Direkt zum Hauptbereich

Drei Fragen an die Saarner Buchhändlerin Brigitta Lange: Heinrich Bölls Weihnachtssatire

Frau Lange, Sie betreiben eine Buchhandlung an der Düsseldorfer Straße und Sie gehören zu der Generation, die mit den Büchern von Heinrich Böll aufgewachsen ist. Woran denken Sie, wenn Sie an den Schriftsteller und Literatur-Nobelpreisträger Heinrich Böll denken, der heute vor 100 Jahren in Köln geboren wurde und 1985 auch dort starb?

Ich denke an einen Autoren, der Bücher, wie „Nicht nur zur Weihnachtszeit“ oder: „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ geschrieben hat. Er war ein Schriftsteller, dessen rheinisches Naturell und dessen politisches Engagement mir gut gefallen haben. Es war für unsere Generation ein innerer Vorbeimarsch, dass er sich zum Beispiel mit der Bild-Zeitung angelegt hat, die damals entsetzliche Dinge getan hat.

Warum tun sich heute so viele Schriftsteller, anders, als Heinrich Böll zu seiner Zeit, so schwer, sich auch gesellschaftspolitisch zu engagieren?

Die Welt ist heute unübersichtlicher, als zu Bölls Zeiten. Viele Schriftsteller tun sich schwer, sich festzulegen und eine klare Kante zu zeigen. Vielen geht es nur darum, ihre Bücher zu verkaufen und ihre Kultur zu machen. Böll wurde für sein politisches Engagement von der einen Hälfte der Gesellschaft geliebt und von der anderen gehasst. Heute besteht unsere Gesellschaft nicht mehr aus zwei Hälften, sondern nur noch aus Splittergruppen. Das macht politisches Engagement schwierig.

Warum sollte man auch heute noch Texte von Heinrich Böll lesen?

Viele Bücher Bölls entstanden aus einer Tagesaktualität, die jüngere Leser kaum noch nachvollziehen können. Aber seine Satire: „Nicht nur zur Weihnachtszeit“ kann und muss man auch heute lesen, weil er mit der Tante, die das ganze Jahr über Weihnachten feiern möchte, ein bürgerliches Weihnachts-Bimbamborium ad absurdum führt, dass wir auch heute noch kennen und das uns mit seiner Scheinheiligkeit immer noch nervt. 

Dieser Text erschien am 21. Dezember 2017 in der Neuen Ruhr Zeitung

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Am liebsten hört sie Radio: Margarete Sonnenschein feierte jetzt ihren 100. Geburtstag

"Wie alt bin ich jetzt? 100?!“ fragt Margarete Sonnenschein, während sie mit ihren Mitbewohnerinnen in der Villa Nestor bei Kaffee und Kuchen ihren dreistelligen Geburtstag feiert. 

Seit zehn Jahren lebt sie  in einer Wohngemeinschaft, die von den Pflegepartnern betreut wird. Weil sie aufgrund einer Makuladegeneration nicht mehr sehen kann, hört sie am liebsten Radio. Besonders bedauert sie es, dass ihr Lieblingsmoderator Jürgen Domian nicht mehr auf Sendung ist. Seine seelsorgerischen Gespräche mit Menschen in unterschiedlichsten und schwierigsten Lebenslagen hat die ehemalige Bibliothekarin und Buchhändlern immer besonders gerne gehört. Deshalb freut sich Sonnenschein darüber, dass ihr Pflegedienstleiterin Karin Eberlein und ihre Mitbewohnerinnen eine CD-Sammlung mit Domians besten Gesprächen geschenkt haben.

Schwere Zeiten kennt die Dame, die zweimal verheiratet war und vor 35 Jahren ihren einzigen Sohn begraben musste, nur zu gut.

Noch im Ersten Weltkrieg geboren, musste sie die…

Suchtfaktor Karneval

Sie ist die jüngste der 13 Mülheimer Karnevalsgesellschaften, die KG Aunes Ees. Zwölf Karnevalsfreunde aus der damals aufgelösten KG Düse formierten sich im Juli 2017 zur neuen KG Aunes Ees. „Aunes Ees ist mölmsch Platt und bedeutet anders als, weil wir anders sind als viele andere Karnevalsgesellschaften“, erklärt der Vorsitzende der neuen Gesellschaft Jörg Schwebig die Namenswahl.
Anders als die anderen mölmschen Gesellschaften, gibt es bei Aunes Ees neben einer Aktivengarde auch eine integrative Garde, in der Menschen mit und ohne Handicap ihren Spaß am Tanz gemeinsam auf die Bühne bringen. Dass es dazu kam, hat mit Schwebigs Bruder Frank und seiner Schwägerin Vivian zu tun, Sie sind Eltern einer behinderten Tochter, die in einer integrativen Tanzgarde einer Duisburger Gesellschaft aktiv war. Doch das Mädchen und seine Gardekolleginnen fühlten sich ihrer bisherigen Gesellschaft nicht mehr gut aufgehoben und wechselten deshalb 2017 geschlossen in die neue Mülheimer Karnevalsgesellsch…

Welche Chancen haben Förderschüler auf dem Arbeitsmarkt? Die gute Nachricht lautet: Zeugnisse und Noten sind eben nicht alles, wenn es um den Einstieg in den Beruf geht

„Alles wird gut.“ So steht es auf einer Holzskulptur, die der Geschäftsführer der Berufsbildungswerkstatt (BBWe), Thomas Aring, von Lehrgangsteilnehmern aus dem Berufsfeld Farbe und Raumgestaltung zum Geburtstag geschenkt bekommen hat. Gilt das auch für Förderschüler, wenn sie ihren geschützten Lernraum verlassen und auf dem Arbeitsmarkt einen Ausbildungsplatz suchen? Aring schätzt, dass aktuell rund 20 Prozent seiner insgesamt 500 Lehrgangsteilnehmer von der Förderschule kommen. Sie alle konnten nach der Schule keinen Ausbildungsplatz bekommen und trainieren jetzt im Rahmen eines Berufsvorbereitsungsjahres oder eines Werkstattjahres für den ersten Ausbildungsmarkt.


„Viele, die zu uns kommen, erleben im ersten halben Jahr einen richtigen Entwicklungsschub und sind dann auch besonders motiviert“, berichtet Aring. Wie es im optimalen Fall laufen kann, zeigen die 17-jährige Katharina Schaefer und der 19-jährige Patrick Hoppe. Beide haben eine Mülheimer Förderschule für Lernbehinderte bes…