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Es werden Posts vom Oktober, 2018 angezeigt.

Frauen helfen Frauen professionell

Hilfe für Frauen e.V. Auf diese Bezeichnung legt Nicole Weyers wert. "Wir sind rechtlich ein eingetragener Verein. Aber wir sind eben nicht irgendein Verein, sondern ein sozialer und qualifizierter Träger", sagt die Aus- und Fortbildungspädagogin, die im Mai zusammen mit der Sozialwissenschaftlerin Annette Lostermann-DeNil den Vorsitz von Hilfe für Frauen e.V. übernommen hat.
Seitdem hat sich viel getan: Neue Mitarbeiterinnen, neue Bürotechnik und Fortbildung für das hauptamtliche Team, das neben dem Frauenhaus, eine allgemeine Frauenberatungsstelle, eine Beratungsstelle zur Vorbeugung und Bekämpfung sexualisierter Gewalt und das 1994 eingerichtete Frauenhaus betreibt.
"Wir sind ein professioneller sozialer Dienstleister mit elf sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, von denen sieben eine pädagogische Fachausbildung haben", sagt Nicole Weyers. Sie freut sich, dass Hilfe für Frauen e.V. ab November auch von einer Juristin unterstützt wird. Denn wenn Frauen mit ih…

Seelsorge wie gedruckt

Was machen Sie eigentlich beruflich? Das ist die klassische Gesprächseröffnung, wenn man mit seiner neuen Tisch-Bekanntschaft nicht gerade über das Wetter reden will. Jetzt überraschte mich meine Tischnachbarin bei einem Hochzeitsmahl mit der Feststellung: "Ich habe sie doch schon öfter in St. Barbara gesehen!" Als ich diesen Eindruck bestätigte, schob meine Tischdame die Frage nach: "Sind Sie da der Pfarrer?" "Nein, ich bin nicht der Pfarrer. Ich bin Journalist, aber des Öfteren dort zu Gast", klärte ich meine Gesprächspartnerin auf. Dennoch schmeichelte mir der offensichtlich vertrauenerweckende Eindruck, für einen Pfarrer gehalten zu werden. "Wollen Sie beichten, meine Tochter oder soll ich Sie ins Gebet nehmen?" Doch dann wurde mir klar, dass ein guter Journalist, genau wie ein Seelsorger, die Fähigkeit des gezielten Fragens und Zuhörens und des Vertrauenschaffens haben muss, damit sich Menschen im Gespräch öffnen, um ihre Geschichte nicht nu…

Ganz schön plakativ

Gestern fiel mir in der Stadt ein Werbeplakat ins Auge. Dass ich das Plakat etwas genauer betrachtete, hatte mit seinem Fotomotiv und mit meiner Fleischeslust zu tun. Es ging gar nicht um das, was Sie jetzt vielleicht denken, sondern um lecker anzuschauendes Schnitzel-Gericht, mit dem ein Restaurant für seine Schnitzeltage warb.
„So viel, wie du kannst“, lockte die Werbung den Schmecklecker und ließ ihm das Wasser im Munde zusammenlaufen. Hinzu kam, dass das bildschöne Schnitzel unter Palmen stand, was nicht nur den Appetit, sondern auch das Urlaubsgefühl weckte. Dabei weiß ich gar nicht, ob ein Wiener Schnitzel ausgerechnet unter Palmen besser schmeckt, als in Eiche rustikal mit Blick auf die Straße oder mit Blick auf Ruhr.
Als eine Bekannte zuletzt ein Schnitzel unter Palmen gegessen hat, nahm hatte sie später acht Pfund mehr auf dem Rippen. Das lag aber, zugegeben, nicht nur an dem einen Schnitzel unter Palmen, sondern an der 14-tägigen Vollpension auf ihrem Kreuzfahrtschiff. 
Kei…

Der menschliche Glutkern

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Die Katholische Akademie Die Wolfsburg und die ökumenische Telefonseelsorge luden zu einem vielseitigen Seelen-Gespräch in die Duisburger Kulturkirche Liebfrauen ein.


Das Kirchenschiff am König-Heinrich-Platz war gut gefüllt. Wenn es um die Seele geht, geht es für Christen ans Eingemachte. Das Publikum war interessiert und gespannt zugleich, als Olaf Meier von der ökumenischen Telefonseelsorge, der Neurowissenschaftler Michael Huber und der Theologe Pater Elmar Salman zu ihren Impulsreferaten antraten.
Als nach den „Experten“ die Zuhörer zu Wort kamen, war die Ernüchterung mit Händen zu greifen. „Sie haben die Faszination der Seele gar nicht herausgearbeitet.“ „In ihrer Diskussion kam das Wort Gefühl kein einziges Mal vor.“ Und: „Für mich war Ihr Gespräch nicht so erbaulich, wie ich es erhofft hatte“, bekamen die Podiumsteilnehmer zu hören. „Eine Diskussion über die Seele, die nicht zu verorten ist, ist eben nicht immer erbaulich“, räumte Pater Elmar ein. Und Moderator Jens Oboth von de…

Ein Zeitsprung an der Leineweberstraße

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Heute schauen wir auf einen Teil der Leineweberstraße, auf ihre Kreuzung mit der Friedrich-Ebert-Straße und linkerhand auf den Berliner Platz. Wir springen dabei zurück ins Jahr 1987. Ein Foto unseres Lesers Ralf Bayerlein aus Speldorf macht es möglich.
Die Leineweberstraße, die seit Mitte der 1950er Jahre eine Ost-West-Verkehrsachse durch die Innenstadt schlägt, hatte in den späten 1980er Jahren noch nicht ihren heutigen Alleen-Charakter. Wie man sehen kann, waren die zwischenzeitlich zur Disposition gestellten Bäume, die die Leineweber Straße säumen, noch bei weitem nicht so mächtig, wie wir sie heute kennen. 1987 war bereits ein knappes Jahrzehnt vergangen, seit ein Teil der Leineweberstraße in die bereits in den 1970er Jahren entstandene Fußgängerzone der Innenstadt integriert worden war.
Linkerhand sehen wir 1987 das Caféhaus Moldt, vormals Café Brandt, wo heute ein China-Restaurant seine Gäste bewirtet. An das Caféhaus schließt 1987 noch die Thomas-Apotheke an. Ihre ehemaliges L…

Trinkeld und Lehrgeld

Ausgerechnet in einer öffentlichen Bildungseinrichtung habe ich gestern etwas fürs Leben gelernt, wenn auch ungewollt. Weil Flüssigkeitszufuhr das Denkvermögen erhöhen soll, ich aber meine gut gefüllte Trinkflasche zuhause stehen gelassen hatte, musste ich mich in besagter Bildungseinrichtung mit einem öffentlichen Getränkeautomaten auseinandersetzen. Das gestaltete sich schwieriger, als ich vermutet hatte. Denn ich fand  an dem verdammten Automaten einfach keinen Schlitz, in den ich meine geforderte Münze hätte werfen können. Doch dann wähnte ich mich am Ziel und warf mein Kleingeld in eine schlitzähnliche Öffnung des Getränkeautomaten. Die Münze fiel in den Getränkeautomaten. Doch der gab das gewünschte Getränk nicht frei. Auch mein Rütteln am Getränkeschrank half nichts. Ich wusste gar nicht, dass ein Getränke- Automat nicht nur einnehmend, sondern auch noch gemein sein kann.

Doch dann erlöste mich ein in der Automatentechnik bereits fortgeschrittener Besucher der Bildungseinrichtu…

Ohne einen Funken Spaß an der Freude geht es nicht

Ihren 60. Geburtstag feiert die Prinzengarde Rote Funken mit einem Stadtprinzenpaar aus den eigenen Reihen. Ihr 2. Vorsitzender Johannes Terkatz und Tanzgardentrainerin Martina Ising werden am 11.11. im Festsaal der Stadthalle als Johannes II. und Martina I. zu den närrischen Regenten der Ruhrstadt proklamiert. "Weil der 11.11. diesmal auf einen Sonntag fällt, beginnen wir mit der Prinzenproklamation diesmal schon um 18 Uhr", lässt Chef-Karnevalist Markus Uferkamp wissen.

Der 53-jährige Terkatz und die 51-jährige Ising sind ein kongeniales Prinzenpaar. Er ist als SPD-Stadtverordneter daran gewöhnt, vor Publikum zu reden. Und für sie ist das Tanzen ihre zweite Natur. Das kann ja heiter werden. Und das soll es auch. Dafür wollen auch die Begleiter des designierten Stadtprinzenpaares sorgen. Funken-Präsident und Ex-Prinz Heino Passmann hat sich als Hofmarschall verpflichten lassen, die Tollitäten bis zum Aschermittwoch (6. März 2019) zu 150 Auftritten zu begleiten. Und die tanze…

Neue Töne braucht das Land

Kaum habe ich den Schock verwunden, dass mein süße Schokoladen-Ecke zwischen Wallstraße und Löhberg geschlossen hat, da muss ich in der NRZ lesen, dass Mülheims ältester Chor, der 1852 gegründete Männergesangverein Frohsinn, zum Jahresende seinen letzten Takt verklingen lässt. Gehen uns jetzt nach den Süßigkeiten auch noch die Töne aus, zumindest die, die wir als  Nervennahrung fürs Gemüt in unseren  turbulenten  und  schrillen Zeiten so dringend brauchen? Vielleicht liegt es daran, dass sich das Volk verändert hat, dass eben nicht nur den Volksparteien, sondern auch den Volkschören, die das Volkslied pflegen, die Puste auszugehen scheint.
 „Das Volk hat das Vertrauen der Regierung verscherzt. Wäre es da nicht doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes?“ spottete schon Bert Brecht.
Vielleicht ist es ja Zeit, mit Demut und Selbstvertrauen neue Töne anzuschlagen, in dem wir uns von großen Tönen und Lautsprechern aller Art verabschieden, die uns das Heil ver…

Gutes für Körper und Seele

Das Brautpaar, das an diesem Sonntag am Schloss Broich aus seiner schwarzen Limousine aussteigt, wirkt in seiner festlichen Garderobe und mit seiner glücklichen Ausstrahlung wie bestellte Werbeträger für die Glüxx-Messe, die zeitgleich im Rittersaal und im Wappenzimmer von Schloss Broich Menschen anzieht, die sich wie das Brautpaar ein XXL-Stück vom Glück abschneiden wollen, in dem sie etwas für ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden tun. Es fällt auf: Die meisten Messebesucher bewegen sich in der Lebensmitte. Viele tun bereits etwas für ihre Gesundheit. Andere müssen nach einer Erkrankung etwas für ihre Genesung tun.
Eine Duisburgerin in den Fünfzigern interessiert sich „nach einer schweren Erkrankung“ für ein Saftkonzentrat aus über 70 Obst- und Gemüsesorten, das mit Wasser verdünnt getrunken, die Regeneration ihrer Zellen fördern soll. Anders, als ihre bessere Hälfte kann sich die Dame auch für die 20-minütige Trainingseinheit begeistern, die unter Zuhilfenahme von niedrig-frequente…

Die Droste lässt grüßen

„Sie war eine Frau, die an Ihrem Glauben und an der theologischen Dogmatik ihrer Kirche zweifelte, aber trotzdem Christin blieb, weil für sie Ehrlichkeit den höchsten Wert darstellte.“ So stellte Rezitator Wolfgang Hausmann bei seiner Freitagslesung im Heißener Kulturzentrum Fünte die westfälisch-katholische Dichterin Annette von Droste-Hülshoff vor. Hausmann erinnerte daran, dass die Droste aufgrund ihrer eigenen naturwissenschaftlichen und geologischen Erkenntnisse der damaligen kirchlichen Auffassung nicht folgen konnte und wollte, dass die Welt etwa 5000 Jahre alt sei. Die aus einem alten Adelsgeschlecht stammende Dichterin der 1842 erschienen „Judenbuche“ starb vor 170 Jahren in ihrer Wahlheimat am Bodensee. „Ihr Gedicht-Zyklus ‚Das geistliche Jahr‘ zählt zu den bedeutendsten Werken der religiösen Dichtung“, betonte Wolfgang Hausmann. So heißt es in ihrer geistlichen Gedichte: “Ich trau auf deine Hand, dass sie mich wohl behüte, weil alle deine Güte und Liebe mir bekannt, und das…

Ohne Starthelfer geht es nicht

Heute stellen die Mülheimer Woche und das Centrum für bürgerschaftliches Engagement (CBE) in ihrer Porträtreihe die ehrenamtlichen Starthelfer Petra Pawelski-Scholz und Wolfgang Messing vor. Beide kommen aus den Linksruhr-Stadtteilen Broich und Speldorf und fahren einmal pro Woche über die Ruhr nach Eppinghofen. Ihr Ziel ist die Gemeinschaftsgrundschule an der Zunftmeisterstraße. Die Kinder kommen aus über 50 verschiedenen Ländern der  Welt und lernen hier für ein gemeinsames Leben in Mülheim. Nachmittags zwischen 14.30 Uhr und 16 Uhr üben die beiden Ehrenamtler mit Erst- und Zweitklässlern die deutsche Sprache. "Das läuft sehr spielerisch ab. Wir haben uns von einer Logopädin beraten und mit kindgerechten Lernspielen ausstatten lassen", berichtet Messing. Der pensionierte Ingenieur, der durch seinen Beruf viel in der Welt herum gekommen ist, koordiniert das Projekt Eulenkids, das vor drei Jahren von seinem Rotaryclub Mülheim-Uhlenhorst ins Leben gerufen wurde.
Wir können Ve…

Styrumer Brückenschlag

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Mittwoch, 17. Oktober, 17 Uhr. Die Bauarbeiter an der Thyssenbrücke gehen in den Feierabend. Die Fraktionsmitglieder der CDU kommen mit dem Baudezernenten Peter Vermeulen und dem städtischen Projektleiter Ralf Grunert vom Amt für Verkehrswesen, um sich über den Stand der Dinge zu informieren.

Vermeulen und Grunert sind sich sicher. Ab dem 29. November wird die Straßenbahnlinie 112 wieder über die Thyssenbrücke fahren können und der Schienenersatzverkehr der Vergangenheit angehören. Bis der Autoverkehr wieder über die neu gebaute Brücke rollen kann, wird es nach ihrer Einschätzung aber noch bis Mai 2019 dauern. Dezernent und Projektleiter erinnerten an die besonderen Probleme, die sich durch Kampfmittelräumung, bis dahin unbekannte Versorgungsleitungen und falsch gelieferte Bauteile für den Neubau der vormals über 100 Jahre alten Brücke ergeben haben. An der Brückenbaustelle zwischen Neustadtstraße und Hauskampstraße sind bis 40 Arbeiter im Einsatz. Das Investitionsvolumen beziffert der…

Man(n) hört und lernt fürs Leben

Man(n) hört und lernt, zum Beispiel am Sonntagabend im Art-Shop an der Schloßstraße, als Eva Kurowski ihre Ballade vom schönen, aber armen Griechen singt, der bei der schönen, leider aber auch berechnenden Touristin aus Germania, die sich lieber an den dicken und kahlen Günter mit seiner Yacht heranmacht, keine Chance hat. So realistisch und brutal kann Poesie sein.
Ein anderer Poet, Bert Brecht, der uns die „Dreigroschenoper“ geschenkt hat, brachte zeitlos auf den Punkt: „Erst kommt das Fressen und dann kommt die Moral.“

Man(n) muss wohl einsehen, dass man(n) noch so sympathisch, liebenswert und humorvoll sein kann, wie man(n) will. Liebe geht eben nicht nur durch den Magen, sondern auch durch den Geldbeutel. Zu Ursachen, Hintergründen, Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre bessere Hälfte. Oder lassen Sie es lieber sein, wenn Ihnen Ihre Ehe lieb ist. Nehmen Sie es, ob mit oder ohne Yacht, mit Humor und bilden sich ein, dass Ihr Schatz Sie nicht wegen Ihrer Schätze, sondern wegen…

Swingende Poesie

Es wäre zu viel gesagt, wenn man behaupten würde, dass das Art-Obscura-Team mit seinem Art-Shop an der Ecke Löhberg/Schloßstraße für blühende Landschaften gesorgt hätte. Doch nach der Workshop-Phase konnte man sich am Sonntagabend davon überzeugen, dass Bilder, Collagen, Installation und kolorierte Möbel Farbe, Form und Fröhlichkeit in den grauen Ladenleerstand des ehemaligen Waffelwunderlandes gebracht haben.

Dazu passte auch der farbige und fröhliche Abend, den Jazz-Sängerin Eva Kurowski und ihre Begleiter am Klavier, Dirk Balthaus, ihren Zuhörern im Art-Shop bereiteten. Mit toller Stimme, Poesie, Witz und einem Schuss Frivolität begeisterte Kurowski ihr Publikum. Und ihr Pianist, der Kurowski bereits als 16-Jähriger bei ihren Bühnenanfängen begleitet hat, fand immer die richtige musikalische Untermalung, um das gesungene und gesprochene Wort perfekt zu Gehör zu bringen. Mit ihren Jugenderinnerungen „Der liebe Gott schmiert keine Stullen“ nahm Kurowski ihr milde nickendes und lachen…

Wer weist uns den Weg?

„Kann ich Ihnen helfen?“ Was für eine Frage. Auch wenn sich mir an schlechten Tagen der Eindruck aufdrängt, dass mir nicht mehr zu helfen sei, klingt dieser Satz doch fast so schön, wie: „Der Kaffee ist fertig!“ „Das hast du gut gemacht“oder: „Ich hab‘ dich lieb!“
Die unverhofft wohlklingende und wohltuende Frage überraschte mich, weil sie im Hauptbahnhof an mein Ohr drang und von einem freundlichen Mann ausgesprochen wurde, dessen Dienstkleidung ihn als Mitarbeiter der Deutschen Bahn auswies.
Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Die Deutsche Bahn, von der man als verspätungs- und ausfallgeplagter Fahrgast nichts mehr erwartet, außer ihre nächste unverdiente Fahrpreiserhöhung oder vielleicht die Erhöhung ihrer Vorstandsgehälter, fragt ihre Kunden persönlich, ob sie ihnen helfen kann.


Natürlich hätte ich den freundlichen und hilfsbereiten Mann von der Bahn bitten können, für preiswertere, dichtere und pünktlichere Zugverbindungen und für bescheidenere Vorstandsgehälter bei seinem Arbeitg…