Jecken aufgepasst. Die Session ist kurz. Der Rosenmontagszug kommt diesmal schon am 16. Februar, Zwischen 14 und 17 Uhr wird er zwischen Kaiserstraße und Schloßbrücke durch die Innenstadt ziehen. 1000 Aktive, 30 Wagen und 15 Fußgruppen sind mit von der närrischen Partie. Wenn Petrus mit den Narren ist, werden rund 30.000 Menschen zur größten Veranstaltung der Stadt erwartet.
Kaum zu glauben, aber wahr. Während die Mutter aller Rosenmontagszüge schon 1823 durch Köln zogen, erlebten die Mölmschen erst 1958 ihren ersten Rosenmontagszug in der eigenen Stadt. Im Dezember 1957 hatte sich im Hotel Handelshof der Hauptausschuss Groß-Mülheimer Karneval gegründet, um den Mülheimer Rosenmontagszug ins Rollen zu bringen.
Bis dahin konnten mölmsche Jecken nur in den Nachbarstädten Duisburg und Oberhausen am Rosenmontag zum Zug gehen. Auch die 1937 in Saarn gegründete Erste Große Mülheimer Karnevalsgesellschaft MÜKAGE war nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst im Duisburger Rosenmontagszug mit von der närrischen Partie.
Und aus der von 1872 bis 1945 erscheinenden Mülheimer Zeitung wissen wir, das am Mülheimer Hauptbahnhof, der damals noch am Notweg und am Froschenteich, der heutigen Friedrich-Ebert-Straße gelegen war und heute als S-Bahnhof West ein Schattendasein fristet, schon ab 1890 Rosenmontagssonderzüge von der Ruhr an den Rhein fuhren um die Freunde des Frohsinns der Karnevalsumzüge in Düsseldorf und Köln teilhaftig werden zu lassen.
Damals wie heute waren es Sponsoren aus der Mülheimer Wirtschaft, die den Rosenmontagszug, samt Kamelle und Co ins Rollen brachten, weil sie nicht nur närrisch, sondern auch pfiffig waren und die Werbewirksamkeit des Karnevals erkannten, der bis heute Menschen aus unterschiedlichen Generationen und gesellschaftliche Gruppen im Spaß an der Freude vereint. Vor diesem Hintergrund überrascht es auch nicht, dass der erste Mülheimer Stadtprinz, Erich I. (Ibing) der im Rosenmontagszug 1959 mitfuhr, ein Mülheimer Bierbrauer war. Ein Prosit der närrischen Gemütlichkeit. Das lag ebenso in der Natur der Dinge, wie die Tatsache, dass der Mülheimer Rosenmontagszug in den Jahren 1990, 1991, 2016 und 2021 wetter- kriegs- und corona-bedingt ausfallen musste.
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