Eine elegante Dame geht mit ihrem kleinen Hund über die Schloßstraße. Sie lässt das Wollkneul auf vier Beinen an der langen Leine laufen. Ihr Liebling nutzt die Gunst der Stunde und zieht sein Frauchen in die Richtung eines Mannes mit Bierflasche und Sportkappe, Typ Schwiegermutter-Schreck. Frauchen zieht die Leine an. Doch es ist schon zu spät. Ihr Liebling hat das Ziel seiner Begierde erreicht und lässt sich von dem Mann mit der Bierflasche kraulen, was das Zeug hält. Der Zweibeiner, der schon bessere Tage gesehen hat und der Vierbeiner, der sich einfach pudelwohl fühlt, haben sichtlich Freude an den Streicheleinheiten im Vorbeigehen.
Nur das Frauchen schaut noch etwas skeptisch, ob des plötzlichen Schmusekurses ihres Pfiffis.
Erst nachdem dieser sein Kuschelquantum intus hat, verabschiedet er sich von seiner Zufallsbekanntschaft und Frauchen kann weiter gehen. Eigentlich ist es doch hundsgemein, dass wir Zweibeiner uns von der langen Leine unserer Vorurteile immer wieder vom Wesentlichen abhalten lassen.
Dieser Text erschien am 18. Oktober 2017 in der Neuen Ruhr Zeitung
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