Die Zeiten ändern sich. Als St. Theresia 1892 für die katholischen Bergleute in Selbeck und 1901 die Evangelische Kirche an der Wilhelminenstraße in Broich eingeweiht wurden, waren die christlichen Kirchen Volkskirchen. Vergangenheit.
Heute wird der 125. Kirchengeburtstag an der Wilhelminenstraße in der zum Jahresbeginn neugegründeten Brückengemeinde gefeiert. Und in der Linksruhrpfarrei St. Mariä Himmelfahrt macht sich ein von Michael Gatz-Kippert geleitetes Team Theresia darüber Gedanken, wie die baufällige, aber denkmalgeschützte Kirche an der Karl-Forst-Straße auch ohne Kirchensteuermittel erhalten und auch außerhalb der sonntäglichen Gottesdienste für die Bürgerschaft nutzbar gemacht werden kann.
Im neugotischen Stil errichtet, wirkt die Kirche an der Wilhelminenstraße, wie eine Zeugin aus Kaisers Zeiten, als Kaiserin Auguste Viktoria deren Altarbibel stiftete und ihr kaiserlicher Gatte Wilhelm II. im Kriegsjahr 1917 die drei Kirchenglocken für seine Rüstung einschmelzen ließ.
Wie durch ein Wunder hat die Kirche an der Wilhelminenstraße, die bei ihrer Einweihung im März 1901 noch in einer Landbürgermeisterei Broich stand, zwei Weltkriege fast unbeschadet überstanden. Nur die Kirchenfenster gingen während des Luftkriegs zu Bruch, um dann in den Jahren 1948 bis 1953 wiederhergestellt zu werden. Auch die vor 125 Jahren vom preußischen Hoforgelbauer Wilhelm Sauer montierte Orgel erklingt bis heute im spätromantischen Musikstil ihrer Zeit. Und die vor 100 Jahren installierten Art-Deko-Lampen beleuchten immer noch, zeitlos schön, das gottesdienstliche und Gemeindeleben im altehrwürdigen Gotteshaus.
Man könnte meinen, die seit 1892 so benannte Wilhelminenstraße, an der die evangelische Kirche steht, sei dem Geist ihrer Zeit entsprechend, nach der Schwester Friedrich II., Wilhelmine, benannt. Doch weit gefehlt. Ihre Namensgeberin war die frühverstorbene Frau des Gemeindemitglieds Ferdinand Roßkothen, der im Andenken an seine Frau, seiner Gemeinde, die ursprünglich mit ihrer Nachbargemeinde in Speldorf fusionieren sollte, im Drei-Kaiser-Jahr 1888 den Baugrund stiftete, auf dem später ein Pfarr- und ein Gemeindehaus sowie ein Teil der Kirche errichtet werden sollte.
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