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Nicht nur der Regen verhagelt den Wochen- und Weihnachtsmarkthändlern in der City ihre Bilanz



Halbzeit auf dem kombinierten Weihnachts- und Wochenmarkt an der Schloßstraße und dem angrenzenden Wochenmarkt. Wie bewerten Händler Stimmung und Kundenzuspruch. Was ließe sich vielleicht verbessern? Ich fragte nach.

Familie Buchholz, die auf dem Weihnachtsmarkt für die Fraktion Backfisch und Reibekuchen steht, schätzt, dass sie bisher rund 40 Prozent weniger Umsatz als im Vorjahr erwirtschaftet hat. Die Regentage haben ihr bisher einen Strich durch die Rechnung gemacht. "Es kommen einfach zu wenige Leute", sagen sie. Ob sie am Ende des Weihnachtsmarktes noch einen ausreichenden Gewinn einfahren, wollen die Buchholz-Reibekuchen-Bäcker zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht prognostizieren. Die Frage, ob sie nächstes Jahr wieder mit von der Partie sein wollen, beantworten sie mit Lokalpatriotimus: "Wir kommen von Mülheim und deshalb kommen wir auch immer wieder auf den Mülheimer Weihnachtsmarkt." Grundsätzlich würden sie aber eine klare Trennung von Weihnachtsmarkt- und Wochenmarkt begrüßen.

"Wir sind bereits im vierten Jahr auf dem Weihnachtsmarkt und fühlen uns hier auch recht wohl. Aber der Regen ist in diesem Jahr ein großes Problem für uns. Aber an den Tagen, an denen es nicht regnet, kommen eigentlich viele Kunden zu uns", sagen Franco Terenzi und Mirko Magi (Foto), die an der oberen Schloßstraße italienische Wurstspezialitäten an die Frau und den Mann bringen. Die Idee, Weihnachts- und Wochenmarkt miteinander zu verbinden, finden sie gut. Was den Umsatz betrifft, hoffen sie darauf, dass das Geschäft, wie in den Vorjahren, in der letzten Woche des Weihnachtsmarktes noch mal richtig anziehen wird.

Eine ungenannt bleiben wollende Händlerin, die Kunsthandwerk und Dekoratives anbietet, darf angesichts ihres geringen Umsatzes gar nicht über ihren Stundenlohn nachdenken. "Wenn es regnet, gehen die Leute einfach nicht auf die Straße", klagt sie und weist auf die Konkurrenz durch Einkaufszentren und Adventsmärkte in den Stadtteilen hin. Den Mix aus Wochen- und Weihnachtsmarkt empfindet sie als ebenso positiv wie die neuen Beleuchtungselemente des Weihnachtsmarktes. Ob sie 2010 wieder mit einem Stand dabei sein wird, möchte sie jetzt noch nicht entscheiden.

Obst- und Gemüsehändler Martin Henninghaus, der mit seinem Wochenmarktstand jetzt nicht mehr auf der Schloßstraße, sondern auf dem Synagogegenplatz steht, schätzt, dass er in den letzten Wochen einen Umsatzrückgang von bis zu 50 Prozent hinnehmen musste. "Unsere Stammkunden finden uns weiterhin, aber die Laufkundschaft fehlt", beschreibt er den Nachteil der Verlagerung. "In den letzten zwei, drei Wochen hat sich das nicht gelohnt, aber für die Kunden halten wir auf jeden Fall durch", sagt er. Die Kombination aus Wochen- und Weihnachtsmarkt würde er für gelungen halten, wenn man die Fahrgeschäfte und Imbissstände vor dem Forum konzentrieren und alle anderen Marktstände gemeinsam auf der Schloßstraße aufstellen würde.

"Für unsere Händler ist das tödlich. Wir haben auf der Schloßstraße mehr zu tun gehabt", sagt Fischhändler Heinz Rademacher mit Blick auf die Verlagerung des Wochenmarktes zum Synagogenplatz. Seine Beschreibung der aktuellen Lage ist eindeutig: "Im Moment ist hier tote Hose." Diesen Eindruck hat er nicht nur vom Wochen- sondern auch vom Weihnachtsmarkt, "wobei hier auch das Wetter eine gewisse Rolle spielt. Rademacher kennt Wochenmarkthändler, die einen Umsatzeinbruch von bis zu 80 Prozent verkraften müssen. Als ausgesprochen gelungen empfindet er aber die neue Dekoration und Beleuchtung des Weihnachtsmarktes.


"Viele Kunden haben die Lust verloren, in die Innenstadt zu kommen, weil das Umfeld mit vielen Billigläden nicht mehr attraktiv ist", erklärt sich Rademachers Sohn Helge die Ursachen der Innenstadtkrise und weist auf die Konkurrenz der großen Einkaufszentren hin, in denen die Kunden alles unter einem Dach und einen kostenlosen Parkplatz fänden. "Der Warenkorb des kleinen Mannes ist nun mal das Auto", weiß Helge Rademacher. Mit seinem Vater ist er sich einig, dass kostenlose Parkplätze auf dem Rathausmarkt und ein vierter Markttag, auch jenseits des Weihnachtsmarktes, zumindest helfen könnten.

Blumenhändlerin Angelika Nagel beginnt ihre Lagebeschreibung mit einem Lob für die gelungene Dekoration des Weihnachtsmarktes, die "Harmonie und Wärme ausstrahlt." Enttäuscht ist sie vor allem von den "Bürgern, die sich nicht genug mit dem identifizieren, was ihnen ihre Stadt bietet." Mit dem Wochenmarkt auf der Schloßstraße, so Nagel, seien Markthändler und Geschäftsleute sehr zufrieden gewesen. "Und jetzt ist es auf einmal wie abgerissen. Es kommt keiner. Das verstehe ich nicht", beklagt die Blumenhändlerin die ausbleibenden Kundenströme zum Synagogenplatz. Auch bei einigen Weihnachtsmarkthändlern hat sie Verwunderung darüber gehört, dass Weihnachtsmarkt- und Wochenmarkt nicht gemeinsam auf der Schloßstraße stehen können. Deshalb hofft sie auf eine entsprechende Lösung, die 2010 Wochen- und Weihnachtsmarkthändlern mehr Laufkundschaft bescheren könnte.

Auch Glühwein-Händlerin Martina Remming, die trotz schlechten Wetters keinen Umsatzrückgang zu beklagen hat, wünscht sich fürs nächste Mal einen integrierten Weihnachts- und Wochenmarkt auf der Schloßstraße. Sie bescheinigt den Machern aber auch, "dass sich beim Ambiente des Weihnachtsmarktes spürbar etwas getan hat." Rebekka Wrede, die auf dem Weihnachtsmarkt Parfüm und Kunsthandwerk anbietet, empfindet den Mülheimer Weihnachtsmarkt als "klein, niedlich und heimelig." Ihr Umsatz macht ihr aber keine Freude, "weil die Leute zu oft einfach vorbeigehen." Ob sich ihre erste Präsenz auf dem Weihnachtmarkt, trotz schlechten Wetters und schlechter Kauflaune, doch noch auszahlt, hängt für sie davon ab, ob sich ihre Hoffnung auf einen guten Schlussspurt erfüllt.
Bonbon-Händler Frank Müller schätzt, dass sein Umsatz wetterbedingt um etwa ein Drittel zurückgegangen ist. "Wäre das Wetter etwas besser, würden sich die Leute auch mehr auf den Weihnachtsmarkt freuen und hierhin kommen." Den Machern des Weihnachtsmarktes rät er mit Blick auf die Konkurrenz in anderen Städten, durch ein attraktives Bühnenprogramm auch mehr auswärtige Kunden in die Innenstadt zu locken.

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