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Es werden Posts vom August, 2014 angezeigt.

Gute Altenpflege braucht vor allem mehr Zeit und Zuwendung für den Menschen, damit Pflegende und Gepflegte nicht auf der Strecke bleiben und neuer Nachwuchs für den Beruf gewonnen werden soll

Droht der alternden Stadtgesellschaft ein Pflegenotstand, wie ihn die entsprechenden Prognosen der Krankenkasse IKK und der Bertelsmannstiftung vorhersehen. Martin Behmenburg, der in seinem ambulanten Pflegedienst sechs angehende Altenpfleger ausbildet und Saskia Kühle vom kommunalen Pflegemanagement des Sozialamtes sehen derzeit noch keine akuten Probleme bei der Stellenbesetzung in der Altenpflege . Doch sie räumen ein, dass es zunehmend schwieriger wird, qualifizierten Nachwuchs für einen schweren Beruf zu gewinnen."Altenpflege ist körperlich und seelisch belastend. Sie verlangt die Fähigkeit, mit Leid umgehen zu können und den Willen, Menschen zu helfen“, beschreibt Behmenburg die wichtigste Voraussetzung für einen erfolgreichen Einstieg in den Beruf der Altenpflege. Er gibt zu, dass die ambulanten Pflegedienste, die sich jetzt in ihrer Arbeitsgemeinschaft auf einheitliche Qualitätsstandards in der Ausbildung geeinigt haben, erst am Anfang einer massiven und systematischen Na…

Schubkraft für die Altenpflege: Wie kann man einen für unsere alternde Gesellschaft lebenswichtigen Beruf attraktiver machen?

Mülheim ist eine alte Stadt. Und sie wird älter. Schon heute ist jeder dritte Mülheimer über 60. Und die Statistiker der Stadt gehen davon aus, dass der Anteil der über-70-Jährigen bis 2025 um 5,2 Prozent ansteigen wird. Gleichzeitig hat die Krankenkasse IKK jetzt mitgeteilt, dass die Zahl der pflegebedürftigen Mülheimer bis 2030 um 25 Prozent zunehmen wird. Träfe diese Prognose, die auf Zahlen aus dem Pflegereport der Bertelsmannstiftung beruht, zu, hätten wir 2030 in Mülheim 6380 statt 5094 pflegebedürftige Mitbürger.

Deshalb warnt die IKK vor einem massiven Fachkräftemangel in der Altenpflege und prognostiziert eine Personallücke von über 40 Prozent.

„Wir werden nicht alle Pflegebedürftigen stationär oder ambulant pflegen können. Die Angehörigen werden noch mehr Pflegearbeit übernehmen müssen, als sie dies jetzt schon tun“, glaubt Martin Behmenburg vom ambulanten Pflegedienst Pflege Zuhause. Er weist darauf hin, dass schon heute ? aller ambulanten Altenpfleger über 45 sind. Laut IKK …

Mein Wert hängt nicht von dem ab, was ich leiste: Ein Portrait des Dümptener Diakons Reinhard Sprafke

Reinhard Sprafke ist ein bodenständiger Mann, einer der mit beiden Beinen im Leben steht. Er macht keine großen Worte. Er hört gerne zu und reagiert auf die Worte seines Gesprächspartners, reflektiert dessen Gedankengang mit seiner eigenen Lebenserfahrung. Das ist seine Stärke. Sprafke ist Seelsorger, einer der das Leben aus ganz unterschiedlichen Perspektiven kennt. Diese Bodenständigkeit erklärt sich ebenso, wie seine Berufung, die zu seinem Beruf wurde, aus seiner Biografie. Eigentlich wollte der Spross einer gut katholischen Familie schon als junger Mann Theologie studieren, nachdem er einen Jesuitenpater predigen gehört hatte. „Mich faszinierte damals, was er sagte und wie er es sagte“, erinnert sich Sprafke an sein jugendliches Erweckungserlebnis, das er heute aber nicht mehr näher beschreiben kann, obwohl es ihn damals prägte. „Du musst erst mal reifen. Dann kannst du immer noch Theologie studieren. Lern erst mal ein richtiges Handwerk“, riet ihm die Mutter. Und so ging er nach…

Jenseits des großen Hypes oder: Die Sonnen- und Schattenseiten des Profifußballs - Ein Gespräch mit dem ehemaligen Fußballprofi und heutigen Amateurfußballtrainer Hans Günter Bruns

Die Fußball-Weltmeisterschaft ist Vergngenheit. Seit dem 22. August rollt der Fußball wieder in der Bundesliga. Der richtige Zeitpunkt, um sich mit dem ehemaligen Bundesligafußballer und Nationalspieler Hans Günter Bruns, der 1954 in Mülheim geboren wurde und bis 1999 hier gelebt hat, über Licht und Schatten im Profifußball zu unterhalten.

Frage: Vorab! Welche Beziehung haben Sie zu Mülheim?

Antwort: Hier bin ich aufgewachsen und habe bei Rot Weiß Mülheim mit dem Fußballspielen angefangen. Hier war ich in den 80er und 90er Jahren Trainer beim VFB Speldorf und hier lebt bis heute mein Vater.

Frage: Warum begeistert die Fußball-Bundesliga so viele Menschen?

Antwort: Das hat nicht nur mit sportlicher Leistung zu tun, sondern vielmehr mit der Atmosphäre in den großen Bundesliga-Stadien. Fußball-Bundesliga, dass ist für viele Menschen heute Spaß und Party.

Frage: Erleben die Leute beim Fußball die Gemeinschaft und den Erfolg, den Sie im Alltag oft vermissen?

Antwort: Das ist ganz eindeutig so. …

Auf dem Boden der Tatsachen: 150 von 1000 Mülheimer Straße sind dringend reparaturbedürftig. Aner das Geld reicht jedes Jahr nur für etwa 20 Straßenreparaturen.

Der für den Straßenbau zuständige Abteilungsleiter im Tiefbauamt, Andreas Pape, hat in seinem Büro eine Karte des Straßennetzes hängen. Die Straßen, die in einem guten Zustand sind, hat er blau markiert. Straßen in einem befriedigenden Zustand sind grün gefärbt, Straßen, deren Zustand als ausreichend eingestuft werden, tragen die Farbe Gelb. Und rote Straßen sind in einem mangelhaften Zustand und deshalb akut reparaturbedürftig.

„Im Grunde laufen wir den kaputten Straßen immer hinter her“, räumt Pape ein. Würde man alle 150 Straßen, die von der Bauverwaltung die Note mangelhaft bekommen haben, auf einmal erneuern wollen, würde das nach Papes Schätzung rund 30 Millionen Euro kosten. Tatsächlich stehen den drei Stadtbezirken pro Jahr insgesamt rund drei Millionen Euro für Straßenbaumaßnahmen zur Verfügung. Hinzu kommt ein Investitionsprogramm Straßenbau für größere Straßenbauprojekte von überörtlicher Bedeutung, in das unter anderem Städtebaufördermittel des Landes und Bundes fließen. Je…

So gesehen: Die Mobilität bremst ihre Kinder

Wer durch Mülheim geht oder fährt, hat an machen Stellen das Gefühl auf einer Buckelpiste unterwegs zu sein. In unserer Gesellschaft, die sich gerne mobil nennt, möchte man ja gerne vorankommen.

Ironie der Geschichte. Man kommt auf so mancher maroden Straße aber gerade deshalb nicht voran oder sogar ins Stolpern, weil unsere Gesellschaft mit den Jahren so mobil geworden ist, dass es selbst unsere Straßen nicht mehr aushalten.

Gerade wenn man in der Innenstadt unterwegs ist, die in weiten Teilen als Fußgängerzone daher kommt, hat man als Fußgänger in der Fußgängerzone zeitweise das Gefühl, etwas falsch verstanden zu haben und deshalb am falschen Ort zu sein. Denn paradoxerweise scheint dort mit der Zahl der leerstehenden Ladenlokale der geschäftsmäßige Zulieferverkehr vom Lieferwagen, Lastkraftwagen und Taxis im gleichen Maße zugenommen zu haben, von den durch die Fußgängerzone rasenden Radlern ganz zu schweigen.

Offensichtlich gilt in unserer mobilen Gesellschaft: Wenn schon der Rubel ni…

Orden bauen Europa: Klosterfreunde und katholische Akademie begaben sich auf eine geistliche und kulturelle Spurensuche zu den Fundamenten unseres Kontinents

Mit einer Reise durch die Jahrhunderte feiern die Saarner Klosterfreunde in diesem Jahr den 800. Geburtstag ihres ehemaligen Zisterzienserinnenklosters Mariensaal, das seit fast 25 Jahren als Bürgerbegegnungsstätte eine neue Aufgabe gefunden hat. Unter dem Motto „Orden bauen Europa“ machten die Klosterfreunde jetzt mit einer Tagung in der katholischen Akademie Die Wolfsburg Station im Mittelalter. Als fachkundige Reiseführer beleuchteten die Kirchenhistoriker Gudrun Gleba von der Universität Osnabrück und Zisterzienserpater Bruno Norbert Hannöver von der Philosophisch-Theologischen Hochschule Münster die weltlichen und geistlichen Impulse, die von den Zisterziensern ausgingen. Im Mittelpunkt ihrer Betrachtungen standen die Heiligen Benedikt von Nurisa (gestorben 547) und Bernhard von Clairvaux (gestorben 1153).

Für Gleba ist „Bernhard der Benedikt des 12. Jahrhunderts.“ Dabei machte sie deutlich, dass Bernhard, der das militärische Vorgehen des Templerordens rechtfertigte und zum Kreuzz…

So gesehen: Der Innovationsfaktor Mensch

Die größte Innovation ist immer noch der Mensch, der seinen Mitmenschen hilft. Der Bericht über den Conciergeservice im SWB-Hochhaus am Hans-Böckler-Platz (siehe Text unten) zeigt es.

Man sieht: Es sind offensichtlich die kleinen Dinge, wie die helfende Hand, ein Lächeln oder ein aufmunterndes Wort im richtigen Augenblick, die das Leben schön und auch in einem unter Anonymitätsverdacht stehenden Hochhaus plötzlich ganz persönlich machen. Dass die Mieter als Menschen auf solch einen Service abfahren, zeigen die Vermietungszahlen der SWB. Viele Wohnungsgesellschaften haben in den letzten Jahren Hausmeister und Co. eingespart und dafür mit Vandalismus und Leerständen bezahlt. Auch in Bussen und Bahnen wurden Schaffner aus Kostengründen schon vor langer Zeit aufs Abstellgleis geschoben. Heute gehen eigens eingestellte Kontrolleure auf Schwarzfahrerjagd. Jede Rechnung ohne den Menschen erscheint am Ende doch als Milchmädchenrechnung, bei der alle draufzahlen.

Dieser Text erschien am 16. Augu…

Der Mensch macht den Unterschied: Wie es der SWB gelang unter anderem mit ihrem Conciergeservice Wohnungsleerstände in ihrem Hochhaus am Hans-Böckler-Platz drastisch zu reduzieren und warum Mieter ihren Concierge nicht mehr missen wollen

„Seid ihr verrückt. Das kann doch nicht euer Ernst sein.“ Solche und ähnliche Sätze hörten Ingrid Bliss (76) und Jutta Eichholz (67) öfter, als sie vor über einem Jahr Freunden und Verwandten ihre Entscheidung mitteilten, dass sie ihre Wonhnungen im grünen Saarn mit einer Hochhauswohnung am Forum eintauschen wollten, um nicht mehr für jeden Einkauf und für jeden Arztbesuch ins Auto steigen zu müssen.

„Hier ist alles ebenerdig und fußläufig erreichbar“, beschreibt Jutta Eichholz, die manch einem noch als langjährige NRZ-Chefsekretärin in bester Erinnerung ist, die grundsätzlichen Vorzüge ihrer neuen Wohnung am Hans-Böckler-Platz. Doch das, was ihre Besucher inzwischen fast neidisch macht, ist der Conciegerservice, den die SWB seinen Mietern im Hochaus am Hans-Böckler-Platz 9 anbietet.

Concierge. Dabei denkt man spontan an eine strenge Französin, die in ihrer Hausmeisterloge dafür sorgt, dass im Haus alles seine Ordnung hat. Im Eingangsbereich des SWB-Hochhauses sitzt aber keine strenge…

So gesehen: Der Regen kann draußen bleiben

Ich würde Ihnen ja gerne ein sonniges Wochenende wünschen. Aber dieser Wunsch wird wohl ein frommer bleiben, wenn man den Meteorologen glauben darf.

Da machen nicht nur Landwirte ein Gesicht, wie drei Tage Regenwetter. Regen, dass hatten wir in diesem Sommer doch schon oft genug. Da ist ein weiterer Starkregen doch wohl im wahrsten Sinne des Wortes überflüssig.

Also, ich werde ja den Verdacht nicht los, dass sich irgendjemand ganz furchtbar daneben benehmen muss, dass uns Petrus im schönsten Sommer so im Regen stehen lässt. Wenn man über die eigene Kirchturmspitze hinausschaut und die Nachrichtenlage betrachtet, kann sich dieser Gedanke wirklich aufdrängen und einem die Stimmung verhageln.

Da bleibt wohl nur eines. Bewahren wir uns selbst ein sonniges Gemüt, in dem wir unseren Nächsten und uns selbst etwas Gutes tun. Denn Sommer ist bekanntlich, was im Kopf passiert und man muss die Sonne selbst aufgehen lassen.

Dieser Text erschien am Samstag, 9. August 2014 in der Neuen Ruhr Zeitung

Das Wetter als Existenzfrage: Ein Gespräch mit dem Mülheimer Landwirt Karl Wilhelm Kamann

Wie wird das Wetter? Für den Landwirt Karl Wilhelm Kamann ist das keine Frage des Small Talks, sondern eine der beruflichen Existenz.

Morgens geht sein erster Blick gen Himmel und der zweite auf sein altes Barometer. Zeigt es Hochdruck an, kann sich Kamann auf einen sonnigen und trockenen Tag einstellen. Das ist genau das Wetter, das er im Moment gut gebrauchen kann, um vor allem Weizen, Stroh und später Heu zu ernten. Roggen und Gerste hat er bereits gedroschen und eingefahren. Die Maisernte muss erst Ende September eingebracht werden. Doch mit dem Weizen kommt er derzeit nicht weiter. Denn sein Barometer zeigte nach einer zwischenzeitlichen Hochdruckphase immer wieder Tiefdruck an. „Wir hatten in den letzten Tagen und leider auch im gesamten Jahr zu viel Starkregen und zu wenige Trockenphasen. Weizen und Heu sind noch zu feucht, um sie zu dreschen und einzufahren“, bedauert Kamann.

Als der Westdeutsche Wetterdienst gestern erneut unwetterartigen Starkregen mit Niederschlag von 20 bis …

Das Popcornorchester: Ein Ensemble, das alle Handicaps locker überspielt: Ein Probenbesuch in der Musikschule

Das Grau ist tonangebend auf den hohen und langen Fluren der alten Augenklinik an der Von-Graefe-Straße, in der jetzt die Musikschule und das Stadtarchiv zu Hause sind. Erst als sich die Tür des Raumes D4 öffnet, wird es bunter und fröhlicher. Es probt das integrative Popcornorchester. Der Name ist Programm. Pop- und Film-Songs, wie „Mad World“, der Abba-Klassiker „Money, Money, Money“, „Lambada“, „Moon River“ aus Frühstück bei Tiffany, Henry Mancinis „Baby Elefant Walk“ und „Pink Panther“ klingen flott, schmeicheln dem Ohr und machen spontan gute Laune.

Das färbt auch auf die Musiker ab. „Gib alles. Bring die Mädels mal groß raus“, feuert Bass-Gitarrist Kalle Schauenburg seinen Vordermann am Keyboard, David Schünke, an, während sich die Akkordeonistin Lucienne Hougardy und die Cellistin Sonja Oberdörster bei „Mad World“ als Sängerinnen probieren. „Vielleicht zieht ihr den Refrain noch mal etwas in die Länge“, schlägt E-Gittarist und Band-Gründer Bernhard Fuchs vor. Und beim zweiten V…

Dem eigenen Gewissen gefolgt: Drei Lebensbeispiele aus dem christlichen Widerstand gegen Hitler, die uns auch heute noch viel zu sagen haben

Vor der Barbarakirche im Mülheimer Stadtteil Dümpten steht ein Stahlkreuz, das die Portraits von Otto Müller, Nikolaus Groß und Bernhard Letterhaus trägt. Das Kreuz wurde dort 2001, im Jahr der Seligsprechung von Nikolaus Groß aufgestellt. In der Mülheimer Gemeinde, die seit 1998 in regelmäßigen Abständen ein Nikolaus-Groß-Muscial auf die Bühne bringt, hat man ein besonders enges Verhältnis zu den drei Männern, die während der NS-Zeit an der Spitze der Katholischen Arbeiterbewegung Westdeutschlands standen und aus ihrem christlichen Glauben heraus gegen die Hitler-Diktatur kämpften. Diesen Kampf mussten sie mit dem Leben bezahlen, weil sie als führende Mitglieder des Kölner Kreises mit anderen Kreisen des Widerstandes in Verbindung standen und um den Versuch wussten, Hitler am 20. Juli 1944 zu beseitigen, um ein neues Deutschland aufzubauen. Das neue Deutschland, das dem Kölner Kreis um den aufgewachsenen KAB-Verbandspräses Otto Müller vorschwebte, war ein Deutschland, das christlich,…