Dienstag, 13. Oktober 2015

„Zerbruch kann heilen“ - Wolfgang Reinhardt und seine Frau Denise Uwimana berichten bei den Bibeltagen über ihre Versöhnungs- und Aufbauarbeit in Ruanda


Im Gespräch: Moderator Herbert Großarth
und das Ehepaar Uwimana-Reinhardt.
Der Geist des Herrn ist über mir. Darum, dass mich der Herr gesalbt hat. Er hat mich gesandt, den Elenden zu predigen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, den Gefangenen die Freiheit zu verkünden und den Gebundenen, dass ihnen die Tür geöffnet werde.“ Ein Text aus dem Alten Testament (Jesaia 61 1-5) wird plötzlich ganz aktuell und auch die Seligpreisungen der Bergpredigt (Mt 5 3-16) Jesu: „Selig, die keine Gewalt anwenden, denn sie werden das Land erben. Selig, die keine Gewalt anwenden, denn sie werden das Land erben. Selig, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit, denn sie werden satt werden. Selig die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden“, hört sich plötzlich ganz aktuell an.

Wolfgang Reinhardt und seine aus Ruanda stammende Frau Denise Uwimana berichten bei den Bibeltagen im Altenhof über ihre Aufbau- und Versöhnungsarbeit im ostafrikanischen Land der 1000 Hügel und verbinden das mit einer Bibelarbeit. Er hat lange als Pfarrer im Ruhrgebiet gearbeitet und sie hat als Frau aus dem Volk der Tutsi 1994 den von den Hutus verübten Völkermord überlebt. Denise Uwimana hatte ihren ersten Ehemann während des Völkermordes verloren und Wolfgang Reinhardt kam in den 90er Jahren nach Ruanda, um über die Ursachen und Folgen des Völkermordes zu forschen.

In 100 Tagen wurden eine Million Menschen ermordet“, nennt Reinhardt unglaublichen Zahlen des Genuzids, den die Vereinten Nationen damals nicht verhindern konnten. „Niemand hat Stopp gesagt, auch die Pastöre nicht“, erinnert sich Denise Uwimana. Unglaublich grausam auch, was sie aus dem blutigen Frühjahr 1994 berichtet. 500.000 Frauen wurden vergewaltigt. Viele Mütter mussten zusehen, wie ihre Männer und Kinder brutal gefoltert und ermordet wurden.

Besonders bewegend ist ihr Bericht über eine Witwe, die sich mit dem Mörder ihres Mannes und ihrer Familie ausgesöhnt hat und heute auf seine bedingungslose Unterstützung rechnen kann, wenn sie mit den Witwen und Waisen, die sie bei sich aufgenommen hat, wie in einer neuen Familie zusammenlebt. „Wir sind heute, füreinander, wie Mutter und Sohn und helfen uns gegenseitig, wo wir können“, sagt der der Mörder ihrer Familie. Auch Denise Uwimana hat den Mördern ihres Mannes und ihrer Angehörigen öffentlich vergeben und zusammen mit ihrem heutigen Ehemann den gemeinnützigen Verein Iriba Shalom International („Quelle des Friedens und des Wohlseins für alle Nationen“) ins Leben gerufen. Ihr gemeinsames Ziel: Der Aufbau eines Multifunktionszentrums, das im kommenden Jahr fertiggestellt werden soll. Dort soll ihre schon jetzt geleistete Versöhnungs- und Aufbauarbeit institutionalisiert werden. Es geht ihnen um Seelsorge, um soziale und psychologische Hilfe, um wirtschaftliche Starthilfe durch Kleinkredite und um Bildung durch Schul- und Ausbildungspatenschaften. Deshalb reist das Ehepaar, das heute in Kassel zu Hause ist, nicht nur durch Ruanda, sondern auch durch Deutschland, um Hilfe zu geben und um Hilfe zu bitten.

Woher nehmen Sie die Kraft?“ fragt nicht nur Moderator Herbert Großarth, sondern auch so mancher der rund 400 Zuhörer im Altenhof. Denise Uwimana, die in einer christlichen Familie aufgewachsen und geprägt worden ist, berichtet „von der Kraft des Gebetes“ und von dem Gefühl, „dass Gott mich auch im größten Grauen beschützt hat, damit ich überlebe und berichten kann, was geschehen ist und damit ich Menschen ermutigen kann, sich zu vergeben und zu versöhnen und trotz Tod und Leid an Gott zu glauben und auf ihn vertrauen.“

Ihr Mann Wolfgang Reinhardt kommt in seiner aktuellen Bibelarbeit zu dem Ergebnis: „Zerbruch tut weh. Aber Zerbruch kann auch heilen, weil Versöhnung und Vergebung möglich und notwendig sind, um neue Kräfte des Lebens und der Liebe freizusetzen.“ Für ihn steht fest, dass Ruanda 21 Jahre nach dem Völkermord auch für aktuelle Krisen- und Kriegsgebiete der Welt zum Vorbild werden kann. (Thomas Emons)

INFO: Wer die Arbeit von Iriba Shalom International unterstützen oder mehr darüber erfahren möchte, erreicht Denise Uwimana-Reinhardt (Heinrich-Schütz-Allee 287) in 34134 Kassel unter der Rufnummer 0561-45007310 oder per E-Mail an: sakinadenise@gmx.de

Dieser Text erschien am 3. Oktober 2015 im Neuen Ruhrwort

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen