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Es werden Posts vom 2017 angezeigt.

Ist die Kirche eine Moralagentur und soll sie es sein?: Eindrücke eine Veranstaltung im Essener Medienforum

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Ist die Kirche eine Moralagentur? Soll sie es sein? Diese Frage, die ihn zu einem seiner aktuellen Bücher inspirierte, diskutierte der Münchener Soziologe und Sozialphilosoph, Hans Joas, (69) jetzt im Medienform mit dem Leiter des bischöflichen Seelsorgeamtes Dr. Michael Dörnemann (48).

"Moral ist nicht der Kern vom Religion", stellte Joas fest. Vielmehr müsse es den christlichen Kirchen um Sinnstiftung, Orientierung und praktizierte Nächstenliebe gehen. Den Grund dafür, dass Kirche in der Öffentlichkeit immer wieder als moralinsaure Institution wahrgenommen werde, "die den Menschen alles verbietet, was Spaß macht", besteht aus Dörnemanns Sicht vor allem darin, dass bestimmte Medien oft ins Groteske verzerrten Kirchenbild zeichneten.
Joas und einige Zuhörer sahen das etwas anders und wiesen unter anderem auf die 1968 von Papst Paul VI. veröffentlichte Enzyklika Humanae Vitae hin. "Sie formuliert ein wunderbares Ethos der Liebe, aber am Ende bleibt das Verbot der…

Zwei Amerika-Kenner schauten in der Katholischen Akademie auf ein Jahr Donald Trump zurück

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Ein Jahr, nachdem Donald Trump zum Präsidenten der USA gewählt worden ist, diskutierten Ruprecht Polenz und Klaus Prömpers mit dem Publikum in der Katholischen Akademie über die Anatomie dieser unerwarteten Präsidentschaft. Beide, vom Akademiedozenten Tobias Hennrix moderierten Gesprächspartner sind bekennende Transatlantiker. Als ehemaliger Vorsitzender des Außenpolitischen Bundestagsausschusses und als ehemaliger USA-Korrespondent des Zweiten Deutschen Fernsehens sind der CDU-Politiker und der Journalist mit der Gesellschaft der Vereinigten Staaten von Amerika bestens vertraut.
Beide Podiumsteilnehmer waren sich in ihrer scharfen Kritik an dem 45. Präsidenten der USA einig. Deshalb wurden sie aus dem Publikum auch kritisch hinterfragt, ob sie als Teil der politischen und medialen Elite nicht ein Zerrbild von Trump zeichneten, und ihn wie eine Karnevalsfigur karikierten. „Wir nehmen Herrn Trump sehr ernst und finden ihn gar nicht witzig“, betonte Polenz. Und Prömpers stellte fest: „Ic…

Familienstart sucht Ehrenamtliche: Caritas bietet Eltern und Kindern kostenfreie Unterstützung, die nicht umsonst ist: Ein Beispiel

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Familienstart. Der Name des von Anne Genau koordinierten Caritas-Dienstes ist Programm. Zwölf ehrenamtliche Patinnen haben im 2017 rund 20 Familien begleitet, damit sie durchstarten und Hürden überspringen können.

„Wir könnten mehr Männer und Frauen gebrauchen, die Freude daran haben, mit Kindern umzugehen und Familien zu begleiten“, sagt Genau. Denn zum ersten Mal seit der Gründung des Familienstarts (2006), können die hauptamtliche Caritas-Mitarbeiterin und ihre ehrenamtlichen Kolleginnen nicht alle Anfragen junger Familien befriedigen, die Unterstützung brauchen.
Die 37-jährige Heilerziehungspflegerin Marie Brandel hatte Glück, als sie vor einem Jahr bei Anne Genau nach einer Unterstützung fragte. Denn die alleinerziehende und in einer Offenen Ganztagsschule berufstätige Mutter einer zweijährigen Tochter brauchte eine gute und kinderfreundliche Betreuerin.

„Ich fühlte mich total zerrissen. Denn ich muss schon des Geldes wegen ganztags arbeiten, hatte aber keinen Kindertagesstättenplat…

Weißer Winter und schwarzer Humor

Das haben die vielen Schlagerschnulzensänger und großmäuligen Fernsehmoderatoren jetzt davon. Ihre penetrant vorgetragenen und vorgesungenen Wünsche nach einer Weißen Winterlandschaft sind (jetzt auch in unserer Stadt) Wirklichkeit geworden.

Doch während sich die Schlagersänger und Fernsehmoderatoren in ihren Studios aufwärmen und sich die Wirklichkeit schön singen und schön reden, müssen wir über Eis und durch Schneematsch unserer Weg gehen, oder besser schleichen, rutschen und stolpern.
Ein guter alter Leser unserer Zeitung rief mich gestern an, um mir erbost von seiner Rutschpartie durch die Innenstadt zu berichten. Er empörte sich dabei vor allem über die Hauseigentümer und Geschäftsleute sowie über die unsichtbaren Mitarbeiter der Mülheimer Entsorgungsgesellschaft (MEG), die es nicht für nötig hielten in der Innenstadt rutschfreie Gehwege frei zu schaufeln und zu streuen. Ich habe ja den Verdacht, dass die so Gescholtenen sich selbst nicht aus dem Haus trauen oder aufgrund der Witt…

Keine falsche Sparsamkeit

Geschenke, Braten, Adventskränze, Christsterne, Kerzen ohne Ende, Stollen, Plätzchen, Weihnachtsdeko. Was haben wir uns nicht wieder in Zeug gelegt. Und schon sind die Weihnachtstage wieder vorbei. Wofür der Aufwand? Wofür die Aufregung? Das fragt sich mancher und überlegt sich: Mit wem soll ich eigentlich Silvester feiern? Und wenn ja, wen lade ich ein? Habe ich genug Sekt im Haus, um auf das neue Jahr anzustoßen? Ist ein Feuerwerk zum Jahreswechsel angesagt oder nur dekadent? Brot oder Böller? Machen wir uns nichts vor. Auch die Beschäftigten der Feuerwerksindustrie sind Menschen, die mit ihrer Arbeit ihr tägliches Brot verdienen. Apropos Brot. Wenn ich zur Silvesterparty einlade, komme ich auch an Brot, Berliner Ballen und diversen Salaten nicht vorbei. Schließlich wollen die Damen und Herrn aus den Bäckereien, Metzgereien und Lebensmittelabteilungen auch ihr Gehalt verdienen.

Und über das Einlösen meines CD- oder Buchgutscheins werden sich die Kollegen aus den Musikabteilungen und …

Jeden Tag eine gute Tat

Ich muss zugeben. Ich bin neugierig. Sonst wäre ich wohl auch nicht Journalist geworden.

Gerade im Advent bin ich gespannt. Von wem bekomme ich zum Beispiel einen adventlichen Gruß? Wer denkt an mich. Jetzt lag sogar ein Paket-Abhol-Schein in meinem Briefkasten. Ich spürte einen Anflug kindlicher Vorfreude in mir aufsteigen.

Das hatte ich schon länger nicht mehr erlebt. Ein Päckchen in der Vorweihnachtszeit. Na, das ist doch mal eine schöne Überraschung. Jemand denkt an mich und schickt mir ein kleines Geschenk. Was es wohl ist? Ein gutes Buch? Selbstgebackenes zur Weihnachtszeit oder etwas anderes Süßes?

Freudestrahlend reichte ich der Dame am Postschalter meine Karte und sie hatte auch gleich das Päckchen für mich zur Hand. Doch der Blick auf den Absender zerstörte alle meine Erwartungen und zerstörte meine Illusionen. Das Päckchen kam von meiner Steuerberaterin und enthielt Unterlagen für das Finanzamt.

Von wegen beschenkt werden. Vater Staat will etwas von mir. Aber als gewissenhafter…

Lautstarke Folklore

Früher musste man in die Anden reisen, um indianische Panflötenspieler im vollen Federschmuck zu sehen und zu hören. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragte man seinen Hausarzt oder seinen Lungenfacharzt.

Heute reicht ein Besuch des Weihnachtstreffs auf der Schloßstraße. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragt man heute am besten seinen Hals-Nasen-Ohrenarzt.  Denn die indigen geschmückten Panflötisten, die gestern an der Schloßstraße zwischen Bratwurstwagen, Lebkuchen- und Glühwein aufspielten, begnügten sich nicht mit ihren Panflöten, sondern brachten gleich einen riesigen Verstärker mit, der mit seinem Bass jedem Rockkonzert in einem Fußballstadion zur Ehre gereicht hätte.

Nicht dass der Grund-Rhythmus  schlecht gewesen wäre und deshalb auch so manchen Passanten zum Zuhörer machte. Aber weil die Panflötenspieler nun einem nicht in einem Fußballstadion, sondern auf der recht dicht bebauten und zugestellten Einkaufsstraße gastierten, weckte die überdimensionale Panflötenbeschallung, je länger …

Ansichten eines Christkindes

Die meisten Menschen, die an mir vorbei laufen, lassen mich links liegen. Denn ich liege in einer Krippe im Stall auf dem Synagogenplatz. Die Adresse gefällt mir. Auch wenn man mich heute gerne als Christkind verkauft, bin ich ja seinerzeit als jüdisches Kind in einem Stall in Betlehem geboren worden. Auch wenn mir meine irdischen Eltern Maria und Josef im Stall am Synagogenplatz Gesellschaftleisten, finde ich es schade, dass sich nur wenige Menschen die Zeit nehmen, um bei mir vorbeizuschauen und einen Moment innezuhalten. Die Meisten hetzten in die Geschäfte, um etwas zu kaufen, von dem sie glauben, dass sie ohne es meinen Geburtstag nicht feiern könnten. Auch ich habe zum Geburtstag Weihrauch, Gold und Myrrhe geschenkt bekommen, aber deshalb muss man sich heute doch keinen Konsummarathon antun und darüber vergessen, worum es an meinem Geburtstag wirklich geht, nämlich um Unbezahlbares: Um Liebe, Hoffnung, Glaube, Zeit und Zuwendung. 

Dieser Text erschien am 23. Dezember …

Weihnachten 1917: Auch die Mülheimer schwankten vor 100 Jahren zwischen Hunger, Durchhaltewillen und Friedenshoffnung

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Vor 100 Jahren wird das Weihnachtsfest vom Ersten Weltkrieg überschattet. Ein Blick in die Mülheimer Zeitung vom 24. Dezember 1917 zeigt es. Das Blatt macht damals mit einem Artikel über die deutsch-russischen Friedensverhandlungen in Brest-Litowsk auf. Neben dem Aufmacher heißt es in einem patriotischen Gedicht: „Nicht Pracht und Glanz ist uns beschieden in dieser harten Zeit Nicht reiche Gaben, wie im Frieden. Noch tobt der harte Völkerstreit. Zum vierten Mal in heiliger Nacht, umtost vom wilden Kriegsgedröhne, stehen fern ab der Heimat im Felde die Heldensöhne.“

Im Lokalteil finden sich mehrere Berichte über Lebensmitteldiebstähle. Sie werfen ein Licht auf die strikte Lebensmittelrationierung. Der vierte Kriegswinter geht als Steckrüben-Winter in die Geschichte ein. Auch in Mülheim wird gehungert. Selbst die Futtermittel werden knapp. Deshalb richtet die Stadt in Broich eine Pferde-Brot-Bäckerei ein.

Neben den Personal-Nachrichten, in denen vor allem darüber berichtet wird, welche So…

Heinrich Böll: Ein Poet in der Nähe Jesu

Heinrich Böll würde am 21. Dezember 100 Jahre alt, wäre der Literaturnobelpreisträger des Jahres 1972 nicht schon 1985 gestorben. „Nicht nur zur Weihnachtszeit“ lohnt sich die Lektüre seiner gleichnamigen Satire aus dem Jahr 1952, in der er der bürgerlichen Scheinheiligkeit im Nachkriegsdeutschland den Spiegel vorhält. Der rheinische Katholik aus Köln, der zwei Weltkriege und eine Diktatur überlebte, sagte 1952 über seine Erzählung, in der eine Frau ihre Familie in den Wahnsinn treibt, weil sie jeden Tag Weihnachten feiern möchte: „Sie ist das Sinnbild einer Zeit, von der ich angenommen hatte, dass sie längst vergangen sei.“ Böll, der sich zeitlebens mit der katholischen Amtskirche schwer tat, kehrte ihr am Lebensende den Rücken. Dennoch blieb er auch nach seinem Kirchenaustritt seinen christlichen Wurzeln und Überzeugungen treu. Er betete, besuchte Gottesdienste und ging weiter zur Kommunion, auch deshalb, weil er, wie er einmal schrieb, daran glaubte, „dass Christen das Anlitz der …

Drei Fragen an die Saarner Buchhändlerin Brigitta Lange: Heinrich Bölls Weihnachtssatire

Frau Lange, Sie betreiben eine Buchhandlung an der Düsseldorfer Straße und Sie gehören zu der Generation, die mit den Büchern von Heinrich Böll aufgewachsen ist. Woran denken Sie, wenn Sie an den Schriftsteller und Literatur-Nobelpreisträger Heinrich Böll denken, der heute vor 100 Jahren in Köln geboren wurde und 1985 auch dort starb?

Ich denke an einen Autoren, der Bücher, wie „Nicht nur zur Weihnachtszeit“ oder: „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ geschrieben hat. Er war ein Schriftsteller, dessen rheinisches Naturell und dessen politisches Engagement mir gut gefallen haben. Es war für unsere Generation ein innerer Vorbeimarsch, dass er sich zum Beispiel mit der Bild-Zeitung angelegt hat, die damals entsetzliche Dinge getan hat.

Warum tun sich heute so viele Schriftsteller, anders, als Heinrich Böll zu seiner Zeit, so schwer, sich auch gesellschaftspolitisch zu engagieren?

Die Welt ist heute unübersichtlicher, als zu Bölls Zeiten. Viele Schriftsteller tun sich schwer, sich festzule…

Wenn Man(n) sich besinnt

Meine Geschlechtsgenossen durchforsten ihr Umfeld auf der Suche nach einem Weihnachtsbaum. Ich durchforstete gestern meinen Kleiderschrank. Es war meine pragmatische Mutter, die mich jetzt dazu aufforderte, mich doch mal genau darauf zu besinnen.
Frauen mögen es eben nicht, Advent hin oder her, wenn sich Männer tatenlos besinnen, einfach so. Wenn Mann einfach so rumsitzt, um etwa die Zeitung zu lesen oder Kaffee und Kuchen zu sich zu nehmen, irritiert das die auf häuslichen Fleiß und Ordnung fixierte weibliche Seele. An diesem tief verankerten weiblichen Unterbewusstsein konnten auch Alice Schwarzer, Simone de Beauvoir  und ihre Gesinnungsgenossinnen nichts ändern.

So hatte die mütterliche Seele bald ihre Ruhe. Doch mit meinem Seelenfrieden war es angesichts der Tatsache, dass mein Kleidungsfundus im Laufe des An- und Ausprobierens schrumpfte, bald vorbei.  Ich hatte den Kaffee auf und der Christstollen drehte mir in meinem offensichtlich expandierten Bauch um. Mir wurde klar: Am besten…

Es gibt noch Lichtblicke

Es gibt Mülheimer, die sich darüber beklagen, dass es in unserer Innenstadt keinen Lichtblick gäbe. Gut. Wer die Schloßstraße oder die Leineweberstraße in den 70er Jahren kennen gelernt hat, dem fällt es nicht schwer, in der heutigen City schwarz zu sehen.
Doch apropos schwarz. Gerade jetzt im Advent, wenn es schon früh dunkel wird, kann man in der Innenstadt Lichtblicke sehen, wenn man denn genau hinschaut. Die Weihnachtsbeleuchtung der Mülheimer Stadtmarketinggesellschaft und der Kaufleute aus der Innenstadt macht es möglich.

Jetzt kann man auch durch die Innenstadt bummeln, wenn das letzte Geschäft und die letzte Hütte des Weihnachtstreffs dicht gemacht hat. Mich überrascht es selbst, wie eine Kerze daheim oder LED-Leuchten über der Straßenflucht und im öffentlichen Grün die Stimmung unwillkürlich heben können. Das lässt doch für uns alle nicht nur zur Weihnachtszeit hoffen. Man muss nicht unbedingt die größte Leuchte sein, um es in unserer kleinen und großen Welt etwas heller werden…

Ein Zeitsprung am Schloß Broich

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Als Walter Neuhoff 1982 die Eisenbahnbrücke am Schloß Broich fotografierte, wurde schon über  deren Abriss diskutiert. Stadt und Land waren unterschiedlicher Meinung über die Frage, wie schützenswert die 1903 errichtete Brücke sei, deren Gleistrasse die Bahnhöfe Saarn und Broich miteinander verband, zuletzt aber immer seltener von Güterzügen passiert wurde. Das Land wies darauf hin, dass die Eisenbrücke mit ihren reich verzierten Säulen in der Denkmalliste stehe, Die Stadt und ihr Oberstadtdirektor Heinz Hager, wiesen darauf hin, dass die Brücke ihre ursprüngliche Funktion verloren habe und einer stadtplanerischen Weiterentwicklung des öffentlichen Raumes im Wege stehe. Die Grünen, die 1984 in den Rat der Stadt eingezogen waren, wollten den Abriss der Brücke verhindern und sie zu einem Geh- und Radweg umfunktionieren. Nach dem das Verwaltungsgericht Düsseldorf entschieden hatte, dass ein Abriss der alten Eisenbahnbrücke rechtens sei, wurde die 35 Meter lange und 3,70 Meter breite Brüc…

Die Folgen der Bestelleritis

Man muss nicht samstags einkaufen gehen, um als Fußgänger im Stau zu stehen, in der Schlange an der Supermarktkasse. Es reicht auch schon ein Stadtbummel durch die sogenannte Fußgängerzone an der Leineweberstraße. Drei Rollatoren, drei Paketdienste, ein Umzugsservice, ein Liefer- und ein Pflegedienst, natürlich alle motorisiert, und schon ist der Stau  perfekt.

Dabei haben vor allem die Fußgänger, die am Stock oder am Rollator gehen, in diesem Stau jenseits der Autobahn die schlechtesten Karten, weil sie die geringste Knautschzone haben. So müssen jene, die die geringste Mobilität mitbringen im mobilen Overkill auf der Fußgängerzone, Haken, wie die Hasen schlagen. Das müssen sie vor allem dann, wenn sie auf LKW- und Lieferwagenfahrer treffen, die nur stur geradeaus gucken. Freie Fahrt. Freie Fahrt für die Lieferservice, koste es was es wolle. Da denkt der Fußgänger beim Shoppen und Bummeln im Abgasnebel: „Danke. Ich brauche keinen Service mehr. Ich bin schon bedient.“ Und all jenen, di…

Der ehemalige Ratsherr und Redakteur Franz Matuszczyk ist jetzt im Alter von 91 Jahren gestorben

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Er war der älteste noch lebende ehemalige Stadtrat und Ehrenringträger. Jetzt ist Franz Matuszczyk im Alter von 91 Jahren gestorben. Der  langjährige Lokalpolitiker und Lokaljournalist saß unter anderem auch dem Kulturausschuss des Rates vor.

Ähnlich, wie der erste Redaktionsleiter der Neuen Ruhr Zeitung, Otto Striebeck, war Matuszczyk publizistisch und politisch aktiv. Während sich Striebeck als Ratsherr und Bundestagsabgeordneter für die SPD engagierte, leitete der Christdemokrat Matuszcyk zwischen 1950 und 1974 die Lokalredaktion der Ruhrnachrichten und gehörte von 1952 bis 1974 dem Rat der Stadt an.
1926 im westfälischen Hamm geboren, wollte Matuszczyk eigentlich nach dem Abitur (1946) Geschichte und Germanistik studieren. Doch weil im Elternhaus das Geld fehlte und er schnell seinen eigenen Lebensunterhalt verdienen wollte, entschloss er sich ein Redaktionsvolontariat bei der Westfalenpost zu absolvieren. 1949 wechselte er als Lokalredakteur zu den damals neu gegründeten Ruhrnachri…

Ansichten einer Feldlerche

Als Feldlerche habe ich es nie verstanden,  dass Menschen, ihren Artgenossen, die ihnen als schräge Vögel erscheinen, vorhalten, einen Vogel zu haben. Doch inzwischen habe ich eine Ahnung davon, was sie damit meinen. Denn die Spatzen pfeifen es ja schon länger von den Dächern, dass der britische Sänger und Liedermacher Ed Sharan, ausgerechnet zu unserer besten Brutzeit  in unserem Brutrevier am Flugplatz Essen/Mülheim 80 000 Vögel mit seinem Gesang anlocken will, die für dieses Vergnügen auch noch bis zu 85 Euro und auf dem Schwarzmarkt sogar bis zu 425 Euro bezahlen. Freiwillig. Das müssen ja wirklich schräge Vögel sein. Da wird doch die Feldlerche, die als Singvogel täglich Gratiskonzerte gibt, in ihrem Nest verrückt.

Liebe Menschenkinder, ich kann euch nur eines flöten. Seid froh, wenn ihr noch einen Vogel habt, der euch kostenlos etwas vorzwitschert und unsere Natur und mit ihr die Menschheit noch nicht auf dem allerletzten Loch pfeift. Denn diesen Abgesang unseres gemeinsamen Öko-…

Helfen macht Freude: Jennifer Asamoah macht uns mit ihrem Einsatz Mut

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Im Rahmen der Reihe "Menschen im Ehrenamt" in Kooperation mit dem CBE, stellen wir heute die Schülerin Jennifer Asamoah vor.

Die Jugend von heute denkt doch nur an sich selbst. So denken viele und verkennen damit, dass die Wirklichkeit vielseitiger ist. Es sind junge Menschen, wie Jennifer Asamoah aus Eppinghofen, die uns Mut machen und an eine gute Zukunft glauben lassen. Die 16-jährige Schülerin engagiert sich neben ihrer Ausbildung an der Gesamtschule Saarn ehrenamtlich in den Bereichen Umwelt und Soziales. "Das macht einfach Freude und man lernt viele interessante Menschen kennen, die ähnlich denken und fühlen wie man selbst. Außerdem kann man so mit seinen Möglichkeiten dazu beitragen, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen", erklärt die junge Frau ihre Motivation zum Ehrenamt. Und sie betont: "Das Ehrenamt ist mein Hobby."
"Das Ehrenamt ist mein Hobby"Im Biogarten der Volkshochschule arbeitet sie ebenso mit wie in dem von Julia Weber…

Zwischen Wiederaufbau und Wirtschaftswunder: Ein Zeitsprung am Rathausmarkt

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1953 wie 2017. Der Rathausmarkt ist auch Parkplatz. Vor 64 Jahren ist  er aber auch, nomen est omen, ein florierender und viel besuchter Wochenmarktplatz. Fünf Jahre nach der Einführung der D-Mark nimmt das Wirtschaftswunder auch in Mülheim Fahrt auf. Die Autos, die wir auf dem historischen Foto aus dem Stadtarchiv sehen, hätten im Mai 2017 auch bei der Landpartie der Oldtimer mitmachen und erneut auf dem Rathausmarkt parken können. 1953. Man erkennt es, ist die Stadt immer noch von den Folgen des acht Jahre zuvor zu Ende gegangenen Zweiten Weltkrieg gezeichnet. Im Frühjahr werden Mülheims Straßen offiziell als „trümmerfrei“ erklärt. Nach Kriegsende hatten 880 000 Kubikmeter Trümmerschutt auf Mülheims Straßen gelegen.

Auch 1953 kann der 1943 vom großen Luftangriff auf die Stadt  zerstörte Ratsaal nicht genutzt werden. Erst drei Jahre später wird hier wieder Kommunalpolitik gemacht. Die Stadtverordneten weichen bis 1956 bevorzugt in den Altenhof an der Kaiserstraße aus. 

Der wird auch fü…

EU-Korrespondentin auf der Petri-Kanzel: Journalistin Anne Gellinek in ihrer alten Heimat

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„Richtet euch auf. Erhebt eure Häupter. Denn eure Erlösung naht.“ Ausgehend vom Bibelvers des 2. Adventssonntags ging die Leiterin des ZDF-Studios Brüssel, Anne Gellinek, in ihrer Kanzlerrede vor den voll besetzten Bänken in der Petrikiche auf die aktuelle Lage der Europäischen Union ein.

Die „welterfahrene und weitgereiste“ Journalistin, so hatte sie Ulrich Schreyer begrüßt, machte deutlich, „dass die Europäische Union im Vergleich zu anderen Regionen der Erde immer noch ein 
Hort des gesunden Menschenverstandes ist.“

Die 1962 als Tochter des späteren Bau- und Planungsdezernenten Philipp Otto Gellinek in Mülheim geborene Journalistin, sieht den Brexit „als einen heilsamen Schock und Wendepunkt für die EU.“
In den mit einer Stimme geführten Brexit-Verhandlungen der 27 EU-Mitglieder, in den gemeinsamen Sanktionen gegen Russland und dessen Vereinnahmung der ukrainischen Krim und in dem gestern von den EU-Außenministern vereinbarten Aufbau einer gemeinsamen Verteidigungspolitik, sieht sie di…

Die Musical-Macher: 100 Gemeindemitglieder aus St. Barbara erzählen die Geschichte der Mutter Gottes von Guadalupe

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In der Zeit vor Weihnachten denkt man vielleicht an ein Krippenspiel oder an die Aufführung eines Oratoriums, aber nicht unbedingt an ein Musical.
Doch in der Pfarrgemeinde St. Barbara stecken derzeit rund 100 Gemeindemitglieder jede freie Minute in die Proben für das Musical „Virgin.“ Erzählt wird die Geschichte der Mutter Gottes von Guadalupe. Sie erschien 1531 dem Indio Juan Diego und wurde so zur Schutzheiligen Mexikos, die jährlich 21 Millionen Pilger nach Mexiko City zieht. Mit Hilfe eines Musicals den christlichen Glauben und seine Frohe Botschaft im besten Sinne populär und verständlich zu machen, ist für die 
. Ab 1998 setzten Gemeindemitglieder die Lebensgeschichte des katholischen Widerstandskämpfers Nikolaus Groß, der 2001 von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen wurde, mit einem Musical ins Szene. Das Musical wurde nicht nur in der Barbarakirche am Schildberg, sondern landesweit bei unterschiedlichen Veranstaltungen aufgeführt. Die Ausdauer und Intensität, mit der Gemein…

Mitgefühl für die Opfer und ihre Angehörigen: Der Schiffsbau-Ingenieur Wolf Hausmann hat eine sehr persönliche Beziehung zu dem im Südatlantik verschollenen U-Boot

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Die argentinische Marine hat Mitte November im Südatlantik, irgendwo zwischen den Falklandinseln und Buenos Aires eines ihrer U-Boote und damit 44 Soldaten verloren. „Diese Nachricht hat mich geschockt und mein ganzes Mitgefühl gehört den vermutlich elendig erstickten Soldaten und ihren Angehörigen“, sagt der Mülheimer Schiffsbauingenieur Wolf Dietrich Hausmann, den die meisten Mülheimer ab 1989 als FDP-Kommunalpolitiker kennen gelernt haben. „Ich habe nach meinem Studium zwischen 1974 und 1985 für die Thyssen-Nordseewerke in Emden gearbeitet, die damals auch das jetzt vermisste U-Boot TR 1700 (San Juan) gebaut haben. In diesem Zusammenhang habe ich damals auch U-Boot-Fahrer aus Argentinien kennen gelernt. Sie kamen zu Testfahrten nach Emden und wurden im April 1982 vom zweiwöchigen Falkland-Krieg überrascht, den ihre damalige Regierung unter Führung des Militärdiktators General Galtieri gegen Großbritannien vom Zaum gebrochen hatte.“

Die Thyssen-Nordseewerke hatten damals von der arge…

Der Landtagsabgeordnete Christian Mangen packte als Praktikant in Frankys Küchenkabinett mit an

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Normalerweise beschäftigt sich der im Mai neu gewählte FDP-Landtagsabgeordnete Christian Mangen mit Rechts,- Innen- und Haushaltspolitik. Doch jetzt schnitt er bei Frankys im Wasserbahnhof als Tagespraktikant Gemüse, setzte 30 Liter Soße an und zerlegte Kalbsbrüste. Zusammen mit 24 Parlamentskollegen folgte Mangen damit der Einladung des Deutschen Hotelerie- und Gastronomieverbandes (Dehoga), der den Landespolitikern mit dieser Aktion zeigen wollte, wo die Gastronomen der Schuh drückt.

Die Dehoga-Vertreter Jörg Thon, Thomas Kolaric und Thorsten Hellwig liefen mit ihrer Forderung: "Mehr Zeit für den Gast und sein leibliches Wohl und weniger Zeit für bürokratische Dokumentationspflichten, etwa bei der Arbeitszeitregistrierung, der Allergenkennzeichnung oder bei der Hygieneampel", bei dem Liberalen offene Türen ein. Sein Hinweis, dass die neue, von CDU und FDP getragene Landesregierung die von ihrer rot-grünen Vorgängerin gerade erst eingeführte Hygieneampel zum Jahreswechsel wie…

Ritterlicher Frohsinn

Ritter kennt man nur aus der Literatur und der Geschichte oder von der Britischen Insel. Im Vereinigten Königreich werden verdiente Untertanen ihrer Majestät für ihre gesellschaftlichen Verdienste zum Ritter geschlagen. So ähnlich ist es in Mülheim. Wir haben hier zwar keinen Queen. Das gäbe der Stadthaushalt nicht her, dafür aber einen ehrenamtlichen Stadtprinzen, der in diesem  Fall den verdienten Karnevalisten  Heino Passmann zum Ritter vom (ehemals windschiefen) Turm (der Petrikirche) schlug und dabei mit seinem Ornat der teuren und nur sehr selten witzigen Queen um Längen voraus war. 

„Das ist ja wohl ein Witz!“, mag mancher Karnevalsmuffel einwenden, für den ein aktiver Jünger des organisierten Frohsinns nichts ritterliches, sondern eher etwas lächerliches an sich hat. Ich sehe das nicht so. Ist es nicht so, dass wir heute (nicht nur zwischen den Buchdeckeln des Romans von Miguel Cervantes) schon genug Ritter von der traurigen Gestalt haben. Da hat doch wirklich jeder, der ritter…

Heino Passmann bekam närrischen Ritterschlag 100 Jecken feierten den Vollblutkarnevalisten aus Broich am Mittwochabend im Restaurant der Stadthalle

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Das der Hauptausschuss Groß-Mülheimer Karneval und seine 13 Gesellschaften ihn am Mittwochabend ausgerechnet zum 33. Ritter vom Schiefen Turm kürten, war für den Vollblutkarnevalisten Heino Passmann das Tüpfelchen auf dem i. Mit seinen 45 Lebensjahren ist der fünffache Vater der jüngste Ritter vom Schiefen Turm.
Der Gildemeister der närrischen Ritter-Riege, Lothar Schwarze, Oberbürgermeister Ulrich Scholten und Chef-Karnevalist Markus Uferkamp ließen Passmanns karnevalistische Vita Revue passieren. Seine Laudatoren bescheinigten dem neuen Ritter nicht nur „Geselligkeit, Entschlossenheit und Liebe zum traditionellen karnevalistischen Brauchtum“, sondern auch einen „ungebremsten Arbeitseifer“, wenn es darum gehe: „den Karneval weiterzuentwickeln und ihn den Menschen nahezubringen.“

Der in der Behindertenarbeit tätige Sozialpädagoge ist seit 1989 im Mülheimer Karneval aktiv. Der ehemalige SPD-Stadtverordnete aus Broich war unter anderem als Vizepräsident der Karnevalsgesellschaft Blau-Weiß…

Praktikum im Küchenkabinett

Wenn man in der Politik was werden will, kommt man an Thekengesprächen nicht vorbei. Doch dass ich den FDP-Landtagsabgeordneten ChristianMangen in der Küche traf, überraschte mich. Ich dachte immer, wenn man politisch aufsteigt, kommt man vielleicht als Minister in ein Kabinett. Doch an ein Küchenkabinett, in dem der Abgeordnete bei Frankys im Wasserbahnhof Gemüse schnibbelte und putzte und außerdem 30 Liter Soße ansetzen musste, hatte ich weniger gedacht. Man lernt ja nie aus. Und so erfuhr ich, dass der neu gewählte Landtagsabgeordnete auf Einladung des Deutschen Gastronomie- und Hotelerieverbandes (Dehoga) ein gastronomisches Tagespraktikum absolvierte, um nicht nur Gemüse, Soße, Lachsplatten und Kalbsrücken zuzubereiten, sondern zwischen Küchenmesser und Soßenbinder zu erfahren, wo die Gastronomen der Schuh drückt. „Ich hätte nie gedacht, dass die Arbeit in der Küche so kreativ und befriedigend ist, weil man sieht, was man macht und am Ende etwas in der Hand hat, was a…

Die Opfer dem Vergessen entrissen: Gerhard Bennertz, der heute 80 Jahre alt wird, hat in den letzten 40 Jahren die Schicksale der 270 Mülheimer Holocaust-Opfer recherchiert und aufgeschrieben

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„Vielleicht hätte ein alt eingeborener Mülheimer das, was ich gemacht habe, gar nicht so unbefangen tun können“, sagt Gerhard Bennertz. Der Religionspädagoge, der heute seinen 80. Geburtstag feiert, kam in den 70er Jahren aus Siegburg nach Mülheim, um als Religionslehrer am Berufskolleg Stadtmitte zu unterrichten.

Im Rahmen seines Unterrichtes sprach Bennertz damals auch über die Judenverfolgung durch die Nationalsozialisten. Und plötzlich wollte ein Schüler von ihm wissen: „Wie war das eigentlich mit der Judenverfolgung in Mülheim?“ Da musste der Lehrer passen. Er versprach dem Schüler, sich schlau zu machen. Das war der Beginn einer Recherche, die ihn in den nächsten Jahrzehnten nicht mehr los lassen und zu zahlreichen Publikationen über das Schicksal der jüdischen Mülheimer in der Zeit des sogenannten Dritten Reiches veranlassen sollte. „Mein Glück war, dass ich mit meiner Frau Ingrid im Mülheimer Singkreis aktiv war und so Mülheimer kannte, die als ehemalige Mitglieder der regimekr…

Eine biblische Erfahrung

Gestern besuchte ich einen Familiengottesdienst. Für mich, dessen Kindertage schon länger zurückliegen, als ich es selbst glauben kann, war es ein Aha-Erlebnis.

Wo wir als Knirpse einst andächtig dem Herrn Pastor lauschen mussten und es in neun von zehn Fällen auch ehrfürchtig taten, da der Pastor für uns damals so etwas, wie der  Mülheimer Stellvertreter des lieben Gottes war, herrscht heute ein munteres  Krabbeln und  Knuddeln in den Kirchenbänken. Ein kleiner Steppke macht sich selbstständig und krabbelt durch den Mittelgang, um sich mal näher anzuschauen, was den da im Altarraum vor sich geht.

Ehe das Christkind in die Gabenbereitung gerät oder die erste Kerze des Adventskranzes erreichen kann, setzt die Mama zum Spurt an und fängt den kleinen Messdiener in spé ein. Währenddessen nimmt der Papa das quengelnde Schwesterlein auf den Arm. Familiengottesdienst. Das ist mehr Aktion als  Besinnung.

Was wohl der liebe Gott und sein Jesus-Kind dazu sagen würden. Das Matthäus-Evangelium gibt …

Ein Zeitsprung an der Schulstraße: Das Karl-Ziegler-Gymnasium

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Die historische Aufnahme aus dem Medienzentrum der Stadt Mülheim zeigt die städtische Oberschule für Jungen an der Schulstraße. Ihren Ursprung hatte die Schule in der 1835 eröffneten höheren Bürgerschule. Dort konnten Jungen ab 1856 das Abitur ablegen. Nach dem 2. Weltkrieg wurden hier die Schüler des städtischen und des staatlichen Gymnasiums in Wechselschichten gemeinsam unterrichtet. Außerdem waren in dem von Luftangriffen gezeichneten Gebäude auch städtische Dienststellen untergebracht.

Bis zur Eröffnung der Heinrich-Thöne-Volkshochschule (1979) wurden an der Schulstraße nicht nur Schüler, sondern auch Teilnehmer von Volkshochschulkursen unterrichtet.
Gut 70 Jahre, nach dem die historische Aufnahme entstand, kennen wir diese Schule heute als Karl-Ziegler-Ganztags-Gymnasium, das am 2. Dezember zwischen 9 Uhr und 12.30 Uhr zum Tag der offenen Tür und zum Ehemaligentreffen einladen wird. Zuletzt hat die Karl-Ziegler-Schule mit der Eröffnung eines  in den Schulbetrieb integrierten Jugen…