Von den Ostruhranlagen zum Ruhrquartier: Ein Zeitsprung

Eine Postkartenansicht aus dem Stadtarchiv
Mülheim an der Ruhr (www.stadtarchiv-mh.de)
Wo heute mit Blick auf die Ruhr im neuen Ruhrquartier gegessen, getrunken, gewohnt und gearbeitet wird, flanierten die alten Mülheimer um 1916 durch die  Ostruhranlagen, die 2008 den Baggern und Neubauten an der neuen Ruhrpromenade weichen mussten. Eine historische Postkarte aus dem Stadtarchiv gibt den Blick auf damals gerade erst fertig gestellte Rathaus frei.
Zu Kaisers Zeiten grüßten in den Ostruhranlagen noch Kaiser Wilhelm I., Reichskanzler Otto von Bismarck und Königin Luise von einer Büste sie Spaziergänger.

Dass man ab 1879 auf die Idee kam, an der Ruhr parkähnliche Grünanlagen zu schaffen, haben wir der Weitsicht des damaligen Bürgermeisters Karl von Bock- und Pollach zu verdanken, der eben diese Idee mit dem von ihm angeführten Verschönerungsverein durchsetzte.

Das ausgerechnet dort, wo bis in die 1870er Jahre hinein Kohlenschiffe entladen wurden, Grünanlagen entstanden, war ein Zeichen  des Strukturwandels. Denn mit dem Aufstieg der Eisenbahn in den 1860er Jahren begann der Niedergang der Kohlenschifffahrt auf der Ruhr.
Die Mülheimer machten aus ihrer Not eine Tugend und schufen sich am Ruhrufer einen Freiraum für ihre Freizeitgestaltung und Naherholung. Denn an Urlaubsreisen in ferne Länder konnte Otto Normalbürger zu Kaisers Zeiten nicht denken.

„Der Zweck der Ruhranlagen ist ihrer Lage nach im am engsten bebauten Stadtteil und so ungefähr in der Mitte der Stadt ist zweifellos möglichst vielen Menschen Erholung durch Spaziergänge im Grünen zu verschaffen“, schrieb denn auch 1914 die Mülheimer Zeitung.

Dieser Text erschien am 23. Oktober 2017 in der Neuen Ruhr Zeitung

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