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Es werden Posts vom März, 2020 angezeigt.

Wiedersehen macht Freude

Wiedersehen macht Freude. Dieses spontane Gefühl überkam mich, als ich am Samstag in unserer Zeitung den Bericht über die pensionierten Feuerwehrleute und Ärzte las und dabei „alte Bekannte“ wiedersah, die sich jetzt für den Corona-Krisenstab der Stadt und für das Diagnosezentrum an der Mintarder Straße aus dem Ruhestand holen und reaktivieren ließen. Ihr löbliches und wertvolles Engagement entlarvt alle Protagonisten des Jugendwahns, die zum Beispiel in ihrer Medien- und Konsumforschung alle Menschen unter 14 und über 49 links liegen lassen, als falsche Propheten. Diese falschen Fünfziger, die sich auch im reifen Lebensalter noch wie halbstarke Teenager gebärden und die Jugend oder das, was sie dafür halten, zum Maßstab aller Dinge erklären und damit ihre Zeitgenossen traktieren oder sie gar auf den Holzweg führen. Diese Berufsjugendlichen werden jetzt nicht zum ersten Mal eines Besseren belehrt. Sie und wir dürfen jetzt erleben, dass in Krisenzeiten die Lebenserfahrung der alten Sch…

So arbeiten die Sozialverbände in der Corona-Krise

„Die exakten finanziellen Auswirkungen der Corona-Krise kann ich noch nicht abschätzen. Aber wir können mit unseren öffentlichen Geldgebern (Bund, Land und Sozialfonds der Europäischen Union weiter Fachstunden abrechnen, die wir jetzt zum Teil von Präsenz- auf Telefonberatung umstellen mussten. Dass eingeplante Mittel weiter fließen, ist ein positives Signal und lässt uns hoffen, dass wir unsere Angebote, die von 120 Mitarbeitern bewerkstelligt werden, langfristig fortführen und nicht einstellen müssen“, sagt die Geschäftsführerin der Arbeiterwohlfahrt, Michaela Rosenbaum. „Die berechtigten Anforderungen der Gesundheitsvorsorge zwingen uns zu einem schwierigen Spagat“, betont die Awo-Chefin. Auch in Corona-Zeiten kommt Sozialarbeit nicht ganz ohne soziale Kontakte aus. So ist das Café Light derzeit geschlossen. Dennoch vereinbaren Mitarbeiter der Awo-Drogenhilfe mit ihren Klienten vor Ort an der Gerichtsstraße Einzeltermin, damit zum Beispiel Spritzen getauscht und Wäsche zu waschen. …

Die Caritas hilft auch in Corona-Zeiten

„Der Mensch im Mittelpunkt.“ Dieses Motto hat sich die vor 100 Jahren von Pastor Konrad Jakobs ins Leben gerufene Caritas gegeben. „Diesem Grundsatz wollen wir auch in Zeiten der Corona-Krise treu bleiben, in dem wir die Grundregel der Sozialarbeit beherzigen: ‚So viel menschliche Nähe wie möglich und so viel Distanz wie nötig‘“, sagt Caritas-Vorstand Martina Pattberg. Um seine 240 hauptamtlich Mitarbeitenden und seine Klienten vor dem Corona-Virus zu schützen, hat der katholische Sozialverband alle seine Beratungsstellen und Begegnungsstätten für den Publikumsverkehr geschlossen. Alle Beratungsgespräche werden verschoben oder telefonisch oder per Chat erledigt. „Wie kann ich meinem Kind erklären, dass es sich jetzt nicht draußen mit Freunden zum Spielen verabreden kann? Wie und wo können wir Hilfeleistungen beantragen, wenn die Arbeits- und Sozialagenturen geschlossen sind? Wie soll es mit uns weitergehen, wenn die Lebensmittelpreise so teuer sind und weiter steigen?“, zitiert Pa…

Heilsamer Humor

Gut maskiert und mit Einweghandschuhen bekleidet erledige ich in der Innenstadt meine Tageseinkäufe. Zuweilen gleicht der Gang durch die vertraute und doch plötzlich so befremdlich wirkende Stadt in diesen Corona-Tagen schon manchmal einem Slalomlauf. Sobald mehrere Mitmenschen auf mich zukommen, suche ich instinktiv einen Ausweg, um sicherheitshalber Abstand zu gewinnen. Der normale Alltag nimmt jetzt zuweilen doch skurrile Züge an. Manchmal fühle ich mich mit meiner Corona-Maskerade in meiner Heimatstadt jetzt wie ein Außerirdischer. Doch bevor ich meiner melancholischen Befindlichkeit zu sehr nachgebe und am Ende noch den nächsten Corona-Sicherheits-Slalom verpasse, sehe ich in einigen Metern Entfernung plötzlich einen mir bekannten und ebenfalls maskierten Mülheimer. „Alles Gute und schön, dass ich noch soviel von ihrem Gesicht sehe, um Sie wiederzuerkennen“, ruft er mir der Stadt- und Schicksalsgenosse zu. Da müssen wir beiden maskierten Mölmschen dann doch spontan lachen und wi…

Gefragter denn je

Die Corona-Krise stellt für viele Menschen eine extreme seelische Belastung dar. Was bedeutet das für die ökumenische Telefonseelsorge, bei der Menschen aus Mülheim, Duisburg und Oberhausen unter den gebührenfreien Rufnummern: 0800-1110111 und: 0800-1110222 anonym, kostenfrei und rund um die Uhr Rat, Hilfe und ein offenes Ohr finden. Ein Gespräch mit dem Diplom-Theologen und Diplom-Psychologen Olaf Meier, der die Telefonseelsorge seit 1996 hauptamtlich leitet. Ist die Zahl der Anrufe, die die Telefonseelsorge erreichen mit dem Beginn der Corona-Krise gestiegen?
Meier: Seit die NRW-Landesregierung am 13. März die corona-bedingte Schließung der Schulen bekanntgegeben hat, hat sich die Zahl der Anrufe, die uns erreichen um rund 20 Prozent erhöht. Davor hatten wir täglich 40 bis 50 Anrufe. Wenn Menschen fragen: „Muss ich etwas dafür bezahlen? Ist das wirklich anonym? Sind Sie auch zur Verschwiegenheit verpflichtet?“ merken wir, dass es sich um Erstanrufer handelt, die die Telefonseelsorge…

Harte Schule

Noch vor nicht allzu langer Zeit hetzte ich zur Haltestelle, um dort die abfahrbereite Straßenbahn zu erreichen. Ich drückte alle Knöpfe und klopfte gegen das Bahnfenster. Doch keine Tür tat sich mir auf. Ich wollte schon in Wut über die vermeintliche Ignoranz des Straßenbahnfahrers geraten. Doch dann sah ich beim Blick auf den Zielanzeiger der Tram, dass ich selbst ignoriert hatte, was dort stand: „Fahrschule“.

Als ich jetzt an einem der letzten Sonnentage auf dem Weg zur Haltestelle eine Straßenbahn ankommen sah, ließ ich es ruhiger angehen. Nur keine falsche Eile. Dicht an dicht in der Bahn stehen oder sitzen ist in Corona-Zeiten keine verlockende Aussicht. Ich nahm mir also die Zeit, schön langsam noch etwas durch die frische Luft zu gehen und den Sonnenschein zu genießen. Ich dachte: „Was soll’s? Zu Fuß erreiche ich mein Ziel vielleicht etwas später, aber dafür entspannter und angenehmer, Sicherheitsabstand inklusive.
So bringt einen die Fahr-Schule und der Fahrplan der Krise auf e…

Ganz schön bescheiden

Was würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen? Ich weiß: In Corona-Zeiten soll man sich jeden Urlaub sparen, damit man nicht auf Steuerzahlerkosten aus der Ferne in die Heimat zurückgeholt werden muss. Doch der Corona-Virus sorgt dafür, dass wir bald alle reif für die Insel sind. Und wer weiß? Vielleicht werden auch hierzulande demnächst Ausgangssperren verhängt. Schon jetzt sorgt die durch das Virus verursachte soziale Distanzierung dafür, dass wir uns immer mehr auf die Insel unserer eigenen vier Wände zurückziehen. Unter Leute gehen und Spaß haben. Es war einmal. Also, was nehmen wir mit auf unser heimisches St. Helena? Wie gestern zu lesen, hamstern wir Deutsche in der Corona-Krise Toilettenpapier und Desinfektionsmittel. Unsere französischen Nachbarn wissen dagegen das Leben auch in der größten Krise zu genießen und setzen mit Rotwein und Kondomen eindeutige Prioritäten. Tatsächlich ist es auch in Mülheim derzeit gar nicht so einfach so etwas profanes wie Klopapier zu kaufen. O…

Ein bisschen Spaß muss sein

Nach Party ist einem an diesen Corona-Krisen-Tagen, an denen trotz Sonnenschein ein oft nebulöser Trübsinn herrscht, ja eigentlich so gar nicht zumute. Aber vielleicht ist ja gerade jetzt ein bisschen Partystimmung, die das Gemüt für einige Stunden aufhellt, genau das, was wir dringend brauchen. Denn Lebensfreude stärkt das Immunsystem. Das wurde mir gestern klar, als mich unser Ex-Stadtprinz Dennis Weiler anrief, um mir von einem ungewöhnlichen Projekt zu berichten. Weil der DJ und Veranstaltungsmanager gerade eine in Frankys Güterbahnhof geplante Schlagerparty an das Corona-Virus verloren hat, lässt er die Schlagerparty jetzt online unter: www.livestreamparty.de im Online-Videokanal Youtube steigen. So kann er am kommenden Samstag ab 21 Uhr in der verwaisten Party-Location an der Sandstraße mit seinen beiden DJ-Kollegen Sascha Vogt und Stefan Falkenberg auflegen und sein notgedrungen daheimgebliebenes Publikum via Internet im Wohnzimmer erreichen. Das muss dann eben mit ein bisschen…

Schule in Zeiten von Corona

Auch wenn die Schulen vorerst bis zum 19. April geschlossen sind, um die Ausbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen, muss der Schulunterricht irgendwie weitergehen. Das gilt auch für die 709 Schüler und 56 Lehrer der Realschule Stadtmitte. "Wir wollen Kontakt halten und unsere Schüler und ihre Eltern zuhause nicht alleine lassen", sind sich Rektorin Sabine Dilbat und der didaktische Leiter der Realschule, Jan Hansen, einig. Mitte der vergangenen Woche wurden die beiden Pädagogen aktiv, als bereits öffentlich über mögliche Schulschließungen spekuliert wurde, ehe am Freitagnachmittag die Entscheidung der Landesregierung kam. Auf der Internet-Plattform des Messenger-Dienstes Schulmanager-Online.de richteten sie ein digitales Klassenzimmer für ihre vom Corona-Virus ausgebremste Schulgemeinschaft ein. "Wir sind dem Betreiber des Dienstes dankbar dafür, dass wir diese Plattform, so wie insgesamt 300 Schulen in Deutschland, bis zum 19. April kostenlos nutzen können, da uns e…

Was uns Frau Stinnes zu sagen hat

Sie war eine Mülheimerin, die auf vier Rädern Geschichte geschrieben hat. Der Historiker Horst A. Wessel, vormals Leiter des Mannesmann-Archivs, nahm seine Zuhörer im Haus der Stadtgeschichte jetzt mit auf eine Zeitreise, in der er die Lebensreise der Mülheimer Industriellentochter Clärenore Stinnes erzählte. Sie fuhr in 25 Monaten mit ihrem Auto um die Welt.

Den Vortrag, den Wessel zum Auftakt der Reihe zur Mülheimer Geschichte hielt, war, wie es der Gastgeber und kommissarische Leiter des Stadtarchivs, Jens Roepstorff, zurecht formulierte: „ein tolles Kopfkino“ und ein „guter Nachschlag zum Weltfrauentag am 8. März.“ Wessel machte deutlich, dass die am 21. Januar 1901 als Tochter des Industriellen Hugo Stinnes in Mülheim geborene Clärenore Stinnes finanziell privilegiert war und dennoch als Frau ihrer Zeit an Grenzen stieß, die sie als erfolgreiche Rennfahrerin und Weltreisende in ihrem Adler Standard 6 zu überfahren suchte. Wessel erinnerte daran, dass Frauen, trotz ihrer verfassu…

Theorie und Praxis

Heute geht alles schneller. Die Digitalisierung macht es möglich. In diesem Bewusstsein ging ich gestern zur Bank meines Vertrauens, um mal eben am Selbstbedienungsterminal einige Überweisungen auszuführen. Eigentlich ist das eine bequeme und schnelle Sache. Man gibt via Tatstatur und Computerbildschirm die Überweisungsdaten ein und schickt sie mit der digitalen Unterschrift der eigenen vierstelligen PIN-Nummer an den Empfänger, der den fälligen Betrag sofort auf seinem Konto hat, während man sich selbst schnell noch einen Überweisungsbeleg für die eignen Unterlagen ausdrucken kann. So einfach und schön ist der technische Fortschritt. Doch die Praxis sah gestern leider anders aus. Denn an den beiden Selbstbedienungsterminals meiner Bank bildeten sich lange Warteschlangen, weil zu viele Kunden zum Monatsanfang die gleiche Idee zur gleichen Uhrzeit hatten. Jetzt weiß ich, was der Satz meint: „Zeit ist Geld!“ Diese Einsicht wurde mir noch einmal verdeutlicht, als ich endlich an der Reihe…

Blick in den Rückspiegel

Schulnoten sind relativ. Das wurde mir jetzt klar, als der Historiker Horst A. Wessel im Haus der Stadt-Geschichte über die in den 1920er Jahren vollbrachte Erdumfahrung der Mülheimer Industriellentochter Clärenore Stinnes berichtete. Bei seiner anekdotenreichen Reise durch die Zeit ließ Wessel seine Mitreisenden unter anderem auch wissen, dass ausgerechnet die Frau, die mit ihrem Auto und ihrem treuen und vielseitigen Gefährten Carl-Axel Söderström die halbe Welt bereiste, als Luisenschülerin im Fach Erdkunde eine Fünf gehabt hatte. Man sieht: Auch Lehrer sind Menschen und können sich irren, wenn sie versuchen, gleich eine ganz Schulklasse junger Leute auf ihrem Lebensweg in die richtige Richtung zu lenken. Also, liebe Schülerinnen und Schüler, die ihr am Montag in die Zwangsferien geschickt werdet, lasst euch von keiner 5 auf dem Zeugnis, davon abhalten, an euch zu glauben und immer wieder durchzustarten. Das Beispiel unserer flotten Mülheimer Vorfahrin Clärenore Stinnes zeigt uns a…

Als Mülheim zur Räterepublik wurde

13. März 1920: Vor 100 Jahren versucht der deutschnationale Politiker Wolfgang Kapp mithilfe der vom General Walther von Lüttwitz angeführten Marinebrigade Ehrhardt die gewählte Regierung der Weimarer Republik weg zu putschen. Auch in Mülheim kommt es daraufhin am 15. März zu einem Generalstreik. 2000 Arbeiter bewaffnen sich. Sie wollen den Umsturz stoppen. Doch auch nachdem die Putschisten am 17. März aufgeben, geht der Kampf der Roten Ruhrarmee weiter. 600 Mülheimer Arbeiter schließen sich den Rotgardisten an. Am 20. März übernimmt ein aus Kommunisten, Unabhängigen Sozialdemokraten und Sozialdemokraten gebildeter Aktionsausschuss die Macht und ruft vom Rathausbalkon die Räterepublik aus. Der Aktionsausschuss ruft Arbeiter aller Parteien und Konfessionen dazu auf „für Sozialismus und freies Menschentum“ sowie „für das Ende der Lohnknechtschaft zu kämpfen.“ Oberbürgermeister Paul Lembke wird entmachtet und die Polizei entwaffnet. Der Stadtkämmerer muss den mit 760 Gewehren, 68 Karabin…

Lehrreiche Erfahrung

Reisen und Lesen bildet. Das erfuhr ich gestern. Weil ich bei meiner Dienstreise meinen Zug verpasst hatte und der nächste in Richtung Mülheim noch eine Stunde auf sich warten ließ, zog ich mich mit meiner Zeitung in ein bahnhofsnahes Café zurück. Dort machte ich es mir mit meiner aktuellen Lektüre so gemütlich, dass ich darüber die Zeit vergas und der nächste Zug mir vor der Nase wegfuhr. Der Cafébetreiber freute sich, mich wiederzusehen. Ich kurbelte in der kommenden Stunde seine Kneipenkonjunktur mit zwei Gläsern Wasser an und setzte meine interessante Zeitungslektüre fort, allerdings nicht, ohne mir vorher meinen Handywecker zu stellen. Denn auch wenn meine Zeitunglektüre lehrreich und mein Zufallsgastgeber sympathisch war, wollte ich nicht noch eine dritte Kaffeehausstunde erleben. Ich habe meine Lektion gelernt. Auch wenn eine Lektüre noch so spannend und ein Café noch so gemütlich ist, wäre es doch dumm, darüber den Anschluss an den Zug der Zeit zu verpassen. Vielleicht besorge…

Politische Nährwerte

Politische Parteien können einen durchaus positiv überraschen. Das stellte ich jetzt fest, als ich mich auf dem Kurt-Schumacher-Platz den Infoständen der langsam, aber sicher wahlkämpfenden Parteien näherte. Mit Programmbroschüren und gesprächsbereiten Kommunalpolitikern hatte ich gerechnet, nicht aber mit den Nährwerten, die mir parteiübergreifend in Form von Äpfeln gereicht wurden. Mit solchen Vitaminspritzen und Nährwerten, die man in grippalen Zeiten wie diesen gut gebrauchen kann, hatte ich in der politischen Arena nicht gerechnet. Die Strategie dahinter erkenne ich als Wähler wohl. Wess Apfel ich esse, dessen Argumente schmecken mir vielleicht etwas besser als jene, die mir mit Plastikkugelschreibern oder Einkaufschips garniert werden. Tatsächlich schmeckten mir die politisch mitgenommenen Äpfel wirklich gut und gaben mir einen echten Energiestoß für den weiteren Tag. Jetzt hoffe ich nur noch, dass die Früchtchen, denen wir bei der Kommunalwahl am 13. September unsere Stimme geb…

Weisheit auf dem Wochenmarkt

„Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende. Und lassen Sie es ordentlich krachen“, sagt der junge Markthändler zu seinem nicht mehr ganz jungen, aber auch noch nicht ganz alten Kunden. „Ach, wissen Sie sagt der so Angesprochene: „Ich bin in einem Alter, in dem ich froh sein darf, wenn es bei mir nicht kracht. Wenn ich abends auf die Piste gehe und es krachen lasse, sehe ich am anderen Morgen älter aus, als mir lieb ist und fühle mich auch so. Deshalb lasse ich es abends mit meiner besseren Hälfte gemütlich und ruhig angehen und freue mich, wenn es bei uns noch etwas knistert.“ Ich höre als Nebenmann ab Marktstand zu und muss dem lebenserfahrenen Mann aus vollem Herzen Recht geben. In einer Zeit, in der es an allen Ecken und Enden kracht und es oft abenteuerlicher zugeht, als es uns allen lieb ist, finden die wirklich schönen Abenteuer, die unsere Herzen höher schlagen lassen und unsere Seelen wärmen, nicht draußen auf der Party-Piste statt, sondern daheim im Kopf und mit unseren Liebs…

Teure Häschen

Auf der Suche nach einem Generalreiniger für den Hausputz stieß ich gestern im Drogeriemarkt meines Vertrauens auf den Osterhasen. Sie wissen schon: Ich meine den in Goldpapier verpackten und aus Schokolade gemachten Osterhasen. Ist es schon wieder soweit? Sind wir nicht noch in der Fastenzeit? Doch fast hätte ich den Hinweis meines Lieblingspfarrers vergessen, der auch kein Kostverächter ist. Von ihm weiß ich: Immer wieder sonntags nimmt die Fastenzeit mit päpstlichem Segen eine Auszeit. Und wer wollte schon päpstlicher als der Papst sein. Gut zu wissen für den Fall, dass man in der Fastenzeit mal etwas vernaschen will. Es muss ja nicht unbedingt der Osterhase aus Schokolade sein. Denn so mancher Schoko-Hase im goldenen Papier kostet uns Naschkatzen am Ende nur deshalb mehr, weil er als Hase daherkommt und nicht als formal profane, aber inhaltlich und preistechnisch viel gehaltvollere Tafel Schokolade. Und das so manches Häschen, das auf den ersten Blick zum Anbeißen erscheint im Pre…

Preiswerter Wahlkampf

Die Grünen suchen einen „billigen“ Wahlkampfmanager „auf 450-Euro-Basis“. So war es gestern hier zu lesen. Ist den Grünen ihre Partei und deren Eintreten für faire Entlohnung und gegen Lohndumping nicht lieb und teuer? Mit 450 Euro pro Monat lockt man keinen Manager hinter dem Ofen hervor. 450 Euro pro Tag sind da schon realistischer. Doch ob solcher Summen würde den Grünen schwarz vor Augen, weil sie die roten Zahlen auf sich zukommen sähen. Sicher ärgern sie sich schwarz darüber, dass sie mit der Suche nach einem „Wahlkampfmanager“ den Mund zu voll genommen haben. Deshalb rechnet ihre Parteisprecherin den Wahlkampfmanager zum Wahlhelfer herunter. Es dürften auch eine Wahlkampfmanagerin oder eine Wahlhelferin sein, aber bitte recht billig und dafür ausgestattet mit unbezahlbaren Fähigkeiten. Hier trifft, wie oft in der Politik, großzügige Theorie auf sparsame Wirklichkeit. Wer sich wohl meldet? Vielleicht kann das Centrum für bürgerschaftliches Engagement mit einem  pensionierten und…

Styrumer Oase

Styrum gehört zu den buntesten und kinderreichsten Stadtteilen. Hier leben auch viele Familien, die auf Arbeitslosengeld II angewiesen sind. Im Styrumer Süden schwankt der Anteil der auf Arbeitslosengeld II angewiesenen Haushalte, nach Angaben des Mülheimer Sozialatlas, zwischen 31 und 45 Prozent und im Styrumer Norden zwischen 20 und 30 Prozent. Mit dieser sozialen Gemengelage hat es auch die Wohnungsbaugesellschaft SWB in ihrem Wohnquartier an der Sedanstraße im Styrumer Süden zu tun. Hier sind rund 40 Familien zu Hause. Viele von ihnen kamen vor fünf Jahren als Flüchtlinge nach Mülheim. Jetzt hat sich die SWB die Caritas mit ins Boot geholt, um den Kindern des Wohnquartiers ein sinnvolles und vor allem kontinuierliches Freizeitangebot machen zu können. Das Bundesfamilienministerium und der Sozialfonds der Europäische Union fördern das Projekt. Außerdem wurden Fördermittel bei der Stadt beantragt, die aber noch vom Jugendhilfeausschuss beschlossen werden müssen. Die genauen Förders…

Zeitgemäßer Geldsegen

Die katholische Kirche kann mit der Zeit gehen, wenn sie will. Der digitale Klingelbeutel, den die Bank im Bistum Essen jetzt den Kirchengemeinden anbietet, zeigt es uns. Was kommerziellen Anbietern weltlicher Güter recht ist, der bargeldlose Zahlungsverkehr von Konto zu Konto, soll den geistlichen Anbietern des klassischen Dreierpacks Liebe, Glaube, Hoffnung billig sein. Wenn Sie demnächst im Gottesdienst bei der Kollekte Ihrer Gemeinde das schlechte Gewissen plagt, weil Ihnen das Bargeld fehlt, können Ihnen Ihre Kredit- oder Kontokarte und der digitale Klingelbeutel aus der Klemme helfen. Für Traditionalisten, die den manuellen Münzeinwurf nicht missen wollen, hängt unter dem Kartenlesegerät noch ein analoger Klingelbeutel. Wenn Sie demnächst vielleicht auch in Ihrer Kirche dem digitalen Klingelbeutel begegnen, wissen Sie, dass Ihre großherzige Spende, die Sie dann via Karte digital von Ihrem auf das Konto Ihrer Gemeinde überweisen, nicht nur auf den Segen des Herrn, sondern auch a…

Gutes tun und darüber reden

"Die katholische Kirche ist mehr, als die Diskussion über die Missbrauchsfälle im Priesteramt und die Kontroverse darüber, ob Frauen zum Priesteramt zugelassen werden sollen", sagt Christopher Frieling. Als neuer Referent der Stadtkirche will der 25-jährige Theologie- und Geschichtsstudent aus Velbert dafür sorgen, dass die Mülheimer mehr über die Aktivitäten der Stadtkirche erfahren. Zurzeit ist er dabei, durch die Gemeinden zu touren, Kontakte zu knüpfen und die Stadtkirche selbst kennenzulernen. In seinem Büro, das sich in der ersten Etage des katholischen Stadthauses an der Althofstraße befindet, arbeitet er bereits an der Wiederbelebung der bereits vorhandenen, aber seit Jahren nicht mehr aktualisierten Internetseite: www.katholische-kirche-muelheim.de. "In einem ersten Schritt aktualisiere ich alle Informationen, Links und Ansprechpartner. Mittelfristig möchte ich eine tabellarische Übersicht aller Gottesdienste in Mülheim einstellen", berichtet Frieling. Auß…