Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen: Kirche wirbt für Ausbildung

Weihbischof Franz Grave im Gespräch mit dem Westhoff-
Auszubildenden Kai Landgraf und dem Chef der örtlichen
Agentur, Jürgen Koch: Im Hintergrund: Firmenchef
Egon Buse
Der für Mülheim und Oberhausen zuständige Agentur-Chef Jürgen Koch sieht die Entwicklung auf dem örtlichen Arbeitsmarkt mit Sorge. „Während wir 193 mehr Bewerber als im Vorjahr haben, ist die Zahl der gemeldeten Lehrstellen um 56 zurückgegangen“, schildert er die Entwicklung.
Ende August waren noch 200 Ausbildungssuchende ohne Ausbildungsplatz. Gleichzeitig waren noch 200 Ausbildungsplätze unbesetzt. Laut Koch werden vor allem Auszubildende gesucht, die Verkäufer, Bäcker, Industriemechaniker oder Zerspanungsmechaniker werden wollen. Vor diesem Hintergrund nutzten Koch, der emeritierte Weihbischof Franz Grave, Stadtdechant Michael Janßen und Hermann-Josef Schepers von der Katholischen Arbeitnehmerbewegung KAB einen Besuch bei der Möbel-Spedition Westhoff, um an Arbeitgeber und Ausbildungsplatzsuchende zu appellieren, „in ihren Bemühungen noch eine Schippe draufzulegen.“
Für den seit Jahrzehnten sozialpolitisch engagierten Grave steht fest: „Beim Thema Ausbildung geht es nicht nur ums Geldverdienen, sondern darum, ob junge Menschen einen Platz im Leben und eine Zukunftsperspektive bekommen. Das gilt insbesondere auch für die jungen Menschen, die als Flüchtlinge zu uns gekommen sind.“
„Meine Arbeit macht mir Spaß und ich bin froh, dass ich nicht auf der Straße Hocke, sondern zusammen mit meinen Kollegen sinnvolle Arbeiten leisten kann und dafür von unseren Kunden auch Anerkennung bekomme“, sagt der 22-jährige Kai Landgraf. Nach seinem Hauptschulabschluss kam die angehende Facharbeiter für Möbel- und Küchenumzüge über ein Praktikum und eine Mitarbeit als Aushilfe zu seinem Ausbildungsplatz bei der Möbel-Spedition Westhoff, die nicht nur für Privatleute, sondern auch für große Unternehmen Umzüge organisiert. „Wer bei uns seine Ausbildung erfolgreich abschließt, wird von uns auch in eine Festanstellung übernommen. Denn wir suchen händeringend Fachkräfte“, sagt Westhoff-Geschäftsführer Egon Buse. Und sein Sohn Julian, der ihn als Prokuristen unterstützt, ergänzt: „Die Zeugnisnoten sind für uns nicht so entscheidend, wie die Persönlichkeit des Bewerbers, von dem wir den Eindruck gewinnen müssen, dass er auch menschlich in unser Team passt.“
Für den Stadtdechanten Janßen sind Ausbildung und Arbeit „ein Grundrecht“. Deshalb hat er sich in seiner Funktion als Mitglied des Kuratoriums der Vereinigen August-Thyssen-Stiftung auch dafür stark gemacht, dass das Franziskushaus, das Raphaelhaus und das St. Marien-Hospital zusätzliche Ausbildungsplätze für angehende Altenpfleger, Erzieher und Krankenpfleger bereitstellen. Und KAB-Mann Schepers weist auf die Aktivitäten seines Verbandes hin, der mit Einrichtungen, wie der Kurbel, dem Styrumer Treff und den Neuen Kontakten Menschen mit gebrochenen Biografien zurück ins Arbeitsleben holt.

Texte zu diesem Thema erschienen jetzt im Neuen Ruhrwort sowie in NRZ &WAZ 

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