Direkt zum Hauptbereich

Posts

Es werden Posts vom April, 2014 angezeigt.

Leidenschaft Zeitung oder: Warum Hans-Jürgen und Rita Holst auch nach 50 gemeinsamen Jahren nicht auf ihre gemeinsame Zeitung verzichten wollen

Solch treue Leser wünscht sich eine Zeitung. 50 Jahre sind Rita und Hans-Jürgen Holst aus Styrum ein Ehepaar und genauso lange lesen sie auch schon ihre Zeitung, die NRZ. „Der Jens Feddersen war ein toller Journalist. Der fand immer klare Worte“, erinnern sich die Beiden an den 1996 verstorbenen NRZ-Chefredakteur. Unvergessen geblieben ist ihnen das legendäre Streitgespräch, das sich Feddersen 1972 in einer Fernsehsendung mit dem DDR-Journalisten Karl Eduard von Schnitzler („Der schwarze Kanal“) lieferte.

Aber auch heute schätzt das Ehepaar Holst die klaren Worte in der NRZ, sei es in den Kommentar- oder in den Leserbriefspalten. „Das, was die Leser schreiben gefällt uns oft besser, als das, was die Politiker sagen“, betont Hans-Jürgen Holst, der bis zu seiner Pensionierung als Chemikant bei der Ruhrchemie gearbeitet

„Die Zeitung ist für uns, wie das tägliche Brot. Wir nehmen uns jeden Tag nach dem Frühstück mindestens 45 Minuten Zeit für die Zeitungslektüre“, erzählt seine Ehefrau.…

In Memoriam August Weilandt

August Weilandt hat den Geschichtsgesprächskreis Styrum mit seiner Persönlichkeit maßgeblich geprägt und vorangetrieben. Seine Wiege, in der er am 13. Dezember 1917 das Licht der Welt erblickte, stand am Styrumer Marienplatz. Dort wuchs er mit sechs Schwestern auf. Styrum und seine Geschichte sind August Weilandt zur Lebensaufgabe geworden, auch wenn er später von Styrum nach Broich zog.


Seit über 1996 betreute er das zuletzt im Grundschulgebäude an der Schlägelstraße ansässige Historische Klassenzimmer. Hier zeigte er nicht nur Schülern wie der Schulalltag ihrer Groß- und Urgroßeltern aussah. Als Mitglied des Styrumer Geschichtsgesprächskreises hat Weilandt unter anderem mehr als 1000 historische Fotografien zusammengetragen und in Ausstellungen der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Maßgeblich wirkte er auch an den bisher vier Bänden der Stadtteilgeschichte "Styrum - ein starkes Stück Stadt" mit und stellte sich als Angehöriger der Kriegsgeneration immer wie…

Die Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies: Rückschau auf die August-Macke-Ausstellung des Mülheimer Kunstmuseums Alte Post

„Die Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies.“ Unter diesem verheißungsvollen Titel präsentiert das städtische Kunstmuseum Alte Post noch bis zum 27. April Bilder des rheinischen Expressionisten August Macke und einige seiner künstlerischen Zeitgenossen und Wegbegleiter zeigt. Auch 100 Jahre, nachdem Macke mit gerade mal 27 Jahren als Soldat im Ersten Weltkrieg gefallen ist, fasziniert er viele kunstinteressierte Menschen. Weit mehr als 30.000 Besucher, die seit Anfang Februar 70 seiner insgesamt mehr als 500 Gemälde sehen wollten, sprechen für sich.

Warum steht Macke bei Kunstfreunden auch heute hoch im Kurs? Die Kunsthistorikerin Beate Reese, die das Kunstmuseum Alte Post seit 2009 leitet und damit auch für die aktuelle Ausstellung verantwortlich zeichnet, erklärt das unter anderem so. „Macke spricht menschliche Grundbedürfnisse und Werte an, etwa das Grundbedürfnis nach Harmonie und Schönheit, nach Freiräumen, aber auch nach Liebe und Geborgenheit. Die Geborgenheit in einem vertraute…

Vorbilder, die Kirche beflügeln können: Auch Mülheimer sind zur Heiligsprechung der Päpste Johannes XXIII. und Johannes Paul II. nach Rom gefahren

„Die Atmosphäre ist großartig. Und durch die Freude und den Elan der Menschen, die dort hinkommen, wird man beflügelt, selbst den Glauben weiterzugeben und die Menschen mit Freundlichkeit und offenem Herzen für den Glauben zu interessieren.“ So beschreibt der Speldorfer Diakon Hans Georg Keller seine Motivation, bei der morgigen Heiligsprechung von Papst Johannes XXIII. und Papst Johannes Paul II. in Rom dabei zu sein. Begleitet wird Keller von 27 Mitgliedern einer Gebetsgruppe, die sich regelmäßig in St. Michael trifft.


„Man spürt bei einem solchen Ereignis, zu dem fünf Millionen Besucher aus aller Welt erwartet werden, etwas von der Universalität der Kirche“, findet sein Amtsbruder Pastor Herbert Rücker aus der Pfarrgemeinde St. Mariae Geburt, der bereits gestern mit einem privaten Freundeskreis in Rom angekommen war. Vor allem die Begeisterung der Jugendlichen, die er dort sieht, begeistern den 70-jährigen Priester.

Sind Heiligsprechungen heute noch zeitgemäß und im Falle von Johan…

Die Militärs müssen auf jeden Fall draußen bleiben: Wie der deutsch-russische Maschinenbauingenieur Andrej Korobov als Pendler zwischen Deutschland und Russland die Ukraine-Krise sieht

Der Name ist russisch. Die Sprache verrät den Franken. Vor 36 Jahren wurde Andrej Korobov in Moskau geboren, ehe er 1991 mit seinen Eltern nach Franken kam und dort aufwuchs. Seit einem Jahr ist der gelernte und studierte Maschinenbauer, der zuvor für ein Stuttgarter Unternehmen tätig war, für die internationalen Geschäftsbeziehungen des Mülheimer Planungs- und Beratungsunternehmens Agiplan (siehe Kasten) zuständig.
In dieser Funktion pendelt er derzeit regelmäßig zwischen Mülheim und Chelyabinsk im Südural, wo Agiplan für einen Hersteller von Bergbaumaschinen mit über 3000 Beschäftigten eine neue Schweißmontagehalle, inklusive neuem Lager und Logistik plant. Parallel engagieren sich die Agiplaner beim Werksaufbau eines deutschen Automobilzulieferers in der Samara-Region an der Wolga.
„Die Konflikte in der Ukraine spielen bei unseren Arbeitsgesprächen keine Rolle. Das Geschäft geht weiter wie üblich. Bisher ist kein Projekt gestoppt und kein Mitarbeiter abgezogen worden. Aber in den …

Manchmal passt die ganze Welt in ein Gedicht: Die Mülheimer Lyrikerin Inge Fleischer hat einen neuen Gedichtband vorgelegt

„Frühling lässt sein blaues Band. Wieder flattern durch die Lüfte süße, wohlbekannte Düfte, streifen ahnungsvoll das Land.“

So zeitlos schön hat der Lyriker Eduard Mörike im 19. Jahrhundert die aktuelle Jahreszeit beschrieben. Doch haben Menschen im profanen Hier und Jetzt noch Sinn für solche Poesie? Drei Fragen an die Lyrikerin Inge Fleischer, die gerade ihren neuen Gedichtband vorgelegt hat.

Warum trägt ihr neue Gedichtband den Titel „Gedichte im Vorübergehen“?
Das hat mit meinen ersten Gedichten zu tun, die ich vor zwölf Jahren handschriftlich auf schönes Papier geschrieben und auf dem Adventsmarkt in der Altstadt für jeweils zwei Euro an die Menschen verkauft habe, die dort vorüberkamen.
Aber gehen die meisten Menschen heute nicht lieber vorüber, wenn sie Lyrik hören?
Auf dem Adventsmarkt sind viele stehen geblieben und waren ganz begeistert, sich dort ein Gedicht kaufen zu können. Auch zu meinen Lesungen kommen die Menschen und bleiben, um zuzuhören. Sie kommen nicht in Scharen,…

So gesehen: Hühner sind auch arme Schweine

Was wäre Ostern ohne gefärbte Eier? Sicher nicht das Ei des Kolumbus. Wir wissen nicht, ob Kolumbus, der die Neue Welt entdeckte, auch den alten Brauch der gefärbten Ostereier kannte. Sicher ist nur, dass die Eier, die jetzt farbenfroh wie der Frühling auf unseren österlichen Frühstückstisch kommen oder beim Osterspaziergang versteckt und gesucht werden, nicht vom Osterhasen, sondern von Legehennen kommen.


„Ich woll`t ich wär ein Huhn. Ich hätt nicht viel zu tun. Ich legte vormittags ein Ei und nachmittags wär ich frei“, sangen die Comedian Harmonists. Doch das Leben der meisten Hühner ist kein Osterspaziergang, wenn sie ihre Eier, wie 71 Prozent ihrer Kollegen in Nordrhein-Westfalen, in der ungemütlichen Bodenhaltung legen müssen.

Vielleicht ist es mit diesen unmeschlichen Arbeitsbedingungen zu erklären, dass jede der 4,3 Millionen Legehennen des Landes im Jahr 2013 durchschnittlich nur 280 Eier und damit 3,6 Eier weniger als 2012 gelegt hat.

280 Eier pro Jahr und Henne. Das ist nich…

Respekt für eine Arbeit, die viele andere selbst nicht machen wollen: Die Altenpflege aus der Sicht einer Auszubildenden

Die 18-jährige Rosamunde Kamagate ist als angehende Altenpflegerin in die beruflichen Fußstapfen ihrer Mutter getreten. „Ich habe als Schülerin meine Mutter oft an ihrem Arbeitsplatz im Haus Auf dem Bruch besucht und später ein Schülerpraktikum im Haus Gloria gemacht, weil ich mir ein eigenes Bild von der Altenpflege machen wollte, die oft schlecht geredet wird“, erzählt Kamagate.


Inzwischen arbeitet sie im zweiten Ausbildungsjahr im städtischen Altenheim Haus Gracht. „Ich komme gut mit alten Menschen klar und genieße die Wertschätzung, die man von ihnen bekommt. Besonders toll finde ich es, dass man ihnen oft schon mit einer Kleinigkeit Freude machen kann“, beschreibt Kamagate die Sonnenseite ihres Arbeitsalltages. Aber auch sie spürt den Zeitdruck, der mit dem Personalmangel verbunden ist und die körperliche Belastung, die zum Beispiel das Heben oder Wenden von pflegebedürftigen Bewohnern mit sich bringt. Als Ausgleich macht sie in ihrer Freizeit unter anderem Yoga. Wenn sie mit ihr…

Zu viel Bürokratie und zu wenig Personal: Altenpfleger berichten aus ihrem Arbeitsalltag

„Mal sehen, ob das Geld auch bei uns ankommt“, sagt Vera Anders mit Blick auf die Reformpläne von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe, die mehr Geld in die Pflege fließen lassen und die drei Pflegestufen durch fünf Pflegegrade ersetzen sollen. Dass Gröhe von der Minutenpflege weg will, findet die Betriebsratsvorsitzende der Mülheimer Seniorendienste gut. Doch sie bleibt skeptisch und sagt: „Bisher sind wir von der Politik nicht gerade gut unterstützt worden.“

Diese Skepsis teilen auch ihre Berufs- und Betriebsratskollegen Christine Brüseke (47), Petra Bollig und Ulrich Gunther (beide 55). Brüseke arbeitet seit 29 Jahren als examinierte Altenpflegerin, erst im Haus Auf dem Bruch und jetzt im Haus Gracht. Bollig arbeitet seit 27 Jahren als Pflegehelferin im Haus Auf dem Bruch. Und Gunther ist seit 36 Jahren als Pflegehelfer im Haus Kuhlendahl tätig.

Alle lieben ihre körperlich und psychisch anstrengende Arbeit. „Wir wollen alten Menschen helfen und ihnen die letzte Wegstrecke ihres …

Pragmatischer Wandel: Mit unserer Gesellschaft ändert sich auch ihre Grabkultur: Eine Karfreitagsbetrachtung

Und Josef nahm den Leib und wickelte ihn in ein reines Leinentuch und legte ihn in seine neue Gruft, die er in den Felsen ausgehauen hatte; und er wälzte einen großen Stein an die Tür der Gruft und ging weg.“ So beschreibt der Evangelist Matthäus die Beisetzung Jesu durch einen guten und gerechten Ratsherrn. In der Karwoche gedenken Christen dem Leiden und Sterben Jesu, ehe sie mit Ostern dessen Auferstehung von den Toten feiern. Ob man an ein Leben nach dem Tod glauben kann und will, ist eine persönliche Entscheidung. Sicher ist nur eines. Das irdische Leben endet mit dem Tod und wirft für die Hinterbliebenen die Frage auf, wie sie ihre verstorbenen Angehörigen beisetzen wollen.
Diese Frage beantworten inzwischen zwei Drittel aller Hinterbliebenen in Mülheim mit einer Feuerbestattung. Das zeigen die Zahlen der Friedhofsverwaltung und die übereinstimmenden Erfahrungberichte der Bestatter Stefan Helmus-Fohrmann, Hermann Mombour, Johannes Vehar und Martin Elstermeier. „Als ich vor 28 J…

Mit Respekt und Wertschätzung kommt man besser an: Der Verkehrsverbund Via und die Mülheimer Verkehrsgesellschaft warben mit einer Plakat-Kampagne für ihre Bus und Bahnfahrer, offensichtlich nicht ohne Erfolg

„Busfahren hat bei uns Tradition“ steht auf dem Plakat. Und Busfahrer Marco Prudon steht daneben. „Ich wollte erst gar nicht aufs Plakat. Aber mein Chef hat gesagt. Doch. Geh mal dahin. Die machen gerade Fotos. Und plötzlich bekam ich einen Anruf: Du bist dabei“, erinnert sich der 38-jährige Sohn eines pensionierten Busfahrers, der selbst seit drei Jahren für die Mülheimer Verkehrsgesellschaft Bus fährt, an den Start einer plakativen Imagekampagne, mit der die MVG und ihre Schwestergesellschaften im Nahverkehrsverbund Via im zweiten Halbjahr 2013 vor allem für eines warben: Respekt und Wertschätzung für ihre Bus und Bahnfahrer.
Prudon war einer von 40 Bus- und Bahnfahrern, die über Nacht zum Fotomodell wurden, um zu zeigen, dass ihre Kollegen und sie auch nur Menschen sind, die sich über freundliche Fahrgäste freuen. „Ich glaube, dass die Leute früher mehr Respekt vor Bus- und Bahnfahrern hatten. Vielleicht lag es an ihrer Uniform“, glaubt Prudon, wenn er sich mit seinem Vater über d…

So gesehen: Nur nicht aus dem Takt kommen

Sage noch einer, die Schloßstraße habe keinen Flair. Man muss manchmal einfach nur in die richtige Richtung schauen und hören, um sich wie auf dem Pariser Montmartre zu fühlen. Gestern Vormittag sah und hörte ich dort drei junge Musiker, die mit der Hoffnung auf einige Groschen ein Streichkonzert gaben. Und gestern Nachmittag zog mich ein alter Musiker mit seinem Akkordeon in seinen Bann. Wer seinen romantischen Klängen lauschte, konnte das graue Straßenpflaster und so manchen dissonanten Leerstand auf Mülheims einstiger Champs-Elysees glatt vergessen. Auch ein älterer Herr fühlte sich von dem Akkordeonspieler angezogen.  Aber er war so taktlos, den Musicus aus dem Takt zu bringen, in dem er ihm nicht nur zuhören, sondern im Vorbeigehen und wild gestikulierend auch noch seine halbe Lebensgeschichte erzählen wollte. Doch ehe aus der halben eine ganze Lebensgeschichte werden konnte, überspielte der Mann mit dem Akkordeon, freundlich, aber bestimmt die Zwischentöne des allzu mitteilsamen…

Es geht um jedes Prozent: Die Eisengießerei der Friedrich-Wilhelms-Hütte profitiert von der Energiewende und wird zugleich von ihr belastet, weil ihr Gewinn auch von einer stark reduzierten EEG-Umlage abhängig ist

Private Stromverbraucher müssen derzeit eine Umlage von 6,24 Cent pro Kilowatt/Stunde bezahlen. Mit dieser sogenannten EEG-Umlage wird die Energiewende, also der Ausbau von Wind- und Solarenergie finanziert.

Energieintensive Betriebe, wie die Eisengießerei der Friedrich-Wilhelms-Hütte (Jahresumsatz 30 Millionen Euro) erhalten einen Rabatt auf diese Umlage. Der kaufmännische Geschäftsführer der FWH, Georg Stierle, spricht von einem „Nachteilsausgleich.“ Er macht in diesem Zusammenhang deutlich, dass die Strompreise im Nachbarland Frankreich, das weiterhin massiv auf Atomstrom setzt, um etwa ein Drittel niedriger seinen, als in Deutschland.

Doch die EU-Kommission sieht den Nachteilsausgleich oder Rabatt als Wettbewerbsverzerrung. Deshalb sollen nach dem Willen des Bundeswirtschaftsministeriums (wie berichtet) 500 von 2100 energieintensiven Betrieben ihren Nachlass auf die EEG-Umlage verlieren.

Ist die FWH auch betroffen? „Nach dem, was wir aus den Beihilferichtlinien des EEG-Gesetzentwu…

Ruhrbania polarisiert immer noch: Eine Umfrage zur neuen Ruhrpromenade und ihrem Hafenbecken

An diesem Mittwochnachmittag ist die Ruhrpromenade und der Platz vor dem Hafenbecken ein Platz an der Sonne, der etliche Mülheimer anzieht, die hier ihre Mittagspause oder ihren vorgezogenen Feierabend genießen. Aus den Computervisualisierungen und Modellzeichnungen ist Wirklichkeit geworden, eine Wirklichkeit, an der sich die Geister scheiden, so wie schon 2001, als das 25-Millionen-Euro-Projekt Ruhrbania auf den Weg gebracht wurde, um die Stadt an den Fluss zu bringen und damit auch die Innenstadt neu zu beleben. Ist die Rechnung aufgegangen? Hat sich der Aufwand gelohnt?


„Es hat sich 100-prozentig gelohnt. Mülheim hat durch die Ruhrpromenade und das Hafenbecken mit dem großen Platz etwas Großstädtisches bekommen. Von hier aus wird der Blick auf die Stadthalle ganz neu geöffnet. Der Blick hat was Erhabenes und ich fühle mich hier wie in Venedig. Wenn die Stadt einen Investor für den Kaufhof sucht, sollte sie ihn hier hin führen. Wenn man das sieht, muss man als Unternehmer doch etwa…

Ist es wirklich schon so spät? Die Zeitumstellung wirkt auf unsere innere Uhr wie ein Jetlag

Wer Sonntagmorgen (30. März) aufwacht(e) und das Gefühl hat, es sei später, als gedacht, liegt genau richtig. Denn um 2 Uhr wird die Uhr um eine Stunde vorgestellt. Die mitteleuropäische Sommerzeit macht es nötig. Dabei werden bei 90 Prozent aller städtischen Uhren gar keine Zeiger vorgestellt, wie Stadtsprecher Volker Wiebels zu berichten weiß. „Denn bei ihnen handelt es sich um Funkuhren, die automatisch mit einem Funksignal aus der deutschen Funkuhrzentrale in Frankfurt am Main umgestellt werden. Das ist bei der Uhr am Rathausturm genauso, wie beim Funkwecker zu Hause.“ Eine der wenigen Uhren, die noch, wie zu Großvaters Zeiten, per Hand umgestellt werden, ist die der 1897 eröffneten Alten Post, in der seit 20 Jahren das städtische Kunstmuseum beheimatet ist.

Der volkswirtschaftliche Vorteil (Energieeinsparung) und mögliche gesundheitliche Auswirkungen der Zeitumstellung sind umstritten. Zuletzt hat der Vizepräsident des Bundesumweltamtes, Thomas Holzmann, und die Deutsche Angestel…

Kameradschaft und rote Ohren: Thorsten Drewes ist seit 30 Jahren Feuerwehrmann: Er liebt seinen Beruf, auch wenn er manchmal hart ist. Denn er erlebt ihn als sinnvoll. Und seine Kollegen sind für ihn, wie eine große Familie sind, auf die Verlass ist

Versonnen schaut Thorsten Drewes, den 14 neuen Kollegen nach, die am 1. April 2014, dem 90. Geburtstag der Berufsfeuerwehr , dort ihre Ausbildung beginnen. Am Anfang steht eine Sportübung. „Sport wird hier groß geschrieben“, sagt der 51-jährige Brandinspektor. Vor 30 Jahren war er an ihrer Stelle und wurde mit einem Kollegen in voller Montur mit Atemschutzmaske und Atemschutzgerät durch einen dunklen und beschallten Käfigtunnel geschickt. „Da muss man durch, um zu lernen, nicht in Panik zu verfallen und in so einer Ausnahmesituation Vertrauen zu seinem Kollegen, seinem Gerät und zu sich selbst zu entwickeln“, sagt Drewes.

Ausnahmesituationen hat er in 30 Feuerwehrjahren viele erlebt. „Meinen ersten Einsatz in Mülheim werde ich nie vergessen. Ich kam um 7.50 Uhr zum Dienst und sollte um 8 Uhr den Kollegen offiziell vorgestellt werden. Doch dann kam ein Alarm und mein Wachführer sagte einfach: „Komm mit!“ Drewes kam und machte mit. Im Hafen brannte eine Kunststofffabrikation und der Ein…

So gesehen: Die Zeiträuber sind unter uns

Wenn Bürokraten und Politiker nichts zu tun haben, entwickeln sie Ideen und Systeme, die die Menschheit beglücken sollen, tatsächlich aber viele Zeitgenossen eher verwirrt oder sogar unglücklich zurücklassen.

So ist es auch mit der Zeitumstellung. Sie soll Energie sparen. Wohl gemerkt: Soll?! Tatsächlich stiehlt sie den Menschen, die heute alles haben, nur keine Zeit, eine Stunde ihrer Lebenszeit. Im Namen der Energieeinsparung werden sie unter Strom gesetzt und aus dem Rhythmus gebracht.

Als wäre unsere Zeit nicht schon schnelllebig genug, wird durch die Zeitumstellung ohne Not an der Uhr gedreht und so die Zeit weiter beschleunigt.

Wenn Ihnen jemand am Samstag 50 Euro wegnimmt und Ihnen verspricht, sie Ende Oktober wieder zurückzugeben, rufen Sie im Zweifelsfall die Polizei. Doch wer beschützt uns vor den Zeitdieben, die nicht nur Ende März an der Uhr drehen?

Das müssen wir wohl selbst tun, indem wir uns die Zeit nehmen, die wir brauchen, um gesund zu bleiben, und die Rückgabe der u…

Wettlauf mit den Cyber-Gangstern: Die Datensicherheit ist in der Stadtverwaltung zu einem Dauerthema geworden

Der Computerfachmann Tobias Morsches hat die Computernetze von 15 Kommunen in NRW untersucht und dabei zum Teil erschreckend niedrige Sicherheitsschwellen aufgedeckt (die NRZ berichtete). 80 Prozent seiner fingierten Attacken waren erfolgreich. Über öffentlich zugängliche Netzwerkdosen oder unter dem Vorwand der IT-Wartung konnte er sich Zugang zu Computernetzwerken und sogar Administrationsrechte verschaffen. Und zuletzt machte der Hacker-Angriff auf einen Verwaltungsrechner in Oberhausen Schlagzeilen. Doch wie sicher ist eigentlich das Computernetzwerk der Stadt Mülheim, das täglich zum Teil sensible Bürgerdaten bearbeitet und speichert. Im Gespräch mit der Leiterin des zuständigen Amtes für Zentrale Dienste, Claudia Nowak, dem Teamleiter für System und Netzwerkadministration, Dirk Scheer und dem Internetteamleiter Niels Gründel suchte ich für die NRZ nach Antworten.

Frage: Wie ist das Computernetzwerk der Stadt aufgebaut?
Antwort: Das Rechenzentrum der Stadtverwaltung besteht aus ei…

So gesehen: Die Kunst der Komödie

Das ganze Leben ist ein Schauspiel, in dem man oft nicht weiß, ob man gerade die Rolle des Helden oder die des Narren spielt. Wer am Samstag im Evangelischen Krankenhaus die vom Backsteintheater auf die Bühne gebrachte Molière-Komödie Tartuffe gesehen hat, weiß: Die Menschen, die mehr scheinen wollen als sie sind, befinden sich wie vor 350 Jahren weiterhin mitten unter uns.


Die Ironie der Geschichte: Gerade die scheinheiligen Apostel des positiven Denkens machen uns das Leben oft schwer, weil sie alles objektiv Negative negieren und uns damit vergessen lassen, dass es nicht die Einbildung, sondern der Humor ist, der uns an den Widersprüchen der Wirklichkeit nicht verzweifeln lässt. Lachen ist eben eine wichtige Bewältigungsstrategie im Leben. Das Theater Backstein und Molière erinnern uns daran. Ein Narr, wer sich diese Lebensfreude entgehen ließe und stattdessen lieber vor dem schönen Schein so mancher Fernsehmattscheibe sitzen bliebe.

Dieser Text erschien am 31. März 2014 in der Neue…

Eine Komödie über Schein und Sein: Das Backsteintheater und sein Regisseur Heribert Lochthove übersetzten Molieres Schauspiel Tartuffe sehr ambitioniert ins Hier und Heute

Die Perücken erinnern an Molière. Ansonsten lassen die Backstein-Schauspieler vergessen, dass Tartuffe, seine Komödie um Schein, Sein und die zweifelhafte Kunst der Blendung schon 350 Jahre alt ist. Habitus, Sprache und die Musik, zu der getanzt wird, erinnern über weite Strecken eher an Gegenwärtiges als an Vergangenes.


Das ist von Regisseur Heribert Lochthove auch so gewollt und wird dadurch unterstrichen, dass er in einer Videoeinspielung die Schauspieler ohne ihre Kostüm in die Rolle ihrer Charaktere schlüpfen und im Stile einer Doku-Soap erklären lässt, warum ihnen der scheinheilige Tartuffe auf die Nerven geht.

Wer nach der Berichten über den Spielverderber, der im Namen Gottes keinen Spaß versteht, geschweige denn, ihn anderen gönnt, einen predigenden Frömmler im weiten Gewand erwartet, wird ein zweites Mal überrascht und in die Gegenwart zurückgeholt.

Tartuffe tritt, sehr einnehmend und glaubwürdig von Katharina Schallenberg verkörpert, als Motivationstrainer auf, wie man ihn …

Die neue Terminvergabepraxis im Bürgeramt kommt nicht nur bei den Bürgern, sondern auch bei den Mitarbeitern gut an

Das ist wirklich viel besser als früher. Wenn man früher Pech hatte, konnte man auch schon mal stundenlang warten“, erzählt Beate Völker. Doch an diesem Dienstagnachmittag ist die 48-Jährige, die sich im Bürgeramt an der Löhstraße einen neuen Personalausweis besorgt, in fünf Minuten durch. „Auch die Mitarbeiter sind viel lockerer“, findet Völker und strahlt.

Auch der 40-jährige Berufskraftfahrer Florian Eitel, der sich um 16 Uhr im Bürgeramt einen neuen Führerschein abholt, in dem jetzt auch eine gesetzlich vorgeschriebene Fortbildung verzeichnet ist, erinnert sich an Wartezeiten von zweieinhalb bis drei Stunden. „Doch jetzt war es wirklich wunderbar und die Frau vom Amt war sehr qualifiziert“, macht Eitel den Unterschied zwischen der tristen Vergangenheit und der bürgerfreundlichen Gegenwart deutlich.

Die Vergangenheit. Das war die Zeit vor dem 10. März, als das Bürgeramt am Montag,- Dienstag- und Donnerstagnachmittag das Prinzip der Terminvereinbarung eingeführt hat. Seit diesem Tag…