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Es werden Posts vom Dezember, 2012 angezeigt.

Das Beispiel von Dirk und Heike Hempel zeigt: Das Thema Pflege betrifft nicht nur ältere Menschen und geht uns alle an

Es gibt Tage, die ein Leben total verändern. Einen solchen Tag erlebten Heike Hempel (55) und ihr Mann Dirk (56) am 4. Dezember 2007. Damals waren sie gerade mal eineinhalb Jahre verheiratet, hatten in Saarn ein Haus gebaut und zehrten von den schönen Erinnerungen an einen gemeinsamen Urlaub auf Ibiza. Beide hatten einen Beruf, der sie erfüllte und ernährte. Sie als Friseurin, er als Mitarbeiter des Kommunalen Sozialen Dienstes. Alles schien perfekt. Doch dann kam dieser Schicksalstag, an dem Heike in dem Friseursalon, in dem sie damals arbeitete plötzlich bewusstlos zusammenbrach: Wir hatten fünf Minuten vorher noch miteinander telefoniert, erinnert sich Dirk Hempel. Als dann kurz darauf noch mal das Handy klingelte, fragte ich nur: „Ist noch was, Heike?“ Doch am anderen Ende der Leitung war nicht Heike, sondern ein Kollege aus dem Friseursalon, der ihm mitteilte: „Mit deiner Frau ist etwas schlimmes passiert und es sieht gar nicht gut aus.“ Plötzlich hatte ich Todesangst und alles l…

Der Historiker Thomas Urban will am Beispiel des Zehntweglagers die Geschichte der Zwangsarbeit bei Thyssen beleuchten. Er sucht dafür Fotos und andere Zeitzeugnisse

Der an der Universität Bonn lehrende Sozial- und Wirtschaftshistoriker Thomas Urban beschäftigt sich zurzeit im Rahmen eines von der Fritz-Thyssen-Stiftung und der Thyssen-Stiftung für Industriegeschichte geförderten Forschungsprojektes mit dem Schicksal der Zwangsarbeiter, die während des Zweiten Weltkrieges in der Rüstungsproduktion bei Thyssen schuften mussten.


Bei seinen Nachforschungen ist Urban darauf gestoßen, dass allein beim Mülheimer Thyssenwerk, das nach 1933 unter dem Namen Deutsche Röhrenwerke firmierte, 3000 Zwangsarbeiter, eingesetzt wurden. Sie kamen vor allem aus der Sowjetunion, aber auch aus Frankreich, Italien, den Niederlanden und Belgien und wurden in elf Lagern einquartiert. 1400 Zwangsarbeiter lebten im größten Lager, das 1943 am Zehntweg errichtet wurde. Zu diesem Lager sucht Urban jetzt Erinnerungen und Fotomaterial von Zeitzeugen oder deren Nachfahren. Aus der Dokumentation „Widerstand und Verfolgung in Mülheim an der Ruhr“, die 1987 von Doris und Michael Do…

Schwitzen statt Sitzen? Was der Mülheimer Jurist Jochen Hartmann von den jüngsten Reformvorschlägen des NRW-Justizmisters Thomas Kutschaty hält

Straftaten sollen nicht nur mit Freiheitsentzug und Bußgeldern, sondern auch mit Führerscheinentzug und gemeinnützigem Arbeitseinsatz, etwa bei der Reinigung von Grünflächen, geahndet werden. Über diesen aktuellen Vorschlag des NRW-Justizministers Thomas Kutschaty sprach ich für die NRZ mit dem stellvertretenden Landesvorsitzenden des Richterbundes, Jochen Hartmann (54). Der Mülheimer arbeitet seit 1991 als Staatsanwalt.


Stimmen Sie dem Minister zu?

Ich habe dagegen nichts einzuwenden. Insbesondere der Entzug der Fahrerlaubnis macht Sinn. Das trifft Straftäter härter als das Ableisten von Sozialstunden, weil es hier um die Einschränkung ihrer Selbstständigkeit und Mobilität geht.

Kutschaty will Straftäter auch zu gemeinnützigen Arbeiten heranziehen.

Es gibt sicher eine Menge gemeinnütziger und auch unangenehmer Arbeiten, die Straftäter im Interesse der öffentlichen Gemeinschaft leisten könnten. Ich fände es sinnvoll, wenn zum Beispiel Jugendliche die Graffitischmierereien, mit denen sie…

So gesehen: Eine Stadt sucht ihre Richtung oder: Lieber leiten als leiden

Wenn der Teufel im Detail steckt, schaut man lieber auf das große Ganze und wird gerne mal grundsätzlich.


Und deshalb sind es viele engagierte Mülheimer, die ihre Stadt lieben und gestalten wollen, leid, sich von der täglichen Quadratur des Kreises frustrieren zu lassen. Statt die vielen Baustellen und das wenige Geld in der Stadtkasse zu betrachten, haben sie sich jetzt mit Zeit und Energie dem Leitbild gewidmet. Das will uns zeigen, wo es für unsere Stadt in Zukunft lang gehen soll. Doch das schönste Leitbild ist nur so viel wert, wie das Bild, das sich Bürger im ganz profanen Alltagsleben vor ihrer Haustür von ihrer Stadt machen müssen. Denn das Papier, auf dem das Leitbild geschrieben wird, ist nun mal geduldiger als die Menschen, die schon heute wissen wollen, wie es in ihrer Stadt weitergeht. Da halten es nicht nur die Frommen mit einem altbewährten Leitbild, der Bibel: „Am ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.“

Dieser Text erschien am 14. Dezember 2012 in der NEUEN RUHR ZEITU…

Warum das Fernsehen, das vor 60 Jahren in Deutschland seinen regelmäßigen Sendebetrieb aufnahm für den Heißener Arnold Fessen mehr als nur ein technisches Gerät und ein Massenmedium ist

Vor 60 Jahren begann in der Bundesrepublik das Fernsehzeitalter. Gerade mal 10.000 Zuschauer sahen am 25. Dezember 1952 das erste regelmäßige Fernsehprogramm, das damals vom Nordwestdeutschen Rundfunk ausgestrahlt wurde. Der Erste Fernsehabend dauerte gerade mal 58 Minuten und bot dem Publikum eine Sendung über die Entstehung der Weihnachtsliedes „Stille Nacht, heilige Nacht“ und das Tanzspiel „Max und Moritz.“ Tags darauf wurde die erste Tagesschau ausgestrahlt. Für Arnold Fessen sind 60 Jahre deutsche Fernsehgeschichte ein elementarer Teil seiner eigenen Lebensgeschichte. Fessen und das Fernsehen. Das ist ist fast so etwas wie eine Liebesgeschichte.

Wenn es nach seinem Vater gegangen wäre, hätte Arnold Fessen sein Berufsleben als Beamter bei der Bundesbahn verbracht. Und tatsächlich hat der heute 69-jährige Bezirksbürgermeister einige Jahre im Fahrdienst der Bundesbahn gearbeitet, eher er sich Ende der 50er Jahre entschloss, seiner großen Liebe zu folgen. „Ich habe mich in die Radi…

Wie das eigentlich als Oma und Opa die Schulbank drückten? Ein Besuch im Historischen Klassenzimmer an der Schlägelstraße in Styrum

Marlies Pesch-Krebs kommt nicht von der Schule los. Fast 40 Jahre hat die heute 63-jährige Pädagogin als Lehrerin gearbeitet. Als Ruheständlerin kehrt sie an eine ihrer alten Wirkungsstätten zurück. Von 1992 bis 2002 leitete sie als Rektorin die damalige Grundschule an der Schlägel- und Meißelstraße. In dieser Zeit richtete sie zur 100-Jahr-Feier der Schule (1996) zusammen mit August Weilandt vom Styrumer Geschichtsgesprächskreis in einer ehemaligen Hausmeisterwohnung an der Schlägelstraße das Historische Klassenzimmer ein. 2012 hat sie die Leitung des kleinen, aber feinen Schulmuseums von ihrem inzwischen 95-jährigen Mitstreiter übernommen. Warum sie sich dazu entschlossen hat, erklärtz sie so:


Ich möchte seine Arbeit hier fortführen, weil das unser gemeinsames Kind ist und weil ich hier das tun kann, was ich immer gerne getan habe, nämlich mit Kindern arbeiten, natürlich in etwas anderer Form als früher. Früher ist das richtige Stichwort. Wer das Historische Klassenzimmer an der Sch…

Bei den Albertustagen 2012 zeigte sich die Styrumer Gemeinde St. Mariae Rosenkranz von ihrer internationalen Seite und lud zu einer geistlichen Entdeckungsreise ein

Styrum ist ein multikultureller Stadtteil, wie es viele im Ruhrbistum gibt. Und die Kirche St. Mariae Rosenkranz steht mittendrin. „Die Arbeit mit Zuwanderern hat sich für uns als Gemeinde aus diesen Rahmenbedingungen ergeben. Und wir haben daraus einen Gewinn gemacht“, sagt Pastor Norbert Dudek, dessen Vorfahren einst aus Polen zuwanderten.

Schon als der Industrielle August Thyssen 1894 half, die Marienkirche zu bauen, war Styrum eine durch Zuwanderung von Arbeitskräften aus aller Herren Länder geprägte Bürgermeisterei. Heute, so schätzt Gemeindemitglied Hans Hanisch, seien je ein Drittel der Einwohner katholisch und evangelisch oder muslimisch. „Für uns ist es wichtig, Weltkirche zu pflegen, wo man lebt und so selbst seinen Horizont zu erweitern und zu erfahren, wie man Glauben gemeinsam leben und feiern kann,“ unterstreicht Pastor Dudek.

Dass das in St. Mariae Rosenkranz keine leeren Worte sind, konnte man in der vergangenen Woche erleben, als sich bei den Albertustagen Vertreter d…

Der Mülheimer Stadthaushalt: Eine Nachlese oder: Loch an Loch und hält doch? Warum die Stadt an strukturellen Einsparungen nicht vorbeikommen wird

Angesichts eines Schuldenberges von über einer Milliarde Euro fragt sich mancher Steuerzahler, warum Mülheim weiter Miese macht. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass der Stadthaushalt ein ordentliches Plus von 373.000 Euro verbuchen konnte. „Damals konnten wir mit Gewerbesteuereinnahmen von rund 175 Millionen Euro planen“, erinnert sich Kämmerer Uwe Bonan an das „absolute Ausnahmejahr 2007.“ Damals brummte die lokale Wirtschaft. Von Wirtschafts- und Finanzkrise war noch keine Rede. Und die Unternehmenssteuerreform von 2008, die Mülheim 25 Millionen Euro kosten sollte, war noch Zukunftsmusik.


Seitdem sind die Gewerbesteuereinnahmen der Stadt kontinuierlich gesunken. Hinzu kam, dass Mülheim 2009 keine Schlüsselzuweisungen vom Land bekam. Diese Mittel schlagen im Haushalt 2013 immerhin mit 66 Millionen Euro auf der Habenseite zu Buche. Aber: Bei der Gewerbesteuer rechnet Bonan 2013 nur noch mit 90 Millionen Euro. Bestenfalls.

Den Einbruch bei den Gewerbesteuereinnahmen sieht er…

Aller Anfang ist schwer oder: Noch fahren nicht alle Styrumer auf den Bürgerbus ab: Eine gute Idee will entdeckt werden

Simone Hofrath und ihr Sohn Luis schauen auf den Fahrplan des Styrumer Bürgerbusses am Sültenfuß. „Toll, dass es ihn gibt. Ich selbst bin noch nicht mitgefahren. Aber meine Oma nutzt ihn, um von der Herwarthstraße zum Einkaufen zur Oberhausener Straße, zur Friesenstraße oder zur Heidestraße zu fahren“, berichtet die junge Frau.


Die Schilderung deckt sich mit den Erfahrungen von Klaus Bernhard. „Wir haben vor allem ältere Fahrgäste und ich habe seit dem Start des Bürgerbusses am 29. Oktober noch keine einzige Kinderfahrkarte verkauft“, erzählt der 62-jährige Pensionär, der bis vor kurzem noch als Bezirksfahrdienstleiter bei der Deutschen Bahn gearbeitet hat. Jetzt ist er einer von 23 ehrenamtlichen Fahrern, die den Bürgerbus montags bis samstags (9-15 Uhr) im Stundentakt durch Styrum steuern. „Man hat eine Aufgabe und kann sich nützlich machen“, beschreibt er seine Motivation. Mindestens einmal pro Woche setzt er sich für drei Stunden unentgeltlich hinter das Steuer des Bürgerbusses, d…

Wie feiert man in Mülheimer Altenheimen Weihnachten? Eine vorweihnachtliche Stimmungsaufnahme

Weihnachten. Das ist für die meisten Menschen ein Familienfest. Im Wohnzimmer steht ein geschmückter Christbaum. Es gibt gutes Essen und Geschenke. Wenn es gut geht, gibt es keinen Krach, sondern Gedichte, Lieder und die Weihnachtsgeschichte. Und nach der Bescherung geht die Familie vielleicht noch in die Christmette. So oder so ähnlich erleben wir die Festtage oder haben sie erlebt. Doch wie erleben Menschen das frohe Fest, die nicht daheim, sondern im Altenheim feiern müssen. Die NRZ fragte in diesen Tagen vor Weihnachten in einigen Seniorenheimen nach.


Im Engelbertusstift, im Wohnstift Dichterviertel und im Wohnstift Raadt wird der heilige Abend bereits am Nachmittag des 24. Dezember mit einem Gottesdienst eingeläutet. Matthias Hess aus dem Wohnstift Raadt freut sich vor allem darüber, dass der Gottesdienst in seinem Hause seit vielen Jahren von einem privaten Chor musikalisch begleitet und von der Predikantin Luise Hegel liturgisch gestaltet wird. Der Leiter des Wohnstiftes Dichte…

So gesehen: Warum unser Kämmerer Lose kaufen sollte

"Kinder, morgen wird’s was geben“ oder: „O, du fröhliche“ singen wir in diesen Tagen und freuen uns schon auf die Bescherung. „Da haben wir die Bescherung“, werden sich dagegen wohl unsere Stadtverordneten sagen und dabei an den Karnevalsschlager: „Wer soll das bezahlen?“ denken, wenn sie sich heute und morgen im Rat zu ihren letzten Ratssitzungen des Jahres treffen.


Denn der Blick auf die Haushaltszahlen und Steuerprognosen dürfte die Damen und Herrn Kommunalpolitiker eher betroffen als besinnlich machen. Denn auch sie wissen ja nicht nur zur Weihnachtszeit, das Geben seliger als Nehmen ist und darüber hinaus auch viel populärer. Denn die nächste Wahl nach Weihnachten kommt so sicher wie das Amen in der Kirche. Und da ist es nur zu verständlich, dass unsere Volksvertreter nicht wie Weihnachtsmänner dastehen wollen, die nichts im Stadtsäckel haben als eine finanzielle Rute, die als Rotstift daher kommt und uns Steuer- und Gebührenzahler geißelt und dem Wort Bescherung einen ganz …

Ein Gespräch darüber, wie Brita Russack und ihre Kollegen vom U-25-Haus Schulabgänger ins Berufsleben begleiten und damit zum erfolgreichen Modell für Nordrhein-Westfalen geworden sind

Am 29. November gingen die 130 Lehrer der Gustav-Heinemann-Schule mit einem Fortbildungstag bei der Leiterin des U-25-Hauses, Brita Russack, in die Schule. Die Sozialpädagogin und ihre 30 Kollegen vom U-25-Haus an der Viktoriastraße beraten und begleiten Jugendliche und junge Erwachsene aller Schulformen beim Übergang von der Schule in den Beruf und sind damit in NRW Teil eines von sieben Modellprojekten des Landes. Für die NRZ sprach ich mit Brita Russack darüber, warum sich nicht nur Schulabgänger mit defizitärer Bildungsbiografie beim Einstieg ins Arbeitsleben schwertun.


Was sind die Knackpunkte, wenn sich junge Leute nach der Schule fragen: Was soll aus mir werden?

Russack: Viele Jugendliche tun sich schwer, in den ernsten Teil ihres Lebens einzutreten. Das hat damit zu tun, dass ihre Vorstellungen davon, was ihnen das Berufsleben an Lebensqualität und Entwicklungschancen bieten könnte, oft diffus sind. Viele Jugendliche leben im Hier und Jetzt. Sie neigen dazu, einfach die Schule …

Konrad Adenauer: Erinnerung an einen christlichen und sehr pragmatischen Vollblurpolitiker

„Was glauben Sie? Wie lange wird das mit dem Hitler dauern?“ fragte Konrad Adenauer einmal seinen katholischen Zentrumsparteifreund Rudolf Amelunxen, als dieser ihn im Kloster Maria Lach besuchte. Dort, wo ein Schulfreund als Abt amtierte, hatte der 1933 von den Nazis abgesetzte und bedrängte Kölner Oberbürgermeister zwischenzeitlich Zuflucht gefunden. Als sein Besucher, der nach dem Krieg erster Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens werden sollte, Adenauer antwortete, er gehe von zehn bis zwölf Jahren aus, meinte der Endfünfziger: „Dann werde ich zu alt sein, um noch einmal anzufangen.“


Wir wissen es heute besser. Adenauer sollte sich gründlich irren. Der Höhepunkt seiner politischen Karriere, die ihm nach der Machtübernahme der Nazis beendet schien, sollte erst noch kommen. Im September 1949 sollte ihn der Bundestag mit einer Stimme Mehrheit, seiner eigenen, zum ersten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland wählen. In einer Zeit des allgemeinen Jugendwahns, in der Über-50-Jäh…

Was wir heute noch vom jüdischen Rabbiner Otto Kaiser (1880-1925) lernen können: Ein Gespräch mit dem evangelischen Theologen und Buchautor Gerhard Bennertz

Am 9. November jährte sich die Reichspogromnacht, in der auch die Mülheimer Synagoge niedergebrannt wurde, zum 74. Mal. Auch auf dem Viktoriaplatz, der heute Synagogenplatz heißt, gedachte man dieser dunklen Stunde der Stadtgeschichte. Einen ganz anderen und sehr versöhnlich stimmenden Blick auf jüdisches Leben in Mülheim wirft jetzt der evangelische Theologe Gerhard Bennertz, der sich seit dreieinhalb Jahrzehnten mit der jüdischen Geschichte unserer Stadt beschäftigt, in seiner jüngsten Veröffentlichung über den Rabbiner Otto Kaiser (siehe Kasten), die als Zeitschrift des Geschichtsvereins erschienen ist.


Für die NRZ sprach ich mit Gerhard Bennertz darüber, was uns Otto Kaiser heute noch zu sagen hat.

Wie kamen Sie auf die Idee, etwas über Otto Kaiser zu schreiben?

Es ist mir wichtig, das Leben der Jüdischen Gemeinde auch einmal ohne den Holocaust und sozusagen in ganz normalen Friedenszeiten zu beleuchten, um zu zeigen, dass der Holocaust nur ein Teil des Jüdischen Lebens in Mülheim …

Warum es in unserer Stadt immer mehr privatärztliche Praxen gibt

Wie die Ärztekammer Nordrhein jetzt mitteilte, hat sich die Zahl der privaten Arztpraxen in Mülheim in den letzten fünf Jahren verfünffacht - auf heute 35. Der Vorsitzende der örtlichen Ärztekammer, Uwe Brock, bestätigt den Trend: „Es gibt bei der Ärzteversorgung ein starkes Nord-Süd-Gefälle.“ Im wohlhabenden Süden ziehen viele Privatpatienten Niedergelassene an, in einigen Nordstadtteilen ist die Versorgung nur noch knapp gewährleistet.

Brock spürt bei vielen Kollegen Unzufriedenheit und weist darauf hin, dass die Kassenärztliche Bundesvereinigung derzeit ihre 150.000 Mitglieder befragt, ob sie das Versorgungs- und Honorierungssystem der gesetzlichen Krankenkassen weiter mittragen wollen. Mit Blick in die Zukunft warnt Brock vor fehlendem Ärztenachwuchs und einer Überalterung der niedergelassenen Ärzte.

Die Antwort auf die Frage , warum immer mehr Ärzte auch oder nur noch privat praktizieren wollen führt zu Ärzten wie Dr. Ralf Lange. Der Kardiologe, der auch als Kassenarzt in Gladbe…

Warum Kettwig den Kirchenkreis wechseln will und was das für die evangelische Kirche in Mülheim bedeutet

Wenn die Gemeinde Kettwig, wie jetzt bei der Synode beantragt, aus dem Kirchenkreis Mülheim nach Essen wechselt, verliert der Kirchenkreis An der Ruhr 6600 seiner 57.800 Mitglieder. Mit den Kettwiger Gemeindegliedern verliert der Kirchenkreis auch deren Kirchensteuern.


Den Netto-Verlust prognostiziert man beim Kirchenkreis auf rund 150.000 Euro pro Jahr. Dennoch zeigt Superintendent Helmut Hitzbleck Verständnis für den Kettwiger Wunsch, nach Essen zu wechseln und damit die kommunale Neuordnung der 70er Jahre nachzuvollziehen. „Die Stränge nach Essen sind in Kettwig einfach stärker“, räumt Hitzbleck ein.

Wenn die Frühjahrssynode 2013 den Wechsel beschließt, rechnet Hitzbleck mit dessen Vollzug für das Frühjahr 2014. Jetzt verhandeln die Kirchenkreise Mülheim und Essen über auf fünf Jahre gestaffelte Ausgleichszahlungen, die den finanziellen Verlust für die Mülheimer Seite erträglich machen sollen.

Natürlich wird der Kirchenkreis An der Ruhr mit dem Wechsel auch von den Personalkosten f…

Helene und Walter Schmidt aus der Heißener Mausegattsiedlung zeigen seit 60 Jahren, dass Liebe nicht nur ein Wort ist

Folgt man dem Statistischen Bundesamt, wird in Deutschland heute fast jede zweite Ehe im Laufe des Lebens geschieden. Da sind Menschen wie Helene und Walter Schmidt etwas besonderes. Ihre Ehe hält schon 60 Jahre. So lange lesen sie auch schon gemeinsam die NRZ und zwar im Rotationsverfahren. Sie beginnt mit dem Lokal- und Kulturteil, er mit dem Politik- und Sportteil und dann wird gewechselt. Die gemeinsame Zeitungslektüre beginnt bei ihnen noch vor dem Frühstück.


Die Zeitung, die sie gerne und gemeinsam lesen, wuchs ihnen besonders in den 70er Jahren ans Herz, als das Blatt regelmäßig über den Kampf um den Erhalt der Heißener Bergmannssiedlung Mausegatt berichtete, in der sie seit 1954 leben. Zufall der Geschichte. Ausgerechnet an der Ecke Eppinghofer Straße/Leineweberstraße, wo die NRZ-Redaktion ihren Sitz hat, haben sie sich im Sommer 1951 zum ersten Mal gesehen. Sie war 22 und arbeitete damals als Haushaltshilfe bei einem Bauunternehmer. Er war 19 und arbeitete für einen Stundenlo…

Eindrücke aus der Schreibwerkstatt im Medienhaus oder: Von der Freude, herausragende Sprachtalente zu entdecken

Samstagnachmittag. Freizeit. Das bedeutet für die meisten Schüler, je nach Temperament: Spiel, Sport und Spaß oder vielleicht auch nur mit Freunden abhängen. Ganz anders die zweimal zehn Schüler, die sich zwischen Herbst- und Weihnachtsferien mit dem Autor Achim Krichel und der Schauspielerin und Theaterpädagogin Barbara Schmidt im Medienhaus treffen. Sie schreiben und spielen. Nicht irgendwas, sondern ihre eigenen Texte.


Und auch nicht irgendwelche Texte bringen sie zu Papier, sondern szenische Dialoge, die vielleicht im nächsten Jahr als Theaterstücke in Schulen und bei Festivals auf die Bühne gebracht werden sollen. Die Szenerie im eher nüchternen Seminarraum der Stadtbibliothek erinnert auf den ersten Blick an eine Nachhilfestunde im Diktatschreiben, wenn da nicht immer ein Lachen zu hören und die fröhliche Schaffenskraft der jungen Autoren mit Händen zu greifen wäre.

„Ihr habt heute wirklich einen guten Lauf“, lobt Theater- und Prosaautor Krichel seine zwischen zehn und 14 Jahren…

Gut geschmeckt, gut gehört und gut getan: Das dritte Barbaramahl in der Stadthalle unterstützte die Mülheimer Hospize

Dass Sankt Barbara die Schutzheilige der Bergleute ist, weiß im Ruhrgebiet jedes Kind, auch wenn es nicht katholisch ist oder sein Großvater Bergmann war. Dass sie auch die Schutzpatronin der Sterbenden ist, dürfte nicht unbedingt Allgemeingut sein. Es passt aber gut zum guten Zweck, für den sich 250 Gäste aus dem gesamten Ruhrgebiet und aus allen gesellschaftlichen Bereichen am Freitagabend zum dritten Barbaramahl in der Stadthalle versammelten.


Denn der Erlös des Abends, zu dem der Katholikenrat eingeladen hatte, kommt dem ambulanten und dem stationären Hospiz zugute. Deren Leiterinnen Ursula König und Judith Kohlstruck bedankten sich denn auch „für die Solidarität, die wir brauchen.“ Die 35 ehrenamtlichen Helfer des ambulanten Hospizes begleiten bereits seit 1996 sterbende und schwerstkranke Menschen und deren Angehörige. Im stationären Hospiz an der Friedrichstraße, das gerade erst eröffnet wurde, werden derzeit sechs Gäste gepflegt und betreut. Seine Bettenzahl soll, laut Kohlstr…