf die Bühne bringen. Dass es dazu kam, hat mit Schwebigs Bruder Frank und seiner Schwägerin Vivian zu tun, Sie sind Eltern einer behinderten Tochter, die in einer integrativen Tanzgarde einer Duisburger Gesellschaft aktiv war. Doch das Mädchen und seine Gardekolleginnen fühlten sich ihrer bisherigen Gesellschaft nicht mehr gut aufgehoben und wechselten deshalb 2017 geschlossen in die neue Mülheimer Karnevalsgesellsch…

Welche Chancen haben Förderschüler auf dem Arbeitsmarkt? Die gute Nachricht lautet: Zeugnisse und Noten sind eben nicht alles, wenn es um den Einstieg in den Beruf geht

„Alles wird gut.“ So steht es auf einer Holzskulptur, die der Geschäftsführer der Berufsbildungswerkstatt (BBWe), Thomas Aring, von Lehrgangsteilnehmern aus dem Berufsfeld Farbe und Raumgestaltung zum Geburtstag geschenkt bekommen hat. Gilt das auch für Förderschüler, wenn sie ihren geschützten Lernraum verlassen und auf dem Arbeitsmarkt einen Ausbildungsplatz suchen? Aring schätzt, dass aktuell rund 20 Prozent seiner insgesamt 500 Lehrgangsteilnehmer von der Förderschule kommen. Sie alle konnten nach der Schule keinen Ausbildungsplatz bekommen und trainieren jetzt im Rahmen eines Berufsvorbereitsungsjahres oder eines Werkstattjahres für den ersten Ausbildungsmarkt.


„Viele, die zu uns kommen, erleben im ersten halben Jahr einen richtigen Entwicklungsschub und sind dann auch besonders motiviert“, berichtet Aring. Wie es im optimalen Fall laufen kann, zeigen die 17-jährige Katharina Schaefer und der 19-jährige Patrick Hoppe. Beide haben eine Mülheimer Förderschule für Lernbehinderte bes…