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Wo die Kunst auf die Straße gesetzt wird: Kunst Raus zeigt sich im September in Saarn noch einmal von seiner besten Seite





Im September geht die Saarner Aktion „Kunst raus“ auf die Zielgerade. Am 8. und 17. September kann man sich noch einmal um 19 Uhr und um 17 Uhr fachkundig durch die Freiluftgalerie der elf, 1,50x1,20-Meter großen und plakativen Kunstwerke führen lassen, die 22 Künstler der Gruppe XX+X im Dialog miteinander kreiert haben. Los geht es jeweils an der Saarner Dorfkirche an der Holunderstraße.Schon jetzt sprachen die beteiligten XX+X-Kreativen Peter Flach (46), Markus Schmidt (44) und Pauline Höchter (12) beim Spaziergang über die Saarner Kunstmeile in einem Dialog über die Kunstaktion, die am 25. September um 10 Uhr mit einem musikalischen Gottesdienst in der Dorfkirche ausklingt und über ihre eigene Kunst.










Welche Resonanz hat Kunst Raus bisher gefunden?





Flach: Bei der ersten Führung am 28. Mai hatten wir mindestens 120 Teilnehmer, so viele, wie noch nie zuvor in den letzten 19 Jahren, in denen es Kunst Raus gibt. Natürlich ist der Andrang bei den normalen Werktagsführungen nicht so stark, aber auch diese werden gut angenommen.










Was macht den Reiz von Kunst Raus aus?





Schmidt: Anders, als beim Besuch eines Museums oder einer Galerie, müssen die Menschen keine Hemmschwelle überwinden. Sie können im Vorbeigehen mit Kunst in Kontakt kommen, ohne den Druck zu verspüren, diese bewerten oder sich positionieren zu müssen. Hier kann man flanieren und, wenn man will, sich auch viel Zeit nehmen, um die Kunstwerke auf sich wirken zu lassen.










Birgt die Idee von Kunst Raus nicht auch ein Risiko in sich?





Flach: Wir arbeiten Gott sei Dank mit wetterfesten Farben. Aber wir hatten leider auch schon die eine oder andere Schmiererei oder ein Werbeschild, das zwischenzeitlich vor einem Kunstwerk aufgestellt wurde. Aber damit müssen wir leben, dass man nicht immer so mit unseren Kunstwerken umgeht, wie wir uns das wünschen.





Schmidt: Das schmerzt schon, wenn jemand da was drauf schmiert, woran das eigene Herzblut und die eigene Seele hängt. Auf der anderen Seite bekommt man aber auch viele positive Rückmeldungen und ich habe noch niemanden gehört, der sich nicht mindestens von einem unserer Dialog-Bilder angesprochen gefühlt hätte.










Warum fühlen sich besonders viele Kunst-Raus-Rundgänger gerade von deiner Comic-Collage angesprochen?





Höchter: Ich habe mich einfach für einen Comic entschieden, weil man den gut aufteilen kann. Und ich habe mir besonders ausdrucksstarke Asterix-und-Obelix-Figuren ausgesucht, die lustig aussehen und gut brüllen, damit man ihnen ein Zeichen in ihre Sprechblase malen kann, das mehr ausdrücken kann als Worte. Dafür habe ich mir andere Künstler aus der Gruppe XX+X gesucht.




Wie kommt man so jung, wie du zur Kunst?


Höchter: Es gibt noch jüngere Mitglieder bei XX+X. Mich haben meine Eltern, die selbst auch Künstler sind dort hin geschleppt. Ich bin damit aufgewachsen und arbeite gerne mit Farben. Sicher werde ich auch später weitermalen, die Kunst aber nicht zu meinem Hauptberuf machen.










Wurden die XX+X-Dialog-Kunstwerke für Kunst Raus also nicht nur von Profi-Künstlern geschaffen?





Flach: Wir verstehen uns nicht als eine Gruppe akademischer Maler. Wir wollen keine abgehobenen Künstler sein, sondern alle Generationen und Talente mitnehmen. Das können zum Beispiel freischaffende Künstler und Kunstpädagogen, aber auch kunstschaffende Schüler und Studierende sein. Denn Kunst bedeutet für mich Vielfalt.










Weitere Auskünfte unter Rufnummer:  48 66 54 oder  301 61 38










Dieser Beitrag erschien am 25. August 2011 in NRZ und WAZ

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