Samstag, 9. Juli 2016

Leckeres vom Land: Ein Ernte-Besuch beim Landwirt Jochen Unterhandsberg vom Buchholzhof

Wo, bitte, ist der Spargel? Statt weißer Stangen sieht man an diesem Nachmittag auf den Feldern von Birgit und Jochen Unterhansberg nur 180 bis 200 Meter lange Erdhügel, die mit Folien überdeckt sind.

„Wir haben heute schon einiges an Spargel gestochen. Aber wir haben frühen, mittleren und späten Spargel, der in unterschiedlichen Intervallen wächst und deshalb mit zwei Folien warmgehalten werden muss“, erklärt der 54-jährige Landwirt.

Wenn Jochen Unterhansberg „wir“ sagt, meint er seine Frau Birgit, seine beiden landwirtschaftlich ausgebildeten Töchter Anne (25) und Lea (23), die Mitarbeiter seines Hofladens und seine zehn bis zwölf Erntehelfer. Deutsche Erntehelfer, die zwischen sechs Uhr morgens und 16 Uhr nachmittags Spargel stechen oder auch Erdbeeren pflücken, sucht man nicht nur auf den Feldern der seit 1848 in Raadt und Kettwig ansässigen Familie Unterhansberg vergeblich.

„Für Deutsche ist die körperlich anstrengende und zeitlich auf drei Monate befristete Arbeit nicht attraktiv, weil ihnen von ihrem Bruttolohn noch Sozialabgaben abgezogen werden und sie so am Ende bei einem Netto-Stundenlohn von 5,90 Euro landen. Aber die polnischen Erntehelfer, die meisten von ihnen sind Hausfrauen oder Rentner, verdienen hier etwa doppelt so viel wie in ihrer Heimat“, weiß Jochen Unterhansberg. Auch wenn der Stundenlohn seiner Erntehelfer 2017 auf 8,50 Euro steigen wird, sieht er schon jetzt die Tendenz, dass sich die polnischen und deutschen Löhne immer mehr angleichen, so dass künftig auch weniger Helfer aus Polen zur Ernte nach Deutschland kommen. „Vielleicht werden wir dann langfristig Erntehelfer aus Rumänien bekommen, die hier ein Vielfaches von dem verdienen können, was sie in ihrer Heimat erhalten würden“, vermutet der Familienunternehmer.

An einer etwas krummen Spargelstange, die aus einem der 50 Zentimeter hohen Erdwälle schaut, führt Unterhansberg vor, wie gezielt und mit wie viel Fingerspitzengefühl man den Spargel stechen muss, um nicht die in etwa 35 Zentimeter Tiefe sitzende Wurzel oder die noch nicht reifen Nachbar-Spargel-Stangen zu verletzen.

„Unser Spargel wächst in einem Lehm-Ton-Boden. Dieser Boden hat den Vorteil, dass er Feuchtigkeit gut speichern kann. Das hat aber auch den Nachteil, dass die im Erdreich wachsenden Stangen nicht so schnell die Wärme bekommen, die sie für ein optimales Wachstum eigentlich brauchen“, erklärt Unterhansberg die Ausgangslage bei der Spargelernte.

Vor allem, wenn die Nachttemperaturen noch an die Frostgrenze heranreichen, sind die doppelten Folien, die wie ein Treibhaus wirken, für den Spargel überlebenswichtig. Auf der anderen Seite müssen die Erntehelfer mit einer sogenannten Spargelspinne dafür sorgen, dass die Folien rechtzeitig angehoben werden, um den reifen Spargel aus der Erde zu holen. „Denn wenn dem Spargel unter der Folie zu heiß wird, verfärbt er sich violett und hat nicht mehr die strahlend weiße Farbe, die die Kunden haben wollen, auch wenn der violette Spargel nicht schlechter schmeckt als der weiße“, betont Unterhansberg.

Spargel, Erdbeeren, Kürbisse und Getreide baut Unterhansberg auf insgesamt 70 Hektar an. Außerdem legen rund 8000 Hühner für ihn Eier. Seine Produkte und die befreundeter Partnerbetriebe aus der Region vermarktet der Landwirt nicht im Supermarkt, sondern im eigenen Hofladen, der wie ein zu groß geratendes Blockhaus wirkt und ein ganz eigenes Flair hat. Mitten zwischen den Holzregalen lädt eine Sitzgruppe zum Verweilen ein. Kaffee und Kuchen sind nicht weit. „Für den Großhandel sind wir Ruhrstadtbauern zu klein, denn für ihn zählen nur Masse und ein möglichst niedriger Preis, von dem wir nicht leben könnten. Wir sind auf Kunden angewiesen, für die nicht der Preis, sondern die Qualität und der Geschmack des Produktes wichtig sind“, erklärt Jochen Unterhansberg. Daher setzt er wie fast alle Kollegen aus der Region auf Direktvermarktung. Dass aus dem kleinen Verkaufsstand, mit dem seine Eltern in den frühen 1960er-Jahren an der Meisenburgstraße begannen, inzwischen ein großer und gut frequentierter Hofladen geworden ist, beweist den Erfolg seines Konzeptes. Und wer den weiten Weg zur Raadter Stadtgrenze scheut, dem kommt Unterhansberg mit einem Verkaufsstand im Forum entgegen.

Zitat: Wir leben von Kunden, denen es vor allem um Qualität und Geschmack geht. Jochen Unterhansberg, Landwirt


Dieser Text erschien am 3. Mai 2016 in der NRZ/WAZ-Sonderbeilage

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