Montag, 4. Januar 2010

Kinder an die Macht: Mülheims närrischer Nachwuchs macht Ernst

Kinder an die Macht" sang eins Herbert Grönemeyer. Die mölmschen Jecken nahmen ihn gestern beim Wort und proklamierten den 14-jährigen Mirko (I.) Schuster und die gleichaltrige Sandy Matuszczak im Dümptener Autohaus Extra zu Mülheims Nachwuchsregenten. Beide kommen, wie ihre Pagen, Rene Reiße (11) und Chiara Driesch (9) aus der Jubiläumsgesellschaft Mülheimer Carnevalclub Rot Weiß von 1959.


Doch ganz im Gegensatz zu Grönemeyers Liedtext: "Gebt den Kindern das Kommando. Sie berechnen nicht, was sie tun," wissen Mülheims Kindertollitäten, die von Gabi und Hermann-Josef Hüßelbeck durch die Session begleitet werden, ganz genau, was sie wollen. Das machten sie in den elf Paragrafen ihres närrischen Regierungsprogramms deutlich. Stilecht gingen die Pagen Rene und Chiara auf roten Samtkissen in die Knie, damit sie den kleinen Tollirtäten bei ihrem ersten großen Auftritt die Proklamationsrolle fürs Ablesen in Augenhöhe vorhalten konnten.
Bürgermeisterin Renate aus der Beek schrieb genau mit, was der Regenten-Nachwuchs von der Stadtspitze erwartet, zum Beispiel, dass bis Rosenmontag alle Mülheimer Straßen tip-top sein und wie neu aussehen sollen oder das alle Mülheimer Kinder an den Tollen Tagen nicht nur hausaufgaben- und schulfrei, sondern auch mehr Taschengeld bekommen sollen. Gut. Letzteres dürfte angesichts des leeren Stadtsäckels eher ein Appell an die elterlich denn an die städtische Regierung gewesen sein.

Direkt angesprochen wurden die Bürgermeisterin, ihr Amtskollege Markus Püll und Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld mit der Tollitäten-Forderung, die Stadtspitze möge sich als Fußgruppe am Rosenmontagszug beteiligen oder sich mit zehn Kilo Kamelle für den Rosenmontagszug freikaufen. "Wir kaufen uns frei und sind trotzdem beim Rosenmontagszug mit dabei", versprach aus der Beek. Auch beim Thema Schul- und Hausaufgabenfrei signalisierte sie den Kindertollitäten Unterstützung aus dem Rathaus. Die Mahnung zum Straßenzustand konterte sie dagegen mit kostenneutralem Humor. "Wenn es Rosenmontag schneit und eine dicke Schneedecke auf den Straßen liegt, sehen sie alle, wie neu auf." Mal sehen, ob diese Rechnung aufgeht oder, wie ein Schneemann in der Sonne dahin schmilzt.
Doch nicht nur der Stadtspitze, sondern auch der Spitze des mölmschen Karnevals gaben die Kindertollitäten Arbeitsaufträge mit auf den Weg in die heiße Phase der Session: Hauptausschuss-Präsident Heiner Janßen darf bei seinen Karnevalsauftritten künftig nicht länger als fünf Minuten sprechen. Einzige Ausnahme soll die Kinderkarnevalsparty im Forum sein, wenn er zusammen mit seinem Geschäftsführer und Vizepräsidenten Hans Klingels eine Büttenrede halten soll, die maximal zehn Minuten lang sein darf.

Und was sollte sich das ganz gemeine närrische Fußvolk aus der Regierungserklärung der Nachwuchsregenten hinter die Ohren schreiben? Vielleicht, dass Randalierer beim Rosenmontagszug nach Aschermittwoch die Bürgersteige fegen müssen und dass die Kindertollitäten bis Aschermittwoch nur noch lachende Gesichter sehen wollen.

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