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Es werden Posts vom Oktober, 2012 angezeigt.

Die 20 öffentlichen Brunnen der Stadt sollen künftig mit Hilfe von Sponsoren sprudeln: Ihr Betrieb kostet jedes Jahr 90.000 Euro

Mülheim an der Ruhr heißt unsere Stadt. Sie könnte aber auch die Stadt der Brunnen genannt werden. 20 Brunnen findet man in der Stadt, die meisten von ihnen in der City. An sonnigen Tagen kann man immer wieder Kinder beobachten, die zum Beispiel im Rasche-Brunnen auf der Schloßstraße planschen. Seinem Schöpfer wird es gefallen. Denn der Mülheimer Bildhauer, Ernst Rasche, der das Brunnenkunstwerk samt Kugel 1973/74 aus 50 Tonnen Granit und Basalt schuf, sprach schon damals von einem “begehbaren Relief.“ Seine Brunnenlandschaft, die sich mit einem Pflastersteinteppich und Sitz- oder Klettersteinen über 40 Meter erstreckt, sollte als Kunstwerk beachtet und als Treffpunkt begangen und benutzt werden. Dass das Wasser hier aus röhrenähnlichen Säulen sprudelt, kommt nicht von ungefähr. Denn die Brunnenlandschaft wurde seinerzeit zur Einweihung der Fußgängerzone von den Mannesmann-Röhrenwerken gestiftet.


Ein Jahrzehnt später ging 1985 auch die Siemens-Kraftwerkunion unter die Brunnenstifter u…

Was dem Mülheimer Wirtschaftsjournalisten Klemens Kindermann in Zeiten der Staatsschulden- und Eurokrise zum Wandel seiner Zunft einfällt

Wer den Deutschlandfunk hört, kennt seine Stimme. Der Mülheimer Klemens Kindermann, der mit seiner Familie in Holthausen lebt, berichtet dort regelmäßig über das Börsen- und Wirtschaftsgeschehen. In Zeiten der Staatsschulden- und Eurokrise sind der 49-jährige Wirtschaftsjournalist und seine Kollegen gefragter denn je. Doch was haben sie uns in diesen aufgeregten Zeiten nervöser Finanzmärkte und milliardenschwerer Rettungsschirme, in denen sich Hysterie und Euphorie abwechseln, überhaupt zu sagen? Kindermann sollte es wissen. Seit über 20 Jahren arbeitet er als Wirtschaftsjournalist, zunächst bei der Deutschen Presseagentur, später beim Handelsblatt und seit 2009 als Ressortleiter Wirtschaft und Gesellschaft beim Deutschlandfunk (DLF). Welches Gewicht sein Themenfeld hat, kann man daran ablesen, dass der Mülheimer in diesem Jahr zum stellvertretenden Chefredakteur des Kölner Senders berufen worden ist, der vor 50 Jahren als nationales Rundfunkprogramm ins Leben gerufen wurde.

Ich bin ei…

Stefanie Köster: Warum sich eine starke Frau aus dem Ruhrgebiet mit einem Nikolaushaus für Kinder in Afrika stark macht

Es gibt im Leben Zufälle, die so zufällig sind, dass man kaum an Zufall glauben mag. Der Mülheimer Entwicklungshilfeverein U5, der seit über 50 Jahren für Bildungs- und Sozialprojekte in der Dritten Welt unterstützt wurde 2010 durch einen Bischof in Ghana auf eine Frau aus der Nachbarstadt Essen aufmerksam, die sich seit 1999 in Tansania als Sozialarbeiterin engagiert, zunächst im Rahmen einer Ordensgemeinschaft und jetzt ganz selbstständig.


„Ich bin nicht in dieses Land gekommen, weil ich glaube, dass wir den armen Afrikanern helfen müssten, sondern weil mich die Kultur und die noch unverfälschte Menschlichkeit hier fasziniert“, sagt die aus dem Ruhrgebiet stammende Sozialpädagogin über ihre Motivation.

Nichtsdestoweniger hilft sie mit ihrem Nikolaushaus in Kemondo am Viktoriasee in Tansania kleinen Menschen, die es in dem ostafrikanischen Land besonders schwer haben, Kindern mit zum Teil schwersten und mehrfachen Behinderungen.

Als sich Manfred und Jutta Oelsner und Stefanie Köster …

So gesehen: Eine Stadt sieht Rot

Als mir mein Kollege jetzt sagte, dass „Rotlichtvergehen“ in Mülheim künftig konsequenter geahndet werden sollen, ließ mich das aufhorchen. Rotlicht in Mülheim? Haben wir so was überhaupt? Und von welchem Viertel war die Rede? Hatte ich etwas verpasst? Natürlich hatte ich nichts verpasst, sondern nur etwas falsch verstanden. Hier ging es um Verstöße im Straßenverkehr und nicht um die ebenfalls lebensnotwendige Verkehrssicherheit in anderen Lebenslagen.

Man(n) kann sich ja mal irren, zumal, wenn man als Fußgänger und Nahverkehrsnutzer nur selten in die Verlegenheit kommt, eine rote Ampel zu überfahren und dafür von der Ordnungsbehörde zur Kasse gebeten zu werden. Natürlich geht es dem Ordnungsamt beim Aufstellen von Blitzgeräten nur um unsere Verkehrssicherheit und nicht um unser Geld für die Stadtkasse. Sonst wären auch schon manche Fußgänger geblitzt worden, die bei Rot die Straße queren. Doch das wäre wohl selbst der klammen Stadt zu abgefahren.

Dieser Text erschien am 10. Oktober 2…

Vor 150 Jahren begann in Mülheim das Eisenbahnzeitalter

Eine Stadt, die vorankommen will, muss mobil sein, um Güter und Personen schnell von A nach B zu transportieren. Für die alten Mülheimer war die Ruhr der schnellste Weg, um zum Beispiel Kohle und Stahl zu befördern. 1852 transportierten 5100 Schiffe 556?000 Tonnen Kohle. 1884 waren es nur noch 86 Schiffe mit rund 10?000 Tonnen Kohle.


Der drastische Rückgang hatte mit dem Siegeszug der Eisenbahn zu tun, die Mülheim heute vor 150 Jahren erreichte. Am 1. März 1862 um 7.10 Uhr fuhr der erste Zug der Bergisch Märkischen Eisenbahn am ersten Mülheimer Bahnhof an der heutigen Friedrich-Ebert-Straße ab, die damals noch Froschenteich hieß. Der Mülheimer Haltepunkt war Teil einer Strecke, die von Witten nach Duisburg führte und damit auch Essen und Bochum einschloss. Je nachdem, ob man erster, zweiter, dritter oder vierter Klasse reiste, kostete die Eisenbahnfahrkarte damals zwischen sieben und 13 Silbergroschen.

Obwohl die preußische Regierung noch 1861 prognostizierte: „Die Ruhrschifffahrt wir…

Wie die Familie Medenblik-Bruck ihren Stadtteil Dümpten erlebt(e) und warum Adele Bruck und Karin Medenblik finden, dass Dümpten Spaß macht

Alteingesessen. Diesen Begriff beziehen Karin Medenblik, gerade 70 geworden, und ihre Adoptivmutter Adele Bruck (93) nur zu gerne auf sich, wenn es um ihren Stadtteil Dümpten geht. „Der Stadtteil macht einfach Spaß. Das Schöne ist, dass hier viele Alteingesessene leben und dass man immer Leute findet, die mitziehen“, sagt Karin Medenblik über den Stadtteil, der bis 1910 eine eigenständige Landbürgermeisterei war und sich in Erinnerung daran bis heute als „Königreich“ betitelt.


Adele Bruck und Karin Medenblik haben in ihrem „Königreich“ eine Menge gemacht. Sie haben das 1871 von Adeles Großmutter Sophie gegründete Hutmachergeschäft am Schildberg, ab 1959 als Textilgeschäft an der Oberheidstraße, fortgeführt, ehe sie es 2004 schlossen. In den 90er Jahren gründete Karin Medenblik die Dümptener Werbegemeinschaft „Wir im Königreich“ und organisierte in den Flüchtlingsunterkünften an der Oberheidstraße Adventsfeiern und Hausaufgabenhilfen. Später hat sie mit den Schülern der Schule am Hexba…

Warum brauchen wir ein nationales Krebsregister? Ein Gespräch, das ich für die NRZ mit Heinz Jochen Gassel, Chefarzt am Evangelischen Krankenhaus Mülheim geführt habe

Die Bundesregierung hat die Einrichtung eines nationalen Krebsregisters beschlossen. Was bringt ein solches Register für Patienten und warum gibt es bis heute Widerstände gegen seine Einrichtung. Darüber sprach ich für die NRZ mit dem Chefarzt des Evangelischen Krenkenhauses, Heinz Jochen Gassel.


Warum brauchen wir ein nationales Krebsregister?

Wenn wir eine Medizin auf der Basis wissenschaftlich belegbarer Erkenntnisse betreiben wollen und das müssen wir, um die Kosten zu rechtfertigen, die damit verbunden sind, dann müssen wir das in ganz Deutchland auf eine gemeinsame wissenschaftlich nachvollziehbare Basis stellen, um zu vermeiden, dass jeder Arzt macht, was er für richtig oder am lukrativsten hält. Ein nationales Krebsregister bildet die Grundlage dafür, optimale Behandlungsstandards zu entwickeln, die dann aber individuell auf den Bedarf des jeweiligen Patienten angepasst werden müssen. Bisher haben wir bei uns nur Krebsregister auf Länderebene. Wir brauchen schon deshalb ein nat…

Was hat uns Willy Brandt 20 Jahre nach seinem Tod noch zu sagen? Ein Gespräch mit Styrumer Willy-Brandt-Schülern

Vor 20 Jahren ist Willy Brandt gestorben. Chantal Schmacke, Niklas Hutmacher, Philip Scheiler, Daniel Landschoof, Felix Wörndl und Julia Schmitz aus der Klasse 9d der Styrumer Willy-Brandt-Schule haben sich im Rahmen der Ausstellung „Mülheim im Wandel“ mit der Biografie ihres Schulpatrons auseinander gesetzt, den sie selbst nur noch als Regierenden Bürgermeister von Berlin, als SPD-Vorsitzenden, Bundesaußenminister und Bundeskanzler aus den Geschichtsbüchern kennen. Ich sprach mit den Willy-Brandt-Schülern darüber, wofür Brandt heute noch steht und was man aus dem Leben des Sozialdemokraten und Friedensnobelpreisträgers, der mit se lernen kann, der als Kanzler mit seinen Landsleuten mehr Demokratie wagen wollte.


„Willy Brandt hat sich für den Frieden eingesetzt“, sagt Chantal Schmacke . Dass Frieden auch heute keine Selbstverständlichkeit ist, sieht sie nicht nur in der weiten Welt, sondern auch hier vor der Haustür, wenn sie unterwegs ist und Streitereien und Pöbeleien miterlebt. „Da…

Zwischen Kirchturm und Minarett: Was Mülheimer Christen und Muslimen zum Thema Toleranz einfällt

Der 3. Oktober ist nicht nur der Tag der Deutschen Einheit, sondern auch der Tag der Moschee. Islamischen Gotteshäuser öffnen dann ihre Türen und laden Besucher aller Religionen zur Begegnung und zum Gespräch. Sie tun dies in einer Zeit, in der Schmähkarikaturen und Filme über den islamischen Propheten Mohammed in einigen arabischen Ländern für gewaltsame Proteste und (zuletzt in Nigeria) für islamistisch motivierte Übergriffe auf christliche Gemeinden sorgten. Vor diesem Hintergrund sprach ich für die NRZ mit Mülheimer Christen und Muslimen darüber, wie Toleranz im Alltag gelebt werden kann.


„Die Religionen müssen sich von ihren Dogmen freischwimmen. Wir müssen lernen, unsere Enttäuschung darüber, dass wir nicht eins sind, zu ertragen. Religionsfreiheit heißt auch, Widerspruch zu ertragen“, beschreibt Pastor Meinolf Demmel aus der Styrumer Gemeinde St. Mariae Rosenkranz die Voraussetzung für Toleranz. Er hat das Gefühl, dass die Nachbarschaft zwischen Christen und Muslimen oft auch „…

Dorothea Bertz: Eine Frau mit Tatendrang und Froher Botschaft verstärkt das Pastoralteam der Pfarrgemeinde St. Mariae Geburt

In der katholischen Kirche gibt es keine Frauen im Priesteramt. Mit der neuen Gemeindereferentin Dorothea Bertz gibt es in der Pfarrgemeinde St. Mariae Geburt jetzt aber eine Seelsorgerin.


Die 55-Jährige, die mit ihrer Familie im Bereich der Holthauser Filialkirche Heilig Geist lebt, hat zuletzt zehn Jahre in der Diözesanstelle für geistliche Berufe und in der Informationsstelle des Bistums am Essener Dom gearbeitet. Zuvor war sie bereits als Gemeindereferentin einer Essener Gemeinde tätig.

Neben ihrer hauptberuflichen Erfahrung im kirchlichen Dienst, kann Bertz auch auf ein langjähriges ehrenamtliches Engagement in der Gemeindearbeit mit Kindern, Jugendlichen und Eltern sowie im Pfarrgemeinderat zurückblicken.

Als Seelsorgerin in der Pfarrei St. Mariae Geburt, zu der auch die Gemeinde St. Joseph (Heißen) und neben Heilig Geist auch die Filialkirche St. Theresia auf der Heimaterde gehören, wird Bertz unter anderem für die Messdienerarbeit, für den Begräbnisdienst sowie für den Kommuni…

So gesehen: Wie ein leeres Schaufenster zum Hingucker werden kann oder: Ein Denkanstoß am Wegesrand

Not macht erfinderisch. Dehalb haben die Mülheimer Wirtschaftsförderung und die Webegemeinschaft der Innenstadt einen Schaufensterwettbewerb gestartet, um mit kunstvoll gestalteten Schaufenstern die Blicke der Passanten auf sich zu ziehen, die ansonsten in unserer Innenstadt ja viel Tristess zu sehen bekommen.

Doch ausgerechnet bei einem Sonntagsbummel durch die City stieß ich jetzt an der Wallstraße auf ein leeres Schaufenster, dass außer Konkurrenz mit einem plaktiv ausgestellten Aphorismus meiner Ansicht nach den ersten Preis des Schaufensterwettbewerbs verdient hätte.

In kunstvoll geschwungener Schrift stand dort zu lesen:

Logik
Multipliziere deinen Mut
Subtrahiere deine Angst
Teile, was du hast
Addiere das Leben
und resultiere,
was du bist
Liebe.

Sage noch einer, in unserer Innenstadt gäbe es nichts mehr zu sehen und zu erfahren. Die besten Denkanstöße kommen oft unverhofft am Wegesrand vorbei, wo man sie gar nicht vermutet.

Wervoller wurde die Leere eines Ladenschaufensters wohl…

Eine sozialpolitisch relevante Schulumfrage zum Tag des Butterbrotes

"Hast uns Stulln jeschnitten un Kaffe jekocht, alles mit deine Hände", hat Kurt Tucholsky 1929 in seinem Loblied über „Mutterns Hände“ gedichtet. Das tägliche Butterbrot, das Mütter und Väter schmierten, ist das Sinnbild für die elterliche Sorge um das leibliche Wohl ihrer lieben Kleinen. Nicht nur am heutigen Tag des Butterbrotes erinnert sich Bäckermeister Peter Hemmerle (50), der von Berufs wegen Brot backt und verkauft, an die liebevoll geschmierten und in Fettpapier eingepackten Butterbrote, die ihm seine Eltern mit auf den Schulweg gaben, der ihn zur katholischen Volksschule an der Eduard-Straße (heute Martin-von Tours-Schule) führte.

Doch wie sieht es heute mit der Wegzehrung für den Schultag aus? Hat das gute alte Butterbrot im Fast-Food-Zeitalter noch die Nase kulinarisch vorn? Hemmerle hat den Eindruck, dass der Brotverzehr eher rückläufig ist und vor allem junge Leute eher zu Brötchen, Stütchen und Croissants greifen.

„Unsere Kinder schätzen das Butterbrot“, weiß …

So gesehen: Warum das Theater Mülheimer Spätlese jetzt Theater in eigener Sache machte

Das Theater Mülheimer Spätlese hat Theater und machte deshalb Theater in eigener Sache und zwar am vergangenen Samstag im Forum.


Theaterdonner und viel Lärm um Nichts? Mitnichten. Man ahnt es: Es geht um das alte Lied: Wer soll das bezahlen? Denn das Seniorentheater muss befürchten, alt auszusehen, wenn ihm demnächst die Fördermittel der Leonhard-Stinnes-Stiftung wegbrechen. Da droht der letzte Vorhang ohne Happy End. Ehe es so weit kommt und das Spätlese-Publikum in die Röhre statt auf die Bühne guckt, macht das reife Ensemble um Eckhard Friedl das Forum zur Bühne für seine Sache, um die geneigte Mülheimer Laufkundschaft über seine finanzielle Lage und sein kulturelles und soziales Anliegen zu informieren und um Spenden zu werben. Denn ohne Moos ist auch auf den Brettern, die die Welt bedeuten und unterhalten, nichts los. Man stelle sich vor: Jeder der 168.000 Mülheimer würde den Spätlesern für ihre reife Kulturarbeit nur 50 Cent spendieren, dann hätten wir für mehr als eine ganze Sp…

Bühne frei im Forum: Warum das Theater Spätlese im Einkaufszentrum auftrat

Theater im Forum. Edith Brügenhorst, Helgard Schenk, Hannelore Peters und Angela Pott vom Ensemble Spätlese geben alles. „Was machen Sie eigentlich, wenn ihr Fernseher kaputt ist?“ fragen sich die professionellen Hobbyschauspielerinnen in einer Szene aus ihrem Stück „Sprachlos“ und beziehen die Passanten auf der Mall gleich mit ein. Manche reagieren irritiert. Andere sind interessiert.


Zu letzteren gehört die Tanzpädagogin Jenny Große. Sie ist mit ihrer Familie erst vor einem halben Jahr aus Kleve nach Mülheim gezogen und kannte das Theater Spätlese bisher noch nicht. Für sie ist es aber eine Liebe auf den ersten Blick: „Toll, dass es solche Leute gibt, die so authentisch Theater spielen und damit etwas für die Öffentlichkeit leisten. Da kommt so viel Energie rüber. Das bekommt man weder im Fernsehen noch im Kino“, findet Große.

Natürlich nimmt sie eine der 5000 Spendenkarten mit, die 20 Ensemble-Mitglieder an Passanten im Forum verteilen, um damit auf ihre finanzielle Existenzkrise h…

So gesehen: Warum wir das Theater Mülheimer Spätlese brauchen

Brauchen wir ein Seniorentheater? Die Stadt muss doch sparen. Sparen heißt: Prioritäten setzen. Wer weiß, dass fast ein Drittel der Mülheimer über 60 ist, erkennt, dass professionelle Kulturarbeit mit und für Senioren Priorität hat. Das Theater Spätlese ist mehr als ein Seniorentheater. Auch wenn seine Schauspieler ehrenamtlich agieren, brauchen sie professionelle Leitung, um die kulturelle und soziale Wirkung zu entfalten, die sie seit 1990 entfaltet haben. Die Spätleser pflegen nicht nur ein Hobby. Sie erfüllen dank der professionellen Inspiration ihres Theaterleiters eine soziale Funktion. Alte Menschen werden aktiviert. Ihre Schul-Arbeit bringt Generationen miteinander ins Gespräch und durch ihre Stücke setzen sie soziale Fragen in Szene und rücken sie in den Blick der Öffentlichkeit. Das stärkt unser Gemeinwesen und sollte uns etwas wert sein. Ob diese Querschnittsaufgabe aus öffentlichen Haushalten oder privaten Stiftungs- und Sponsorentöpfen finanziert wird, ist zweitrangig. Ab…

Das Theater Mülheimer Spätlese muss um seine Eyistenz fürchten

„Sprachlos“ heißt das Clownspiel, mit dem das Theater Mülheimer Spätlese am 12. September in seine 23. Spielzeit gestartet ist. Wenn es schlecht läuft, könnte das Seniorentheater, das jährlich eine neue Produktion auf die Bühne bringt, 38 Vorstellungen alter und neuer Stücke gibt und darüber hinaus in Schulen Theaterworkshops mit Jugendlichen durchführt, ab dem Sommer 2013 sprachlos bleiben. Der Grund: Die Leonhard-Stinnes-Stiftung, die das ehrenamtliche Ensemble um den hauptamtlichen Theaterpädagogen Eckhard Friedl in seinen ersten 15 Jahren mit jährlich 70.000 Euro zu 100 Prozent gefördert hat, will im kommenden Sommer aussteigen.


Die Stiftung hatte ihre Theaterfinanzierung in den letzten Jahren bereits auf 20?000 Euro pro Jahr reduziert. Die restlichen 50?000 Euro hat sich das Theater Spätlese seit dem mit seinen Schulaufführungen und Workshops aus der städtischen Kulturförderung verdient. Außerdem konnten die Spätleser mit ihrem öffentlichen Theater- Film- und Diskussionsprojekt „…

Heiter bis wolkig und mit farbenfrohen Mülheim-Motiven gut beschirmt: Der Mülheimer Künstler Klaus D. Schiemann macht es möglich

Wo bleibt eigentlich das Positive? Die Frage ist gerade aus Sicht der Zeitungsleser berechtigt. Was Sie derzeit schwarz auf weiß verkraften müssen, kann einem wahrlich die Stimmung verhageln. Nehmen wir die Wirtschaftskrise: Erst gehen uns in der Innenstadt zwei traditionsreiche Eisdielen flöten und jetzt auch noch mit dem Kaufhof das größte Warenhaus. Wer soll da noch auf den Geschmack kommen und die Lust zum Konsumieren bekommen, die wiederum die Konjunktur ankurbeln könnte?


Passend zur Schreckensnachricht des gestrigen Tages weinte auch der Himmel. Da schienen Depression und Trisstess auch klimatisch perfekt. „Keine schönen Aussichten", dachte sich der Schreiber dieser Zeilen, als er durch die verregnete City schlenderte, ehe er seinen vom Künstler Klaus D. Schiemann gestalteten Regenschirm aufspannte, der ihm in hellen freundlichen Farben zeigte, wie schön Mülheim sein kann, ob am Wasserbahnhof an der Ruhr oder an der Camera Obscura in der Müga oder am Schloss Broich. Endlic…