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Es werden Posts vom Januar, 2010 angezeigt.

Töne, Texte, Temperamente: Was die Nord-Pfarrei St. Barbara im Kulturhauptstadt-Jahr auf die Beine stellt

Die Kulturhauptstadt Ruhr 2010 ist nicht entrückt. Sie geht direkt vor der Haustür im Stadtteil über die Bühne, zum Beispiel in den Gemeinden der katholischen Nord-Pfarrei St. Barbara. Den Auftakt macht hier die Aufführung des von Thomas Gabriel komponierten Oratoriums „Simeon." Erzählt wird die biblische Geschichte des greisen Simeon, der im Tempel das Jesus-Kind als Erlöser erkennt Die Aufführung, an der rund 150 Musiker und Sänger mitwirken, beginnt um 20 Uhr in der Auferstehungs- und Urnenkirche Heilig Kreuz an der Tiegelstraße 100. (Foto) Deren Altarraum wird am kommenden Dienstag zur Bühne, auf der der Kirchenmusikdirektor des Ruhrbistums, Stefan Glaser, zwei Chöre, mehrere Solisten, ein Orchester und eine Band dirigieren wird. Eintrittskarten erhält man vor Ort an der Abendkasse für zwölf Euro. Ermäßigte Personen zahlen nur sechs Euro. Pfarrer Manfred von Schwartzenberg versteht das musikalische Großereignis als Geburtstagsgeschenk für die vor einem Jahr eröffnete Urnenkir…

Ein Hauch von alter Burschenherrlichkeit: Verbindungsstudenten feierten im Schloss Broich den 110. Geburtstag der Vereinigung Alter Corpsstudenten

Alte Burschenherrlichkeit. Die verströmt der Festkommers, mit dem die Mülheimer Vereinigung Alter Corpsstudenten an diesem Abend im Rittersaal von Schloss Broich ihren 110. Geburtstag feiert. Bunte Mützen und Bänder, wo man hinschaut. Sie dokumentieren die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Studentenverbindung. Der Präsident der Vereinigung, Heinz Wilhelm Auberg (Foto ben: Mitte), selbst Mitglied der Verbindung Franconia Fribergensis, schätzt, dass die gut 100 Teilnehmer des Festkommers aus 80 verschiedenen Verbindungen kommen. „Bei uns spielen politische oder konfessionelle Unterschiede keine Rolle. Wir arbeiten über alle Grenzen hinweg zusammen", erklärt der Ingenieur aus dem Bergfach den wichtigsten Grundsatz seiner Vereinigung.

Zu ihren Gründern gehörte anno 1900 der Mediziner August Bispinck. Sein Urenkel Edgar D., der selbst Hüttenkunde studiert hat und zur Verbindung Montania Aachen gehört, feiert mit. Obwohl erst 46, gilt der Ingenieur im Jargon der Studentenverbindungen al…

30 Jahre gibt es die Grünen: Ein Interview mit dem Mülheimer Gründungsgrünen Wilhelm Knabe

Wilhelm Knabe (Foto privat) wurde 1923 im Kreis Dresden geboren. Bis 1959 lebte der promovierte Forstwissenschaftler mit seiner Familie in der damaligen DDR, ehe nach Westdeutschland übersiedelte. Seit Mitte der 60er Jahre lebt er in Mülheim, wo der ehemalige Christdemokrat 1979 die Grünen mit ins Leben rief. 1980 gehörte er auch auf Bundesebene zu deren Gründungsvätern. Sowohl auf Bundes- als auf Landesebene fungierte er in den frühen 80er Jahren als Sprecher der Umwelt-Partei. 1987 zog er für die Grünen in den Bundestag ein, dem er aber bis 1990 angehören sollte. In seiner Bonner Parlamentszeit war er unter anderem Mitglied einer Enquete-Kommission zum Schutz der Erdatmosphäre. 1994 wählte ihn eine schwarz-grüne Ratsmehrheit zum Bürgermeister, ein Amt, das er bis 1999 ausüben sollte.

Was wäre in Mülheim ohne die Grünen nicht erreicht worden?
Die Grünen haben bei allen Mülheimern das Bewusstsein hinterlassen, dass hier etwas Wertvolles auf dem Spiele steht, nämlich dass eine Stadt für …

Noten gegen die Not: Junge Musiker wollen mit alten Meistern der Caritas-Stiftung helfen

Hans-Theo Horn (rechts) hat ein Lebensmotto: „Nicht das Beginnen wird belohnt, sondern das Durchhalten.” Der Vorsitzende der Caritas-Stiftung weiß, wovon er spricht. 2007 wurde die Stiftung, die die Arbeit des katholischen Sozialverbandes unterstützen will, aus der Finanznot heraus geboren.


Ihr Stammkapital ist seitdem von 25 000 Euro auf 60 000 Euro angewachsen. „2010 können wir noch weiteres Kapital ansammeln. Ab 2011 müssen wir dann die Kapitalerträge der Stiftung erstmals ausschütten”, erklärt Horn. Das bisher angesammelte Stiftungskapital wurde nicht nur durch Spenden und Zustiftungen, sondern auch durch die Erlöse von inzwischen fünf Benefizkonzerten erwirtschaftet.

Das sechste „Noten-gegen-die-Not-Konzert” wird am 31. Januar um 17 Uhr in der katholischen Stadtkirche St. Mariae Geburt an der Althofstraße 5 über die Bühne gehen. Nach dem Charisma-Chor, den Essener Domsingknaben und den Chören der Folkwang-Universität stellen sich diesmal 25 junge Musiker der Musikschule, darunter a…

Wo Kirche auf Gesellschaft trifft: Das Bistum und sein neuer Bischof luden zum Jahresempfang in die Wolfsburg

Geistige Impulse für das neue Jahr – die sollte es beim Jahresempfang der Katholischen Akademie Die Wolfsburg geben. Deren Leiter, Michael Schlagheck, und Ruhrbischof Franz Josef Overbeck machten mit Blick auf das Kulturhauptstadtjahr deutlich, dass das Ruhrgebiet von der Industrie und auch von der aus christlichen Quellen gespeisten Kultur geprägt wurde. „Wir prägen die Kulturhauptstadt mit”, sagte Schlagheck.


Im Ausblick auf Ruhr-2010-Veranstaltungen in seinem Hause nannte er das mit der Stiftung Mercator und der Landeszentrale für politische Bildung auf drei Jahre angelegte Projekt Jugend-Dialog 2020. Hier treffen sich Jugendliche diverser sozialer, kultureller, ethischer, religiöser und weltanschaulicher Herkunft in der katholischen Akademie, um sich über die Grundlagen eines wertebezogenen Zusammenlebens in unserer Demokratie zu verständigen.
Um die Wertegrundlage unserer Gesellschaft ging es auch Franz Josef Overbeck. Die Arbeit der Wolfsburg selbst sieht er als Ausdruck dafür, da…

Mit Drahtseilen, made in Mülheim, geht es jetzt im Dubai Tower hoch hinaus

Trotz Wirtschafts- und Finanzkrise wurde jetzt mit dem 800 Meter hohen Burj Khalifa in Dubai der größte Wolkenkratzer der Welt gebaut. Als weltweit führender Drahtseilanbieter war auch das in Broich und Speldorf ansässige Drako Drahtseilwerk mit im Geschäft.

Projektpartner war in diesem Fall die Aufzugfirma Otis. Der lieferte Drako Drahtseile mit einer Gesamtlänge von rund 130 000 Metern und einem Gesamtgewicht von rund 165 Tonnen. Die Hochleistungsstahlseile vom Typ Drako 300 T – das bedeutet: Jedes Drahtseil mit einem Durchmesser von 22 Millimetern umschließt 300 Einzeldrähte – zeichnen sich durch eine hohe Biegefestigkeit aus. Sie schaffen die Voraussetzung dafür, dass die Aufzugfahrgäste im Dubai Tower mit einer Geschwindigkeit von bis zu zehn Metern pro Sekunde hoch hinaus und wieder hinunter kommen können.

Produkt- und Vertriebsmanager Lothar Sieber, der zusammen mit seinem Kollegen Stephan Allwermann bei Drako für das Dubai-Projekt zuständig war, gibt sich bei der Frage nach dem …

König Karneval trifft Robin Hood: Eindrücke von einer närrischen Extra-Schicht der MüKaGe in Dümpten

Der Karneval hat viele Vorzüge. Einer besteht darin, dass man sich in der fünften Jahreszeit verkleiden kann und so in eine Rolle schlüpft, die man im richtigen Leben gerne spielen würde. „Was will uns das also sagen” fragt sich der unverkleidete Zeitungsmann von der NRZ, als er am Samstagabend beim „Extra-Närrisch”-Fest der MüKaGe im gleichnamigen Dümptener Autohaus den SPD-Vorsitzenden Frank Esser als König und den CDU-Ratsherren Werner Oesterwind als Robin Hood verkleidet sieht.

In einer Schunkel- und Programmpause befragt, weisen beide Politiker eine programmatische Aussage ihres Kostüms weit von sich. Der SPD-Chef zeigt auf den Umhang, der zusammen mit der Krone sein Kostüm komplett macht und ihn als Karten-König ausweist. Bei Esser steht an diesem Abend nicht nur Karneval, sondern auch eine Skatrunde auf dem Programm. Und da passt sein Königs-Kostüm doppelt gut. Doch eines gesteht er in närrischer Feierlaune dann doch noch: „Wenn meine Partei mir immer wie einem König folgen würd…

Auch das örtliche THW hilft den Helfern auf Haiti

"Das Wichtigste ist jetzt sauberes Wasser", sagt Rainer Wiebels vom Ortsverband des Technischen Hilfswerkes (THW) mit Blick auf die katastrophale Lage der vielen tausend Erdbebenopfer in Haiti. Gerade erst hat er von einer Ärztin vor Ort gehört, die vor drohender Seuchengefahr warnt, weil im Krisengebiet sauberes Wasser fehlt, dass getrunken oder mit dem zum Beispiel die Wunden der Verletzten ausgewaschen werden könnten.

Deshalb schickt das THW Experten für die Aufbereitung von Trinkwasser ins Krisengebiet. Damit die entsprechenden Anlagen vor Ort zum Einsatz kommen können, müssen sie hier zunächst vom Logistikzentrum des THWs in Heiligenhaus zum Auslandslager nach Mainz gebracht werden. Diese Aufgabe hat der Mülheimer Ortsverband des THWs übernommen. Denn seine Fachgruppe „Wasserschäden Pumpen" verfügt über das längste Transportgespann, das das THW in Deutschland zu bieten hat. Lastkraftwagen und Wechselbrückenanhänger bringen zusammen 14 Meter Ladefläche auf die Straße…

Wie die katholische Stadtgemeinde Haiti helfen will: Franz Grave kennt Haiti aus eigener Anschauung und appelliert an unsere Solidarität

Die Bilder vom Erdbeben auf Haiti und seinen zahllosen Opfern haben auch das Seelsorgeteam der Stadtpfarrei St. Mariae Geburt schockiert. Nicht nur Pfarrer Michael Janßen will möglichst schnell helfen und ruft die Mitglieder seiner Gemeinde zu einer großzügigen Spende auf, die am 16. und 17. Januar, jeweils nach den Gottesdiensten bei einer Türkollekte für die Menschen in Haiti gegeben werden kann.

Das Mülheimer Spendengeld soll dem auf Haiti engagierten bischöflichen Hilfswerk Adveniat zugute kommen. Der langjährige Adveniat-Vorsitzende Franz Grave gehört heute zum Seelsorgerteam von Mariae Geburt. Er kennt Haiti aus eigener Anschauung. Dreimal – 1993, 2003 und 2006 – bereiste er das Land, das schon lange vor der aktuellen Naturkatastrophe als das Armenhaus Lateinamerikas galt. Grave erinnert sich „an die radikale Armut der Menschen, die auf der Straße liegt.” Die tieferen Ursachen der Dauer-Misere Haitis erkennt der Alt-Weihbischof in einer Mischung aus ökologischer Verwüstung, mange…

Rückblick: Er war ein echter Spitzenbeamter: Vor 55 Jahren starb Friedrich Freye

„Ich habe nichts gegen Beamte. Die tun ja nichts”, lautet ein im Karneval immer wieder zu hörender Büttenredner-Witz. Nichts ist harteneckiger als Vorurteile, zumal in Zeiten, in denen die Tarifforderung nach Lohnerhöhungen im öffentlichen Dienst auf die öffentliche Haushaltsnot trifft. Es gab und gibt natürlich immer sehr fleißige Beamte, die weit mehr tun als nur ihre Pflicht und deshalb unbezahlbar sind.

Einer von ihnen war Friedrich Freye. Ein Schiff der Weißen Flotte und eine Straße in Saarn tragen heute seinen Namen. Mit dem Namen des Stadtkämmerers und Stadtdirektors, der am 14. Januar 1955 an den Folgen einer Gallen- und Lebererkrankung stirbt, verbindet sich die Planung und Organisation des Wiederaufbaus.

Der Wiederaufbau der vom Krieg zerstörten Infrastruktur verlangte Organisationstalent, Finanzierungsideen und die Fähigkeit, Menschen für diese Mammutaufgabe zu begeistern. Beides brachte Freye mit. Der in Pommern geborene Freye trat 1906 in die Dienste der Stadt Mülheim und l…

Schnee und Eis lassen die mölmschen Jecken kalt, die am Wochenende das Stimmungsthermometer steigen ließen

Eines steht fest. Mülheims Jecken sind keine Weicheier. Trotz Schnee, Eis und Sturm bahnten sie sich am Wochenende den Weg zum Frohsinn. Vielleicht ist der närrische Wille, Spaß an der Freude zu erleben, ja nicht nur in klimatisch unterkühlten Zeiten, besonders unbeugsam.
So feierten 250 Narren am Samstagabend mit der Röhrengarde Silber-Blaz im Handelshof ein volkstümliches Karnevalsfest. Besonders froh war die Vorsitzende und Prgrammleiterin der Röhrengarde, Elli Schott, darüber, dass auch die 40 Gäste aus dem Fliednerdorf wohlbehalten von Selbeck in die Stadtmitte kamen.

Wer die Begeisterungsfähigkeit der behinderten Dorfbewohner kennt, weiß, dass sie wild entschlossen waren, sich vom Wintertief Daisy nicht einen Höhepunkt ihres Jahres verderben zu lassen. Kein Wunder also, dass ausgerechnet ein Cowboy aus dem Fliednerdorf seinen Sitzplatz im hinteren Bereich des Festsaales verließ, um ganz fasziniert und aus nächster Nähe das bunte Programm auf der Bühne zu verfolgen. Am liebsten wär…

Von Mülheim nach Litembo: Vor 50 Jahren ging die Ärztin Irmel Weyer nach Tansania, um dort eine Klinik aufzubauen

Wenn Irmel Weyer von Litembo erzählt, wirkt ihre Stimme unheimlich jung und lebendig. Dann kann man kaum glauben, dass die Ärztin, die im Westen von Tansania eine Urwaldklinik aufgebaut hat, schon 82 Jahre alt sein soll.
Was zog sie vor 50 Jahren ins tiefste Afrika? „Ich wollte immer schon Menschen helfen. Und ich wollte dort hin, wo noch keiner gewesen ist”, beschreibt sie ihre Motivation für ein geradezu abenteuerliches Leben, das sie ganz den Menschen und der Medizin gewidmet hat. Obwohl sie dieses außergewöhnliche Leben auch mit dem Verzicht auf Ehemann und Kinder bezahlt hat, lässt sie keinen Zweifel daran, dass sie alles noch einmal so machen würde, wie sie es gemacht hat.

Aufgewachsen ist Weyer in Stadtmitte und Eppinghofen. Ihre ersten Schuljahre verbrachte sie an der heutigen Martin-von-Tours-Schule. Das Abitur bestand sie 1946 an der Luisenschule, ehe sie zum Medizinstudium nach Regensburg und Passau ging. Dort sollte sie mit den Mission-Benediktinern in Kontakt kommen, die ih…

Selbsthilfe in Sachen Sauberkeit: Ein Beispiel für aktiven Bürgersinn in der Heimaterde

Sauberkeit und möglichst viel unberührte Natur – das wünscht sich wohl jeder Bürger in seinem Wohnumfeld. Doch es geschieht nichts Gutes, außer man tut es. Dieser zeitlos aktuellen Ensicht Erich Kästners folgend, packten jetzt 30 Mitarbeiter der Wohnungsbaufirma Immeo und Anwohner der Neulenshöhe, der Nollendorfstraße, der Buschkante und der Kleiststraße gemeinsam an und krämpelten die Ärmel hoch, um im Heimaterder Siepental zumindest einen Teil der Altlasten abzubauen, die sich dort über Jahrzehnte auf einer wilden Müllkippe angesammelt hatten. Beim dreistündigen Großreinemachen im Siepental, in dem früher zeitweise auch Tagebergbau betrieben worden war, wurde so manches zu Tage gefördert, was am Ende zwei große Müllcontainer (Foto) füllte.
Was da von den fleißigen Heinzelmännchen aus der Heimaterde aufgelesen wurde, reichte vom alten Einkaufswagen bis zum Speisfass, von Blechen, Baumaterialien, Bauschutt, einem alten Grill und Teerpappe bis zu diversen Steinen sowie altem Ast- und St…

Porträt: Norbert Dudek - Ein Pastor, der den richtigen Ton trifft

Es soll Pfarrer und Pastöre geben, die ihrer Gemeinde die Flötentöne beibringen. Davon hält Norbert Dudek, seit fünf Jahren Pastor der Styrumer Gemeinde St. Mariae Rosenkranz, nichts. Der bekennende Schottland-Fan, spielt lieber Dudelsack. Ein Freund, der als Pipe-Major in einer Band spielte, brachte ihn auf den musikalischen Geschmack. Das archaisch anmutende Dudelsackspiel ist für ihn perfekt, um Atemtechnik und Körperspannung zu trainieren. Man guckt und hört hin, wenn der Pastor von Mariae Rosenkranz im Schottenrock und mit Dudelsack bei Gemeinde- oder Stadtteilfesten aufspielt.

„Die einen lieben es. Die anderen hassen es", sagt er lakonisch über seine aus dem kirchenmusikalischen Rahmen herausfallende Leidenschaft. Ob er auch aufspielt oder gar den Ton angibt, wenn seine Gemeinde am kommenden Samstag, 9. Januar, um 18 Uhr zu ihrem Neujahrsempfang in den Union-Saal an der Neustadtstraße einlädt? Wer weiß? Neues anzugehen und auf andere zuzugehen, ist für den 41-jährigen Priest…

So gesehen: Nicht nur zur Neujahrszeit kommt es auf den eignen Kompass an

Wenn das neue Jahr vor der Tür steht, oder, wie jetzt, schon begonnen hat, fragt man sich, wo es wohl lang geht. Das fragt sich Vater nicht nur zum Jahresübergang, sondern auch dann, wenn es zu Tochter, Schwiegersohn und Enkelkindern geht.

Nicht, dass wir mit ihm als Familienchauffeur nicht irgendwann doch ans Ziel gekommen wären. Doch es brauchte seine Zeit, bis Vater die zielführenden Autobahnabfahrten verinnerlicht hatte. Ausgerechnet jetzt, da er sich fahrttechnisch am Ziel sah, bekam er zu Weihnachten einen elektronischen Navigator geschenkt, der ihm den Weg weisen sollte. Er montierte das Gerät im Auto und programmierte Start und Ziel, wie es ihm der technische versierte Schwiegersohn aufgetragen hatte.

Die elektronische Stimme und die schönen bunten Straßeansichten auf dem Display gaben ihm das Gefühl, dass jetzt nichts mehr schief gehen könne, zumindest solange, bis wir plötzlich in einer Sackgasse standen. Der elektronische Wegweiser versprach ihm, die Route neu zu berechnen. D…

Kinder an die Macht: Mülheims närrischer Nachwuchs macht Ernst

Kinder an die Macht" sang eins Herbert Grönemeyer. Die mölmschen Jecken nahmen ihn gestern beim Wort und proklamierten den 14-jährigen Mirko (I.) Schuster und die gleichaltrige Sandy Matuszczak im Dümptener Autohaus Extra zu Mülheims Nachwuchsregenten. Beide kommen, wie ihre Pagen, Rene Reiße (11) und Chiara Driesch (9) aus der Jubiläumsgesellschaft Mülheimer Carnevalclub Rot Weiß von 1959.


Doch ganz im Gegensatz zu Grönemeyers Liedtext: "Gebt den Kindern das Kommando. Sie berechnen nicht, was sie tun," wissen Mülheims Kindertollitäten, die von Gabi und Hermann-Josef Hüßelbeck durch die Session begleitet werden, ganz genau, was sie wollen. Das machten sie in den elf Paragrafen ihres närrischen Regierungsprogramms deutlich. Stilecht gingen die Pagen Rene und Chiara auf roten Samtkissen in die Knie, damit sie den kleinen Tollirtäten bei ihrem ersten großen Auftritt die Proklamationsrolle fürs Ablesen in Augenhöhe vorhalten konnten.
Bürgermeisterin Renate aus der Beek schrie…

Es geschah an einem 3. Januar: Als in Mülheim die erste Zeitung erschien

Sicher. Wir haben heute Internet, Radio und Fernsehen. Doch wie beginnt ein guter Tag? Natürlich mit einem guten Frühstück. Und zu einem guten Frühstück gehört die Zeitungslektüre. Ihre erste Zeitung können die Mülheimer am 3. Januar 1797 lesen. Was sie da auf vier eng bedruckten und bilderlosen Din A-5-Seiten lesen, hat nichts mit Mülheim, sondern nur mit hoher Politik, Diplomatie und Schlachtenlärm zu tun. Lokalberichterstattung? Fehlanzeige. Der Verleger des Blattes, der Buchdrucker Gerhardt Wilhelm Blech, will mit seinem Blatt, wie er schreibt, "dem aufmerksamen Weltenbürger die Begebenheiten unserer tatenreichen Zeit verkündigen."

Das tut er mit Hilfe von Korrespondentenbriefen zweimal pro Woche. Der Mann ist flexibel und wechselt schon nach einer Ausgabe den Titel seiner Zeitung. Aus der Mülheimer Zeitung von Kriegs- und Staatsgeschäften wird in der zweiten Ausgabe vom 6. Januar 1797die Mülheimer Zeitung der neuesten Begebenheiten. Mülheim ist in Sachen Zeitung spät dra…

Aber bitte mit Sahne: Das Stadtcafe Sander am Kohlenkamp feiert seinen 250. Geburtstag

"Aber bitte mit Sahne", sang einst Udo Jürgens. So eine genussvolle Lebenseinstellung ist ganz nach dem Geschmack von Friedhelm Großenbeck uund seiner Frau Anke Holthaus. Das Konditorenehepaar führt das Stadtcafe Sander am Kohlenkamp bereits in der siebten Generation.

Anno 1760, also vor sage und schreibe 250 Jahren eröffnete der Bäcker und Bergmann Georg Sander am Kohlenkamp seine kleine Bäckerei, aus der sein Urenkel August Sander 1868 das Cafe Sander machte. Das Markenzeichen des Cafes am Kohlenkamp, den Baumkuchen, führte Gustav Sander ein, der das Traditionsunternehmen von 1910 bis zu seinem Tode 1950 führte.

Gustav brachte das Familienunternehmen nicht nur kulinarisch, sondern auch technisch voran. Dabei musste er schwere Rück- und Schicksalsschläge verkraften. Im Ersten Weltkrieg musste Sander wegen Rohstoffmangels immer wieder auf Ersatzstofrfe zurückgreifen. Und seine beiden Söhne Gustav und Helmut, die das Konditorenhandwerk erlernt hatten, fielen im Zweiten Weltkrie…