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12 Uhr in Raadt: Schön und grün, aber was sonst? Manfred Mons lebt seit 40 Jahren gerne in Raadt. Aber der begeisterte Jazz-Musiker sieht und kennt auch die Schwachstellen seines Stadtteiles

Der "Rote Baron" auf dem Flugfeld
in Raadt

Raadt ist einfach schön“, sagt Manfred Mons. Der Bandleader der Ruhr-River-Jazzband und Chef des Mülheimer Jazzclubs lebt seit 1975 in dem ausgesprochen grünen und landschaftlich sehr reizvollen Stadtteil, der mehr als einen Flughafen und den Kunstrasenplatz des Raadter Sportvereins zu bieten hat. Nicht nur Mons, sondern auch seine Nachbarin Ruth Schalkowsky (95) beklagt, dass sie als Raadter bis zum Oppspring ins benachbarte Holthausen fahren müssen, um ihren Einkauf oder einen Arztbesuch erledigen zu können. Das die Straßenbahnlinie 110 jetzt nicht mehr durch Raadt fährt und die Ersatzbuslinie die Leute zum Einkaufen nach Essen und ins Rhein-Ruhr-Zentrum bringt, hält Mons für ebenso kontraproduktiv, wie die für 2016 geplante Schließung der Kita Raadthäuschen. Auch,wenn es mit dem Flughafenrestaurant, der Vereinsgaststätte des SV Raadt, dem traditionsreichen Liebfrauenhof und dem Hofcafé Felchner am Bollenberg gastronomische Leuchttürme gibt, könnte der grüne Stadtteil aus seiner Sicht noch das eine oder andere Ausflugslokal vertragen. Außerdem lässt der Wahl-Raadter keinen Zweifel daran, dass der politisch auf Nulldiät gesetzte Flughafen ohne große Nebenwirkungen und Folgekosten wirtschaftlich besser genutzt werden könnte. Wer den Flughafen heute sieht, kann sich kaum noch vorstellen, dass er in den 1930er Jahren Westdeutschlands größter Flughafen mit diversen Verbindungen ins europäische Ausland war. Und Ruth Schalkowsky, die fast ihr gesamtes Leben in Raadt verbracht hat, bedauert, dass Raadt, trotz vieler Neubauten und Zuzüge, seinen ursprünglichen Siedlungscharakter und den damit verbundenen Zusammenhalt der Nachbarschaften eingebüßt hat. Doch Mons erinnert sich gerne an ein spontanes Fußballturnier beim SV Raadt, mit dessen Erlösen der Verein einen Jungen unterstützte, der bei einem Unfall schwer verletzt worden war 

Hier kommt keine Straßenbahn mehr:
Die Zeppelinstraße auf Höhe
der Horbeckstraße

Stationen & Schlaglichter


In der Christuskirche an der Parsevalstraße, vor deren Turm hier Manfred Mons in die Weite blickt, werden heute nur noch an großen christlichen Festtagen Gottesdienste gefeiert. Außerdem treffen sich hier immer noch regelmäßig Gemeindegruppen.

Schwester Karin und Waltraud Held warten darauf, abgeholt zu werden. Denn auf die Straßenbahn warten sie vergebens. Gerade für Senioren ist die Verkehrsanbindung des Stadtteils, trotz einer neuen Buslinie, ausgesprochen suboptimal.

„Die Zeiten ändern sich immer wieder und die jungen Leute haben ihre ganz eigenen Ideen“, sagt die 95-jährige Ruth Schalkowsky, die seit 1934 in einem alten Müllerhaus an der Windmühlenstraße lebt. Wenige Meter von ihrem Elternhaus, in dem sie heute zusammen mit ihren beiden Töchtern wohnt, stand im Zweiten Weltkrieg ein Hochbunker. In dessen Keller überlebten ihre Eltern am 24. Dezember 1944 einen Bomben-Volltreffer der Royal Air Force.

Das von Marion Niederdorf  geleitete städtische Tierheim an der Horbeckstraße beherbergt zurzeit 19 Hunde, 71 Katzen und 25 Kleintiere, darunter zum Beispiel diverse Hasen, die ein neues Zuhause suchen. Viele ihrer tierischen Gäste haben mit ihren früheren Haltern leider schlechte Erfahrungen gemacht.

Die Tage des in den 1996 eröffnete Foster-Baus an der Parsevalstraße sind gezählt. Vor zwei Jahren war Itellium hier einige Monate ansässig.

Monika Bentgen von der Kita Raadthäuschen öffnet den Besuchern den Gottesdienstraum der Christuskirche, in dem zurzeit das Inventar aus dem Haus Jugendgroschen zwischengelagert ist. Denn dort werden Flüchtlinge untergebracht. Derzeit betreuten sechs Erzieherinnen im Raadthäuschen 43 Kinder.

Diese 1960 von der Siedlergemeinschaft Raadt aufgestellte Gedenktafel erinnert an die Opfer des Luftangriffes, mit die Royal Air Force am 24. Dezember 1944 den als Militärflughafen genutzten Flugplatz Essen/Mülheim zerstören wollte.

Genuss im Grünen: Dafür steht heute der von Maik Wittenberg geführte Liebfrauenhof am Dümpelweg. An 1930 wurden hier erholungsbedürftige Kinder betreut. Die Initiative ging damals unter dem Eindruck der sozialen Folgen der Weltwirtschaftskrise (1929-1932) von Pastor Konrad Jakobs (1874-1931) und der katholischen Pfarrgemeinde St. Mariae Rosenkrannz aus.

Bis zum Anfang der 90er Jahre betrieb Winfried Trabandt (80) an der Windmühlenstraße noch Milch- und Viehwirtschaft. Heute hält er nur noch Hühner.


Dieser Text erschien am 7. Oktober 2015 in der Neuen Ruhr Zeitung

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