Dienstag, 12. Januar 2010

Schnee und Eis lassen die mölmschen Jecken kalt, die am Wochenende das Stimmungsthermometer steigen ließen

Eines steht fest. Mülheims Jecken sind keine Weicheier. Trotz Schnee, Eis und Sturm bahnten sie sich am Wochenende den Weg zum Frohsinn. Vielleicht ist der närrische Wille, Spaß an der Freude zu erleben, ja nicht nur in klimatisch unterkühlten Zeiten, besonders unbeugsam.
So feierten 250 Narren am Samstagabend mit der Röhrengarde Silber-Blaz im Handelshof ein volkstümliches Karnevalsfest. Besonders froh war die Vorsitzende und Prgrammleiterin der Röhrengarde, Elli Schott, darüber, dass auch die 40 Gäste aus dem Fliednerdorf wohlbehalten von Selbeck in die Stadtmitte kamen.

Wer die Begeisterungsfähigkeit der behinderten Dorfbewohner kennt, weiß, dass sie wild entschlossen waren, sich vom Wintertief Daisy nicht einen Höhepunkt ihres Jahres verderben zu lassen. Kein Wunder also, dass ausgerechnet ein Cowboy aus dem Fliednerdorf seinen Sitzplatz im hinteren Bereich des Festsaales verließ, um ganz fasziniert und aus nächster Nähe das bunte Programm auf der Bühne zu verfolgen. Am liebsten wäre er wohl gleich mit auf die Bühne gegangen. Was er und die anderen Jecken im Saal dort zu sehen bekamen, ließ zumindest das Stimmungsthermometer steigen. Wirklich schön anzusehen waren der Elan, mit dem der tanzende Nachwuchs der Röhrengarde, mal im klassichen Gardetanz, mal mit einem Showtanz der Marke Samaba Brasil eine flotte Sohle aufs Bühnenparkett legte: „Was wir hier sehen, zeigt, dass wir mit unserer Jugendarbeit richtig liegen”, stellte Sitzungspräseident Jörg Lindner fest. Was auffiel: Bei der Röhrengarde gibt es nicht nur Tanzmariechen, sondern auch mehr als einen Tanzmajor.

Doch neben Tanz, Musik vom Fanfarenzg der KG Düse und Schlagergesang vom Duo Roulette kam bei den silber-blauen Röhrengardisten auch das Lachmuskeltraining nicht zu kurz. Das übernahm zum zum Beispiel Änne aus Dröppellingsen, ein urkomisches Frauenzimmer aus dem Sauerland. „Silber-Blau sind meine Lieblingsfarben. Denn ich habe in meinem Leben schon so maches versilbern müssen und blau war ich auch schon oft”, ließ sie ihr Publikum wissen und hatte schon die ersten Lacher auf ihrer Seite. Die Lacher auf seine Seite zu ziehen, war auch für Bauchredner Ette und seine freche Puppe Lilly: kein Problem: „Muss der Prinz nicht mal eine Saalrunde spendieren...Ich war gestern mit meiner Frau auf einem Trödelmarkt. Und? Bist du sie los geworden.”

Mann amüsierte sich auch gestern im Autohaus Extra, wo mit rund 180 Jecken die zweite Herrensitzung der Roten Funken über die Bühne ging. Und die Herren der Schöpfung bekamen denn auch jede Menge zu sehen, was Männerherzen höher schlagen lässt. Die Funken geizten nicht mit weiblichen Reizen. Die ließen nicht nur die Jecken, sondern auch ihre Hormone in Schunkellaune kommen, etwa, wenn der Funken-Präsident Heino Passmann Durst hatte und Nummern-Girl Blondie ihn nicht auf dem Trockenen sitzen ließ und mit ihren wechselnden Outfits, die mehr zeigten als sie verhüllten, im gekonnten Tanzschritt vorführte, warum Frauen als das schöne Geschlecht gelten.

Schön anzusehen waren aber auch die Gardedamen der Prinzengarde, die mal als Trompetentruppe und dann im farbenfrohen Sommerlook und mit dem Sound der Neuen Deutschen Welle: „Ich will Spaß” die Bühne enterten.
Ein echter Hingucker und Programmhöhepunkt war natürlich auch die Tanzrevue der Ruhrgarde, die als „Menue à la Carte” mit aufregend schönen Frauen in aufregend schönen Kostümen für jeden Geschmack etwas zu bieten hatte und einen Hauch von Pariser Lido ins Dümptener Autohaus zauberte. Worüber Mann besonders staunte, war das rasante Tempo, mit dem Frau immer wieder mit einer neuen Choreografie von Christiane Paffendorf und einem neuen Kostüm bezauberte, eben noch eine flotten Küchenfee und dann schon wieder ein glamouröses Showgirl.

Und was machte Mann auf der Bühne. Da war das vermeintlich starke Geschlecht vor allem für die Lachnummern zuständig. Da war Manni, der Rocker zum Beispiel: „heilfroh, dass ich 1,88 Meter groß bin. Denn der kleine Mann muss doch die Zeche der Finanzkrise zahlen.”
Und das Komödiantenduo Blöd und Blöd deklinierte, passend zum Sonntag, die geistliche Hierarchie durch: „Den Pfarrer nennt man Hochwürden, den Kardinal Eminenz, den Papst Heiliger Vater. Und wenn man so dick ist wie du, sagen die Leute: Ach, du lieber Gott.”

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