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Es werden Posts vom 2009 angezeigt.

Eine Keimzelle der Mitmenschlichkeit: Caritas-Konferenz St. Mariae Geburt feiert ihren 150. Geburtstag

Caritas-Konferenz. Das klingt irgendwie bürokratisch, ist es im Fall von St. Mariae Geburt aber gar nicht - das Gegenteil ist der Fall. Denn die Caritas-Konferenz der Stadtpfarrei, die vor 150 Jahren als Elisabeth-Konferenz ins Leben gerufen wurde, steht für menschliche Zuwendung und Hilfe im Kleinen.
Ihren Namen wählte sie im Rückblick auf das Leben und Wirken der heiligen Elisabeth von Thüringen (1207-1231). Deren Einsatz für die Bedürftigen und Kranken ließ sie unsterblich, legendär und später zur Schutzpatronin der Caritas werden. Die Elisabeth-Konferenz bestand aus gutbürgerlichen Frauen, die sich um die Armen der Gemeinde kümmerten. Damals gab es noch keinen Sozialstaat und in Mülheim auch noch keinen Caritasverband. Der sollte erst 1920 vom damaligen Pastor der Gemeinde St. Mariae Geburt, Konrad Jakobs, gegründet werden. Heute treffen sich die Vorsitzende der Caritas-Konferenz, Hildegard Sanders, und der überschaubare Kreis ihrer Mitstreiterinnen jeweils am ersten Freitag im Mo…

Die Rente ist nur selten ein sanftes Ruhekissen: Erfahrungen aus der Beratungspraxis des Sozialverbandes VDK

Ruhestand. Das hört sich gemütlich und wohlhabend an. Wer die sozialpolitische Diskussion verfolgt, hört zuweilen einen Hauch von Generationenkonflikt heraus. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund von demografischem Wandel und Wirtschaftskrise fragen viele Kritiker: Haben jüngere Menschen heute nicht ein höheres Armutsrisiko als Ältere? Können wir uns noch Rentenerhöhungen leisten und Rentenkürzungen für die Zukunft ausschließen?

Birgitt Zaplata, Sozialberaterin beim Mülheimer Sozialverband VdK spürt angesichts der für den Herbst in Aussicht gestellten Steuerkontrollen eine große Verunsicherung: „Viele haben es einfach als gegeben hingenommen, dass Rentner nicht besteuert wurden und haben es bisher noch gar nicht wahrgenommen, dass sie bereits seit 2005 steuerpflichtig sind. Jetzt haben viele Rentner Angst, kriminalisiert und als Verbrecher dargestellt zu werden", weiß die Sozialberaterin aus 25 bis 30 Gesprächen, die sie derzeit an jedem Beratungstag in der VdK-Geschäftsstelle an der…

Wenn Geschichte lebendig wird: Broicher Realschüler erforschten und dokumentierten das Schicksal eines NS-Opfers

Zweiter Weltkrieg und Nationalsozialismus. Davon hat in Deutschland jeder schon mal gehört. Auch Lisa Gawrich, Anna-Lena-Hell, Lars Kühn, Jessica Ochwat, Denis Peters und Larissa Steiner kennen die Geschichte von rund 60 Millionen Kriegstoten und sechs Millionen Holocaust-Opfern aus dem Geschichtsunterricht ihres Lehrer Markus Vorpeil. Doch die ehemaligen Zehntklässler der Realschule Broich, die inzwischen alle die Oberstufe besuchen und auf dem Weg zum Abitur sind, kennen einen Teil dieser dunklen Geschichte Deutschlands jetzt nicht nur aus dem Schulbuch. Und das kam so: Anfang des Jahres wurden sie durch einen Film auf den Künstler Gunter Demnig und sein Projekt Stolpersteine aufmerksam. Die Idee, Opfer-Biografien aus der eigenen Stadt zu recherchieren, fanden sie spannend.
Um weitere Informationen über NS-Opfer in Mülheim zu bekommen, suchten sie und ihre Klassenkameraden das Gespräch mit Helmut Hermann vom Bund der Verfolgten des Nazi-Regimes (VVN), der regelmäßig historische Stadt…

Wenn das Wünschen noch helfen würde: Was sich Mülheimer für ihre Stadt erhoffen

Weihnachten und der Jahreswechsel – Das ist die Zeit der Wünsche. Was würden sich Mülheimer Bürger für ihre Stadt wünschen, wenn es so etwas wie eine schöne Bescherung für die Stadt am Fluss geben und das Wünschen helfen könnte? Ich fragte nach:
Die Zeitungsverkäuferin Dorothea Schaaf (53/Foto) wünscht sich vor allem Stadtväter und Stadtmütter, die mit dem Geld der Stadt sparsamer als bisher umgehen und „es wirklich nur für notwendige Dinge ausgeben." Beim privaten wie beim öffentlichen Haushalten gilt für sie: „Ich kann nicht zehn Euro ausgeben, wenn ich nur fünf habe." Die Leiterin des Jugendzentrums Leybank, Lisa Freymann, (55) wünscht sich eine Stadt, die trotz Haushaltsnotlage „auch weiterhin ihre freiwilligen Aufgaben in der Kinder- und Jugendarbeit finanzieren kann." Insgesamt wünscht sie sich eine stärkere Lobby für Kinder „und mehr Rücksicht auf die Menschen, die sich nicht so gut durchsetzen können." Zwei Straßenbahn- und Busfahrer der Mülheimer Verkehrsge…

Heiligabend 1944: Luftangriff auf die Flughafensiedlung

Weihnachten – das ist nicht überall ein Fest des Friedens. Bei Krieg denken wir heute zum Beispiel an Afghanistan oder den Irak. Vor 65 Jahren fand der Krieg vor der eigenen Haustür statt.

Während sich die Mülheimer auf den Heiligen Abend in einer bereits vom Bombenkrieg gezeichneten Stadt vorbereiten, geben die Sirenen um 14.08 Uhr Luftalarm. Nichts ungewöhnliches im letzten Kriegswinter. Allein im Dezember 1944 werden die Mülheimer 200 mal alarmiert. Seit US-Truppen im Oktober Aachen besetzt haben, ist das Ruhrgebiet zur Front geworden, wird die Stadt wieder verstärkt zum Ziel von Luftangriffen und Tieffliegern. Der Großangriff vom Juni 1943 ist noch in allen Köpfen.

Diesmal steuern 169 britische Bomber den Flughafen Essen-Mülheim an, der 1939 zum Fliegerhorst ausgebaut worden ist. Schon in den Wochen zuvor war der Flughafen immer wieder von Bomben getroffen worden. Damals war das Ziel der alliierten Angriffe aber vor allem die Nachbarstadt Essen Am 24. Detzember 1944 wollen die briti…

Weihnachten ohne dich ist keine Kinderspiel: Eindrücke aus einer Trauergruppe für Kinder, die Mutter oder Vater verloren haben

"Frohe Weihnachten" wünscht man sich in diesen Tagen. Doch gerade jetzt vor dem Frohen Fest ist vielen Menschen gar nicht froh zumute, weil sie einen lieben Menschen verloren haben und trauern. Zwölf von ihnen treffen sich an diesem Nachmittag im Trauerpastoralen Zentrum unter der Auferstehungskirche Heilig Kreuz an der Tiegelstraße.
Es sind Kinder, zwischen fünf und 13 Jahren jung. Etwa die Hälfte von ihnen werden in diesem Jahr zum ersten Mal Weihnachten ohne Mutter oder Vater feiern. Alle haben ein gemeinsames Schicksal. Sie haben ein Elternteil verloren. Kiras Vater starb plötzlich mit 35 an einem Herzinfarkt, als ihre Mutter schwanger war. Sammy, Alicia und Benjamin haben ihre Mutter an den Krebs verloren. Barbaras Vater hat sich aufgehängt.

Die Kinder sind nicht allein mit ihrer Trauer. Einmal im Monat treffen sie sich sich mit Mechthild Schroeter-Rupieper (45) (Foto) und Birgit Aulich (51), selbst Mütter, sind Trauertherapeutinnen, die sich auf die Trauerbegleitung von …

So gesehen: Jung trifft Alt im Advent oder: Überraschungen zur Weihnachtszeit

Die Jugend von heute ist auch nicht mehr das, was sie mal war", klagt der alte Mann am Stock im Gespräch mit der alten Frau am Rollator, während sie gemeinsam im Kaufhaus nach einem passenden Weihnachtsgeschenk für ihre Enkelkinder suchen.

"Als wir jung waren, hatten Kinder noch Respekt vor alten Menschen und waren gerne hilfsbereit, ohne danach zu fragen: Was habe ich davon? Und auch ihre Weihnachtswünsche waren erheblich bescheidener, als heute. Wir haben damals vielleicht eine Puppe oder einen Fußball geschenkt bekommen, wenn wir Glück hatten. Heute wünschen sich Kinder ja gleich ein Notebook oder einen MP3-Player." So philosophieren die beiden Senioren über den drohenden Untergang des christlichen Abendlandes, während sie sich langsam, aber sicher schiebend und humpelnd auf den Kaufhausausgang zu bewegen.

Da kommt ihnen ein Mädchen entgegen, erkennt sofort ihr Handicap und läuft zum Ausgang, um ihnen die schwere Kaufhaustür aufzuhalten. Mit einem Lächeln wünscht es de…

Jung trifft Alt: Ein beispielhaftes Projekt in Zeiten des demografischen Wandels

Wir wissen es alle. Die demografischen Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Unsere Gesellschaft wird immer älter und bunter. Das heißt: Wir müssen uns auf eine Gesellschaft vorbereiten, in der immer weniger junge mit immer mehr alten Menschen zusammenleben. Hinzu kommt: Viele, die heute jung sind und damit die Erwachsenen von morgen sind, kommen aus anderen Ländern und Kulturkreisen zu uns.
Wir brauchen Zuwanderung, um als Gesellschaft mit einer schwachen Geburtenrate langfristig überleben zu können. Doch das funktioniert auch nur, wenn wir eine gemeinsame soziale Werte-Basis erarbeiten. Einen praktischen Beitrag dazu leistet ein vorbildliches Gemeinschaftsprojekt, das die Sozialpädagogin Vahide Tig vom Jugendzentrum Stadtmitte und Elke Dormann-Juckewicz von der Seniorentagesstätte der Arbeiterwohlfahrt auf die Schiene gesetzt haben.
Alle 14 Tage treffen sich 16 Kinder und Jugendliche mit den Besuchern der Altentagesstätte an der Bahnstraße. "Alte und junge Menschen sollen nich…

Fifty Fifty: Wie die Gesamtschulen für einen ausgewogenen Schüler-Mix sorgen

Auch 27 Jahren, nachdem die Gesamtschule Regelschule geworden ist, bleibt sie ein Politikum. Behrend Heeren, Leiter der Styrumer Willy-Brandt-Schule, kennt als Sprecher der Gesamtschulleiter im Regierungsbezirk Fälle aus Bonn und Düsseldorf, in denen Eltern die Errichtung einer neuen Gesamtschule vor Gericht erstreiten oder, wie jetzt in Düsseldorf geschehen, sich gegen die Reduzierung der Klassen an zwei Gesamtschulen wehren mussten.
In beiden Fällen haben die Gesamtschulbefürworter die Oberhand behalten. In Bonn gewannen sie vor Gericht. In Düsseldorf hat die CDU-Ratsfraktion ihren Antrag zurückgezogen, zwei Gesamtschulen um jeweils zwei Klassenzüge zu reduzieren. Ihr Ansinnen hatten die Mehrheitsfraktionen CDU und FDP mit dem Argument begründet, an diesen Gesamtschulen würden zu viele Kinder angemeldet, die eigentlich eine Hauptschulempfehlung mit auf den Weg bekommen hätten.

Für die Mülheimer CDU betont deren Parteichef Andreas Schmidt: „Für uns stehen die Gesamtschulen nicht zur Di…

Ansichten einer politischen Leitfigur: Eine Ausstellung im Medienhaus beleuchtet das bewegte Leben von Willy Brandt

70 Tafeln mit großen Bildern und kleinen Texten lassen noch bis zum 30. Januar 2010 im Medienhaus am Synagogenplatz das politische Leben Willy Brandts Revue passieren. Auch Monitore, über die Reden und Auftritte des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, des Bundeskanzlers und SPD-Vorsitzenden Willy Brandt flimmern gehören zur Ausstellung der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung.

Eine Litfaßsäule mit alten Wahlplakaten ruft die politischen Visionen Brandts in Erinnerung. "Damit wir auch morgen noch in Frieden leben können", heißt es da unter einem riesigen Brandt-Portrait aus dem Bundestagswahlkampf 1969, als Brandt mit Hilfe der FDP zum ersten sozialdemokratischen Kanzler der Republik gewählt wurde.

Jeder hat so seinen eignen Blick auf Willy Brandt. "Für mich ist Willy Brandt eine Idealfigur, auch wenn er von manchen Zeitgenossen auch schon mal als Whisky-Willy verspottet wurde", sagt Ausstellungsbesucherin Eveline Willer. Sie wurde 1940 in Berlin geboren hat Brandt n…

Der Springende Punkt St. Barbara: Seit 40 Jahren ein Haus der offenen Tür für die Jugend

Wenn man als Gesellschaft Zukunft haben will, muss man in seine Jugend investieren. Das ist der springende Punkt der offenen Kinder- und Jugendarbeit, die Christina Hartmann (Mitte) und ihre Kollegin Julia Herbrand im Springenden Punkt St. Barbara leisten. Als das katholische Jugendheim am Schildberg 93 vor 40 Jahren seine Türen öffnete, war es eine bistumsweite Neuheit. Denn es verstand sich eben nicht nur als Heimstätte katholischer Jugendgruppen, sondern als Haus der offenen Tür für jedermann. "Dieser Ansatz hat sich bewährt und dafür gesorgt, dass das Jugendzentrum heute auch jenseits aller Konfessionsgrenzen im Stadtteil gut verankert ist", sagt Dieter Spliethoff (links).

Vor 40 Jahren gehörte der damals 14-Jährige zu den ersten Besuchern der OT am Schildberg. Die jugendlichen Rocker, die schon mal mit Bierflaschen im Takt ihrer Musik auf die Tische klopften", sind ihm unvergesslich geblieben. 1978 sollte der Sozialarbeiter und SPD-Ratsherr selbst zwölf Jahre lang d…

Die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde an der Auerstraße feiert ihren 100. Geburtstag

Die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde an der Auerstraße feiert an diesem Wochenende ihren 100. Geburtstag. Ich sprach mit ihrem Pastor Helmut Venzke über die Entwicklung und das Profil seiner Gemeinde.
Wie ist Ihre Gemeinde entstanden?
Wir sind vor 100 Jahren aus einer Partnerschaft mit freikirchlichen Gemeinden in Oberhausen und Duisburg entstanden. Damals kamen viele junge Menschen auf der Suche nach Arbeit hierher, angezogen von Kohle und Stahl. Das erste Gemeindezentrum war eine Wohnung im Hinterhof an der Auerstraße 22. Weil die Gemeinde schnell wuchs, wurde es aber sehr schnell zu klein. Zwischenzeitlich fand die Gemeinde einen größeren Raum im Gefängnis, ehe sie 1914 auf unserem heutigen Grundstück an der Auerstraße 59 eine Kapelle errichten konnte. Diese Kapelle wurde aber im Zweiten Weltkrieg ebenso zerstört und wieder aufgebaut wie ein von der Gemeinde errichtetes Wohnhaus, das später als Jugendhaus genutzt wurde. Weil der Raumbedarf weiter wuchs, hat man Schritt für Schritt…

Rolf Schulze von Pro Altstadt fordert ein geschlossenes Weihnachtsmarktkonzept, für das gilt: Gemeinsam sind wir stark

Der zehnte Adventsmarkt in der Altstadt geht morgen zu Ende. Zeit für eine vorläufige Bilanz. Deshalb sprach ich mit dem Organisator des Marktes, Rolf Schulze, vom Verein Pro Altsadt.

Was hat sich beim Adventsmarkt in der Altstadt bewährt?
Was sich bewährt hat, ist die Ausdehnung des Adventsmarktes, der sich anfang nur auf das historische Dreieck zwischen Kettwiger Straße, Hagdorn und Muhhrenkamp erstreckte und im Laufe der Jahre dann erst bis zur Petrikirche und dann auch über die Althofstraße bis zur Marienkirche ausgeweitet werden konnte. Besonders hervorzuheben ist auch das noch relativ neue Engagement der katholischen Gemeinde St. Mariae Geburt, die jetzt zum zweiten Mal mit dabei ist und in diesem Jahr drei Stände und ein Festzelt betreut. Der Markt hat inzwischen eine soziale Funktion bekommen. Wir haben hier mehr als 20 gemeinützige Gruppen und Vereine, die mit einem Stand auf dem Adventsmarkt vertreten sind und dafür auch keine Standgebühr bezahlen müssen. Bewährt hat sich auc…

Nicht nur der Regen verhagelt den Wochen- und Weihnachtsmarkthändlern in der City ihre Bilanz

Halbzeit auf dem kombinierten Weihnachts- und Wochenmarkt an der Schloßstraße und dem angrenzenden Wochenmarkt. Wie bewerten Händler Stimmung und Kundenzuspruch. Was ließe sich vielleicht verbessern? Ich fragte nach.

Familie Buchholz, die auf dem Weihnachtsmarkt für die Fraktion Backfisch und Reibekuchen steht, schätzt, dass sie bisher rund 40 Prozent weniger Umsatz als im Vorjahr erwirtschaftet hat. Die Regentage haben ihr bisher einen Strich durch die Rechnung gemacht. "Es kommen einfach zu wenige Leute", sagen sie. Ob sie am Ende des Weihnachtsmarktes noch einen ausreichenden Gewinn einfahren, wollen die Buchholz-Reibekuchen-Bäcker zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht prognostizieren. Die Frage, ob sie nächstes Jahr wieder mit von der Partie sein wollen, beantworten sie mit Lokalpatriotimus: "Wir kommen von Mülheim und deshalb kommen wir auch immer wieder auf den Mülheimer Weihnachtsmarkt." Grundsätzlich würden sie aber eine klare Trennung von Weihnachtsmarkt- und W…

Die katholische Stadtgemeinde St. Mariae Geburt blickt nach Mexiko

Wie und warum kommt ein Kardinal aus Mexiko nach Mülheim? Im Falle von Kardinal Juan Sandoval Iniguez und dem ehemaligen Weihbischof Franz Grave ist es die persönliche Verbindung durch das Bischöfliche Hilfswerk Adveniat. Grave, der lange an der Spitze des Hilfswerkes stand und jetzt zum Seelsorgerteam der Mülheimer Gemeinde St. Mariae Geburt gehört, lud den Kardinal dorthin zu einer Mexiko-Woche. Ihr Ziel: Finanzielle Unterstützung für ein Migrantenhilfs-Projekt zu mobilisieren, mit dessen Hilfe Adveniat Armutsflüchtlingen moralisch, materiell, seelsorgerisch und medizinisch beisteht.
Das Problem: Mexikos Katholiken haben keine Kirchsteuereinnahmen, sondern sind auf Spenden angewiesen. "Adveniat hat uns in den letzten 40 Jahren sehr geholfen. Und die Menschen hier sind sehr aufmerksam, interessiert und hilfsbereit," sagt der Kardinal nach seinen ersten Gesprächen und Veranstaltungen über die humanitäre Brücke zwischen Mülheim und Mexiko.
Bereits am Dienstag hatten Referenten …

Wie eine starke Frau und das St. Marien-Hospital Menschen in Mali helfen

Birgit Biehl liebt Afrika. Warum kann sie gar nicht genau sagen. "Das ist eine Passion oder vielleicht auch genetisch bedingt", scherzt sie. Vielleicht hat die 65-Jährige, die inzwischen alle Länder Afrikas bereist hat, in einem früheren Leben mal in Afrika gelebt. Wer weiß?
Auf einer ihrer Afrika-Reisen traf die inzwischen pensionierte Pädagogin in der Sahara, nördlich von Timbuktu, ihren Kollegen Mohamed Haidra. Etwa zehn Jahre ist das her. Nachdem man mit vereinten Kräften seinen liegengebliebenen Wagen wieder flott bekommen hatte, lud er sie ein, ihn in sein Dorf, das im Osten Malis gelegene Gani-Dah zu begleiten. Dort führte er ihr seine Grundschule vor, ein Schulhaus ohne Tische, Stühle und Fußböden.

Der Anblick des maroden Schulgebäudes ließ Biehl nicht ruhen. Die Studiendirektorin, die bis zu ihrer Pensionierung am Niederrhein-Kolleg in Oberhausen Deutsch und Französisch unterrichtete, mobilisierte ihre privaten Netzwerke, aus denen inzwischen ein kleiner, aber effekti…

Ansichstsachen, die Dritte: Bilder und Texte vom Wandel einer Stadt

Was man von Mülheim und seinem Stadtbild hält, das ist von Fall zu Fall verschieden: Ansichtssache, eben. Und so haben haben Horst Borgsmüller, Andreas ten Brink (links), Manfred Ehrich, Heinz Hohensee (rechts) und Werner Joppek ihren Bildband denn auch „Mülheimer Ansichtssachen" genannt. Dass es bereits der dritte Band ist, den sie unter diesem Titel zusammen mit dem Medienservice Sprenger und unterstützt von der Sparkasse, den Betrieben der Stadt, dem Geschichtsverein und der Bürgergesellschaft Mausefalle herausgeben, zeigt, dass ihre Mischung aus historischen und aktuellen Ansichten der Stadt am Fluss, gepaart mit Gedichten von Horst Borgsmüller und kompakten Erläuterungstexten beim Mülheimer Publikum gut ankommt.
„Wir sind immer wieder von Mülheimern gefragt worden, wann macht ihr mal wieder einen Band Ansichtssachen. Vom ersten Band haben wir sogar zwei Auflagen drucken müssen, um die Nachfrage befriedigen zu können", erzählt Verleger Bernd Sprenger (Mitte). Wie ihre 199…

Mehr als nur ein sportliches Großereignis: Die MükaGe richtete ein Qualifikationsturnier für die Deutschen Meisterschaften im Karnevalstanz aus

Hier trafen sich Karneval und Leistungssport. Zum 42. Mal war die Erste Große Mülheimer Karnevalsgesellschaft von 1937 (MüKaGe) Gastgeberin eines Qualifikationsturniers für die Deutschen Meisterschaften im Karnevalstanz. 50 ehrenamtliche Helfer der MüKaGe sorgten vor und hinter der Bühne dafür, dass die Turnierveranstaltung mit 1400 Aktiven aus ganz Deutschland in der Harbecke-Halle an der Mintarder Straße glatt über die Bühne ging. Sportlich hieß es am Ende für die unermüdlichen Gastgeber: "Dabei sein ist alles." Denn ihre 16 Gardedamen fanden sich mit insgesamt 403 Punkten auf einem Platz im hinteren Mittelfeld und konnten sich damit vorerst noch nicht für das Halbfinale der Deutschen Meisterschaften qualifizieren, das im März in Hannover und Ludwigshafen über die Bühne gehen wird, ehe dann das Finale in Stuttgart ausgetragen wird. Die nächste Chance für die MüKaGe-Garde bietet sich bei einem Qualifikationsturnier, das im Februar in Lübeck stattfinden wird. Die Showgarde d…

Das neue Jahrbuch ist da, so bunt, wie die Stadt: Mit bisher 65 Ausgaben wurde es zu einer Mülheimer Enzyklopädie: Ein Gespräch mit seinem Redakteur

Seit gestern ist es im Buchhandel, im Zeitschriftenhandel und im MST-Infocenter am Medienhaus zu kaufen, das 65. Jahrbuch der Stadt, eine der ältesten Publikationen Mülheims. Ich sprach mit seinem verantwortlichen Redakteur, dem Stadtfotografen Walter Schernstein über das Jahrbuch im Allgemeinen und über seine neuste Ausgabe im Besonderen.

Wer schreibt eigentlich das Jahrbuch?
Das sind ganz verschiedene Leute, die aus allen Schichten kommen: Fachleute, Bürger, Historiker, Journalisten. Meistens ist es so, dass wir bestimmte Leute als Autoren ansprechen oder sie sich selbst bei uns melden, weil ihnen ein Thema am Herzen liegt.

Warum lohnt sich die Lektüre des Jahrbuches 2010?
Ein Schwerpunkt des neuen Jahrbuchs ist ein Ausblick auf die Kulturhauptstadt 2010 mit einem Beitrag über Cinecitta und die Eichbaum-Oper. Zur Kulturhauptstadt 2010 passt auch Hans Georg Hötgers Beitrag: Nur eine Stunde bis zur Türkei, in dem er die Kulturlinie 901 beschreibt, die von Mülheim nach Duisburg führt. Ein …

Der Frauenchor Resonance lässt von sich hören

Wie könnte man den zweiten Adventssonntag besser begehen als mit dem Besuch eines vorweihnachtlichen Konzertes. Am 6. Dezember hat man in der Winkhauser Christ-König-Kirche am Steigerweg 1 Gelegenheit dazu. Denn dort lassen die 20 Sängerinnen des Frauenchores Resonance von sich hören. Ihren Zuhörern versprechen sie eine Klangmischung aus „traditionellen, bewährten und neuen Liedern." Das Ave Maria, Jubilate und der Abendsegen werden ebenso zu Gehör gebracht wie Billy Joels Song And so it goes. Musikalisch begleitet werden die Resonance-Damen von den beiden Flötistinnen Christina Dietz und Annika Storck sowie am Klavier von Martina Helfen.
Man darf gespannt sein. Denn seit April dieses Jahres hat sich der Chor, der aus dem 1958 gegründeten Frauenchor Süd hervorgegangen ist, neu aufgestellt. Zusammen mit ihrem neuen Chorleiter, dem 24-jährigen Folkwang-Musikstudenten Aki Schmitt haben sich die Chorschwestern ein neues Repertoire von Spiritual und Gospel über Pop bis Musical erarbeit…

Der Betreuungsverein des SKFM versteht sich als Anwalt der Menschen, die sich micht mehr selbst helfen können

Plötzlich warf die Schwiegermutter ihren Müll aus dem Fenster und schloss immer wieder Verträge und Geschäfte ab, an die sie sich später nicht mehr erinnern konnte. Sie selbst betonte: „Es ist alles in Ordnung. Ich habe alles im Griff.” Doch die 77-Jährige hatte immer weniger im Griff und brauchte Hilfe. Ein Arzt diagnostizierte Demenz. „Man weiß plötzlich nicht mehr, was man tun soll”, schildert Schwiegertochter Bettina F. ihre Verzweifelung. Die verwitwete und alleinerziehende Krankenschwester fühlte sich glattweg überfordert, als sie vom Amtsgericht zur gesetzlichen Betreuerin ihrer Schwiegermutter bestellt worden war.

Hilfe fand sie beim Betreuungsverein des Sozialdienstes Katholischer Frauen und Männer (SKFM). Hier arbeiten mit Dagmar Auberg, Stefanie Haccius, Antje Marie-Kühn und Frank Uhlendahl vier sozialpädagogisch, psychologisch und juristisch geschulte Betreuer. „Wir sind Anwälte für die Menschen, die sich selbst nicht mehr helfen können”, erklärt Fachdienstleiterin Auberg d…

Beklemmend aktuell und sehr präsent gespielt: Eindrücke von der Spätlese-Premiere "Tage danach"

Manchmal werden Theaterstücke von der Wirklichkeit eingeholt. Als die neueste Spätlese-Produktion "Tage danach" (Foto: Walter Schernstein) am Freitagabend im Theaterstudio an der Adolfstraße Premiere hat, fahndet die Polizei nach zwei Schwerverbrechern, die aus dem Gefängnis ausgebrochen sind. Wie sind die Gewalttäter zu dem geworden, was sie heute sind? So mag sich fragen, wer das aktuelle Geschehen als Zeitungleser und Fernsehzuschauer verfolgt.

Fast reflexartig ist man geneigt, Mutmaßungen über das anzustellen, was in der Kindheit oder bei der Erziehung der Gewalttäter schiefgelaufen sein mag. Und hier wird das Spätlese-Stück, das die Zuschauer am Freitagabend zu sehen bekommen, beklemmend aktuell.
Denn sehr authentisch und sehr präsent bringen die Spätleser an diesem Abend ein Psychogramm darüber auf die Bühne, wie süffisante Besserwisser und vermeintlich gute Ratgeber die Familien jugendlicher Straftäter, die einen Behinderten überfallen haben, systematisch zu Sündenböcke…