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Es werden Posts vom 2016 angezeigt.

Ein Zeitsprung an der Hölterstraße

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Dort, wo man heute ins Grüne schaut und entfernt zwei Gebäude erkennt, stand bis in die 1960er Jahre das Elternhaus von Elisabeth Tittgen, die heute in der Stadtmitte lebt. Das Foto aus ihrem Familienalbum entstand in ihrem Geburtsjahr 1925.

Man sieht die kleine Elisabeth, auf dem Arm ihrer namensgleichen Mutter Elisabeth Remberg. Daneben stehen ihr Vater Richard, der als Dreher bei Thyssen arbeitete und die ältere Halbschwester Gertrud. Zum Elternhaus an der an der Hölterstraße 41 gehörten auch Ställe für Schweine, Hühner und Ziegen. Vor 90 Jahren war Selbstversorgung statt Supermarkt angesagt.

Elisabeth Tittgen (geborene Remberg) erinnert sich:„Als Kind habe ich die Volksschule an der Hölterstraße besucht, die damals noch Hindenburgschule hieß. Und im Winter bin ich mit meinem Schlitten die heutige Tilsiter Straße hinunter gerodelt. Besonders stolz war ich auf meine Babypuppe aus Porzelan, die mir meine Eltern zu Weihnachten geschenkt hatten, als ich vier oder fünf Jahre alt war. Ich …

Mülheim 2016/2017: Was war - Was ist - Was kommt?!

Zwischen den Jahren schaut man zurück und in die Zukunft.  Was lief gut? Was lief schlecht? Vor welchen Herausforderungen steht man im kommenden Jahr?

Für Mülheim lief 2016 nicht alles schlecht. Die Stadt nimmt mit den ausgebauten Max-Planck-Instituten, der Hochschule Ruhr-West und der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Formen an. Darauf kann und muss man 2017 aufbauen.

Die Integration der zu uns gekommenen Flüchtlinge hat nicht zuletzt deshalb langsam, aber sicher Fortschritte gemacht, weil die Stadtverwaltung und ehrenamtlich nicht nur  bei der Initiative Willkommen in Mülheim Hand in Hand gearbeitet haben.
Diese gelebete Menschlichkeit kann uns auch für 2017 ermutigen, auch wenn wir wissen, dass noch längst nicht alle Flüchtlinge mental, sozial und sprachlich bei uns angekommen sind. Das bleibt eine der zentralen sozialpolitischen Bausstellen.

Dabei wird es nicht nur um Geld und Infrastruktur, sondern auch auf die Bereitschaft alter und neuer Mülheimer ankommen, sich offen und v…

So gesehen; Weniger Knalleffekte, bitte!

Lieben Sie Knalleffekte? Bei mir hält sich die Begeisterung darüber in Grenzen. Ich mag es lieber langsam, sicher und ruhig. Ich weiß, damit passe ich eigentlich nicht in die Zeit, in der Zeit Geld ist und es nicht schnell genug gehen kann. Wohin eigentlich und zu welchem Preis? Doch die Antwort auf diese elementare Frage ist wohl im postfaktischen Zeitalter zweitrangig.

Hauptsache, man produziert Knalleffekte, um nicht übersehen, geschweige denn überhört zu werden. Da ging es den Jugendlichen, die am Abend des zweiten Weihnachtstages zwischen den geschlossenen Hütten des Weihnachtstreffs unüberhörbar mit ihren Knallkörpern hantierten, so, wie manch politischem Lautsprecher. Wenn Zeit wirklich Geld sein soll, ist es erstaunlich, wie viele Menschen vor der Zeit unsinnig ihr Geld verpulvern. Dass man tatsächlich erst am 29. Dezember Feuerwerkskörper kaufen und erst am 31. Dezember für Knalleffekte zum neuen Jahr sorgen darf, war den jungen Knallköpfen offensichtlich unbekann…

Die Helden von der Müllabfuhr: Wie drei Mitarbeitr der Mülheimer Entsorgungsgesellschaft zu Lebensrettern wurden

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„Wir sind eigentlich ganz normale, durchschnittliche Menschen und nicht wirklich interessant“, sagen Bogdan Wilda und Dennis Reichelt über sich. Die Herrn von der Mülheimer Entsorgungsgesellschaft untertreiben. Denn sie gehören zu den Alltags-Helden des Jahres 2016. Das gilt auch für ihren derzeit kranken Kollegen, den MEG-Fahrer, Friedhelm Kuhles (61), dem sie auf diesem Wege gerne gute Besserung wünschen. Man merkt den beiden Müll-Ladern von der MEG an, dass sie ungern im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stehen.

Eigentlich wollen die beiden Müllmänner, die am 25. Mai 2016 durch ihr geistesgegenwärtiges Handeln einem vierjährigen Jungen das Leben gerettet haben, auch gar nichts über ihre Person erzählen.

Bogdan Wilda, 45 Jahre alt und ein Mann wie ein Kleiderschrank, kommt aus Polen. Dort hat er als Elektriker gearbeitet. Eines Tages kam er auf die Idee, als Pilger auf den Jakobsweg nach Santiago de Compostela zu gehen. Dort traf er die Frau fürs Leben. Und die wohnt…

"Der Hass macht einen kaputt" - Ein Gespräch mit dem Pastor der Evangelisch-Freikirchlichen Christusgemeinde Mülheims, Eckhart Vetter

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Im Februar 2011 machte ein Kindsmord Schlagzeilen. Dass die betroffenen Eltern, aktive Mitglieder eine evangelisch-freikirchlichen Gemeinde, dem Mörder ihres Sohnes öffentlich vergaben, wurde kontrovers diskutiert. Damals führte ich für die Neue Ruhr Zeitung ein Gespräch mit Pastor Ekkehart Vetter über den Spannungsbogen zwischen Hass und Vergebung, ein Gespräch, das unter völlig anderen Vorzeichen auch heute noch in die Zeit passt.

Es ist wohl das Schlimmste, das Eltern widerfahren kann, ihr Kind, wie im Fall Mirco, durch die Hand eines Mörders zu verlieren. Deshalb mag es manchen wundern, wenn Mircos Eltern als freikirchlich engagierte Christen Verständnis für den Täter zeigen und trotz ihrer Tragödie vom Glauben sprechen, der sie stärkt, ihnen Hoffnung gibt und sie nicht verzweifeln lässt.) Vor diesem Hintergrund sprach ich füt die NRZ mit Pastor Ekkehart Vetter von der freikirchlichen Christusgemeinde über Glauben, Gemeinschaft, Schuld, Sühne, Vergeltung und Vergebung.

Frage: …

Eine filmreife Geschichte oder: Wie der Mülheimer Alexander Waldhelm zum Filmemacher wurde

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"Wenn das, was man sich ausdenkt, plötzlich real wird und Menschen das sagen und tun, was man ihnen aufgeschrieben hat, ist das schon sehr faszinierend", erkärt der 41-jähriger Mülheimer Alexander Waldhelm, warum er zum Filmemacher geworden ist. Dass seine Idee eines Heimatfilmes über die Pottkinder nun Wirklichkeit wird und im Mai 2017 im legendären Essener Kino Lichtburg uraufgeführt werden soll, ist schon für sich eine filmreife Geschichte. "Schon mit 15 hat mich das Medium Film begeistert", erinnert sich der studierte Medienwissenschaftler, der heute hauptberuflich als Presse- und Öffentlichkeitsarbeiter für einen Forschungsträger am Forschungszentrum in Jülich tätig ist und sich von berufs wegen mit Elektromobilität beschäftigt.

Doch was ihn neben seinem Beruf beschäftigt ist die Idee, eine Ruhrpott-Komödie auf die Kinoleinwand zu bringen. Schon vor zehn Jahren legte er einen Zettelkasten mit Ideen für ein Drehbuch an. Vor drei Jahren machte er dann Nägel mit Kö…

Was man über Weihnachten wissen sollte

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Warum essen wir in der Advents- und Weihnachtszeit eigentlich Spekulatius-Plätzchen, Dominosteine und Christstollen? Ein Pfarrer hat mich bei einem adventlichen Kaffeetrinken gebäcktechnisch aufgeklärt. Der Spekulatius kommt aus der Zeit, als der Advent noch eine Fastenzeit und nicht der umsatzstärkste Monat des Einzelhandels war. Der Spekulatius wurde anno dazumal als Fastengebäck mit einem Speculator-Relief gebacken. Der Speculator (lateinisch: Der Beobachter) sollte die Keksesser in der Vorweihnachtszeit mahnen, nicht zu viele Spekulatius-Plätzchen zu verdrücken.
Der Christstollen gab, der mit seiner Form an das in Windeln gewickelte und in einer Krippe liegende Christkind erinnern sollte, kam erst am ersten Weihnachtstag auf den Tisch, wenn die Fastenzeit zu Ende war. Und am zweiten Weihnachtstag, an dem dem ersten christlichen Märtyerrer Stephanus gedacht wird, kamen dann die Dominosteine auf den Tisch. Denn sie erinnern an die Steinigung des Stephanus. Am zweiten Weihnachtstag …

So gesehen: Kleinigkeiten machen nervös

Was schenke ich wem zu Weihnachten? Das treibt einem die Schweißperlen auf die Stirn. Es gibt nichts Schlimmeres, als enttäuschte Verwandte unterm Christbaum. „Ich hab schon 30 Krawatten im Schrank und kann mein altes Lieblingsparfüm längst nicht mehr riechen, aber du hast es ja gut gemeint.“ Wie im richtigen Leben gilt auch bei der Weihnachtsbescherung: „Gut gemeint und gut gelaufen sind zwei verschiedene Dinge. Eigentlich schenken wir uns zu Weihnachten seit Jahren nichts mehr, um vor Weihnachten erst gar keinen Geschenke-Stress aufkommen zu lassen. Doch wir haben einsehen müssen, dass es das Wort „eigentlich“ in sich hat.

Denn auch wenn man sich eigentlich nichts schenkt, darf man sicher sein, dass jemand aus alter Gewohnheit doch eine Kleinigkeit mitbringt. Und so wuchern die Kleinigkeiten vor sich hin und wir haben die Bescherung. Denn seit aus dem Nichts Kleinigkeiten geworden sind, weiß man nie, welche Kleinigkeit auf einen zu kommt und welche Kleinigkeit man bereith…

Drei Fragen an den Ehrenstadtdechanten der katholischen Stadtkirche, Manfred von Schwartzenberg: Ein Denkanstoß nach dem Anschlag in Berlin

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Der Anschlag von Berlin verunsichert viele Menschen. Wie können wir damit umgehen, Herr Pfarrer von Schwartzenberg?
Wir dürfen uns von der Angst vor dem Terror nicht einsperren und daran hindern lassen, unser ganz normales Leben zu leben. Wir müssen lernen, mit der Unsicherheit zu leben. Gleichzeitig muss der Staat durch gezielte Sicherheitsmaßnahmen, wie etwa das Abhören von Telefongesprächen verdächtiger Personen oder das Erstellen von Bewegungsprofilen dafür sorgen, dass die Bürger Vertrauen in die Sicherheitsorgane haben und dass potenzielle Anschläge verhindert werden können.

Wird der Terroranschlag von Berlin Wut und Hass befördern?

Nicht, wenn wir keine Sündenböcke suchen, sondern uns im Alltag offen begegnen und uns als Menschen sehen und annehmen. In meiner Gemeinde St. Barbara haben wir in der Flüchtlingshilfe gute Erfahrungen damit gemacht. Sie zeigen uns, dass wir das Problem des islamistischen Terrors auch dann hätten, wenn es in Deutschland kein Flüchtlinge gäb…

So gesehen: Alter schützt vor Dummheit nicht

Man braucht nur vor die Haustür zu gehen, um Abenteuer zu erleben. Leider sind es nicht immer die Abenteuer, die man sich in seinen Träumen ausmalt, eher schon die, die einem in seinen Alpträumen begegnen.

Vor einigen Tagen musste ich auf der Schloßstraße erkennen, dass auch das Alter, das man mit Lebenserfahrung und Weisheit verbinden möchte, nicht vor Dummheit schützt. Da radelte ein grauhaariger Herr im Rentenalter schneller als es die Polizei erlaubt, durch die Fußgängerzone. Auch von zwei älteren Damen, die mit ihrem Rollator und  ihren  Gehstöcken, Seit an Seit schritten, ließ sich der Rowdy-Rentner in seinem ungehemmten Vorwärtsdrang nicht stoppen und fuhr durch die in diesem Falle alles andere als goldene, sondern viel zu enge Mitte zwischen den beiden gehandicapten Damen, die in einem Anfall von Geistesgegenwart, mit letzter Kraft und lieber Not zur Seite auswichen.

Doch der rasende Rentner (War er lebensmüde oder wahnsinnig oder beides?) setzte noch einen drauf und überfuhr an…

Ein Zeitsprung an der unteren Schloßstraße

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Heute schauen wir mit einem alten Foto aus dem Stadtarchiv auf die untere Schloßstraße des Jahres 1950. Fünf Jahre nach Kriegsende war die Schloßstraße eine der am stärksten befahrenen Straßen der Stadt. Erst Anfang der 70er Jahre sollte sie zur Fußgängerzone mit einer Tiefgarage umgebaut werden. 

„Auf der Seite, auf der seit 1957 unser Hotel steht, stand damals noch der Kaufhof, der 1953 durch den Neubau an der Friederich-Ebert-Straße ersetzt wurde, der jetzt zugunsten des neuen Stadtquartiers abgerissen wird“, erinnert sich Hotelier und Zeitzeuge Karlheinz Noy. Zeitzeuge Walter Neuhoff erkennt in der linken Bildhälfte die Ausläufer des alten Kaufhof-Vorplatzes, auf denen ein alter Opel P4 aus den 30er Jahren und ein alter VW-Käfer zu sehen sind.
Noy und Neuhoff kennen auch noch die Geschäfte, die damals, gleich gegenüber dem Kaufhof an der unteren Schloßstraße ansässig waren.

Dort, wo man 1950 bei Mensing & Brennikmeyer und Glenewinkel Kleidung, bei Betten Hardt Bettwäsche, Tischde…

Auf dem Weg in eine gefahrenvolle Zukunft? Der Juristentag diskutierte in der Katholischen Akademie die Innere Sicherheit

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"Gehen wir in eine gefahrvolle Zukunft? Steht die Innere Sicherheit unseres Rechtsstaates auf dem Spiel?" Mit dieser Frage beschäftigte sich der Juristenrat des Bistums jetzt in der katholischen Akademie. Ganz konkret wurde die Diskussion, als die Mitarbeiterin eines Essener Krankenhauses von tätlichen Angriffen und Beleidigungen durch Familienclans mit Zuwanderungshintergrund berichtete.
Der für Essen und Mülheim zuständige Polizeipräsident Frank Richter räumte ein: "Die Verrohung der Sprache und die Respektlosigkeit haben in den letzten Jahren deutlich zu genommen." Gleichzeitig warnte er vor einer hysterischen Scheindiskussion darüber, die innere Sicherheit dadurch zu stärken, in dem man neben der Polizei auch die Bundeswehr im Inneren einsetzen solle. "Wie sollen wir die Sicherheit in unseren Städten stärken, wenn wir plötzlich vor dem Essener Hauptbahnhof einen Leopard-II-Panzer stehen hätten?" fragte der Polizeichef plakativ. Er wies in diesem Zusamm…

Herr Fleischmann mag es vegetarisch: Der Bio-Caterer aus Broich ist von seinem gesunden Ernährungsangebot überzeugt, aber ewig lockt die Currywurst die eher fleischeslustigen Kunden

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Früher arbeitete Andreas Fleischmann  als Wirtschaftsinformatiker in der Aldi-Hauptverwaltung an der Mintarder Straße 40. Heute steht er dort dienstags, zwischen 10 Uhr und 13.30 Uhr mit seinem Imbiss-Wagen und bietet seinen ehemaligen Kollegen einen mobilen Mittagstisch an.

Wer Lust auf Pommes, Currywurst und Pizza hat, wird bei Andreas Fleischmann nicht glücklich. Wer es etwas gesünder und natürlicher mag, kommt bei dem 33-Jährigen Bio-Caterer voll auf seine Kosten.

Auf seiner Speisekarte, die er mit grüner, roter und weißer Kreide auf eine Tafel geschrieben hat, stehen Gerichte, wie zum Beispiel sämige Smoothies aus Mango, Apfel, Banane, Zitronen, Spinat, Datteln und Ingwer, eine Linsensprossen-Bolognese oder ein Thai-Curry-Eintopf , Kartoffeln und Kichererbsen, Chilli con carne mit Rindfleisch aus ökologischer und tiergerechter Rinderzucht, jeweils mit  Basmatireis. Oder auch ein gemischter Salat mit Blattsalat, Hirsesalat, Paprika, Olivenöl und Kräutern.

Früher beschäftigte sich der…

Von Aleppo nach Mülheim: Nach ihrer lebengefährlichen Flucht aus dem Kriegsland Syrien sieht die Familie Albakri ihre Zukunft jetzt in der Stadt an der Ruhr

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Aleppo. Fliehende Menschen. Zerbombte Straßenzüge. Kämpfende Soldaten. Die Nachrichten aus der einst blühenden Wirtschaftsmetropole im Nordosten Syriens bedrücken jeden, der sie sieht oder liest.  Für Amea Albakri (49), seine Tochter Jovel Albakri (20) und seine Frau Zeinab Shik Hasan (47) sind die Bilder und Nachrichten aus der Stadt, die bis vor zwei Jahren ihre Heimat war, eine traumatische Erfahrung.

„Ich weine jeden Tag, wenn ich an unsere Verwandten und Freunde und alle Menschen denke, die dort leben, leiden und sterben“, sagt Zeinab Shik Hasan. Sie hat bis 2014 mit ihrer Familie im Westen Aleppos gelebt und als Erzieherin und Lehrerin in einem Kindergarten und in einer Grundschule gearbeitet. Ihr Mann war als Bauingenieur für den Straßenbau in Aleppo zuständig. Nebenberuflich hat er eine kleine Buchhandlung betrieben und Gedichte veröffentlich. Ein Gedicht war dem Regime von Präsident Bashar al-Assad zu kritisch und brachte ihn für drei Monate ins Gefängnis.

Tochter Joud, die 201…

So gesehen: Die Wacht am Weihnachtsbaum

Einen frohen Advent, wünsche ich allen zusammen. Ich bin auch noch da und halte die Wacht am Weihnachtsbaum auf dem Weihnachtstreff an der Schloßstraße. Ich bin kein Pappkamerad, sondern aus ganz besonderem Holz geschnitzt.

Ja, ich bin der schmucke und freundlich drein schauende Soldat mit Trommel. Leider hat mir ein behämmerter Zeitgenosse, der offensichtlich nicht alle Kerzen auf dem Christbaum hat, bei Nacht und Nebel meinen Klöppel geklaut.

Aber was will man erwarten in Zeiten, in denen auch so manches Christkind in seiner Krippe nicht mehr sicher vor Dieben und Entführern ist, denen einfach nichts mehr heilig ist, so wie den Kindern, die am Wochenende Leuchten von einem geschmückten Weihnachtsbaum rissen und in seinem Schatten mit Knallfröschen hantierten, weil sie wohl nichts besseres mit ihrer Zeit anzufangen wussten.

Umso bestürzter war ich, als ich angesichts solcher unbesinnlichen Aussichten jetzt erfahren musste, dass ausgerechnet die lokale Arbeitsgruppe der Kind…

Starthilfe für den Nachwuchs: Erzieherin Barbara Laux und ihre Kolleginnen sorgen dafür, dass Kinder für ihr Leben stark gemacht werden

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Hast du ,Aa’ in der Hose?“ fragt Barbara Laux einen Jungen, der sich auf dem Teppich ihres Kindernestes mit Lego-Steinen beschäftigt. Die Erzieherin, die seit 25 Jahren beruflich in den Kindergarten geht, hat einen Blick dafür, ob der Nachwuchs die Hosen voll hat. Bevor sie zwei Mädchen weiter aus einem Bilderbuch vorliest, bringt sie den jungen Mann wieder auf Vordermann. 

Zusammen mit ihrer Kollegin Nina Hunhoff betreut Laux die Ein- bis Dreijährigen in der Heißener Kindertagesstätte Hummelwiese. Auch wenn ihr Kindernest überschaubar ist, streift sie mit dem einen oder anderen Kind regelmäßig durch die anderen Räume der Kita. Ben möchte mit ihr im Atelier basteln. Dean will einfach nur mit ihr in den Gängen der Hummelwiese spazieren gehen. Queenita und Johanna kommen mit einem Bilderbuch zu ihr.

Später setzen Noah und Malte das CD-Radio neben dem Vorlese- und Kuschelsofa in Gang. Kinderlieder erklingen und die unermüdlichen Zwerge aus dem Kindernest hüpfen, gestikulieren und tanzen, w…

Ein Haus mit Geschichte: Ein Zeitsprung an der Bismarckstraße

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Es scheint, als sei die Zeit an der Bismarckstraße 28 stehen geblieben, wenn man die historische Aufnahme aus dem Stadtarchiv mit der aktuellen Fotografie vergleicht und doch liegen etwa 60 Jahre zwischen den beiden Bildern.

Im Kontrast zur äußeren Kontinuität hat die Villa, in der seit 2004 die Zenit GmbH und ihre Mitarbeiter Wirtschafts- und Innovationsberatung betreiben, eine wechselvolle Geschichte.
1913 ließ der Lederfabrikant Baptiste Coupienne die 1100 Quadratmeter große Villa als Wohnsitz für seine Familie errichten. Als Vorbild diente dem Architekten Franz Hagen das Elternhaus von Coupiennes Ehefrau Martha, das Haus Blegge in Paffrath bei Bergisch Gladbach. 1923 verkauften die Coupiennes ihr Haus an Gustav Stinnes, 1924 zogen hier der Industrielle Hugo Stinnes junior und seine Familie ein. Bis 1975 blieb das Haus im Besitz der Familie Stinnes, ehe es vom Max-Planck-Institut für Kohlenforschung als Gästehaus erworben wurde. Allerdings musste die Familie Stinnes ihr Wohnhaus zwis…

Gute Nachbarn machen das Leben schön: Das Centrum für bürgerschaftliches Engagement ist auf viele gute Beispiele gestoßen und wird diese im Medienhaus als vorbildlich präsentieren

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Es gibt noch gute Nachrichten. Zum Beispiel die, dass es noch gut funktionierende Nachbarschaften gibt, in denen sich Menschen kennen und helfen. Das zeigt ein Aufruf des Centrums für bürgerschaftliches Engagement (CBE), Fotos und Texte zum Thema gute und engagierte Nachbarschaft einzureichen, die ab dem 19. Januar in eine Ausstellung im Medienhaus am Synagogenplatz einfließen sollen.

„Wir waren positiv überrascht, wie viele Bürger sich für ihre Nachbarn engagieren, ohne viel Aufhebens von ihrem Einsatz zu machen“, schildern CBE-Geschäftsführer Michael Schüring und Mitarbeiterin Anna Maria Allegrezza ihre Erfahrungen aus den Gesprächen. „Gute Nachbarschaften brauchen Zeit, um zu wachsen, und den Mut, aufeinander zuzugehen und sich kennen zu lernen“, betont Alexandra Tinovic von der Mülheimer Wohnungsbaugenossenschaft MWB. Sie unterstützt im Rahmen des MWB-Vereins Mülheimer Nachbarschaft seit sieben Jahren die Nachbarschaftsaktivitäten der rund 4800 MWB-Mitglieder und Mieter,…

Die Willy-Brandt-Schule in Styrum feiert ihr 30-jähriges Bestehen

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30 Jahre Gesamtschule in Styrum. Das feiert die Willy-Brandt-Schule, so heißt sie seit 1993, eine ganze Woche lang. Bereits am Montag startete eine Projektwoche zum Schuljubiläum. Am Donnerstagabend werden geladene Gäste vom schuleigenen Catering bekocht und mit einem Bühnenprogramm gut unterhalten. Und am Freitag geht die Festwoche zwischen Oberhausener Straße, Augustastraße und Willy-Brandt-Platz von 15 bis 18 Uhr mit einem Schulfest zu Ende. "Anfangs wollen viele Styrumer die neue Gesamtschule nicht. Sie versuchten vor Gericht den Erhalt der dort existierenden Hauptschule durchzusetzen", berichtet die heutige Schulleiterin Ingrid Lürig, aus den Analen der Schulgeschichte. Die Pädagogin hat 28 der 30 Schuljahre mit erlebt und gestaltet.
Bildung vor der Haustür"Vor der Gründung der Gesamtschule mussten die Styrumer ihren Stadtteil verlassen, um einen weiterführenden Schulabschluss zu erlangen, der über den Hauptschulabschluss hinaus ging", erinnert Lürig, die die …

So gesehen: Wir sind alle kleine Sünderlein

Die Zeit, in denen die Kinder Fracksausen bekamen, wenn der Nikolaus in seinem purpur-roten Bischofsgewand, seiner Mitra, seinem Ehrfurcht gebietenden weißen Bart und seinem Bischofsstab nahte, sind vorbei.

Das merkte ich gestern, als ich während einer Straßenbahnfahrt das Gespräch zwischen einem Kindergartenkind und seiner Erzieherin hörte. „Ich bin gestern Nacht aufgewacht und habe gesehen, dass vor meiner Zimmertür bereits ein gefüllter Nikolausstiefel stand. Da habe ich mir einfach ein Bonbon stibitzt, aber der Nikolaus hat nichts gemerkt“, ließ das kleine Zuckermäulchen seine perplexe Kindergartentante wissen. „Das kannst du doch nicht machen“, antwortete die Pädagogin mit gespielter Empörung. „Ich glaube schon. Denn ich hatte gerade Hunger und das Bonbon schmeckte wirklich gut“, meinte das kleine Nikolausfrüchtchen.

Ob sich der Nikolaus das in sein Goldenes Buch notiert oder sollte der heilige Mann auch schon mit einem Tablet-Computer unterwegs sein? Wahrscheinlich h…

Zeitsprung am Rathausmarkt

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Auch für das Jahr 2017 hat der Mülheimer Burkhard Richter einen Kalender „Mülheim in alten Ansichten“ herausgegeben, der jetzt im örtlichen Buchhandel erhältlich ist. Das hier abgedruckte Foto schmückt das Kalenderblatt für den September des kommenden Jahres. Wir sehen den belebten Wochenmarkt auf dem Rathausmarkt in der Zeit um 1910. Damals stand dort noch das erste Mülheimer Rathaus, das Bürgermeister Christian Weuste 1842 dort hatte errichten lassen. Kurz nachdem diese historische Aufnahme aus der Sammlung Burkhard Richters entstand wurde mit dem Bau des heutigen Rathauses begonnen, das im Kriegsjahr 1916 vollendet werden sollte.

Als das historische Bild entstand, hatte Mülheim gerade erst die 100 000-Einwohner-Grenze überschritten und war damit offiziell zur Großstadt geworden. Vor dem alten Rathaus auf dem Rathausmarkt stand um 1910 auch noch das 1873 dort errichtete Mahnmal für die Mülheimer, die als Soldaten im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 ihr Leben verloren hatten.

Di…

So gesehen: Wenn der Nikolaus keine Mütter hätter

Wie wir gestern an dieser Stelle lesen konnten, will Kollege Sesa nicht den Nikolaus geben, weil er ein aus seiner Kindheit herrührendes Weihnachtsmann-Trauma mit sich herumschleppt.

Da ist er in bester Gesellschaft. Schon manche Frau hat sich über einen Traumprinzen geärgert, der sich bei genauerer Betrachtung als Weihnachtsmann entpuppte, weil er ihr erst versprach, die Sterne vom Himmel zu holen und später zu träge war, den Müll herunterzubringen.

Auch für mich brach eine Welt zusammen, als ich im Kindergarten erfuhr, dass der Nikolaus schon lange tot sei. Wer, so fragte ich mich damals verzweifelt, sollte mir jetzt das Telefon schenken, das ich mir vom Nikolaus gewünscht hatte. Damals wurde mir klar, dass Frauen im Zweifel auch die besseren Weihnachmänner sein können. Denn meine Mutter sprang für den verhinderten Nikolaus in die Bresche und sorgte dafür, dass am 6. Dezember ein tolles Telefon mit Wählscheibe auf meinem Nikolausteller stand.

Dieser Teyt erschien am 6. Deze…

Eine Frau teilt aus: DHL-Zustellerin Rebecca Kapelski und ihre 39 Mülheimer Kollegen verteilen vor Weihnachten täglich bis zu 9500 Pakete aus. An normalen Tagen sind es rund 7500: Online-Handel lässt Zustellzahlen steigen

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Wer einen Menschen kennen lernen möchte, dem seine Arbeit offensichtlich Freude macht, sollte die DHL-Paketzustellerin Rebecca Kapelski auf ihrer Tour durch Winkhausen und Holthausen begleiten. Für jeden, den sie an der Haustür antrifft, hat die 26-Jährige ein freundliches Wort und ein bezauberndes Lächeln, das bei ihr kein bisschen aufgesetzt wirkt.

Die allermeisten Menschen in ihrem Paket-Revier kennt sie beim Namen. Kein Wunder, dass es ihr nicht schwerfällt, bei Bedarf auch einen Nachbarn zu finden, der die Paketsendung für den gerade abwesenden Empfänger entgegen nimmt. Dann muss dieser nicht den langen Weg zum Postbank-Center am Hauptbahnhof in die Stadt auf sich nehmen, um das Paket dort am nächsten Tag abzuholen.

Manchmal braucht Kapelski ihren Charme aber auch nicht bei Nachbarn spielen lassen, weil die Empfänger einen Ablagevertrag mit der DHL geschlossen hat. Dann weiß die Paketzustellerin, wo sie das Paket abzulegen hat, wenn der jeweilige Empfänger nicht zu Hause ist. Meist…