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Bühne frei im Forum: Warum das Theater Spätlese im Einkaufszentrum auftrat

Theater im Forum. Edith Brügenhorst, Helgard Schenk, Hannelore Peters und Angela Pott vom Ensemble Spätlese geben alles. „Was machen Sie eigentlich, wenn ihr Fernseher kaputt ist?“ fragen sich die professionellen Hobbyschauspielerinnen in einer Szene aus ihrem Stück „Sprachlos“ und beziehen die Passanten auf der Mall gleich mit ein. Manche reagieren irritiert. Andere sind interessiert.


Zu letzteren gehört die Tanzpädagogin Jenny Große. Sie ist mit ihrer Familie erst vor einem halben Jahr aus Kleve nach Mülheim gezogen und kannte das Theater Spätlese bisher noch nicht. Für sie ist es aber eine Liebe auf den ersten Blick: „Toll, dass es solche Leute gibt, die so authentisch Theater spielen und damit etwas für die Öffentlichkeit leisten. Da kommt so viel Energie rüber. Das bekommt man weder im Fernsehen noch im Kino“, findet Große.

Natürlich nimmt sie eine der 5000 Spendenkarten mit, die 20 Ensemble-Mitglieder an Passanten im Forum verteilen, um damit auf ihre finanzielle Existenzkrise hinzuweisen und um Unterstützung zu werben. Nicht bei jedem haben sie leichtes Spiel. „Das ist schon eine ziemliche Hemmschwelle, mit den Leuten über Sponsoring und Spenden zu sprechen“, gibt Hannelore Peters zu. Aber mit ihren Ensemblekolleginnen Schnek ist sich Peters einig, „dass wir einen Anfang machen müssen, um Aufmerksamkeit zu erregen und die Öffentlichkeit an unserem Schicksal teilnehmen zu lassen.“ Anneliese Hake glaubt, „dass wir die Aktion noch einmal an einem ersten Samstag im Monat wiederholen müssen, wenn die Leute Geld bekommen haben.“ Auch Theaterleiter Eckhard Friedl ist überrascht, dass das Forum an diesem Samstag „nicht noch mehr frequentiert wird.“ Er möchte mit dem Auftritt im Einkaufszentrum „den Menschen zeigen, was das Theater Spätlese als kulturelle und soziale Institution für diese Stadt leistet.“ Neben den Spendenkarten verteilt er auch ein Flugblatt, das zeigt, dass das Ensemble mit seinem ehrenamtlichen Einsatz und seinen Gastspielen, unter anderem auch in Schulen, 55 Prozent seiner Kosten selbst wieder einspielt.

Bei den beiden Forum-Flaneurinnen, Ursula Wild und Annemarie Schlemmer, läuft er mit seinen Argumenten für den Erhalt des Theaters Spätlese offene Türen ein. Beide kennen das Ensemble und finden: „Das ist doch toll, dass ältere Menschen so etwas zustande bringen. Das Theater bringt Probleme mal heiter, mal ernst zur Sprache und regt seine Zuschauer so zum Nachdenken an. Das ist Kultur, die aus der Bevölkerung herauskommt.“

iWeitere Informationen im Internet unter www.thmhsp.de

Dieser Beitrag erschien am 1. Oktober 2012 in der NRZ

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