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Es werden Posts vom September, 2020 angezeigt.

Weihnachten geht immer

Als ich jetzt durch den Supermarkt meines Vertrauens ging, überkam mich ein Gefühl wie Weihnachten. Dabei haben wir unbestreitbar erst September und noch nicht Dezember. Doch die Spekulatius, die Christstollen, die Dominosteine und Lebkuchen, die ich in den Auslagen sah, sagten mir etwas anderes. „Die Kunden wollen es“, sagt mir ein Mülheimer Einzelhändler über die offensichtlich verfrühten kulinarischen Weihnachtsgefühle. Also mir bliebe der Dominostein oder der Christstollen im Moment noch im Hals stecken. In einer ohnehin schnelllebigen Zeit fühle ich mich unangenehm unter Druck gesetzt, wenn meinen Geschmacksnerven vorgegaukelt wird, dass wir nicht September, sondern schon Dezember hätten. Doch Weihnachten ist bekanntlich das, was im Kopf passiert. Deshalb mag der mit Dominosteinen, Christstollen und Spekulatiusplätzchen daher kommende vorweihnachtliche Geschmack auf so manches Corona-gebeutelte Nervenkostüm wie ein beruhigender Energiespender wirken, der dem Unterbewusstsein klar…

Wahlkampfendspurt zwischen Tradition & Moderne

„Wir haben hier ein Areal mit einer langen Tradition als Handelsstandort, das wir mit Hilfe der Investoren aus Österreich modern und zukunftsorientiert für die Bürgerschaft weiterentwickeln können“, sagt CDU Oberbürgermeisterkandidat Marc Buchholz am Mittwochnachmittag mit Blick auf das 136.000 Quadratmeter große Tengelmann-Gelände an der Wissollstraße. Das Grundstück wurde vor vier Monaten vom österreichischen Investor Soravia erworben. Zusammen mit Firmenchef Erwin Soravia stellte Buchholz den Speldorfer Campus und das geschichtsträchtige Gebäude, samt der Nachbildung des ersten, 1893 eröffneten, Tengelmann-Ladens, dem NRW-Ministerpräsidenten und CDU-Landesvorsitzenden Armin Laschet bei einem halbstündigen Rundgang vor. Hier solle, so Soravia und Buchholz, ein zukunftsträchtiger Nutzungsmix aus Wohnen, sozialen Dienstleistungen, Beruf und Bildung seinen Platz finden. Ein Teil der insgesamt 79.000 Quadratmeter großen Innenraumfläche wird von der nahegelegenen Hochschule Ruhr-West gen…

Reden wir über Heißen

Wie sah Heißen früher aus. Und warum sieht es heute so aus wie es aussieht. Diese Frage beantwortet eine sehenswerte Foto- und Postkartenausstellung, die jetzt im Heißener Nachbarschaftshaus an der Hingbergstraße 311 eröffnet worden ist. Alte und junge Bürger des östlichen Mülheimer Stadtteils haben sie mit Unterstützung des Stadtarchivars Jens Roepstorff zusammengestellt. Schon bei der Vernissage kamen die Generationen der Alteingesessenen und der Neuzugezogenen über ihren Stadtteil ins Gespräch.Svenja Ester, Heißenerin des Jahrgangs 1977, brachte das Gespräch über den Stadtteil zwischen Gracht und Mühlenfeld, Honigsberg und Hingberg, Marktplatz und Rhein-Ruhr-Zentrum, Hardenbergstraße, Humboldthain  und Heimaterde mit einem Text des Heißener Heimatforschers Heinz Hohensee (1940-2017) in Gang. Da hörte man oder erinnerte sich zum Beispiel an das alte Kino im Bürgerhaus an der Kruppstraße, wo „Grün ist die Heide“ in den 1950er Jahren für 70 Pfennige pro Karte zum Kassenschlager wurde.…

Plakativer Denkanstoß

Wir gehen auf die OB-Stichwahl zu. Wer durch die Stadt geht, sieht die Konterfeis der Kandidaten, die noch im Rennen sind und jener, die bereits abgehängt worden sind und dennoch hängend freundlich vom Laternenmast grüßen. Manche der kommunalpolitischen Köpfe sind ganz oben und zwingen den Passanten zum Aufschauen. Andere Pappkameraden sind genau auf Augenhöhe. Und einige Kandidaten sind offensichtlich schon abgerutscht und ganz unten, so dass man zwangsläufig auf sie hinunterschaut. Wir wissen noch nicht, zu wem wir am kommenden Sonntag als unserem neuen Stadtoberhaupt und Verwaltungschef aufschauen und auf welchen Wahlverlierer wir mitleidig herabschauen werden. Das im Straßenbild sichtbare Auf und Ab der Kandidaten erinnert uns Gewählte und Wähler daran, dass Demokratie nicht nur mit plakativen Parolen von ganz oben oder von ganz unten, sondern nur mit einem aktiven Miteinander mittendrin im Leben und auf Augenhöhe funktionieren kann. Der Wahlkampf mag Mühe machen. Doch die eigentl…

Quo vadis Karneval?

Auch der Karneval wird von der Corona-Pandemie hart getroffen. Der Präsident des Hauptausschusses Groß-Mülheimer Karneval,Markus Uferkamp, sieht die Zukunft der Fünften Jahreszeit im Gespräch mit der Mülheimer Woche mit Sorge. Er erkennt aber auch Chancen für das Überleben des Brauchtums Karneval.Welche Karnevalsveranstaltungen der kommenden Session mussten Sie absagen?
Markus Uferkamp: Stand heute haben wir noch nichts abgesagt. Aber wir müssen auch realistisch sein. Es wird nur schwer machbar sein, eine Prinzenproklamation oder den Prinzenball im Festsaal der Stadthalle feiern zu können, wenn nach den jetzt geltenden Hygiene- und Abstandsregeln maximal 100 Personen in diesen Saal hinein dürfen. Wir planen aber jetzt schon die Aufstellung des Narrenbaums am Kurt-Schumacher-Platz. Dort können wir nach den jetzt geltenden Hygiene- und Abstandsregeln bis zu 300 Personen problemlos zusammenführen.  Wir überlegen, ob wir nach der Aufstellung des Narrenbaums durch die Innenstadt zum Rathaus…

Ein Denkanstoß

Ihr Grußwort zur Preisverleihung der Bürgerstiftung im Sportpark Styrum nutzte Stiftungsvorstand Bettina Gosten für einen gesellschaftspolitischen Denkanstoß. Bei der Veranstaltung, die engagierte Jugendliche ehrt, sagte Gosten unter anderem:"Klimawandel, weltweit 79 Millionen Flüchtlinge und viele unterschiedliche politische Krisen. Ihr als junge Generation könntet unserer Generation sagen: 'Ihr habt versagt, weil ihr zu oft nach dem Motto gehandelt habt: Es wird schon gut gehen und was geht mich das an?' Heute sind unsere Probleme nicht mehr zu übersehen. Doch ihr seid engagiert, klug und ideenreich. Ihr habt das Zeug dazu, Teil einer Bürgergesellschaft zu sein, die uns voranbringt. Leider erleben wir zurzeit in der Öffentlichkeit und in den Sozialen Medien eine Verrohung der Diskussionskultur. Viel zu viele Menschen sagen: 'Bist du nicht auf meiner Seite, mache ich dich mundtot.' So wird unser Grundrecht auf freie Meinungsäußerung zerstört, in dem kritische Sti…

Die Mischung macht’s

Er sei in der jetzigen Krise froh, dass mit der Physikerin Angela Merkel und dem Arzt Helge Braun im Bundeskanzleramt zwei Naturwissenschaftler das Sagen hätten, weil sie einen besseren Einblick in die mit der Corona-Krise verbundenen Zusammenhänge hätten als ein Politologe.So sagte es der Unternehmensvorstand und Preisstifter Bernd Jotzo in seiner Laudatio auf die nominierten und Preisträger das von der Bürgerstiftung vergebenen Preises für besondere Nachwuchs-Leistungen in den Naturwissenschaften.
Natürlich erwartet man von einem naturwissenschaftlichen Preisstifter das Hohe Lied auf die Naturwissenschaften. Doch sind Naturwissenschaftler, ob ihrer Profession, automatisch die besseren Politiker. Der syrische Augenarzt und Diktator Assad lässt mich daran ebenso zweifeln wie die Physiker, denen wir die Atombombe zu verdanken haben oder die in der NS-Zeit schrecklich dienstbaren Ärzte und Naturwissenschaftler.Unser Land ist Gott sei Dank auch nicht untergegangen, als es von den Juristen…

Ausgezeichneter Nachwuchs

Unter dem Eindruck der Corona-Krise schauen viele Menschen ängstlich in die Zukunft. Was soll aus unserer Stadt und aus unserem Land werden? Da kam die Preisverleihung der Bürgerstiftung gerade richtig. Sie nominierte 24 Jugendliche für ihre Preise, die herausragendes Engagement in den Bereichen Zivilcourage, Soziales Engagement, Natur- und Geisteswissenschaften würdigen. Am Ende konnten sich fünf junge Mülheimer über ein Preisgeld von 3000 Euro freuen.Mit Rücksicht auf Corona-bedingten Abstands- und Hygieneregeln fand die 15. Preisverleihung der Bürgerstiftung nicht im Haus der Wirtschaft, sondern in der luftigen Tengelmann-Arena des neuen Styrumer Sportparks statt.In ihrer Begrüßung würdigte Stiftungsvorstand Bettina Gosten die Nominierten und Preisträger. "Ihr seid engagiert, ideenreich und klug. Ihr seid willens und in der Lage, ein aktiver Teil einer Bürgergesellschaft zu sein, die uns voranbringt. Deshalb bringt euch ein und kämpft um eure Ziele."Vielseitiges Engageme…

Ein Streifzug durch die Mülheimer Wahlgeschichte

Am 13. September haben alle Mülheimer, die mindestens 16 Jahre alt sind und die deutsche oder eine EU-Staatsbürgerschaft besitzen die Wahl. Sie wählen unter zehn Bewerbern eine Oberbürgermeisterin oder einen Oberbürgermeister, den Rat der Stadt und drei BezirksvertretungenDas war nicht immer so: Bis zum Ende des Kaiserreiches, im Jahr 1918, galt bei preußischen Kommunalwahlen und damit auch bei den Kommunalwahlen in Mülheim ein Dreiklassenwahlrecht. Es teilte die Bürger nach ihrem Steueraufkommen In 3 Klassen ein. Das führte dazu, dass die breite Bevölkerung, die vergleichsweise wenige Steuern zahlte, drei Viertel der Bevölkerung, aber nur ein Drittel der Stimmen stellte. Umgekehrt stellten die wohlhabenden Mülheimer, die sich in der ersten und zweiten Steuerklasse wiederfanden nur ein Viertel der Bevölkerung, aber zwei Drittel der Stimmen. Hinzu kam, dass die Frauen bis 1918 gar nicht stimmberechtigt waren. Am 2. März 1919 fand die erste Kommunalwahl statt, bei der Frauen wählen dur…

Klare Ansage

Der Wilde Westen beginnt manchmal schon in Mülheim. Das erlebte ich jetzt als ich im Mülheimer Westen an der Duisburger Straße in Speldorf in die Straßenbahn der Linie 901 einsteigen wollte. Um ein Haar wäre meine Lebensreise plötzlich und unerwartet vorbei gewesen, weil ein Geländewagen-Fahrer in Wild-West-Manier und entgegen der Vorschriften der Straßenverkehrsordnung nicht an der haltenden Bahn anhielt, sondern einfach durchfuhr, so dass ich auf halbem Weg zwischen Bürgersteig und Straßenbahn in letzter Sekunde zur Seite springen musste. Als ich mit schlotternden Knien in der Straßenbahn Platz genommen hatte, überraschte mich der Straßenbahnfahrer, indem er seine Außenlautsprecheranlage anwarf und dem Verkehrsrowdy unmissverständlich und unüberhörbar wissen ließ, was er von seinem Verkehrs-Rowdytum hielt. Die Gardinenpredigt aus dem Straßenbahn-Mikrofon überzeugte mich mit ihrer aus dem heiligen Zorn gespeisten Wortgewalt.Tatsächlich würde ich mir auch auf anderen Lebenswegen und i…

Bestechendes Kleingeld

Geht es Ihnen auch so? Kleingeld macht mich nervös. Es beschwert mein Portemonnaie, ohne mich finanziell wirklich weiter zu bringen. Mit der Redensart: Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert, konnte ich bisher nicht viel anfangen.Doch in der Zeit des Pflaumenkuchen-Essens auf dem Balkon oder auf der Terrasse hat die Apothekerin meines Vertrauens das kleine und oft nervige Kupfer-Kleingeld in meiner Wertschätzung enorm steigen lassen. Sie verriet mir, dass die oft nervigen Wespen selbst nervös werden, wenn sie im Anflug auf ihre süßen Zielobjekte kleines Kupfergeld sehen. Tatsächlich hatte ich nach dem Selbstversuch, bei dem ich die kleinen ansonsten ungeliebten Kupfermünzen auf unserer Kaffeetafel platzierte, das Gefühl, dass die bestechenden Insekten einen Bogen um unseren Kaffee- und Kuchen-Tisch machten.
Ich hätte nie gedacht, das mich Kleingeld mal so beruhigen könnte, weil es die Wespen nervös macht, die mich sonst nervös gemacht und mir den Appetit an der Kaffeetaf…

Kultureller Knotenpunkt

Der peruanische Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger Mario Pedro Vargas Llosa hat es drastisch formuliert: „Das Leben ist ein Sturm aus Scheiße und die Kunst ist der einzige Regenschirm dagegen.“ Deshalb wagen jetzt das Theater an der Ruhr, der Ringlokschuppen, die Mülheimer Theatertage Stücke im Verein mit dem Bildungsnetzwerk Innenstadt und der Silent University im Sturm der Corona-Krise einen neuen Aufbruch.  In einer Zeit, in der auch das Kulturleben hart getroffen wird machen die Partner aus der Dezentrale an der Leineweberstraße 15 eine Vierzentrale. Hier soll man sich begegnen können. Hier soll man Theater, Kultur und Bildung gemeinsam erleben können. Die Hygiene- und Abstands-Regeln der Corona-Zeit zwingen das Theater an der Ruhr, den Ringlokschuppen und den städtischen Theater- und Konzertbetrieb, inklusive der Stücke, zu einem quantitativen Schmalspur-Programm. Sowohl im Theater an der Ruhr als auch im Ringlokschuppen oder im Theatersaal der Stadthalle können zurzeit…