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Es werden Posts vom Oktober, 2017 angezeigt.

Luther und den Heiligen sei Dank

Das ist ja ein Gefühl. wie Weihnachten. Und das auf der Schwelle vom Oktober zum November. Nicht nur in den Supermärkten machte sich gestern Hektik breit. Da wurde eingekauft, als gäbe es kein morgen mehr.

Wie gesagt: Ein Gefühl, wie Weihnachten, weil wir zwei Feiertag überleben müssen, ohne einzukaufen und von einem geschäftigen Termin zur nächsten Erledigung zu eilen. Mein Gott, wie sollen wir das überleben? „Nur keine unchristliche Hast“, pflegte meine Großmutter in solchen Momenten zu sagen. Und tatsächlich haben die beiden Feiertage, die uns besinnungslosen und konsum-gestressten Workaholics geschenkt worden sind, man glaubt es kaum, etwas mit dem Christentum zu tun. Nicht um Weihnachten und Ostern geht es da. Gab es denn noch was anderes? Pfingsten ist doch auch schon vorbei. Ach, ja: Der 500. Reformationstag und Allerheiligen stehen auf dem Kalender. 

Ökumenischer geht es nicht. Luther und den katholischen Heiligen sei Dank. Und nun stehen wir hier, wie einst Luther in Worms und …

Ausgeschlafen!?

In der Nacht vom Samstag auf Sonntag konnten wir unsere Uhr um eine Stunde zurückdrehen und so eine Stunde zurückgewinnen, die uns bei der Sommerzeit-Umstellung im März weg genommen wurde. Und was haben wir mit dieser Stunde gemacht. Wahrscheinlich haben wir sie verschlafen. Dabei müssten wir es doch besser wissen, seit uns Theo Mackeben 1938 in unser Liederbuch hineindichtete: „Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da. Die Nacht ist da, dass was geschieht!“

Dabei kann man nicht sagen, dass nichts in der Nacht geschähe, wenn man sie alleine oder zuzweit verschläft. Nicht umsonst verschlafen wir,  statistisch betrachtet ein Drittel unseres Lebens. Täten wir es nicht, hätten wir auch an den restlichen zwei Dritteln unseres Lebens nicht mehr viel Freude. Mangels Schlaf gingen wir als seelisches und körperliches Wrack zu grunde.

Und wenn man von Politikern und Managern hört, die sich rühmen, sie könnten ganze Nächte durch verhandeln und mit vier Stunden Nachtschlaf auskommen, wundert eine…

Eine ganz besondere Währung

Mir steckt ein evangelischer Pfarrer einen Geldschein zu. Das überraschte mich. Normalerweise wollen Pfarrer und ihre Helfer Geld bekommen. Der Klingelbeutel und die Kirchensteuer lassen grüßen. Aber wenn es einem guten Zweck und dem Seelenheil dienst. Doch halt. War da nicht vor 500 Jahren ein Mönch namens Martin Luther, der dem römischen Dombaumeister , Papst Julius II. klarzumachen versuchte, dass das Seelenheil  nicht käuflich sei.

Und während der Katholik noch darüber nachdenkt, wofür er den unerwarteten evangelischen Geldsegen verwenden könnte, sieht er auf der unerwarteten Banknote die rote Silhouette des Reformators und daneben eine dicke Null. Luther, eine Null? Und diese Botschaft aus der Hand eines evangelischen Pfarrer. Gott steh uns bei. Doch gleich über der roten Null stand der erhellende und erlösende Satz: „Gottes Gnade gibt es umsonst!“ Ob ich mit dieser Währung auch meinen Einzelhändler und meinen Vermieter erweichen kann? Doch während ich an der Kasse so vor mich hin…

Integrationsrat zeichnet den Verein für Bewegungsförderung und Gesundheitssport aus

Alfred Beyer und sein Verein für Bewegungsförderung und Gesundheitssport (VBGS) werden in diesem Jahr mit dem Preis des Integrationsrates ausgezeichnet, Der Preis ist mit 400 Euro dotiert. »Das Geld können wir gut für Spiel und Sportgeräte gebrauchen«, freut sich Beyer. Die Auszeichnung wird am 7. November im Haus der Stadtgeschichte vorgenommen. »Mit diesem Preis ehren wir besondere Verdienste für ein gedeihliches Miteinander und gegenseitige Integration«, betont die Vorsitzende des 24-köpfigen Integrationsrates, Emine Arslan. Diese Verdienste sieht sie auf Seiten des 1989 gegründeten VBGS und seines rührigen Vorsitzenden Alfred Beyer. Dort können viele Kinder aus Zuwandererfamilien und Familien der deutschen Ursprungsgellschaft gemeinsam Sport betreiben und sich so gegenseitig kennen- und schätzen lernen.

Anfängliche Berührungsängste überwunden»Bei den Elternhäusern gab es anfangs Berührungsängste. Doch bei den Kindern spielen Handicap oder Herkunft keine Rolle«, berichtet Beyer aus…

Neues Hildegardishaus entsteht: Die Contilia setzt aus finanziellen und technischen Gründen auf einen Neubau statt auf einen Umbau

Broich An der Kirchstraße haben die Bauarbeiten für das neue Hildegardishaus begonnen. Bauherr, Betreiber und Investor ist die Pflege- und Betreuungs GmbH der Contilia Gruppe. Ihr Geschäftsführer Thomas Behler geht davon aus, dass die Bauarbeiten im vierten Quartal 2018 abgeschlossen werden können.

Auf vier barrierefreien Etagen entstehen vier Wohngruppen mit 56 Einzelzimmern. Das Investitionsvolumen beziffert Behler mit sechs Millionen Euro. „Ein Neubau kommt uns am Ende nicht teurer und erleichtert eine moderne und barrierefreie Gestaltung des Hauses“, begründet der Geschäftsführer die Entscheidung gegen den ursprünglich geplanten Umbau des alten Hildegardishauses. So wird der Haupteingang des neuen Hildegardishauses an der Kirchstraße über eine Rampe ebenerdig erreichbar sein. Vor dem Haupteingang des alten Hildegardishauses musste man drei Stufen überwinden.

Thomas Behler schätzt, dass 60 Mitarbeiter im neuen Hildegardishaus tätig sein werden.

Im abgerissenen Hildegardishaus der kath…

Das neue Prinzenpaar steht fest: Jürgen Wisniewski und Janine Müller aus der Karnevalsgesellschaft Blau Weiß trainieren schon für ihre Proklamation am 11.11. in der Stadthalle

Noch sehen Janine Müller und Jürgen Wisniewski aus, wie du und ich. Doch das ändert sich am 11.11. Denn dann schwingen sie als Stadtprinzessin und Stadtprinz das närrische Zepter.
Mit ihren Paginnen  Jennifer Kolkmann und Karina Pütz wollen sie unter dem Sessionsmotto: „Rund um die (R)uhr regiert die mölmsche Freude nur.“ für gute Laune sorgen.

Das Tollitätenteam der Session 17/18 kommt aus der KG Blau Beweiß. Jürgen Wisznewski und Janine Müller kennen sich seit vielen Jahren als Mitglieder des legendären Kostüm-Tisches 8. An diesem Tisch sitzt bei jeder Prunksitzung der KG-Blau Weiß im Altenhof ein im Mannschaftslook verkleideter Freundeskreis, zu dem auch ihr Hofmarschall Ulrich Pütz, SPD-Landtagsabgeordnete Hannelore Kraft und der Präsident der Roten Funken, Heino Passmann, gehören. Am letzten Karnevalssamstag sorgten sie dort als Schlumpf-Familie für Spaß an der Freude.

„Wir sind gesellige Menschen und feiern gerne“, sagen Wisznewski und Müller über sich selbst.

Zusammen mit ihren Hof…

Vor und hinter den Kulissen

Gehören Sie auch zu den Menschen, die ihren Lebensunterhalt im Schweiße des eigenen Angesichtes und unter Verdrehung ihrer grauen Zellen verdienen.

Ich glaube, wir haben einen Fehler gemacht. Wir hätten bei Zeiten zum Film oder in die Werbung gehen sollen. Dort sind die Menschen immer gut gelaunt und lassen sich auch von so profanen Dingen, wie    Arbeit nicht von den schönen Dingen des Lebens abhalten.  Sie fahren mit ihrem neuen Auto über leere Straßen. Sie schlemmen, naschen und trinken, ohne dass sich ihr Vorzeige-Körper dadurch verformen würde. Sie genießen das süße Leben, bestens gekleidet und immer makellos frisiert an den schönsten Orten der Welt. Und auch ihre Familienangehörigen strahlen um die Wette und sind immer gut drauf.


Und wir? Wir ärgern uns in den Niederungen des Alltagslebens über seine menschlichen und materiellen Widrigkeiten. Und dabei sehen wir oft ganz schön alt aus und gucken dumm aus der alles andere als porentief reinen Wäsche. Was haben wir falsch gemacht? N…

Von den Ostruhranlagen zum Ruhrquartier: Ein Zeitsprung

Wo heute mit Blick auf die Ruhr im neuen Ruhrquartier gegessen, getrunken, gewohnt und gearbeitet wird, flanierten die alten Mülheimer um 1916 durch die  Ostruhranlagen, die 2008 den Baggern und Neubauten an der neuen Ruhrpromenade weichen mussten. Eine historische Postkarte aus dem Stadtarchiv gibt den Blick auf damals gerade erst fertig gestellte Rathaus frei.
Zu Kaisers Zeiten grüßten in den Ostruhranlagen noch Kaiser Wilhelm I., Reichskanzler Otto von Bismarck und Königin Luise von einer Büste sie Spaziergänger.

Dass man ab 1879 auf die Idee kam, an der Ruhr parkähnliche Grünanlagen zu schaffen, haben wir der Weitsicht des damaligen Bürgermeisters Karl von Bock- und Pollach zu verdanken, der eben diese Idee mit dem von ihm angeführten Verschönerungsverein durchsetzte.

Das ausgerechnet dort, wo bis in die 1870er Jahre hinein Kohlenschiffe entladen wurden, Grünanlagen entstanden, war ein Zeichen  des Strukturwandels. Denn mit dem Aufstieg der Eisenbahn in den 1860er Jahren begann der N…

Erinnerung an Heinz Oskar Vetter: Der Deutsche Gewerkschaftsbund und die Hans-Böckler-Stiftung ehrten den ehemaligen DGB-Bundesvorsitzenden und Europaabgeordneten mit einer Veranstaltung in der Stadthalle

Am Samstag wäre der langjährige DGB-Chef und Europaabgeordnete Heinz-Oskar Vetter 100 Jahr alt geworden. Mit einer Gedenkveranstaltung in der Stadthalle machten der Deutsche Gewerkschaftsbund und seine Hans-Böckler-Stiftung (HBS) deutlich, dass das Erbe des 1990 in seiner Wahl-Heimat Mülheim gestorbenen Gewerkschafters und Europapolitikers auch heute inspirierend und wegweisend wirken kann.

Michael Guggemos, Sprecher der HBS-Geschäftsführung erinnerte daran, dass es der DGB-Chef Heinz Oskar Vetter, war, der ins seiner Amtszeit (1969 bis 1982) die Gründung der Hans-Böckler-Stiftung durchsetzte, um die Gewerkschaftsarbeit vor allem im Bereich der betrieblichen Mitbestimmung wissenschaftlich zu begleiten und Begabte mit Stipendien zu fördern.
„Vetter war davon überzeugt und arbeitete dafür, dass Unternehmen nicht nur der Gewinnmaximierung dienen, sondern auch einen gesellschaftlichen Zweck erfüllen, in dem sie einen Beitrag zur einer guten und gerechten Gesellschaft leisten müssen“, sagte …

Ein Mann für jede Tonart: Otto Spindler ist Musiker mit Leib und Seele, ob als Jazztrompeter auf der Club-Bühne, im Tanzlokal oder als Wachtmeister mit Pickelhabe an der Drehorgel

Zweimal im Monat, meistens montags und mittwochs steht Otto Spindler mit seiner Drehorgel auf der Schloßstraße oder am Kurt-Schumacher-Platz.

„Ich habe mich für diese Tage entschieden, weil ich dann den Markthändlern nicht in die Quere komme“, erzählt der 79-Jährige. Mit seiner Drehorgel und seiner Trompete tourt er regelmäßig durch die Städte an Rhein und Ruhr, um seine Rente aufzubessern. „Bräuchte ich das Geld nicht, würde ich trotzdem hier stehen und spielen. Denn ich bin Musiker und das macht mir hier einfach Freude“, sagt Spindler.

Wenn der Reisende in Sachen Musik mit seiner in Dinkelsbühl gebauten 26-Pfeifen-Drehorgel oder an seiner Trompete los legt, kommt nicht nur bei ihm Freude auf. Menschen aller Generationen bleiben stehen und lassen einen Euro oder 50 Cent in die kleine Schale fallen, die Spindler neben  einem Plüschaffen auf seiner Drehorgel stehen hat.
Ein kleines Mädchen lässt er bei „Alle Vögel sind schon da!“ einige Takte mitkurbeln. 300 Lieder hat Spindler im  Repert…

Das Cafe Ziegler: Ein Jugendzentrum in der Schule

Cafe Ziegler. Das hört sich nach einer Mensa an. Doch die hat das Karl-Ziegler-Gymnasium bereits. Immerhin ist die nach dem Mülheimer Chemie-Nobelpreisträger des Jahres 1963 benannte Schule seit acht Jahren Ganztagsschule und arbeitet in diesem Bereich mit der Caritas zusammen. Doch jetzt gibt es gleich neben der Mensa an der Schulstraße das Cafe Ziegler. Die von der Sozialpädagogin Lisa Gliem und ihrem Kollegen Thorsten Lersch betreute Einrichtung will im Rahmen der Schule jetzt auch offene Kinder- und Jugendarbeit leisten. „Das bedeutet mehr Arbeit, die wir aber gerne leisten, um unsere Schule zu einem Lern- und Lebensort zu machen“, sind sich Schulleiter Martin Teuber und Ganztagskoordinator Jens Schuhknecht einig.

Eine Befragung der Schüler hat bereits erste Projekte im Cafe Ziegler entstehen lassen: Da wird Theater gespielt, getanzt, Ausflüge geplant, gebastelt oder gemeinsam gespielt und gekickert. Das Cafe Ziegler wird montags bis freitags (ab 11.30 Uhr für alle Karl-Ziegler-Schü…

Kuschelkurs im Vorbeigehen

Eine elegante Dame geht mit ihrem kleinen Hund über die  Schloßstraße. Sie lässt das Wollkneul auf vier Beinen an der langen Leine laufen. Ihr Liebling nutzt die Gunst der Stunde und zieht sein Frauchen in die Richtung eines Mannes mit Bierflasche und Sportkappe, Typ Schwiegermutter-Schreck. Frauchen zieht die Leine an. Doch es ist schon zu spät. Ihr Liebling hat das Ziel seiner Begierde erreicht und lässt sich von dem Mann mit der Bierflasche kraulen, was das Zeug hält. Der Zweibeiner, der schon bessere Tage gesehen hat und der Vierbeiner, der sich einfach pudelwohl fühlt, haben sichtlich Freude an den Streicheleinheiten im Vorbeigehen.
Nur das Frauchen schaut noch etwas skeptisch, ob des plötzlichen Schmusekurses ihres Pfiffis.

Erst nachdem dieser sein Kuschelquantum intus hat, verabschiedet er sich von seiner Zufallsbekanntschaft und Frauchen kann weiter gehen. Eigentlich ist es doch hundsgemein, dass wir Zweibeiner uns von der langen Leine unserer Vorurteile immer wieder vom Wesentl…

Erich Kästner hatte wohl doch recht

Wo bleibt das Positive? Das fragte sich schon Erich   Kästner und antwortete mit der Gegenfrage: „Weiß der Teufel, wo das bleibt?“ Warum so negativ? Es  ist alles eine Frage der Perspektive. Ich hätte es als schlechte Nachricht lesen können, dass die Abfallgebühren leicht steigen. Aber ich kann mich auch darüber freuen, dass die Abfallgebühren nur leicht und nicht massiv ansteigen. Und wenn sich jetzt auch noch die FDP mit ihrer Forderung durchsetzen sollte, den Solidaritätszuschlag Ost auf den Müllhaufen der Geschichte zu werfen, kommt am Ende durch die Verrechnung mit der so erzielten Steuerentlastung vielleicht sogar noch eine schwarze Null heraus.

Aber ich befürchte, dass meine Nachbarn, die trotz mehrfacher Aufklärungsversuche, mit der Mülltrennung und Müllvermeidung auf Kriegsfuß stehen, in diesem Punkt nicht solidarisch genug sein werden, damit die Querfinanzierung Abfallgebühren statt Solidaritätszuschlag am Ende aufgehen wird. Weil dem Kämmerer bei seiner Haushaltsplanung das …

Die Heinrich-Thöne-Volkshochschule an der Bergstraße: Ein Zeitsprung

Die Volkshochschule an der Bergstraße steht nicht zum ersten Mal im Mittelpunkt politischer Kontroversen, seit sie aus brandschutztechnischen Gründen geschlossen ist.
Das historische Bild zeigt sie im September 1979. Damals lag ihre Eröffnung am 24. August 1979 gerade mal einen Monat zurück. Schon damals war ihr Bau und seine Kosten von 14,5 Millionen Mark (das wären heute etwa 7,25 Millionen Euro) ebenso umstritten, wie sein Name.

Die SPD hatte mit ihrer damaligen absoluten Mehrheit den Bau der VHS und ihre Benennung nach dem langjährigen sozialdemokratischen Oberbürgermeister Heinrich-Thöne gegen den Widerstand von CDU und FDP durchgesetzt.

Die VHS bestand 1979 genau 60 Jahre. Ihre Kurse fanden bis dahin in Schulräumen und dann auch im restaurierten Schloss Broich statt. Mit ihrer modernen, terrassenförmigen Architektur war die neue Volkshochschule, die damals von Norbert Greger geleitet wurde, ein Kontrapunkt zum alten Schloss Broich, dessen Ursprung bis ins 9. Jahrhundert zurückreich…

Der Handfeste: Markthändler Martin Henninghaus (36) ist ein hart arbeitender Familienmensch, der seinen Arbeitsplatz in der Innenstadt aber trotz mancher Zumutungen auch künftig auf keinen Fall missen möchte.

Für Martin Henninghaus beginnt der Tag früh. Um 3.30 Uhr klingelt der Wecker. Und dann muss es auch schon schnell gehen. Sein erstes Frühstück besteht aus einem Glas Milch und einem Plätzchen. „Mein zweites Frühstück, Brötchen mit Aufschnitt, nehme ich schon an unserem Stand ein“, berichtet der 36-jährige Familienvater und Markthändler. Bevor er zusammen mit Mutter Maria, Vater Theo und Verkäuferin Marlies seinen Obst- und Gemüsestand um 6 Uhr vor dem Medienhaus am Synagogenplatz aufbauen kann, muss er mit seinem 7,5-Tonner erst mal zum Großmarkt und anschließend zu einigen Landwirten aus der Region.

„Vor sechs Jahren haben wir den eigenen Anbau aufgegeben und unsere Felder verpachtet, weil sich das in unserer Größenordnung und zusammen mit unserem Marktstand nicht mehr gerechnet hat“, erzählt Henninghaus.

Schon mit 14 hat er zusammen mit seinem Bruder Theo den Eltern auf dem Markt geholfen. Damals schlug Familie Henninghaus ihren Stand noch auf  dem Rathausmarkt auf.
Drastischer Wandel„…

Die lange Leidensgeschichte der Homosexuellen 123 Jahre war Homosexualität strafbar: Jürgen Müller beleuchtete jetzt die Verfolgung während der NS-Zeit

Seit dem 1. Oktober können homosexuelle Paare auch Ehepaare werden. Kaum zu glauben, dass Homosexualität 123 Jahre lang (bis 1994) unter dem „Unzuchts“-Paragfen 175 im Strafgesetzbuch kriminalisiert wurde. Im Haus der Stadtgeschichte beleuchtete Jürgen Müller von der NS-Dokumentationsstelle in Köln jetzt die Verfolgung, die schwule Männer auch in Mülheim während des Dritten Reiches erlitten.

Die Nazis verschärften den Paragrafen 175 im Jahr 1935 dahingehend, dass nicht nur „beischlafähnliche“ Homosexualität“, sondern auch schon „ein wollüstiger Kuß zwischen Männern“ mit mehrmonatigen Gefängnisstrafen geahndet wurde. Viele Männer verloren ihre Existenz, wie etwa Müllers Beispiel eines Juristen zeigte, dem seine Antwaltszulassung entzogen wurde und der aus der Not heraus fortan als Portier arbeiten musste. Die von Müller recherchierte Aktenlage des in Düsseldorf ansässigen Homosexuellen-Referates der Geheimen Staatspolizei, zeigt, dass sich viele homosexuelle Männer in den großen Nachbar…

75 Jahre nach ihrem Abitur erinnern sich Raymund Krause (93) und sein Schulfreund Willi Beißel (94) erinnern sich an ihre Kindheit und Jugend unter dem Hakenkreuz

Auch 75 Jahre nach ihrem Abitur treffen sich die Schulfreunde Raymund Krause und Willi Beißel regelmäßig im Stadtcafé Sander. „Es ist eine andere Stadt“, sagen sie über das Mülheim ihrer frühen und ihrer späten Tage.

Beide sind Lehrersöhne. Raymunds Vater unterrichtete an den Volksschulen an der Eduard- und an der Mellinghofer Straße. „Ich habe als Junge an der Mellinghofer Straße Fußball gespielt. Autos kamen nur selten vorbei“, erinnert sich der pensionierte Richter Raymund Krause. Heute sind alle seine ehemaligen Spielplätze bebaut. In ihrer Freizeit nahmen Willi und Raymund wie selbstverständlich an den Geländespielen, an den Ausflügen und an den Heimabenden des Jungvolks und der Hitler-Jugend teil. Politik war für sie kein Thema. Jungen und Mädchen wurden getrennt unterrichtet und konnten sich so nur auf ihrem gemeinsamen Schulweg näher kommen.

„Mein Vater war Rektor an der Saarner Klostermarktschule, ehe er nach Selbeck strafversetzt wurde. Denn er wollte nicht in die NSDAP eintre…

Ein Lichtstrahl im Herbst-Grau

Eine Mutter hat ihren kleinen  Sohn auf dem Schoß und fährt mit ihm in ihrem Elektrorollstuhl über die holprige Leineweberstraße.

Kein Problem für den E-Rolli, der einen starken Motor und gut profilierte Räder hat. Die Mutter gibt Gas und beide haben sichtlich Spaß daran, flott voranzukommen und die notgedrungen sich langsam fortbewegenden Fußgänger hinter sich zu lassen.
Die Anblick wirkt auf den beiläufigen Betrachter im allgemeinen Herbst-Grau, wie ein warmer und die Seele streichelnder Sonnenstrahl.

Das macht Mut für den eigenen Lebensweg und seine Stolpersteine, Menschen zu sehen, die dem Leben ins Gesicht lachen, weil sie sich nicht davon aufhalten lassen, über das zu grübeln, was sie nicht haben, sondern sich über das freuen, was sie aneinander haben.

Gut, wenn man weiß, dass man im Leben immer nur so schnell voran uns an sein Ziel kommt, wie der Mensch, der an uns glaubt und uns Schubkraft gibt und wenn wir es am Ende selbst sein müssen.

Dieser Text erschien am 12. Oktober 2017 in …

Das Haus Engelbert: Ein geschützter Wohnraum für Generationen: Ein Zeitsprung an der Kölner Straße

Wo wir heute an der Kölner Straße das Haus Engelbert sehen, stand von 1772 bis 1911 ein Gasthaus. Damals trug die Kölner Straße (noch bis zu ihrem Ausbau im Jahre 1938) den Namen Düsseldorfer Chaussee.

Nachdem das Gasthaus 1911 abgebrannt war, verkauften seine Eigentümer das Grundstück an die 1844 von Theodor Fliedner gegründete Duisburger Diakonenanstalt, die wir heute als Theodor-Fliedner-Stiftung kennen. Heute finden im Haus Engelbert suchtkranke Menschen ein geschützten Wohnraum.

Das historische Foto aus dem Stadtarchiv zeigt das Haus Engelbert im Zeitraum zwischen 1911 und 1959. Damals diente das Haus an der Kölner Straße als Kinder- und Jugendwohnheim, ehe es 1959 in ein Altenwohnheim umgewandelt und 1999 seiner heutigen Bestimmung zugeführt wurde.

Heute markiert das Haus Engelbert an der stark befahrenen Kölner Straße den Eingang zum 1987 errichteten Fliednerdorf. Dort leben 600 Menschen mit und ohne Behinderung.

Nur wenige Schritte vom Haus Engelbert entfernt, hat die Theodor-Flie…

Ein schöner Tag: Den bescherte der Frauenchor Oemberg seinen Zuhörern mit seinem Jubiläumskonzert in der Elisabethkirche

Der Frauenchor Oemberg feierte am Samstag mit einem abwechslungsreichen und kurzweiligen Konzert in der Elisabeth-Kirche am Nachbarsweg seinen 50. Geburtstag.
Die Chorschwestern, einige sind bereits seit 1967 dabei, boten ihrem Pubilkum in der vollbesetzten Kirche ein abwechslungsreiches Programm mit weltlichen und geistlichen Klassikern.

Das musikalische Spektrum reichte von „Ich hätt’ getanzt heut nacht“ über „O, happy day“ bis hin zu Dietrich Bonhoefers vertontem Gedicht: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag.“

Ein echter Gewinn für das gut zweistündige Konzert in einer leider viel zu kalten Kirche war die musikalische Unterstützung, die die Jubilarinnen durch die Sängerfreunde Oemberg und durch das Neue Essener Quintett in Brass erfuhren. Das kleine, aber klangstarke Blasorchester bereicherte das Programm unter anderem mit Elton Johns „Can you feel the love tonight“ und Kenneth Alfords „Colonel Bogey“. Und last, but not least besangen die Sängefr…

Der kluge Mann baut vor

Den Oktober habe ich immer mit dem Erntedankfest in Verbindung gebracht. Doch seit ich die ersten Spekulatius aus dem Supermarkt meines Vertrauens gekostet habe, ist mir schon fast vorweihnachtlich zu Mute.

Auch das Dekorationsgeschäft gleich bei mir ums Eck stimmt mich schon mit unechten Tannenzweigen, kleinen Christbäumen oder goldenen und silbernen Kugeln aufs Frohe Fest ein.
Da wundert es mich gar nicht mehr, dass mir jetzt einen Werbeprospekt in den Briefkasten flatterte, der mich zu einem „Weihnachtsmarkt“ im Oktober einlädt. 

Als ich jetzt meiner Schwester von meinen vorweihnachtlichen Erscheinungen im Oktober berichtete, fragte sie mich doch glatt: „Habe ich dir eigentlich schon gesagt, was ich mir zu Weihnachten wünsche?“ Hatte sie nicht und ich notierte brav.

Nur kein Ärger mit den Frauen, vor allem wenn es sich um die engsten weiblichen Verwandten handelt. Wie stünde ich dann da? Wie sähe das denn aus, wenn ich im Eifer des Gefechts zwar Spekulatius, Spritzgebäck, Dominosteine …

Die Optimistin: City-Managerin Gesa Delija

Gesa Delija  hat ihren Arbeitsplatz in einem ehemaligen Ladenlokal zwischen Kohlenkamp und Löhberg. Das passt. Denn die 46-jährige Diplom-Geografin, die früher unter anderem als PR-Referentin gearbeitet hat, kümmert sich als Citymanagerin um die Geschäfts-Geografie der Innenstadt und macht damit auch PR für die City.

„Die Innenstadt hat ein gutes Fundament und deshalb auch eine gute Zukunft“, glaubt die Mutter einer 16-jährigen Tochter. Ihr Tag beginnt mit der Planung des Innenstadtforums, bei dem sie sich mit Einzelhändlern und Hauseigentümern über den aktuellen Stand und die Perspektiven der Innenstadt austauscht. Bei einem Restaurant in der Innenstadt ordert sie das Catering. Mit einem Mitarbeiter des städtischen Medienzentrums bespricht sie die Präsentationstechnik für ihren Vortrag im Medienhaus.
Wenn man Delija an ihrem Notebook sieht, in das sie eine Zahl nach der nächsten eingibt, könnte man glauben, sie sei Statistikerin. Tatsächlich hat sie seit ihrem Amtsantritt im März bei i…

Mara Wetzel wünscht sich mehr Dynamik für das Speldorfer Netzwerk der Generationen

„Gerade viele ältere Menschen leben sehr isoliert. Aber es ist schwierig, sie zu motivieren etwas Neues aufzubauen“, sagt Marlies Wetzel. Bis zur Pensionierung arbeitete die 66-jährige Speldorferin als Sozialarbeiterin. Sie betreute Menschen, die sich selbst nicht helfen können. Als allein-stehend lebende Frau weiß Wetzel, wie wichtig es ist, aktiv auf andere Menschen zu-zugehen, um sich soziale Kontakte zu schaffen, um nicht zu vereinsamen. Deshalb engagiert sie sich seit 2013 im Speldorfer Netzwerk der Generationen. „Solche Netzwerke sind wichtig. Leider wird ihre Bedeutung oft nicht gesehen“, schildert sie den Ist-Zustand in ihrem Stadtteil. In Styrum, Eppinghofen, Saarn und Dümpten sieht sie „starke gewachsene Strukturen, die dazu führen, dass das Netzwerk viel aktiver genutzt wird.“
Sie selbst hat, mit ihren Netzwerk-Kollegen Inge Kipper und Werner Schröder einen ersten Schritt unternommen und mit Unterstützung der Stadt und des CBEs einen Wegweiser für Speldorfer geschrieben. „Ma…

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen: Kirche wirbt für Ausbildung

Der für Mülheim und Oberhausen zuständige Agentur-Chef Jürgen Koch sieht die Entwicklung auf dem örtlichen Arbeitsmarkt mit Sorge. „Während wir 193 mehr Bewerber als im Vorjahr haben, ist die Zahl der gemeldeten Lehrstellen um 56 zurückgegangen“, schildert er die Entwicklung. Ende August waren noch 200 Ausbildungssuchende ohne Ausbildungsplatz. Gleichzeitig waren noch 200 Ausbildungsplätze unbesetzt. Laut Koch werden vor allem Auszubildende gesucht, die Verkäufer, Bäcker, Industriemechaniker oder Zerspanungsmechaniker werden wollen. Vor diesem Hintergrund nutzten Koch, der emeritierte Weihbischof Franz Grave, Stadtdechant Michael Janßen und Hermann-Josef Schepers von der Katholischen Arbeitnehmerbewegung KAB einen Besuch bei der Möbel-Spedition Westhoff, um an Arbeitgeber und Ausbildungsplatzsuchende zu appellieren, „in ihren Bemühungen noch eine Schippe draufzulegen.“ Für den seit Jahrzehnten sozialpolitisch engagierten Grave steht fest: „Beim Thema Ausbildung geht es nicht nur ums…

Wie ein junger Ukrainer die Deutsche Einheit sieht: Eindrücke von den Herbstgesprächen der CDU

Am Tag der Deutschen Einheit hat die CDU-Kreisvorsitzende Astrid Timmermann-Fechter ihre Landsleute dazu aufgerufen, sich die Freude über die unverhoffte Wiedervereinigung des Jahres 1990 zu bewahren. „Trotz aller Schwierigkeiten gibt es unbestreitbare wirtschaftliche Fortschritte in West- und Ostdeutschland. Und mit diesem Argument müssen wir allen Tendenzen zur Ent-Wiedervereinigung entgegentreten.“, forderte die ehemalige Bundestagsabgeordnete bei den Herbstgesprächen ihrer Partei.
Etwa 100 Gäste hörten in der Alten Post die interessante Außenbetrachtung der Deutschen Einheit durch den aus der Ukraine stammenden Politik-Studenten Oleksii Kysliak. Der studentische Mitarbeiter des Deutschen Bundestages, der seit drei Jahren an der Universität Frankfurt/Oder Politik- und Kulturwissenschaften studiert sieht die Deutsche Einheit, trotz all ihrer schwierigen Begleiterscheinungen, als Vorbild und Hoffnungsträgerin für sein eigenes durch Krieg und Konflikte gespaltenes Land. „Die Deutsche E…

Jamaika, bitte melden!

Auf der Einkaufsstraße sitzt ein  junger Mann mit Rasterlocken. Aus dem Lautsprecher seines CD-Radios erklingen Reggae-Rhythmen.

Vor ihm steht ein Schild mit der Aufschrift: "Ich habe Hunger." Der junge Mann schaut beschämt aufs Straßenpflaster. Ich habe noch die letzte Fernsehdiskussion über Schwarz-Grün-Gelb in den Ohren und denke: Nach dem blauen Auge, dass sich die demokratischen Parteien bei der letzen Bundestagswahl geholt haben, sollten Sie, in welcher politischen Farbmischung auch immer rasch und entschlossen ins Regierungsboot steigen und es starten, um den Tanker Deutschland in Bewegung zu bringen und dafür zu sorgen, dass weniger Menschen in unserem Land schwarz sehen müsse und Politiker für sie kein rotes Tuch mehr sind, sondern verantwortungsvolle Volksvertreter, die am Steuer unseres Staatsschiffes eine Politik der goldenen Mitte fahren, die am Ende auch Menschen mitnimmt und von der Straße holt, die in  unserer so gar nicht rosaroten Leistungsgesellschaft vom W…

Welches Ei darf's denn sein?

Wie alle Menschen, die noch ein Leben ohne Handy, Smartphone und E-Mail kennen gelernt haben, mache ich mich über Menschen lustig, die vielleicht ohne ihre Frau oder ihren Mann,, aber nie ohne ihr Smartphone aus dem Haus gehen würden.

Kommunikation bedeutet für digitale Zeitgenossen vor allem das Versenden von Mail und What's App-Nachrichten. Sie schauen lieber auf ihr Display als in die Zeitung oder auf ihre Mitmenschen. 
Doch jetzt überzeugte mich ein Geschlechtsgenosse im Supermarkt, dass man(n) heute nicht ohne Smartphone aus dem Haus, geschweige denn einkaufen gehen kann. Der Mann stand verzweifelt vor einer Kühlung mit diversen Eiern. Welche sollten es sein? Eier von Freilandhühnern? Oder Eier aus der Bodenhaltung? Und welcher Bauernhof aus welcher Region durfte es sein, damit beim nächsten Frühstück wirklich alles Friede, Freude, Eierkuchen wäre?
Im Bewusstsein der jüngsten Lebensmittelskandale und angesichts der ehelichen Erkenntnis: "Bloß keinen Ärger mit der besseren H…

NRW-Schulministerin Gebauer bekennt sich zum Religionsunterricht

Die neue nordrhein-westfälische Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hat sich zum Religionsunterricht bekannt. Dieser vermittle nicht nur Fachwissen, sondern sei ein "Teil der Werteerziehung", sagte sie am Freitag in Dortmund vor 750 evangelischen und katholischen Religionslehrern. Das Fach sei ein "identitäs- und sinnstiftendes Angebot" für die Schüler, so die liberale Politikerin.
"Religion bietet vielen Menschen Orientierung und Halt in unterschiedlichen Lebenssituationen" sagte Gebauer beim Westfälischen Lehrertag. "Und sie steht ein für Werte wie Gerechtigkeit, Menschlichkeit und Solidarität." Diese Werte seien maßgeblich für das Funktionieren der Gesellschaft.
Der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Wolfgang Huber, betonte die Chancen, die sich durch die Kooperation der evangelischen und katholischen Kirche in Nordrhein-Westfalen beim Religionsunterricht bieten. "Christlich gebildet zu sein bedeutet,…